08
Feb
abgelegt unter: SBB

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02
Feb

Sprachen sind das A und O in meinem Job. Die meisten Zugbegleiter sprechen täglich deutsch, französisch und englisch und beherrschen diese Sprachen auch dementsprechend gut.

Interessant wird es, wenn mal ein Fahrgast keine dieser drei Sprachen spricht und sich mit mir unterhalten möchte. Während ich bei den lateinischen Sprachen (italienisch, spanisch, etc.) noch ein kleines bisschen vom französisch ableiten kann (vorausgesetzt, der Kunde spricht sehr langsam und deutlich), wird es bei anderen Sprachen schon schwieriger.

Ab und zu kommt es dann auch zu witzigen Begebenheiten. So auch vor ein paar Wochen, als ein südländisch aussehender Herr auf mich zukam.

“Do you speak english?”, fragte er mich mit einem Akzent, den ich nicht zuordnen konnte. Ich antwortete ihm. “Yes, sure!”

Doch dann kam leider nur ein “Äh… yes… oh… äh…” gefolgt von einer mir fremden Sprache. Scheint so, als habe da jemand seine Englischkenntnisse überschätzt oder seine zuvor säuberlich in Gedanken zurechtgelegten und aus dem Wörterbuch herausgesuchten Englisch-Vokabeln vergessen…

Kurz darauf glaubte ich, das Wort “Bern” verstanden zu haben. Ich bejahte, dieser Zug fahre nach Bern, und sogleich stieg er ein. Und tatsächlich: In Bern verliess er den Zug dann auch wieder.

Ging ja gerade nochmals gut! ;-)

Einerseits freut es mich, dass es die SBB mit diesem Thema in die Medien schaffte. Andererseits erstaunt es mich ehrlich gesagt auch ein bisschen.

2009-10-24 17-31-22
Bild © (cc) Enzojz (flickr.com)

Was ist geschehen? Nun, Philippe Tremml aus Thalwil reiste laut Ktipp.ch von Thalwil nach Genf. Dort – in der Calvinstadt – hat der Biotechnologe und Besitzer von Biologicals International einen geschäftlichen Termin.

Auf seiner Reise wurde er von Kondukteur Dominik Walder kontrolliert. Dieser sah das 137 Franken teure Billett (Halbtax, 1. Klasse) und fragte den Fahrgast sogleich, ob er denn am gleichen Tag wieder zurückfahren werde.

Als Tremml dies mit einem klaren Ja beantwortete, erklärte ihm der Kondukteur, dass dann die Tageskarte für 103 Franken wohl günstiger sei. Und er machte sich sogleich daran, das teurere Billett in eine Tageskarte umzuwandeln. Die 34 Franken Differenz gab er dann auch vor Ort bar auf die Hand zurück.

Wie gesagt: Es wundert mich, dass es ein solches Entgegenkommen eines Kondukteur in die Medien schafft. Andererseits freut es mich natürlich auch, wenn die SBB positiv in den Medien dargestellt wird.

Fakt ist: Jeder Kondukteur, der merkt, dass ein Fahrgast zu viel bezahlt hat und einen günstigeren Fahrausweis hätte lösen können, würde ein solches Billett vor Ort rückerstatten. Nicht nur bei mir, sondern auch bei vielen anderen Zugbegleitern gab es schon viele solche Situationen.

Der Fall mit der Tageskarte ist ein Klassiker. Ab und zu kommt es auch vor, dass sich jemand am Touchscreen-Automat vertippt und dann ein ganzes statt ein halbes Billett hat oder – ganz selten – die falsche Klasse wählt.

Was auch immer mal wieder vorkommt: Eine Familie reist mit dem Zug und löst für die eigenen Kinder je ein halbes Billett. Zweimal ging ich danach mit der Familie an einen Bahnschalter und liess dort die Billette gegen Juniorkarten umtauschen. (Dies war möglich, weil ich dort Pause hatte.) So reisen die eigenen Kinder für nur je 20 Franken ein Jahr lang gratis in Begleitung der Eltern. Viele Male jedoch war es mir nicht möglich, die Eltern an den Schalter zu begleiten. Da musste eine handschriftliche Notiz auf den Billetten reichen, in der Hoffnung, dass der Schalter dies dann so akzeptiert. (Ein anstelle einer Juniorkarte gelöstet Billett kann nämlich grundsätzlich nicht zurück erstattet werden.)

Zu unseren Aufgaben gehört es imho nicht nur, Billette zu verkaufen, sondern auch Geld zurück zu erstatten, wenn jemand zu viel bezahlt hat. Oder wie die SBB in einer Stellungnahme schreibt:

“Unsere Mitarbeitenden prüfen wann immer möglich, ob Reisende die für ihre Bedürfnisse richtigen Tickets gelöst haben.”

Einmal ein Lokführer-Praktikum bei der Rhätischen Bahn und dem Glacier Express machen? Das ist jetzt möglich! Ausserdem bietet der Kanton Graubünden in diesem Jahr noch einige andere Traumjobs an. Alle Infos dazu in diesem Artikel.

Trip to Arosa - Switzerland
Bild © (cc) Kecko (flickr.com)

Graubünden lässt arbeiten – und über die Arbeit berichten

Die Whitsunday Islands in Australien haben es vorgemacht, der schönste Kanton der Schweiz macht es (in Ansätzen) nach. Gesucht werden Leute, die einen “Traumjob” ausüben und dann – ganz Web 2.0 – darüber berichten.

Um dies zu ermöglichen, spannen zahlreiche Bündner Firmen – darunter auch die Rhätische Bahn – mit Graubünden Tourismus zusammen. Ab März 2010 wird während fast einem Jahr monatlich je ein wöchiges Praktikum der ganz besonderen Art verlost. Bei manchen Jobs kann sogar gleich die ganze Familie mit anpacken.

Und das sind die Traumjobs, die zu vergeben sind

März 2010: Edelski-Konstrukteur
Bist du ein Skifahrer? Dann darfst du bei diesem Job nicht zögern. Simon Jacomet, kreativer Kopf der Skimanufaktur zai, erwartet dich. Zusammen mit Profis verarbeitest du während einer Woche High-Tech-Materialien zum High-End-Ski. Anschliessend testest du die Luxus-Latten auf den Pisten von Disentis. Abends stehen Nachtskifahren und Wellness auf dem Programm.

April 2010: Lokführer bei der Rhätischen Bahn
Bei der Rhätischen Bahn als Lokführer vorne mitfahren – hier geht ein Kindertraum in Erfüllung. Bewirb dich jetzt und schon bald steuerst du selber über hohe Viadukte und durch zahlreiche Kehrtunnels immer mit Blick auf die Gletscherwelt des Piz Bernina. Du begleitest einen Schaffner und prüfst die Geleise zusammen mit dem Streckenwärter. Im Rail Control Center schaust du, dass nichts schief läuft und bei der Wagenreinigung sorgst du für saubere Züge.

Mai 2010: Flowtrail-Architekt in Chur
Helm auf, Rückenpanzer an und los geht’s! Doch zuvor braucht Profi-Biker Silvio Bundi beim Bau der neuen Downhill-Piste in Chur, auf der bereits die besten Schweizer Athleten heruntergefahren sind, einen tatkräftigen Helfer. Es gilt die Anlagen auf Vordermann zu bringen und die Bike-Strecken auszubauen. Bremsproben, Kontrolle der Gondelbahn-Klemmen oder Bike-Streckenbau sowie Installation von „Tables“ und „Northshores“ – für Abwechslung ist gesorgt. Silvio Bundi zeigt dir im Technikkurs die besten Fahrtricks und schon geht’s zum Adrenalin-Kick auf dem Stahlross.

Jetzt bewerben!
Für die oben stehenden drei Monate kann man sich bereits heute auf jobs.graubuenden.ch bewerben. Demnächst werden auch die weiteren “Traumjobs” zur Bewerbung freigegeben. Dies sind:

Juni 2010: Marathon-Meister in Lenzerheide
Juli 2010: Nationalpark-Ranger in Engadin Scuol
Juli 2010: Bergsenn in Savognin
August 2010: Bündner Kräuterhexe in Viamala
September 2010: Berg-Braumeister in Davos
Oktober 2010: Alpöhi im Prättigau
November 2010: Pistenraupen-Dompteur in Samnaun
Dezember 2010: Comedy-König in Arosa

Ich bin gespannt, wie diese PR-Aktion bei Bevölkerung, Touristen und den Teilnehmern ankommt.

25
Jan
abgelegt unter: SBB

Ich befinde mich noch immer auf einer Kreuzfahrt in der Karibik. Deshalb gibt es diese Woche den Wochenrückblick auch nur mit den Links bis und mit letzten Donnerstag. Gleich zu Beginn ein kleines Schmankerl: Super ARD-Reportage über die Oasis of the Seas (das Schiff, auf welchem ich mich momentan befinde).

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21
Jan

Oasis of the Seas - Royal Caribbean
Bild © (cc) Nick Hobgood (flickr.com)

Wer mir auf Facebook oder Twitter folgt, weiss es vielleicht schon. Allen anderen teile ich es jetzt mit, so dass sich niemand über fehlende Antworten wundert: Die nächsten zehn bis zwölf Tage bin ich nicht erreichbar.

Morgen Mittag nehme ich zusammen mit der Freundin den Swiss Flug LX64 nach Miami. Dort bleiben wir dann eine Nacht (bei Tiefsttemperaturen von 21° und Höchsttemperaturen von 28°C, traumhaft!), bevor es dann am Samstagnachmittag mit rund 5′400 anderen Gästen auf die Oasis of the Seas geht.

Eine Woche kurven wir dann ein wenig in der Karibik herum mit Stopp in Charlotte Amalie (St. Thomas), Philipsburg (St. Maarten / Niederländische Antillen) und Nassau (Bahamas).

Ab 1. Februar sollte ich dann wieder erreichbar sein. Falls sich viele Mails angehäuft haben, könnte es unter Umständen einfach eine Weile dauern, bis ich allen zurück schreiben kann.

Was den Lesestoff hier auf schweizweit.net betrifft, habe ich vorgesorgt. Die Artikel für die nächste Woche und den 2. Februar habe ich bereits in den letzten Tagen erstellt. Die Beiträge werden dann automatisch an den jeweiligen Tagen freigeschaltet. Und wer möchte, kann mir auf Twitter folgen und sieht dort (dank tweet-u-later.com), was man auf einem so grossen Schiff alles anstellen kann. Wobei diese tweet-u-later-Aktion eigentlich mehr als Gag zu verstehen ist. :) Aber vielleicht interessiert sich ja der eine oder andere von euch dafür. Die automatisch erstellten Tweets und Links drehen sich vor allem um die zahlreichen Attraktionen und Besonderheiten des Schiffs und die Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung auf einem Dampfer, der (Passagiere und Crew zusammengezählt) für rund 8′000 Menschen Platz hat. Es könnte also durchaus interessant sein, sich das mal auf twitter.com/andreashobi anzuschauen.

Also dann; habt ‘ne schöne Zeit und bis bald! ;-)

PS: Die Fotos unserer Reise veröffentliche ich einige Tage nach unserer Rückkehr auf meinem Flickr-Account oder auszugsweise vielleicht auch auf schweizweit.net.

Die meisten Bahnkunden würden die SBB als pünktlich bezeichnen.
Die meisten Bahnkunden würden die SBB als sicher bezeichnen.
Doch viele Bahnkunden sind der Meinung, bei der Kundeninformation im Störungsfall bestehe noch Nachholbedarf.

Schritt für Schritt zu mehr Information

Dieser Meinung ist auch SBB-Chef Andreas Meyer. Aus diesem Grund sorgt er seit seinem Stellenantritt regelmässig für Neuerungen, um die Kunden im Störungsfall noch besser informieren zu können. Online-Echtzeitfahrpläne, Monitore in grossen Bahnhöfen für Meldungen zu Störungen, bessere Möglichkeiten für das Zugpersonal, im Störungsfall zu Infos zu kommen und zahlreiche andere Novitäten sind daraus entstanden.

Bahnersatzpläne in kleinen Bahnhöfen

Eine Bahnlinie ist unterbrochen. Von A nach B verkehren keine Züge mehr. Die Passagiere werden gebeten, auf Bahnersatzbusse umzusteigen. In solchen Situationen sind in grossen Bahnhöfen rasch Kundenlenker vor Ort, die den Reisenden den Weg zu den Abfahrtsorten der Busse weisen können.

Nicht so in kleinen Bahnhöfen. Zu viel Zeit würde verloren gehen, bis Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SBB vor Ort wären. Und über Lautsprecher den Weg zum Abfahrtsort der Bahnersatzbusse zu beschreiben, ist nicht immer ganz einfach.

Aus diesem Grund hat SBB-CEO Meyer die Firma evoq mit der Erstellung von Bahnersatzplänen beauftragt.

evoq ist eine junge Kommunikationsagentur mit Sitz in Zürich, die sich mit Marken, Design und Kommunikation beschäftigt. Die Firma hat bereits die Trafimage-Bahnhofpläne realisiert, welche seit einiger Zeit in den Bahnhöfen hängen.

Im gleichen Stil sollen nun also auch Pläne in den Aushang, welche den Weg zu den Bahnersatzbussen weisen.

Für den Bahnhof Duggingen (Basel-Landschaft) würde das zum Beispiel so aussehen:

Bild © Agentur evoq

Die Pläne bieten eine einfache Orientierung und helfen dem Fahrgast, in nützlicher Frist den Abfahrtsort des Ersatzangebotes zu finden. Ausserdem werden auf den Plänen auch Telefonnummern publiziert, an welche sich Kunden im Störungsfall wenden können.

Ich finde diese Pläne eine ganz tolle Sache und bin überzeugt, dass sie für Kunden eine grosse Hilfe sein werden. Vorallem auswärtige Reisende, die sich rund um einen bestimmten Bahnhof nicht auskennen, werden diese Pläne zu schätzen wissen.

Während ortsansässige Reisende vielleicht wissen, wo sich das Restaurant Sternen befindet, dürfte dies Fremden wesentlich schwerer fallen. So gesehen sind diese neuen evoq-Pläne eine sehr gute und leicht verständliche Hilfe.

18
Jan

Meldungen aus dem öffentlichen Verkehr

Preisanpassungen im öffentlichen Verkehr

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14
Jan

In meinem Job läuft auch mal etwas schief. Manchmal läuft auch zweimal etwas schief. Dreimal, das ist dann schon eher selten der Fall. Doch genau einen dieser seltenen Tage erlebte ich kürzlich. Wer wissen möchte, wie es innert weniger Minuten zu einem verzweifelten Elvetino-Angestellten mit einer Küche im Abstellfeld, einer mindestens so verzweifelten Reisenden mitten in einem Berg von Gratiszeitungen und einer jungen Dame unter dem Zug kommen konnte, der liest jetzt weiter. ;-)

Chur, Bahnhof/Postautostation
Bild © (cc) Dom Dada (flickr.com)

Und plötzlich fährt die Küche davon…

Von Zürich her kommt eine Zugkomposition bestehend aus zwei ICN in Chur an. Es ist ein schöner Dienstagmorgen, die Sonne scheint, in den Bergen liegt viel Schnee und so strömen die Wintersportler nur so aus dem angekommenen Zug.

  • Grüezi! Nach St. Moritz? Gleich hier nebenan auf Gleis 10.
  • Guten Tag! Der Bus in die Lenzerheide? Da oben auf dem Postautodeck.
  • Good morning! For Ilanz? On platform eleven.
  • Hallo! Nach Arosa? Ab Gleis Zwo beim Bahnhofplatz.
  • Ja? Einen Bancomat? Unten in der Unterführung.

Irgendwann legt sich der Ansturm und ich bespreche mit dem Zugchef die Einteilung für die Kontrolle, als sich der Elvetino-Mitarbeiter zu uns gesellt. Wir plaudern ein wenig, als er plötzlich einen spitzen Schrei ausstösst. Der Grund: Die vordere ICN-Einheit fährt davon.

Ich und der Zugchef haben das erwartet, schliesslich steht in unseren Unterlagen, dass diese Einheit in Chur weggestellt wird und im Abstellfeld auf einen Einsatz am Abend wartet. Doch anscheinend hat die Elvetino ihren Mitarbeiter darüber nicht in Kenntnis gesetzt, beziehungsweise er hat sich nicht genügend informiert.

Das Problem: Er hat alle seine Unterlagen und das gesamte Geld in der ICN-Einheit, deren Schlusslichter wir gerade noch erkennen können, bevor sie aus unserem Blickfeld verschwindet.

Die Panik ist in seinen Augen sichtbar. “Was soll ich jetzt tun? Was soll ich jetzt tun?!” Wir können ihm nicht weiterhelfen. Weder wissen wir, wo genau die Einheit abgestellt wird, noch, wie er am schnellsten dorthin gelangt. Deshalb verweisen wir ihn an die Aufsicht der Betriebsführung.

Wenn die Nadel ein Billett ist und der Heuhaufen ein Sack voller Gratiszeitungen…

Nur wenige Minuten, nachdem der Elvetino-Mitarbeiter von dannen gezogen ist, um zu seiner Küche zu gelangen, springt eine ältere, gut ernährte deutsche Reisende aus dem Zug, welcher bald nach Zürich und Basel fahren wird.

“Mein Fahrschein! Hilfe, Sie Herr Schaffner, hören Sie, mein Fahrschein ist weg! Können Sie mir sagen, wo mein Fahrschein ist bitte!”

Ich verstehe nur Bahnhof. “Ähm, grüezi. Haben Sie ihr Billett verloren?”

“Ja wo denken Sie denn hin, Herr Schaffner! Ich war doch nur auf der Toilette! Und als ich zurück kam, da war alles weg!”

Das hört sich für mich nach einem Diebstahl an. “Wollen Sie damit sagen, Sie wurden beklaut als Sie auf der Toilette waren? Was ist denn alles weg gekommen?”

“Ach was beklaut! Die Zeitungen sind weggekommen, die Zeitungen!”

“Jemand hat sich Ihre Zeitung genommen? Was für eine Zeitung? Und was hat das mit dem Ticket zu tun?”

“Jetzt hören ’se mal: Ich sass da, fing an die Zeitung zu lesen, so eine Schweizer 20er-Zeitung, und legte den Fahrschein bereit. Dann musste ich auf die Toilette. Also legte ich den Fahrschein als Lesezeichen in die Zeitung. Legte die Zeitung fein säuberlich auf das Tischchen und ging zur Toilette. Als ich zurück kam, waren die Zeitung weg. Und mit ihr alle anderen Zeitungen im Wagen. Und damit auch mein Ticket.”

“Sch….ön. Nun gut, vermutlich haben die Wagenreiniger die Zeitung eingesammelt. Aber die hätten ihr Ticket eigentlich sehen müssen, wenn Sie es als Lesezeichen benutzten… Sie haben doch Ihren Fahrschein so in die Zeitung gelegt, dass er ein wenig aus der Zeitung herausragt, oder??”

“Ehrlich gesagt nicht… Ich dachte, dann wird er wo möglich noch geklaut…”

“Kommen Sie mit. Wir suchen jetzt die Wagenreiniger und schauen dann nach Ihrem Fahrschein.”

Zusammen gehen wir also nach vorne, wo wir die beiden Wagenreiniger gleich abpassen, als diese den Zug verlassen. Ich erkläre ihnen die Situation und so kommt es, wie es kommen musste. Wir leeren den gesamten Inhalt der beiden Abfallsäcke auf dem Perron in Chur aus…

Die Kundin sprach von einer “Schweizer 20er-Zeitung”, also muss es wohl die “20 Minuten” gewesen sein. Und von der hat es viele. SEHR viele.

Zu viert stehen wir nun also rund um einen Haufen Zeitungen und durchwühlen alle Exemplare der Tamedia-Gratiszeitung. Irgendwann kommt dann nebenan auch der Zug aus St. Moritz an. Einige Touristen schauen uns mit einer Mischung aus Erstaunen und Belustigung an. Die werden sich wohl denken: “Jaja, die Schweizer. Die sind schon ein komisches Völkchen…” ;-)

Und was wir alle nicht für möglich hielten, das geschah nun wenige Minuten später: Einer der Railclean-Mitarbeiter hält das Billett in die Höhe wie ein Fussballspieler nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft. Wir haben die Nadel im Heuhaufen gefunden. Beziehungsweise das Billett im Zeitungshaufen.

Und dann lag sie unter dem Zug…

Es bleiben uns noch etwa zwei Minuten bis zur Abfahrt, als eine junge Dame in rieeesigen Highheels auf das Perron stürmt. Sie hat es eilig, das sieht man. “Hey Mädel, nur die Ruhe, haste ja noch Zeit”, denke ich mir noch, doch dann geschieht es: Beim Einsteigen macht sie einen falschen Tritt und verliert ihren rechten Schuh. Der liegt nun auf dem Gleisbett unter dem Zug. Ich gehe strammen Schrittes in ihre Richtung, um ihr den Schuh wieder hervor zu holen. Doch entweder sieht sie mich nicht oder sie will nicht warten. Denn soeben steigt sie selbst unter den Zug. Mutig, mit einem Stöckelschuh am linken Fuss. Und brandgefährlich! Auch ohne Stöckelschuhe.

Es dauert nur etwa 10 Sekunden, bis ich bei ihr bin. Den Schuh hat sie inzwischen wieder, doch ihr schönes Kleid hat ein wenig gelitten. Begeistert schaut sie nicht aus. “Scheiss Treppe!”, ruft sie aus. “Steht da nicht normalerweise ein Doppelstöcker?”, will sie nun von mir wissen.

Tatsächlich war es in der letzten Fahrplanperiode so, dass die meisten Direktverbindungen Chur – Landquart – Sargans – Zürich – Basel mit Doppelstöckern geführt wurden. Seit Dezember aber ist das ein wenig anders. Jetzt sind nicht mehr alle Züge so Highheels-freundlich.

Viel zu tun…

Die drei Personen hielten mich ganz schön auf Trab. Und das in nicht mal ganz 20 Minuten. Langeweile kommt bei diesem Job definitiv selten auf. :)

Was schlussendlich bleibt:

  • Ein Elvetino-Mitarbeiter ohne Geld und Unterlagen (die Zeit reichte nicht mehr, um die Sachen zu holen)
  • Eine glückliche Dame, die ihr Billett garantiert nie mehr in eine Zeitung stecken wird
  • Eine junge Dame, die wohl in Zukunft mehr Zeit einplanen wird, wenn sie mit Stöckelschuhen auf den Zug muss
  • Und ein Kondukteur, der mal wieder etwas zu erzählen hat ;-)

Meine Arbeit würde ich als sehr interessant bezeichnen. Unter anderem auch deshalb, weil ich die Interaktionen zwischen den Fahrgästen immer wieder auf eine gewisse Art und Weise faszinierend finde.

Besonders interessant ist es, zu sehen, wie sich die Mentalität der Menschen scheinbar über die Jahre hinweg verändert.

Ich selber bin erst seit 9 Jahren bei der SBB, davon 6 Jahre beim Zugpersonal. Aber aus Gesprächen mit Arbeitskollegen erfahre ich immer wieder, wie gewisse Sachverhalte früher waren und kann diese mit der heutigen Zeit vergleichen.

In China for 10 Days...
Bild © (cc) babasteve (flickr.com)

Wie man sich früher beschwerte

Es ist Dienstag, der 12. Januar 1999. Wir befinden uns in einem Intercity von Zürich nach Bern. Herr Schieferli arbeitet als Single Manager Hedge Funds Product Delivery bei einer Schweizer Grossbank. (Der Name ist fiktiv, die Jobbezeichnung hingegen gibt es wirklich!) Zu seinen Aufgaben gehört unter anderem das Erstellen von Verkaufsunterlagen für neue Hedge Funds-Produkte und die Bereitstellung von Informationen über die Performance der Funds relativ zu ihrem Marktumfeld.

Aufgeregt und lautstark telefoniert SMHFPD Schieferli mit einem internen Kunden. Zwei Abteile hinter ihm sitzt Herr Messerli. Er arbeitet als Business Analyst im Change Management einer grossen Schweizer Telekomfirma. Messerli arbeitet unter anderem an der Analyse von Prozessen, Organisationsstrukturen sowie strategischen und kulturellen Aspekten der Organisationsentwicklung. Er ist in seine Unterlagen vertieft.

Schieferli telefoniert lautstark, Messerli muss sich konzentrieren. Das birgt Konfliktpotenzial.

Fünf Minuten später hat BAiCM Messerli genug. Er geht zum SMHFPD und bittet ihn darum, sein Gespräch in einer reduzierten Lautstärke fortzuführen. Es sei ja nicht nötig, dass er gleich den ganzen Zug unterhalten müsse. Der Banker Schieferli zeigt Verständnis für das Anliegen und setzt sein Gespräch draussen auf der Plattform fort, so dass Messerli sich auf seine Unterlagen konzentrieren kann.

Wie man sich heute beschwert

Zehn Jahre sind vergangen. Es ist der 12. Januar 2009. Ein wunderschöner Montagmorgen in Zürich. Nur die tiefe Temperatur von -6°C macht den Pendlern zu schaffen.

In der Zwischenzeit haben Schieferli und Messerli Karriere gemacht. Beide sind mit dem Zug auf dem Weg zur Arbeit.

Messerli, der früher bei der Telekommunikationsfirma gearbeitet hat, durchlief in der Zwischenzeit diverse Weiterbildungen im Bereich Projektmanagement und arbeitet heute bei einem Logistikunternehmen.

Ein paar Abteile vor ihm sitzt Schieferli, der heute bei einem Versicherungskonzern arbeitet und in den vergangenen zehn Jahren diverse fachspezifische Ausbildungen – unter anderem bei der CAIA Association – durchlaufen hat.

Diesmal ist es Messerli, der am Hörer hängt. Mit gefühlten 80 Dezibel unterhält er sich mit seinem Chef. Schieferli freut sich gar nicht darüber.

Doch einfach zum Handyfonierer hingehen und ihn um ein bisschen mehr Ruhe bitten? Das geht natürlich gar nicht! Nein, Herr Schieferli wartet lieber 15 Minuten. Denn genau so lange dauert es, bis der Zugbegleiter im Wagen ankommt.

“Sie Herr Kondukteur! Huhu! Hallo! Do bin i! Ja, do in dä Mitti! Ja jetzt hörend Sie doch uf mit däre Kontrolle und chömend Sie rasch zu mir!”

Der Kondukteur wundert sich über das Herumschreien dieses Fahrgastes und geht zu ihm hin.

“Wiä chan i ihne behilflich sii?”

“Jetzt losend Sie mol zue, jo also nei Herr Kondukteur, so wiä dä da vorne telefoniert, in derre Luutstärki, also nei, das gaht doch jetzt würkli nöd! Jetzt schalten Sie doch dem Arschloch sis verdammti Mobile Phone ab, das isch ja nöd zum ushalte so öppis, ja machend Sie doch endli öppis dagege!”

Während der Zugbegleiter die 4 Meter nach vorne zum telefonierenden Fahrgast geht, schütteln zwei andere Reisende die Köpfe. Dem Zugbegleiter ist nicht klar, ob dieses Kopfschütteln dem Messerli oder dem Schieferli gilt.

Auf jeden Fall ist jetzt Ruhe. Kondukteur sei Dank.

Und was hat das mit China zu tun?

Wie ich gehört habe, ist in China die indirekte Kommunikation sehr ausgeprägt. Selten hört man ein klares “Ja” oder “Nein”, häufiger liegt die Antwort irgendwo dazwischen. Eindeutige Zu- oder Absagen entsprechen nicht der chinesischen Mentalität. Und nie würde ein Chinese einen Mitmenschen direkt kritisieren, viel eher wird das auf Umwegen gemacht.

Beispiel: Der Chef eines Restaurants ist mit der Arbeitsleistung einer Serviertochter nicht zufrieden. Sie arbeitet ihm einfach zu langsam. In der westlichen Welt würde der Chef nun mit der Angestellten das Gespräch suchen, nicht so in China. Dort wendet sich der Restaurantsbesitzer an seinen Koch und teilt ihm mit, was ihm an der Serviertochter nicht gefällt. Dieser wird nun in der nächsten Zeit, bei einer passenden Gelegenheit, diese Kritik so sanft als möglich an seine Arbeitskollegin weitergeben. Indirekte Kritik. Made in China.

Ganz ähnlich, wie ich es in letzter Zeit je länger je mehr auch in den Zügen beobachte. Immer häufiger werden wir von Fahrgästen gebeten, einem anderen Fahrgast dies und das auszurichten und dafür zu sorgen, dass der andere Reisende dies und das unterlässt. Selbst dann, wenn der “Übeltäter” nur drei Meter entfernt sitzt und teilweise sogar alles mithören kann.

Ich habe ja schon davon gehört, dass China einen immer grösseren Einfluss auf die westliche Welt hat. Aber dass wir bereits so weit sind… ;-)

Weitere chinesische Eigenheiten

Wer weiss, welche chinesischen Eigenheiten wir als nächstes übernehmen werden.

Die wohl bekannteste Eigenart ist die, bei Fragen keine Schwächen zu zeigen. Wer einen Chinesen nach dem Weg fragt, wird von ihm IMMER eine Antwort bekommen. Unabhängig davon, ob er den Weg auch tatsächlich kennt. So kann es durchaus mal geschehen, dass man in die falsche Richtung geschickt wird.

Eine andere Eigenart, die wir hingegen gerne übernehmen könnten, wäre die Lebenseinstellung der einfachen Landbevölkerung. Gemäss visitchina.de ist man dort klar der Meinung, dass man sich den Lebensumständen fügen muss, die einem aufgezwungen werden. Beispiel: Durch eine Überschwemmung, einen Taifun oder ein Feuer verliert ein Bauer all sein Hab und Gut. Doch schon am nächsten Morgen beginnt er an der gleichen Stelle alles wieder aufzubauen. Und dies, ohne zuerst nach anderen Schuldigen zu suchen oder den Staat für die Naturkatastrophe verantwortlich zu machen (wie zum Beispiel in Amerika üblich).

Mehr zur chinesischen Mentalität:

04
Jan

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30
Dec

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29
Dec

2010 Letterpress Calendar
Bild © (cc) Sarah Parrott (flickr.com)

Täglich verzeichnet schweizweit.net über 1′500 Seitenzugriffe. Das ist eine ganze Menge! Dafür möchte ich allen Lesern danken. Die Auswertung meiner Besucherstatistiken mit Google Analytics zeigt mir, dass viele von euch den Blog regelmässig “von Hand” aufrufen. Will heissen: Ihr gebt in der Adresszeile eures Internetbrowsers (Internet Explorer, Firefox, Safari) die Adresse http://schweizweit.net ein und schaut, ob es etwas neues zu lesen gibt.

Immer mehr von euch aber merken, dass es noch bedeutend einfachere Möglichkeiten gibt, bei schweizweit.net stets auf dem neusten Stand zu sein. Damit meine ich den RSS-Feed und das Email-Abo.

In diesem Artikel will ich euch zuerst erklären, was ihr unter diesen Begriffen verstehen könnt und danach werdet ihr erfahren, welche Vorteile ihr erhaltet, wenn ihr schweizweit.net abonniert. So erhaltet ihr zum Beispiel ab Jahreswechsel -- also ab Januar 2010 -- Zugriff auf Artikel, die nur die RSS-Feed- und Email-Abonnenten lesen können. Normale Besucher, welche den Blog “von Hand” aufrufen, sehen diese Artikel nicht.

Es lohnt sich also, diesen Artikel bis zum Ende durch zu lesen. :)

RSS-Feed

Dieses Video erklärt in zweieinhalb Minuten ganz gut, was man unter dem Begriff “RSS” verstehen kann:

Es gibt viele RSS-Reader, die jeder absolut kostenlos benutzen kann. Meine Empfehlung für euch: Google Reader (für PC und Mac) und Byline (für iPhone).

Damit habt ihr überall und jederzeit Zugriff auf eure Lieblings-Blogs.

Noch unsicher, ob das etwas für euch wäre? Dann probiert es doch einfach mal eine Woche lang aus. Meldet euch beim Google Reader an, abonniert ein paar Blogs und schaut, wie es euch gefällt. Kostet nichts und der zeitliche Aufwand ist minim. Wenn es euch nicht zusagt, könnt ihr es dann immer noch sein lassen. Aber ich wette fast mit euch, dass ihr dann nicht mehr davon los kommt! ;-)

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Oder aber ihr folgt meinem Gezwitscher auf twitter.com. Auch dort erwarten euch zahlreiche Kurznachrichten, Links und Hintergrundinfos zu meiner Person und schweizweit.net. Bereits habe ich dort über 2′000 Kurznachrichten geschrieben, welche momentan täglich von 182 Personen gelesen werden.

Noch Fragen? Dann ist mein jüngstes “Baby” das Richtige für euch. Auf Formspring.me beantworte ich eure Fragen, die ihr gerne auch anonym stellen dürft. Egal, ob es sich dabei um mich, um meinen Blog, um den öffentlichen Verkehr oder etwas völlig anderes handelt: Ich werde so viele Fragen wie möglich beantworten! Es spielt keine Rolle, ob eure Fragen philosophisch, verrückt, rhetorisch oder alles miteinander sind. ;-)

So, und zum Schluss nochmals die Zusammenfassung:

Ein richtig schönes Weihnachtsgeschenk hat diese Woche der Schaffhauser R. J. erhalten: Ein Couvert vom Bundesverwaltungsgericht, dessen Inhalt sinngemäss sagt: “Und Sie sind doch ein Schwarzfahrer!”

2nd Class Snowman
Bild © (cc) jovike (flickr.com)

Duell mit der SBB

Es war anfangs dieses Jahres, als ein kleiner Mann die grosse SBB herausforderte. Er betrachtete das Fahren mit einem Zweitklassbillett in der ersten Klasse nicht als Schwarzfahren und akzeptierte aus diesem Grund auch die Busse nicht, die er in der S-Bahn erhielt.

Schweizweit.net hat damals über den Fall berichtet, den Artikel aber wieder vom Netz genommen, nachdem sich R. J. mit der Hilfe von Anwälten und dem Beobachter an die SBB wandte.

BAV gegen SBB

Das Bundesamt für Verkehr unterstützte dann das Anliegen von R. J. Daraufhin reichte die SBB beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein.

Die SBB argumentierte, dass ein abgestufter Zuschlag, je nachdem, ob ein Reisender ohne Billett oder mit ungültigem Billett unterwegs ist, zu einem erheblich administrativen Aufwand führen würde. Dies könnte unter anderem auch zu Verzögerungen bei den Kontrollen führen.

Und siehe da: Das Bundesverwaltungsgericht gab der SBB recht!

Und jetzt kommt das Highlight

Bisher war es einfach so: Wer kein gültiges Billett hatte, der bezahlte 80 Franken. Punkt. Dabei spielte es keine Rolle, ob die entsprechende Person gar kein Billett hat, oder mit einem Billett für 3 Zonen gleich durch das ganze Verbundgebiet fährt. Jeder. Bezahlt. Achtzig. Franken.

So einfach war es.

In meinem inzwischen gelöschten Artikel über R. J. stellte ich die Befürchtung in den Raum, dass durch R. J.s Aktivismus die Bussen inskünftig steigen könnten. Und ich befürchtete, dass sich R. J. damit bei anderen Schwarzfahrern nicht unbedingt beliebt machen würde.

Damit man auch verstand, wie ernst ich das meine, spitzte ich die Formulierungen aufs Äusserste, aufs gerade noch Erträgliche zu. So sagte ich zum Beispiel, dass er ernsthafte Schwierigkeiten mit anderen Schwarzfahrern bekäme, sobald er seine Wohnung verliesse und dass “der Schuss nach hinten los” gehen könne.

Anscheinend wurden diese Aussagen als Drohung empfunden und R. J. befürchtete, dass ich ihm persönlich nach dem Leben trachte. Doch da kann ich beruhigen: Ich habe definitiv kein Interesse daran, dass die Schwarzfahrer aussterben. Schliesslich lebe ich ja unter anderem von ihnen. R. J. würde ich also mit Sicherheit kein Härchen krümmen.

Deshalb hier nochmals die ausführliche Antwort, die ich dem Beobachter für meine Stellungnahme zukommen liess: (Den Namen des Schwarzfahrers hatte ich in der Stellungnahme ausgeschrieben, selbstverständlich aber für die nun folgende Veröffentlichung hier auf schweizweit.net gelöscht und durch einen Initialen ersetzt.)

Die Absicht hinter diesen Aussagen war keinesfalls, Herrn J. zu drohen oder ihm Schrecken einzujagen. Vielmehr wollte ich meinen Lesern aufzeigen, dass es nicht nur positive Seiten hat, wenn man mit einer Sache so offensiv in die Medien geht. Der Schreibstil, der dabei gewählt wurde, entspricht im Grossen und Ganzen dem offenen, direkten und teilweise emotionalen Schreibstil, den viele Weblogs – darunter auch schweizweit.net – pflegen.

Meiner bescheidenen Meinung nach besteht tatsächlich die – wenn auch sehr geringe – Gefahr, dass der “Schuss nach hinten los geht”. (So wie wortwörtlich beim verlinkten Artikel.) Sollte sich die Bussenpraxis bei der SBB und/oder anderen Bahnen in Zukunft ändern, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Bussen nicht sinken sondern eher steigen. Wenn die Medien diese Bussenerhöhung nun in Zusammenhang mit dem Engagement von R. J. bringen, könnte dies unter Umständen Probleme verursachen.

Selbstverständlich hoffen wir alle, dass Herr J. nicht zu Schaden kommt und dass die Medien so klug sind und seinen Namen in Zusammenhang mit einer allfälligen Erhöhung der Bussen nicht nennen. Ich schätze Herrn J. als sehr klug ein und gehe davon aus, dass er die Medien entsprechend kontaktiert hat oder dies in Zukunft noch tun wird.

Und ich darf Recht behalten

Wie gesagt, meine Befürchtung war damals ganz klar: “Die Bussen werden nach dem Urteil steigen!”

Dafür wurde ich von vielen Seiten heftig kritisiert. Hohe Bähnler wollten mir vorwerfen, ich hätte doch sowieso keine Ahnung. Doch was lese ich nun in den Medien?

Für das Gericht ist es deshalb sachgerecht, dass die SBB einen einheitlichen, pauschalen Zuschlag verlangen, egal ob jemand schwarz oder grau fährt. Geschützt hat das Gericht jedoch die Anordnung des BAV, dass die SBB zusätzlich zum Zuschlag auch den entgangenen Fahrpreis einziehen müssen. Dabei müssen die SBB unterscheiden, ob jemand ohne Billett oder nur mit einem ungültigen Billett unterwegs ist. Reisenden mit einem ungültigen Billett muss der bereits bezahlte Teilbetrag angerechnet werden, um eine Schlechterstellung gegenüber dem Schwarzfahrer zu verhindern.
(Quelle: bernerzeitung.ch)

Wow! Genau das habe ich damals geahnt. Die Bussen steigen nun tatsächlich. Jetzt kann ich mit gutem Gewissen sagen: Dieser Schuss ging nach hinten los! R. J. bezahlt bei seinen zukünftigen Schwarzfahrten also nicht nur einfach die 80 Franken, sondern zusätzlich auch einen Klassenwechsel, falls er mit einem Zweitklassbillett in der ersten Klasse sitzt. Und alle “normalen” Schwarzfahrer, die gar kein Billett haben, bezahlen 80 Franken plus ein Billett für die gefahrene Strecke.

Mit einem breiten Grinsen könnte ich jetzt sagen: “Wer zuletzt lacht…”

Doch leider ist dem nicht so. Wie ich heute – am 26. Dezember – merkte, werden der SBB durch R. J.s Vorpreschen enorm viele Einnahmen verloren gehen.

Weshalb die SBB weniger Klassenwechsel verkaufen wird

Dieser Dialog hat sich gestern tatsächlich so abgespielt:

  • Kunde: Ich würde gerne noch einen Klassenwechsel von Zürich nach Arosa lösen.
  • Ich: Sehr gerne!
  • Kunde: Gället Sie, das geht nächstes Jahr nicht mehr?
  • Ich: Wieso? Doch, das wird im Fernverkehr weiterhin möglich sein. Einen Klassenwechsel können Sie immer im Zug lösen.
  • Kunde: Ja aber da stand doch in der Zeitung, die SBB betrachte dies ab sofort als Schwarzfahren und büsse jeden, der ohne Klassenwechsel in die erste Klasse steigt!?
  • Ich: Nein, nein. Das ist nur im Regionalverkehr so. In der S-Bahn. Das war aber schon immer so. Es gab da nur einen, der es zuerst nicht glauben wollte und ein bisschen den Chasperli machte deswegen.
  • Kunde: Gut sagen Sie das… Jetzt dachte ich doch tatsächlich, in Zukunft könne man nicht mehr spontan in die erste Klasse wechseln. Aber ich hätte mir ja denken können, dass die SBB nicht so einen Seich herauslässt.

Ja, die SBB würde so einen “Seich” tatsächlich nicht machen. Der springende Punkt ist nun aber der, dass da einer dachte, er könne in Zukunft nicht mehr spontan von der zweiten in die erste Klasse wechseln, wenn es ihm dort zu viele Leute hat oder wenn er einfach ein bisschen mehr Ruhe möchte. Gottseidank hat er mich noch gefragt, ob das überhaupt stimmt!

Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass es da draussen tausende Menschen gibt, welche in der Vergangenheit regelmässig einen Klassenwechsel im Zug lösten und in Zukunft davon absehen, aus Angst, gebüsst zu werden.

Es wäre sicher interessant, die Statistiken der im Zug verkauften Klassenwechsel für die Monate Januar bis März 2010 mit den entsprechenden Monaten im 2009 zu vergleichen…

So bleibt mir zum Abschluss ein lachendes und ein weinendes Auge: Glücklich bin ich über den Entscheid des Bundesverwaltungsgerichtes, doch im gleichen Moment bedauere ich die durch R. J. ausgelöste Medienberichterstattung, die unter Umständen zu einem Einnahmenausfall der SBB führen wird. Zumindest was das Produkt “Klassenwechsel im Zug” anbelangt.

Hinweis: R. J. und seine Anwälte haben noch ein paar Tage Zeit, gegen das Urteil zu rekurrieren. Danach wird es rechtskräftig.