Seit Sonntag haben wir nun die Billettpflicht im Fernverkehr der SBB. Bisher ist es – zumindest aus meiner Sicht – ganz gut gelaufen. Zwar verging kein Tag, ohne dass ich nicht jemanden habe aufschreiben müssen, doch glücklicherweise waren dies alles “klare” Fälle, wo es dann auch zu keiner grossen Diskussion kam. (Ehrlich gesagt hätte ich viel mehr Probleme erwartet.) Wenn es so weiterläuft, ist das natürlich super!
Scheinbar aber wurde im Vorfeld zu wenig deutlich kommuniziert, was die Fahrgäste unter der Billettpflicht zu verstehen haben. Bereits am Sonntag wurde ich drei mal gefragt, ob man denn weiterhin einen Klassenwechsel im Zug lösen könne. Die gleiche Frage tauchte am Montag noch einmal auf, am Dienstag mag ich mich an zwei Fälle erinnern und gestern hatte ich einen Stammgast im Zug, der zwar ein 2. Klasse-GA hat, aber regelmässig bei mir einen Klassenwechsel löste. Er sass in der zweiten Klasse, weil er dachte, den Klassenwechsel könne man inzwischen nicht mehr im Zug lösen.
Doch, kann man!
Neu ist der Mindestpreis bei CHF 10.- festgesetzt, ansonsten kostet ein Klassenwechsel beim Kondukteur genau gleich viel wie am Bahnschalter oder Billettautomat.
Und selbstverständlich kann man einen Klassenwechsel auch über das iPhone oder Android-Handy lösen, sowie online auf sbb.ch.
Ich befürchte, dass einige Reisende in den letzten Tagen darauf verzichteten, spontan im Zug einen Klassenwechsel zu lösen, weil sie dachten, das ginge nicht mehr. Dass der SBB dadurch der eine oder andere Franken an Umsatz verloren ging, ist schade.
Deshalb schrieb ich heute diesen Artikel, um nochmals daran zu erinnern, dass dies sehr wohl auch weiterhin möglich ist.
Preisbeispiele
Wenn Fahrgäste spontan im Zug einen Klassenwechsel lösten, stellte ich immer wieder fest, dass einige von ihnen über den Preis erstaunt waren; sie hätten einen deutlich höheren Preis erwartet und dachten nicht, dass ein Klassenwechsel so günstig sein kann.
Vermutlich gäbe es noch mehr Reisende, die einen Klassenwechsel lösen würden, wenn sie denn wüssten, was dieser kostet.
Damit ihr ungefähr eine Ahnung habt, was so ein Klassenwechsel kostet, hier ein paar Preisbeispiele für Halbtax- und GA-Kunden:
- Zürich – Winterthur –> CHF 3.80*
- Zürich – Luzern –> CHF 8.50*
- Zürich – St. Gallen –> CHF 10.00
- Zürich – Romanshorn –> CHF 10.00
- Zürich – Konstanz (D) –> CHF 10.50
- Zürich – Basel –> CHF 11.00
- Zürich – Chur –> CHF 13.50
- Bern – Basel –> CHF 13.50
- Zürich – Bern –> CHF 16.50
- Bern – Genf –> CHF 16.50
- Zürich – Lugano –> CHF 21.50
* = Im Zug gelöst: CHF 10.00
Update 9:58 Uhr
Um Missverständnissen vorzubeugen: Die oben genannte Regelung mit der Möglichkeit, im Zug einen Klassenwechsel zu lösen, gilt selbstverständlich ausschliesslich für die begleiteten Züge des Fernverkehrs. In Regionalzügen ist es nicht möglich, beim Zugpersonal einen solchen Klassenwechsel zu lösen.

{ 12 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }
Wie ist das in den Regioexpressen zwischen Bern und Biel wo die Kondukteure abgeschafft und die Selbstkontrolle eingeführt wurde?
Ich bin ein Klassenwechselstammkunde, habe meist eine Mehrfachkarte bei mir und habe grad heute einen Iphoneklassenwechsel gelöst. Kostet übrigens 5.40.
Diese Woche hab ichs bisher dreimal gemacht. Kontrolliert wurde ich nie. Die Rechnung ist schnell gemacht. Wenn ich den KW nicht löse, rentiert es schnell mal wenn ich ab und zu 10.– zahle.
Aber : Achtung Selbstkontrolle?
In den RE Biel-Bern gilt die Selbstkontrolle, dort gibt es keine Möglichkeit mehr für den Kauf eines Klassenwechsel. Der Kostet dann dort auch 90 Franken. Also Lohnt es sich ihn vor Abfahrt zu kaufen oder die Mehrfahrtenkarte zu Entwerten.
OK. Danke. Dann bleib ich mal lieber bei meinem bisherigen Vorgehen…
Klassenwechsel beim Kondukteur hab ich eigentlich erst einmal gemacht: Auf der Strecke Visp-Bern als ich mit der Familie spontan auf die Sardinenbüchse in der zweiten Klasse verzichtet habe und auf dem Iphone aus Datenverbindungsgründen nix lösen konnte…
Genau. Das will ich an dieser Stelle nochmals klar betonen: Den Klassenwechsel kann man selbstverständlich nur in den Zügen des Fernverkehrs lösen, jene Züge, die ständig begleitet sind.
Regionalverkehr (dazu gehört auch der Regioexpress) sind grundsätzlich nicht begleitet, mal abgesehen vom RheintalExpress.
Wow :)
Das nenn ich mal einen SAUBEREN Zug :)
Sowas sind wir in Deutschland gar nicht gewohnt.
Es kann der Eindruck entstehen, als habe sich die SBB einmal mehr selbst den Ast abgesägt, auf dem sie sitzt.
Es wäre intelligenter gewesen, auf diese Neuregel zu verzichten.
Die Regel mit dem Mindestpreis gibts schon länger und beim Regioexpress bestimmt der Besteller (Verbünde bzw Kantone) die begleitung bzw Kontrollart, siehe Rex im Rheintal.
Kürzlich bin ich auf folgende Seite gestossen: http://sbb.ch/abos-billette/abonnemente/ga/klassenwechsel.html
Dabei habe ich mich über den folgenden Satz gewundert:
“Auf Klassenwechsel für einzelne Strecken erhalten Sie mit dem GA eine Ermässigung von 50%.”
Gilt das auch beim Kauf einer MFK, wenn ich ein GA habe? Der Automat kennt ja da keinen Unterschied.
Mit dem GA erhältst du immer 50% auf den Klassenwechsel. Auch wenn du ihn als Mehrfahrten-Klassenwechsel kaufst.
Ja, aber beim Automaten gibt es nur eine Art der MFK. Muss ich das am Schalter lösen?
Bei meinen Bahnreisen bin ich sehr oft im Zeitstress, benutze aber sehr gerne einen Klassenwechsel, da es ja mit meinem GA 2.Klasse 50 Prozent weniger kostet. Nun wollte ich mich nur noch mal vergewissern, ob ich mich gleich wenn der Zug ankommt in die 1. Klasse begeben kann und dann dort bis auf die Fahrkartenkontrolle zu warten, um den Klassenwechsel zu lösen?
Ja, im Fernverkehr kannst du gleich von Anfang an in die 1. Klasse sitzen.
Achtung: Im Regionalverkehr (S-Bahnen, etc.) ist dies nicht möglich! Nur im Fernverkehr kann man in die 1. Klasse sitzen und auf die Kontrolle warten.