Ess- und Trinkverbot im ÖV? Nein danke!

von Andreas Hobi am 1. März 2012 · 13 Kommentare

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Kürzlich hat die SBB eine Anti-Littering-Kampagne gestartet. Ziel soll es sein, dass die Fahrgäste ihre Hinterlassenschaften richtig entsorgen. Will heissen: Zeitungen auf die Gepäck- und Hutablagen, kleinere Abfälle in den Abfalleimer im Zug und grosse Abfälle aus dem Zug in den Abfalleimer auf dem Perron oder im Bahnhof. Und selbstverständlich: Keine Abfälle auf den Boden werfen, keine Abfälle einfach auf den Sitzen liegen lassen.

Schade, dass es dafür extra eine Kampagne zum Vorbeugen von Littering braucht. Ein bisschen gesunder Menschenverstand hätte es auch getan. Aber Ariella Kaeslin, DJ Antoine und Christa Rigozzi werden sich bestimmt über den kleinen Nebenverdienst freuen. ;-)

Eine Frage, die in Zusammenhang mit Littering – also dem achtlosen Wegwerfen und Liegenlassen von Abfall auf öffentlichem Grund – immer wieder auftaucht, ist: Wohin mit den Fastfood-Abfällen?

Mc Donalds, Burger King, Nordsee, Brezelkönig und die Dönerbude um die Ecke; bei ihnen allen erhält man Ess- und Trinkwaren zum Mitnehmen. Leider landet der Müll dieser Fastfood-Ketten immer wieder in den Zügen der SBB. Dies ist kein Problem, solange er im Abfalleimer liegt. Nicht selten aber wird er achtlos auf den Boden oder die Sitze geworfen, wenn jemand den Zug verlässt. Oder einfach auf den kleinen Tischen liegen gelassen.

So erstaunt es mich dann auch nicht, dass es immer wieder Leute gibt, die ein Ess- und Trinkverbot in den Zügen der SBB fordern. So, wie es einzelne städtische Verkehrsunternehmen – zu meinem Bedauern – schon umgesetzt haben.

Vorallem ältere Leute, die mit Fastfood sowieso nichts anfangen können und ihre Mahlzeiten immer noch pünktlich um 7:30, 12:00 und 18:00 Uhr zu Hause zu sich nehmen (oder im Altersheim zu diesen Zeiten gefüttert werden), regen sich über “diese neue Mode” auf. Öfters schon wurde ich gefragt, wenn denn die SBB endlich mal ein Verbot “für dieses Zeugs” einführe.

Ich persönlich bin ein vehementer Gegner eines Ess- und Trinkverbots in den Zügen der SBB und allgemein im öffentlichen Verkehr! Wenn ich mit dem Zug unterwegs bin, möchte ich auch etwas essen dürfen. Wenn ich mit dem PostAuto von Chur nach Bellinzona reise, möchte ich auch etwas trinken dürfen.

Und auch die SBB denkt offenbar nicht daran, ein Ess- oder Trinkverbot einzuführen; nur schon alleine dem Tochterunternehmen Elvetino zuliebe.

Der öffentliche Verkehr hat gegenüber dem Individualverkehr ein paar grosse Vorteile: Man kann während der Fahrt arbeiten, schlafen, lesen oder sich mit anderen unterhalten, und spart dabei erst noch Geld! Und ein weiterer grosser Vorteil: Man kann jederzeit etwas essen und trinken. Sei es nun etwas selber mitgebrachtes oder etwas vom Steward der Elvetino/SBB-Minibar.

Deshalb finde ich es sehr schade, dass einige städtische Verkehrsunternehmen ein solches Verbot einführten und hoffe, dass SBB & Co. dem Druck einiger weniger Kreise nicht nachgeben und uns weiterhin erlauben, in den Verkehrsmitteln zu essen und zu trinken. ;-)


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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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Piero März 1, 2012 um 11:32

Littering, ein leidiges Thema.

Wir hatten ein zweijähriges Anti-Littering Projekt und die Erkenntnisse daraus sind äusserst interessant:

1) Entgegen vieler Meinungen sind nicht nur pupertierende Teenager litterer. Littering ist ein durch alle Alterstufen und alle sozialle Schichten auftretendes Problem.

2) Im Bewustsein der Kinder und Jugendlichen ist Humus – also Erde – Dreck. Abfall ist auch Dreck, also ist es nicht so schlimm, wenn Dreck (Abfall) auf Dreck (Humus/Erde) geworfen wird.

3) Es spielt keine Rolle, ob man mehr oder weniger Abfallbehälter aufstellt. Entscheidend ist, wie sauber es ist. Wenn bereits viel Abfall rumliegt wird meistens auch noch mehr hingeschmissen. Umgekehrt trauen sich bei sauberen Strassen viel weniger, da achtlos was hin zu werfen.

4) Den meisten ist die Kostenfrage gar nicht klar. Viele denken, sie würden so Arbeitsplätze erhalten (jemand muss das ja aufräumen, der oder die hätten ja keine Arbeit mehr)

5) Die Littering – Sache ist NICHT innert kurzer Zeit zu lösen. Es braucht Jahre und viel Geduld, da ein Umdenken zu erreichen. Dies ist auch logisch, da das Phänomen ja auch nicht über Nacht entstanden ist.

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Andreas Hobi März 1, 2012 um 20:33

@ Piero:
Wirklich äusserst interessant! Vorallem der Punkt 2… Erstaunt mich jetzt sehr! Für jemanden, der auf dem Land aufgewachsen ist und dem Vater oft im Garten half eine sehr sonderbare Ansichtsweise. Für mich jedenfalls war Erde nie einfach “Dreck” und auch nie irgendwie “wäh gruusig”. ;-)

Habt ihr denn auch Erkenntnisse darüber, ob Littering hauptsächlich ein “Stadt-Problem” ist und auf dem Land nur in einem geringeren Masse vorkommt, oder hat das Thema Stadt/Land hier keinen Einfluss? Das wäre noch interessant zu untersuchen.

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Piero März 1, 2012 um 21:15

Littering ist mitnichten nur ein Stadtproblem. Mein Wohnhort ist mit 2300 Bewohner ja recht ländlich. Aber ja, den Punkt hat mich auch erstaunt, aber heutige Kinder “dürfen” ja auch nicht mehr “drecklen” wie wir früher.

Daniel März 1, 2012 um 12:28

Der Großteil des Abfalls, den ich aus meinen Zügen räume, besteht nicht aus Fast-Food-Verpackungen, sondern aus Gratiszeitungen. Ich weiß nicht, wie das in der Schweiz ist, aber hier in Österreich haben die beiden Umsonstzeitungen “Heute” und “Österreich” auf sehr vielen Bahnhöfen und Haltestellen Ständer aufgestellt, wo sich die Fahrgäste das bedruckte Klopapier mitnehmen. Durchgeblättert sind sie in 5 Minuten, und danach bleiben sie meist im Zug liegen.

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brummbaer März 1, 2012 um 16:35

Ist bei uns auch so. Und es muss vorallem jeder eine nehmen. Ich spare mir den Weg zum Kasten den in 99 Prozent der Fälle liegt ein 20 Minuten oder ein Blöck am Abend rum.

Der Rest ist wie gesagt gesunder Menschenverstand und hat was mit Anstand zu tun. Es ist im übrigen in der 1. Klasse nicht besser als in der 2ten, der Abfall wird einfach liegen gelassen auch wenn man direkt neben dem Grossen Kübel im Doppelstockwagen Sitzt. “irgend so ein Tubel rumt den scho uf”
“Scheiss SBB immer so viel Abfall im Zug….” aber beim Rausgehen die Zeitung und seinen Abfall liegen lassen. *kopschüttel*

Darum nehme ich meinen Abfall immer mit und entsorge ihn im Kübel auf dem Perron. Kostet mich kein bisschen Aufwand da ich ja sowieso an denen vorbeigehe.

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raf März 1, 2012 um 18:35

Hnja, finde es im Bezug darauf ein wenig konisch, dass es in den neuen Zuegen keine Abfalleimer pro Abteil mehr gibt. Wenn man den Abfall direkt entsorgen kann und nicht beim aussteigen daran denken muss wird wohl weniger ausserhalb des Eimers liegen bleiben…

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Piero März 1, 2012 um 21:17

Es gibt “Ideen”, dass mehr Mülleimer auch mehr Abfall anzieht. ich kann das weder belegen noch dementieren. Ist Meinung einiger “Experten” ;)

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brummbaer März 1, 2012 um 21:50

Nur werden ja die schon vorhandenen nicht genützt. Im übrigen so schlecht funktioniert das Konzept mit den Abfallsäcklein beim Abteil nicht. Der RBS kennt das und ich fand deren Züge jetzt nicht versiffter als solche mit Abfalleimer.

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Piero März 2, 2012 um 08:48

Da ich so gut wie nie RBS fahre: Wie funktioniert das System?

brummbaer März 4, 2012 um 20:14

Beim RBS hängen (in den neuen Zügen) bei jedem Abteil Plastiksächli (ähnlich wie Robidog Säckli). Die kann man bei Bedarf abreissen seinen Abfall reinmachen und ihn am Bahnhof im Abfalleimer entsorgen. Gut ein paar habens (noch) nicht Kapiert und schmeissen zwar den Abfall ins Säckli vergessen ihn dann aber am Bahnhof zu entsorgen. Ansonsten werden die Züge natürlich auch normal gereinigt.

Michael März 2, 2012 um 01:00

Im Stadtverkehr ist so ein Verbot durchaus sinnvoll. Hier bei uns in Köln gibt es das seit ein paar Jahren. Zuerst war ich auch sehr skeptisch. Die Sauberkeit hat sich seither aber massiv gebessert. Inzwischen hat man sich daran gewöhnt. Man weiss dass es dieses Verbot gibt. Allerdings ist das Verbot nur so ein halbes und bezieht sich hautpsächlich auf offene Getränke, Alkohol und stark riechende Speisen. Gegen ein belegtes Brötchen hat in der Regel niemand etwas einzuwenden.

Im Fernverkehr halte ich ein solches Verbot aber auch für unsinnig. Man würde die Fahrgäste damit unnötig einschränken. Auf jeden Fall fände ich es äusserst unangenehm auf einer Fahrt von Genf nach Zürich nichtmal ein paar Schlucke Wasser trinken zu dürfen. Was es vielleicht schon ein wenig braucht, ist die Erziehung der Fahrgäste den Müll auch zu entsorgen, wie du im Artikel schon schreibst. Es braucht aber hier und dort vielleicht auch ein paar zusätzliche Mülleimer im Zug – oder häufigere Leerungen.

Persönlich finde ich mitgebrachte Verpflegung relativ unproblematisch. Schlimmer finde ich die Masse an liegengelassenen Zeitungen AUF den Sitzen. Das lässt die Züge optisch massiv dreckiger erscheinen als sie eigentlich sind. Sicher, der Gedanke “das mag vielleicht auch sonst noch jemand lesen” ist schön und gut. Aber man braucht deswegen die Zeitung nicht in alle Teile zerpflückt auf den Sitzen rumliegen lassen damit der Nächste sie erst bei Seite legen muss um sich überhaupt hinsetzen zu können.

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martele März 3, 2012 um 22:58

Littering ist kein Stadtproblem. Bei Velotouren übers Land sieht man immer wieder leere Red Bull- und sonstwelche Energy-Drink-Dosen, PET-Flaschen, Chips-Packungen usw. am Wegrand liegen. Ich wundere mich manchmal, wie die dahin kommen, wenn da die meisten eh mit dem Auto vorbei fahren. Ist das so ein Problem, das Zeug im Auto zu behalten und zu Hause oder an der nächsten Entsorgungsstelle richtig zu entsorgen?

Essverbot und Trinkverbot – nein danke. Aber gegen ein Alkoholverbot hätte ich nichts einzuwenden.

Ausserdem finde ich das ganz toll, dass am HB endlich Recyclingbehälter (ausser PET, das gabs ja bereits) bereit stehen. Bei diesen Unmengen an Energydrinks, schadet es bestimmt nicht, und trägt auch zur Verminderung des Restmülls bei, Alu separat zu sammeln und zu rezyklieren. Interessant: 1 Aludose rezykliert entspricht der Energie, die man verbraucht, wenn man drei Stunden fern sieht. Es lohnt sich also durchaus.

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Peter März 4, 2012 um 09:13

Ein Ess- u Trinkverbot im ÖV wäre schon längst fällig. Es sollte wie im Restaurant gehandhabt werden. Mitgebrachtes darf nicht verzerrt bzw getrunken werden.

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