ZVV: Sicherheitskräfte statt Zugbegleiter

von Andreas Hobi am 2. September 2010 · 18 Kommentare

Die Welt verändert sich. Sie ist nicht mehr so friedlich, wie früher. Es gibt immer wieder Tätlichkeiten gegenüber Zugbegleitern. Deshalb trifft man in den Zügen ab und zu auf Sicherheitskräfte. Diesen Dienst will der ZVV nun ausbauen.

(Foto: SBB)

Ich bin im Depot Chur stationiert. Deshalb habe ich das Glück, nicht ganz so oft mit gewalttätigen Fahrgästen konfrontiert zu werden wie zum Beispiel meine Zürcher Kolleginnen und Kollegen. Aber auch mir sind diese schwierigen Fahrgäste nicht unbekannt.

Sturheit und Gewalt

Fahrgäste, die nicht oder nicht sofort bezahlen wollen, sind das eine. Manchmal führe ich Diskussionen, die sehr lange dauern, bis ich jemanden dann doch zum Zahlen überreden kann. Vor allem bei Menschen aus Kulturen, in denen man üblicherweise immer um Preise feilscht, merke ich es stark. Die wollen ihre Preise am liebsten selbst festlegen. “Für Zürich – Bern? Da bezahle ich maximal 8 Franken, mehr nicht!”

Diese sturen Fahrgäste sind das Eine. Völlig anders schaut es bei Reisenden aus, die zur Gewalt neigen. Die SBB rät uns, sich in solchen Situationen sofort zurück zu ziehen und den Schwarzfahrer gehen zu lassen. Gratis, versteht sich. Denn der Selbstschutz steht über allem und die SBB kostet es mehr, wenn ein Mitarbeiter für ein paar Tage krankheitsbedingt ausfällt, als wenn sie auf die Einnahmen eines Billettes verzichten muss.

Manche kennen ihre Rechte ganz gut…

Kürzlich hatte ich sogar einen Fahrgast, der weder in die eine, noch in die andere Kategorie fällt. Der sass da in einem Viererabteil und machte rasch klar, wie die Sache seiner Meinung nach ablaufen soll. Sinngemäss wurde ich in etwa so begrüsst:

“Grüezi Herr Kondukteur. Ich kenne meine Rechte und auch ihre. Sie dürfen mich weder anfassen noch dürfen sie mich nach einem Ausweis durchsuchen. Ich habe zwar Geld und einen Ausweis dabei, aber kein Billett. Brauche ich auch nicht. Denn ich fahre nur zwei Stationen weit. So rasch können Sie keine Polizei herbeirufen. Und sie dürfen mich nicht daran hindern, in Pfäffikon auszusteigen. Ich fahre also gratis; und sie können nichts dagegen machen. Es macht keinen Sinn, mit mir darüber zu diskutieren, gehen Sie einfach weiter und kontrollieren Sie die Fahrgäste, welche so dumm sind und ein Billett lösen. Auf Wiedersehen!”

Auf meinem Zug befanden sich an diesem Sonntagmorgen zwei Securitas-Mitarbeiter. Doch auch diese haben dürfen den Schwarzfahrer nicht wirklich anfassen, solange er nicht gewalttätig wird oder uns bedroht. Durchsuchen dürfen sie ihn auch nicht ohne sein Einverständnis. Das darf nur die Bahnpolizei / Transportpolizei. Diese dürften ihn übrigens auch bis zum Eintreffen der Kantons- oder Stadtpolizei vorübergehend festhalten. Doch die Securitas darf das nicht. Die ist nur dafür da, uns (das Zugpersonal) im Falle einer Tätlichkeit zu schützen. Die Securitas ist also sozusagen unser Personenschutz.

Und so mussten wir den gratis fahrenden Herrn aussteigen lassen. Auch dass wir zu dritt vor ihm standen, beeindruckte ihn nicht.

… Andere haben kaum Rechte

Tatsächlich ist es so, dass die SBB uns sehr wenige Rechte gibt. Wir müssen die Fahrgäste springen lassen, wenn sie nicht bezahlen. Festhalten dürfen wir sie nicht. Wir können immer nur darauf hoffen, dass die Leute freiwillig bezahlen oder dass wir rechtzeitig die Polizei auf dem Zug haben. Ab unserem Anruf dauert das aber meistens zwölf bis zwanzig Minuten. Leider.

(Sollte die Polizei aber rechtzeitig auf dem Zug sein und ich dadurch die Personalien des Schwarzfahrer doch noch feststellen können, wird es für ihn verdammt teuer. Und die Geschichte landet beim Rechtsdienst, was auch unangenehm sein kann. Es ist also günstiger, die Personalien freiwillig anzugeben. Und die meisten meiner Fahrgäste lassen sich mit dieser Argumentation von mir überzeugen.)

ZVV hat genug

Der Zürcher Verkehrsverbund ZVV ist sich dieses Problems bewusst. Und deshalb will der ZVV die Zugbegleitung ab Januar 2011 anders organisieren. Er schafft eine neue Sicherheitsorganisation für Bus und Bahn. Damit will er den gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung tragen.

Das Zugpersonal habe nicht die notwendigen Kompetenzen, um die Billettkontrolle sinnvoll durchzuführen, sagt der ZVV. Mein oben stehendes Beispiel zeigt dies sehr deutlich. Und der ZVV kann uns nicht einfach entsprechende Kompetenzen verpassen; denn wir sind ja nicht beim ZVV, sondern bei der SBB angestellt…

“Es gibt Zugchefs oder Buschauffeure, die in solchen Situationen lieber auf Kontrollen verzichten, als es zu einer Eskalation kommen zu lassen.”
Franz Kagerbauer, Chef des ZVV, im Tagesanzeiger

Oder anders gesagt: Der ZVV ist unzufrieden mit der Billettkontrolle und hat gemerkt, dass die Mitarbeiter der SBB zu wenig Rechte haben. Deshalb müssen jetzt andere ran, die von ihrem Arbeitgeber besser “mit Rechten ausgestattet” sind: Private Sicherheitskräfte. Nicht auszuschliessen, dass sich das wieder ändert, wenn das SBB-Personal mehr zu sagen hat und nicht mehr einfach darauf hoffen muss, dass die Schwarzfahrer freiwillig zahlen oder freiwillig ihre Personalien angeben oder die Polizei rechtzeitig vor Ort ist.

Neu wird es im ZVV einen speziell ausgebildeten Sicherheitsdienst, Präventionsassistenten und entsprechendes Kontrollpersonal geben. Die bisherige durchgehende Zugbegleitung aller S-Bahn-Züge nach 21 Uhr wird dafür abgeschafft.

Im TagesAnzeiger beschreibt der ZVV die Änderungen an einem konkreten Beispiel:

Statt eine Zweierpatrouille in der leeren S 29 spätabends durchs Weinland rattern zu lassen, steigt die Patrouille in Winterthur aus. Dafür wird eine S 12 zwischen Zürich und Dietikon bei Bedarf von acht Sicherheitskräften kontrolliert.
TagesAnzeiger Online, 1. September 2010

In Zukunft werden nicht mehr einfach zwei, drei S-Bahn-Zugbegleiter die Kontrollen durchführen, sondern ein Team zusammengesetzt aus S-Bahn-Zugbegleitern, Sicherheitsleuten und je nach Situation auch Transportpolizei. Vorallem auf den problematischen Linien S3, S5, S9 und S12 dürfte es inskünftig zu schärferen Kontrollen kommen. Und so sieht das Sicherheitskonzept des ZVV in Zukunft aus:

  • Transportpolizei: 85 ausgebildete Polizisten in blauen Uniformen mit gelbem Gilet, Handschellen, Schlagstock, Pfefferspray und der Kompetenz, Personen vorläufig festzunehmen.
  • Sicherheitsdienst: 250 ausgebildete Securitas-Mitarbeiter in blauen Uniformen, die für Ruhe und Ordnung sorgen, aber unbewaffnet sind. Sie treten tagsüber in Zweier-, nachts in Vierer- oder Sechserpatrouillen auf.
  • Ticketkontrolleure: 140 SBB-Angestellte, die zu viert oder zu acht stichprobenweise Tickets kontrollieren. Sie sind per Handy mit Transportpolizei und Sicherheitsdienst verbunden.
  • Präventionsassistenten: 30 Angestellte der Transportpolizei in violetten Gilets suchen früh mit Gesprächen den Kontakt zu Problemgruppen.

Gemäss der Eisenbahnergewerkschaft SEV werden dadurch einige SBB-Mitarbeiter ihren bisherigen Job nicht mehr ausüben können. An ihre Stelle treten nun die oben beschriebenen Sicherheitskräfte. Die SBB ist aber darum bemüht, für diese Mitarbeiter entsprechende Lösungen zu suchen. Meine Vermutung: Sie kommen nach einer Weiterbildung zu uns Fernverkehrs-Zugbegleitern, was mich natürlich sehr freuen würde.

Mein Fazit

Ich finde es toll, dass der ZVV etwas für mehr Sicherheit auf den S-Bahnen unternimmt. Die Fahrgäste dürfen sich in Zukunft sicherer fühlen.

Gleichzeitig bedauere ich, dass dadurch einige Kolleginnen und Kollegen ihren bisherigen Arbeitsplatz verlieren und sich umorientieren müssen. Glücklicherweise hilft ihnen die SBB und verspricht, dass es zu keinen Entlassungen kommt. Die Mitarbeiter finden also innerhalb des Unternehmens eine andere Stelle.

Die Aufteilung in Transportpolizei, Sicherheitsdienst und Präventionsassistenten begrüsse ich. Für letztere durfte die SBB ja in Zusammenhang mit dem Projekt RailFair sehr gute Erfahrungen machen.

Last but not least: Ich hoffe, dass die SBB uns in Zukunft die Möglichkeit geben wird, auch solche Leute dingfest zu machen, die “ihre Rechte ganz gut kennen”. Denn für mich als Zugbegleiter ist es ganz schön peinlich, wenn dann rund um diesen Fahrgast herum Leute sitzen, die für ihre Fahrt bezahlt haben.

(Gleichzeitig muss ich natürlich auch gestehen, dass solche Fahrgäste sehr, sehr selten vorkommen. Noch! Es betrifft vielleicht einen unter 10’000. Denn die meisten lassen sich durch gute “Argumente” und entsprechendes Auftreten zum Zahlen überreden.)

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Interessante Zahlen zum Halbjahresergebnis der SBB

von Andreas Hobi am 1. September 2010 · 3 Kommentare

Vielleicht habt ihr die aktuellen Halbjahreszahlen der SBB schon vernommen. In diesen Minuten werden sie in den Medien publiziert. 3 Prozent mehr Reisende, 4.1 Prozent mehr Personenkilometer, etc. Heute will ich mal nicht auf diese Zahlen eingehen (die anderen Medien werden diesen Part bestimmt übernehmen), sondern einfach zwei, drei – im Grunde genommen sinnlose – Überlegungen machen.

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(Foto: SBB)

Würden wir alle 166.3 Millionen Reisenden des ersten Halbjahres 2010 in einen acht Wagen langen Doppelstock-Intercity mit Bistro setzen (233 plus 528 Plätze), dann bräuchten wir dafür 218’528 Züge. Zusammen wären die Züge inklusive Lok sage und schreibe rund 51’616 Kilometer lang! Das ist fast zweimal die Grenzlänge der USA (32’143 Kilometer) und fast 28 Mal die Grenzlänge der Schweiz (1’858 Kilometer). Das Schienennetz der SBB (3’011 Kilometer) könnte man mit diesen Zügen 17 Mal “füllen”.

Diese Reisenden legten zusammen eine Strecke von 8’505 Millionen Kilometern zurück. Also in einem halben Jahr 212’625 Mal um die Erde. Oder täglich 1’165 Mal um die Erde. Eine beeindruckende Zahl!

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Hat eine überstürzte Handlung deinerseits schon einmal zu einem positiven Verlauf einer Geschichte geführt? Was mich betrifft, lautet die Antwort: Nur selten. Deshalb ist es wichtig, dass wir in Sachen “Engpass zwischen Winterthur und Zürich” nichts überstürzen.

Am Wochenende schrieb mir ein Leser per Email:

Als Stimmbürger des Kanton Zürich, der nur das beste für den ÖV in der Schweiz will, würde es mich wundernehmen was du und die SBB von der Initiative schienen-fuer-zuerich.ch haltet? Aus dem nachfolgenden Tages Anzeiger Artikel lese ich, dass die SBB den Ausbau auf 4 Spuren gar nicht unbedingt will? Was lege ich nun also am besten in die Urne um der SBB etwas guten zu tun?

Ich würde es super spannend finden in den nächsten Tagen etwas darüber auf schweizweit.net zu lesen.

Ehrlich gesagt habe ich mich lange gar nicht wirklich mit der Initiative beschäftigt. Ich wohne ja nicht in Zürich, stimme demnach nicht ab und wenn die SBB, der Kantonsrat und der Regierungsrat der Meinung sind, die Initiative sei abzulehnen, dann hat das wohl seine Gründe, so dachte ich.

Inzwischen habe ich mich aber doch schlau(er) gemacht und mir eine Meinung gebildet. Ich muss sagen: Die Initiative des VCS hört sich super an! Doch was bedeutet das für die Zürcherinnen und Zürcher, für die Pendlerinnen und Pendler, für uns alle? Darauf möchte ich in diesem Artikel näher eingehen.

Zürich: Die endlose Baustelle

Findet ihr nicht auch, dass der öffentliche Verkehr im Kanton Zürich eine endlose Baustelle ist? An allen Ecken und Kanten wird gebaut, was das Zeug hält. Kein Wunder: Wenn der öV im Kanton so stark und rasch wächst, kommen die Polierer, die Maurer, die Bagger- und Kranfahrer kaum nach mit ihrer Arbeit.

Kaum ist ein Projekt fertig gebaut, gibt es an einem anderen Ort noch mehr Menschen, die gerne Zug fahren möchten und dafür eine funktionierende, den Menschenmassen angepasste Infrastruktur erwarten. Also wird gebaut. Und gebaut. Und noch viel mehr gebaut!

Winterthur – Effretikon: Einer der grössten Engpässe

Zwei Spuren gibt es zwischen Winterthur und Effretikon. Lächerliche zwei Spuren für Millionen von Fahrgästen jedes Jahr. Ihr seid doch sicher mit mir einverstanden, wenn ich sage: Das muss geändert werden!

Doch auch wenn dringender Handlungsbedarf besteht: Überstürzen dürfen wir nichts. Bei mir kommt so etwas selten gut raus. Lieber noch einmal darüber schlafen und sich Gedanken machen.

Die VCS-Initiative tönt super…

Zwischen Effretikon und Winterthur befindet sich der gesamte Ost-West-Verkehr und die Zürcher S-Bahn auf einer einzigen Doppelspur. Die bisher geplanten, punktuellen Massnahmen genügen laut VCS nicht, um diesen Engpass zu beseitigen. Der VCS Zürich hat deshalb eine Volksinitiative lanciert, die einerseits eine Vorfinanzierung der dringend nötigen Beschleunigungsmassnahmen vorsieht, andererseits aber auch eine zweite Doppelspur zwischen Effretikon und Winterthur bringt. Der geforderte Rahmenkredit umfasst 300 Millionen Franken, die teilweise durch Beiträge des Bundes wieder rückvergütet werden. Rund 220 Millionen Franken hat der Bund schon für Streckenausbauten gesprochen.

… aber sie hat auch einige Schwachpunkte

Die Gegner der Initiative bringen diverse Kontra-Punkte ins Spiel.

  1. Den Ausbau der Bahnstrecke Zürich – Winterthur muss grundsätzlich der Bund finanzieren. Die Initiative würden den Bund von dieser Pflicht entlasten.
  2. Der Kanton Zürich wird zur Vor- und Mitfinanzierung gezwungen, selbst wenn der Bund nachträglich einen Teil zurückerstattet.
  3. Der Bund anerkennt seine Pflicht, den Ausbau der nationalen Verkehrsachse Zürich – Winterthur zu finanzieren: Er hat bereits 435 Millionen Franken für den Ausbau der Strecke Zürich – Winterthur gesprochen und prüft weitere Investitionen in der Vorlage Bahn 2030.
  4. Bis 2018 werden die zeitlich dringlichen Ausbauten durch Bundesprojekte und die 4. Teilergänzungen verwirklicht. In diesem Umfang werden die Anliegen der Initiative bereits erfüllt.
  5. Der verbleibende Ausbau des Streckenabschnittes Effretikon – Tössmühle auf vier Gleise ist für den Fahrplan 2018 nicht notwendig. Weiter gehende Ausbauten können auch später noch erfolgen.
  6. Die Umsetzung der Initiative ist wegen der notwendigen Baubewilligungen mit hohen Projektrisiken behaftet.
  7. Die Annahme der Initiative wäre ein Variantenentscheid für den oberirdischen Ausbau. Der spätere Bau des Brüttenertunnels würde damit verhindert.

Fazit

Sowohl für die Pro-, als auch für die Kontra-Argumente habe ich mich der Argumente auf den entsprechenden Webseiten der beiden Lager bedient.

Nachdem ich nun die verschiedenen Argumente auflistete kommen wir zu dem Teil, der meiner persönlichen Meinung entspricht.

Der Bund, das BAV, die SBB, der Verband öffentlicher Verkehr und zahlreiche weitere Institutionen haben sich in der Vergangenheit sehr intensiv und stark mit der Weiterentwicklung des Schweizer Schienennetzes befasst.

Sie sind zum Schluss gekommen, dass ein ständiger Aus- und Neubau notwendig ist. In Zukunft werden immer wieder Strecken ausgebaut und vereinzelt wird es mit Sicherheit auch zu Neubauten kommen.

Auch für das Nadelöhr zwischen Winterthur und Effretikon haben sie einen Fahrplan erstellt. Denn diese Strecke ist eine der wichtigsten Verkehrsachsen der Schweiz. Der Bedarf nach mehr Kapazität auf dieser Linie ist unbestritten.

In meinen Augen macht es keinen Sinn, diese sorgfältige und überlegte Planung nun einfach über den Haufen zu werfen. Die Initiative des VCS ist nicht zu Ende gedacht, davon bin ich überzeugt. So ist zum Beispiel die Fertigstellung per 2015 nicht realistisch. Der Zeitplan ist viel zu knapp. Ausserdem kann niemand wirklich garantieren, dass der Bund das Geld dann auch tatsächlich innert angemessener Frist zurück zahlt. Die VCS-Initiative beschränkt sich nicht auf eine Vorfinanzierung. Sie sieht vielmehr eine Vollfinanzierung oder zumindest eine Mitfinanzierung durch den Kanton Zürich vor.

Das Anliegen nach mehr Sitzplätzen in der S-Bahn ist absolut berechtigt! Da seid ihr doch sicher meiner Meinung. Allerdings ist der Ausbau der nationalen Ost-West-Achse und damit der Bahnstrecke Winterthur – Zürich die Aufgabe des Bundes. Und dieser hat bereits Investitionen in der Höhe von 435 Millionen Franken zwischen Zürich und Winterthur beschlossen, die bis 2018 umgesetzt werden. Die Strecke ist sowohl im Rahmen des Anschlusses an den Hochgeschwindigkeitsverkehr wie auch im ZEB-Beschluss (zukünftige Entwicklung Bahninfrastruktur) aufgeführt. Und danach steht neben weiteren oberirdischen Aus- und Weiterbauten auch der Bau des Brüttenertunnels zur Diskussion.

Nach den Plänen des Bundes werden die Kapazitätsengpässe auf der Strecke Zürich – Winterthur ab 2018 weitgehend beseitigt sein. Die Fahrgäste werden ab diesem Zeitpunkt vor allem vom integralen Viertelstundentakt der S11 und S12, von einer deutlich schnelleren S8 sowie von zusätzlichen Fernverkehrszügen profitieren. Auch die Regionallinien erhalten eine Aufwertung: So erhält zum Beispiel das Tösstal ab 2018 den durchgehenden Halbstundentakt.

Wenn die Zürcher Stimmfähigen die Initiative annehmen, vertun sie sich die Chance, sowohl den Brüttenertunnel als auch einen Ausbau der Strecke Hürlistein – Effretikon – Winterthur auf grösstenteils vier Spuren zu erhalten. Der Brüttenertunnel wäre dann so gut wie gestrichen. Darunter zu leiden hätten vor allem auch die Zürcherinnen und Zürcher.

Die Situation für die Fahrgäste zwischen Zürich und Winterthur wird sich auch ohne Annahme der Initiative bereits ab 2018 spürbar verbessern.

Wir wollen keinen überstürzten Ausbau auf vier Spuren, sondern einen zukunftsgerichteten, wohlüberlegten Ausbau der Strecke zwischen Zürich und Winterthur. So ist gewährleistet, dass die Fahrgäste nicht nur nach 2018, sondern auch in den darauf folgenden Jahrzehnten immer wieder von Verbesserungen des Schienennetzes profitieren können. Denn auch nach 2018 werden von Jahr zu Jahr mehr Reisende unterwegs sein.

Und was sagt die SBB zu der Initiative?

“Wenn die ganze Strecke zwischen Zürich und Winterthur betrachtet wird und alle Anforderungen einbezogen werden, so ist der Streckenausbau mit einem Brüttener Tunnel oder mit einer offenen Streckenführung in etwa gleich teuer.”

Dies sind die Worte von Philippe Gauderon, Leiter Infrastruktur und Mitglied der SBB-Chefetage. Gegenüber Vertretern der Städteallianz öffentlicher Verkehr stellte er sich gegen die Initiative.

Damit wird ein wichtiges Argument der Befürworter deutlich entkräftet. Diese behaupten nämlich, dass ihre Variante deutlich günstiger sei. Dies scheint also nicht zu stimmen. Eine Begründung dafür liefert der Winterthurer Stadtrat Matthias Gfeller im Landboten: “Die Initianten unterschätzen die Schwierigkeit des Vierspurausbaus gewaltig.” Damit auf der kurvigen Strecke schnell gefahren werden könne, seien komplizierte Ausbauten nötig. Beim Bahnhof Kemptthal beispielsweise seien die Pfeiler der Autobahnbrücke so eng beieinander, dass die Linienführung schwierig sei. Die jetzt bestehende Holzverladestelle müsste an neuem Ort wieder errichtet, eventuell auch die Kläranlage der Maggi-Fabrik verschoben werden. “Am Schluss sind so viele Kunstbauten nötig, dass ein oberirdischer Ausbau sehr teuer wird.”

Die Meinung der Betroffenen

Auch die Stadtregierungen von Illnau-Effretikon und Winterthur sowie der Verein zur Förderung des öffentlichen Verkehrs im Kanton Zürich lehnen die VCS-Initiative klar ab.

Der Stadtpräsident von Illnau-Effretikon, Martin Graf (Grüne), bezeichnete den Vorstoss im TagesAnzeiger als Kuckucksei für den Kanton und glaubt nicht, dass mit den Ideen hinter der Initiative eine Entflechtung des Personen- und Güterverkehrs stattfinden würde.

Eine langfristige Kapazitätserhöhung müsse die Effizienz auf der Strecke erhöhen, die hohen Risiken für Kollisionen mindern und die Emissionen senken, so Graf. Zudem fordert er höhere Geschwindigkeiten auf der Schiene und für die SBB eine störungsfreie Alternativroute.

Die VCS-Initiative anzunehmen, ist, wie wenn sich Zürich eine eigene Luftwaffe zulegen würde.
Martin Graf, Stadtpräsident Illnau-Effretikon

Graf bezeichnet eine Vorfinanzierung, wie sie die Initiative vorsieht, als “dümmste Lösung überhaupt”.

Seid ihr eher für oder gegen die VCS-Initiative? In dieser Umfrage könnt ihr eure Stimme abgeben und danach in den Kommentaren begründen, weshalb ihr dafür oder dagegen seid:


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Wochenrückblick

von Andreas Hobi am 30. August 2010 · Kein Kommentar

Video der Woche

ECO vom 23.08.2010

Siehe auch: Sika, der (noch) unbekannte Riese

Zitat der Woche

Journalist überrascht, dass Kirche mit modernen Kommunikationsmitteln arbeitet. Kirche überrascht, dass Journis damit nicht arbeiten.

Aus einem Tweet von Abt Martin Werlen, Einsiedeln

Meldungen aus dem öffentlichen Verkehr

Schweizweit

Weltweit

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Grenzkontrolle im Interregio: Was soll das?

von Andreas Hobi am 26. August 2010 · 13 Kommentare

Sowohl auf der Strecke vom Hauptbahnhof Zürich nach Schaffhausen, aber auch vom HB nach Basel kommt es immer wieder vor, dass auf meinen Zügen auch Grenzwächter mitreisen und die Fahrgäste kontrollieren.

Da die Grenzwächter jeweils nur wenige, ganz bestimmte Personen “herauspicken”, kommen sie meistens rascher voran als ich. Kaum haben die Grenzwächter den Wagen dann verlassen, kommen die Fragen der Fahrgäste.

“Sie Herr Kondukteur, was soll denn das??? Grenzkontrolle innerhalb der Schweiz???”

Ja. Grenzkontrolle. Innerhalb der Schweiz.

Das Stimmvolk war ja so deppert und hat damals den Schengenvertrag angenommen.

Dass ich persönlich “eher wenig” vom Schengener System, der EU und anderer Fremdbestimmung halte, ist den meisten inzwischen wohl bekannt. :)

Im Zug hingegen lasse ich mir davon nichts anmerken. Die SBB ist ja schliesslich politisch neutral.

Also erkläre ich dann jeweils in Seelenruhe, über was wir damals abstimmten und dass schon damals ganz klar im Abstimmungsbüchlein stand, nach der Annahme des Schengener Vertrages könne jederzeit an jedem Ort eine Grenzkontrolle stattfinden und seither stelle ein Gürtel von 30 Kilometern Breite “die Grenze” der Schweiz dar. In diesem Bereich kommt es besonders häufig zu Kontrollen. Ich weiss, von was ich rede, schliesslich bin ich in einem Dorf direkt neben der Grenze aufgewachsen.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Leute erst nach meiner Erklärung kapieren, über was damals eigentlich abgestimmt wurde. Es scheint also tatsächlich Menschen zu geben, die zwar abstimmen, sich aber gar nicht wirklich mit den Hintergründen beschäftigen.

Wie gesagt: Ich war damals dagegen. Denn ich finde es gefährlich, wenn man die Grenze zur Schweiz so einfach überschreiten kann und keine systematische Kontrolle mehr stattfindet.

Aber: So sehr mich die Situation direkt an der Grenze beunruhigt, so sehr freue ich mich dann darüber, wenn Grenzwächter in meinen Zug steigen. Denn sobald ich den Wagen betrete, wissen die Leute ja schon, dass Grenzwächter auf dem Zug sind. Aus diesem Grund hatte ich in solchen Zügen nie Probleme mit Fahrgästen, die nicht bezahlen wollten oder sich anderweitig quer stellten. Die Sache hat also auch ihre positive Seite! ;-)

Und die Kontrollen sind oftmals sehr ergiebig: Erst kürzlich haben Grenzwächter im Basler Bahnhof (unter wüsten Beschimpfungen) 104 Personen kontrolliert. Davon mussten 19 Personen mit auf den Posten und 6 Personen hielten sich rechtswidrig in der Schweiz auf. Sechs Personen von 104 Menschen; das entspricht 5.8 Prozent. Diese Zahl spricht für die Grenzwächter, aber gegen das angeblich so sichere Schengener System. Auch der Berner Fremdenpolizeichef Alexander Ott bestätigt: “Es gibt immer mehr Illegale in der Schweiz.”

Kurz zusammengefasst: Als Kondukteur freue ich mich über Schengen, als Privatmann mit Sorge um die Sicherheit der Schweiz bedauere ich das damalige Abstimmungs-Ja.

Bild © (cc) poprostuflaga (flickr.com)

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Streetparade 2010: Der bemitleidenswerteste Raver des Tages

Die Streetparade. Ein Grossereignis voller verrückter Leute. An einem solchen Tag sehe ich immer so einiges und es braucht viel, um mich aus dem Konzept zu bringen. Doch ein Fahrgast und seine – nicht mehr anwesende – Freundin schafften genau dies. Deshalb ist er der bemitleidenswerteste Raver der Streetparade 2010.

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Die Links der Woche heute zusätzlich garniert mit einem Video der Woche, einem Zitat der Woche und einem Produkt der Woche!

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