ÖV-Karte: Ab 2014 geht’s los

von Andreas Hobi am 5. Juli 2011 · 16 Kommentare

Was ihr in diesem Artikel findet: Ein Rückblick auf Easy Ride, die gegenwärtige Diskussion rund um die ÖV-Karte und ein Ausblick auf das neue elektronische RFID-Ticket (“Fast Track”), welches die SBB in Teilen bereits 2014, im vollem Umfang voraussichtlich im Jahr 2017 als Chip-Karte einführen wird.

SBB CFF FFS Schweiz Reisende Fahrgäste Passagiere
(Foto: SBB)

Rückblick

Unter dem Namen “easyride” versuchte die SBB schon einmal, etwas auf die Beine zu stellen, was man vereinfacht gesagt als “GA-Komfort ohne GA” bezeichnen könnte.

In wenigen Worten: Es ging darum, die Fahrgäste beim Ein- und Aussteigen berührungsfrei zu registrieren, die Daten per Funk an die Zentrale zu übermitteln und dann auf Grund der gefahrenen Kilometer mit Bahn, Schiff, Bus und Tram eine monatliche Rechnung zu erstellen.

Ziel war es, dass die Reisenden nicht mehr zwingend an einen Bahnschalter oder einen Automaten müssen, bevor sie in den Zug steigen.

Den oben stehenden Absatz haben langjährige, treue Leser von schweizweit.net hier schon öfters gesehen. Immer wieder gab es neue Informationen oder Gerüchte, die in Richtung elektronisches Ticket bei der SBB gingen. Und jedes Mal habe ich den entsprechenden Artikel mit dem Absatz wie oben eingeleitet.

Was bisher nur auf Spekulationen basierte, wurde jetzt durch Recherchen der Medien bestätigt: Ab 2017 soll das elektronische Ticket in der Schweiz eingeführt werden.

Wenn es gelingt über Standardtechnologien (WLAN, 3G, GSM etc.) die Reiseroute eines Kunden systematisch zu erfassen und dem zeitlich/geografisch auf der selben Route fahrenden Verkehrsträger zuzuordnen, wird es in naher Zukunft möglich die hohe Komplexität eines möglichen zukünftigen ÖV-Preissystems im Backoffice abzuwickeln, ohne dass das Kundenerlebnis beeinträchtigt wird. Als registrierter Kunde würdest Du z.B. beim Betreten eines Zuges erfasst und per Handymessage davon in Kenntnis gesetzt. Beim Um- oder Aussteigen würde wiederum über das Handy in Erfahrung gebracht, ob Du Deine Reise mit einem anderen Verkehrsträger fortsetzt (keine Aktion von Dir nötig) oder beendest (Taste 2 drücken oder automatisches Check-out nach z.B. 45 Minuten ohne gematchte Bewegung von Dir und dem Verkehrsmittel). Dies würde auch¨casual ÖV-Nutzern erlauben, mit GA-Komfort zu reisen ohne sich schon im voraus für ein Jahr ein entsprechendes Abo zu erwerben. Im Nahverkehr z.B. in London funktionieren ähnliche Modelle schon im Check-In / Check-out Modus auf Basis von Prepaid-Smartcards. Wenn Du an einem Tag 6 Einzelfahrten absolvierst, wird am Ende des Tages nur die billigere Tageskarte (+ eine 10% Systemgebühr) belastet.
(Patrick Comboeuf, Leiter E-Business SBB, 11. November 2009)

Vor ziemlich genau einem Jahr wurde dann bekannt, dass Ulrich Gygi, Verwaltungsratspräsident der SBB, das elektronische Ticket lieber heute als morgen in unseren Zügen sehen möchte:

Ich möchte keine lineare Erhöhung, sondern abgestuft nach Fahrausweiskategorie, Kundenkategorie, idealerweise ein Angebot mit Preisschildern versehen nach Qualität und Komfort. Schnellzüge ohne Halt sind teurer als langsame, Züge ausserhalb der Spitzenzeiten kosten weniger, Services wären zusätzlich zu bezahlen. Wir wollen aber ein offenes System beibehalten. Jeder soll jederzeit einen Zug besteigen können. Ideal wäre ein Chip. Beim Aussteigen wird der Preis für das benutzte Angebot abgebucht.
(Ulrich Gygi, Verwaltungsratspräsident SBB, 18. April 2010)

Damals bezeichnete Gygi seine Aussage als “Visionen”. Die Ideen würden nicht in absehbarer Zeit umgesetzt.

Doch bereits im Juli 2010 schrieb ich im Artikel “SBB: In Zukunft mit Chip oder Handy reisen” davon, dass Siemens Schweiz eine Technologie entwickle, die bereits damals sehr fortgeschritten war. Siemens nannte das Produkt “Fast Track” und hatte das Bestreben, es an Schweizer Bahnunternehmen zu verkaufen.

Auf das Scheitern der früher angestrebten Lösung (Easy Ride) angesprochen, sagte Marcel Kalbermatter, Leiter Bahnlösungen bei Siemens damals, dass die Nachteile des alten Systems aus der Welt geschaffen wurden. Und dank der schnellen technologischen Entwicklung im Bereich der Datenübertragung via winzigen Chip sei inzwischen vieles möglich, was vor ein paar Jahren noch als unmöglich galt.

Es scheint so, als habe Kalbermatter und sein Team die SBB überzeugt.

Aktuell: Das E-Ticket wird kommen

Am 2. Juli 2011 dann der Paukenschlag:

Künftig muss man nicht mehr ans Billett denken. Die SBB arbeiten an einem landesweiten System, mit dem Bahn-, Tram- und gar Seilbahnfahrten automatisch abgerechnet werden.
(Tages Anzeiger Online)

Schneller als ich es erwartet hätte kommt nun das elektronische Billett.

Die Elektronik ist viel billiger geworden, wir rechnen nur noch mit einem Bruchteil der Kosten für das ganze System. Grosse Fortschritte hat man auch bei der Sicherheit und beim Datenschutz gemacht.
(Marcel Kalbermatter, Leiter Bahnlösungen Siemens Schweiz, 2. Juli 2011)

Laut Kalbermatter sind die Chipkarten inzwischen sogar so billig geworden, dass man sie gleich an sämtliche Einwohner der Schweiz abgeben könne.

Im Gespräch mit dem Tages Anzeiger sagt Santiago Garcia, Programmleiter für elektronisches Ticketing bei der SBB, dass die Frage früher lautete, ob ein solches System überhaupt funktioniere. Diese Frage scheint nun geklärt, denn laut Garcia stellt man sich jetzt nur noch die Frage, wie man dieses System einführen wird.

Oder anders gesagt: Die Frage ist nicht mehr, ob das elektronische Billett kommt. Die Frage ist nur noch, wann.

SBB CFF FFS Schweiz Reisende Fahrgäste Passagiere Liebespaar
(Foto: SBB)

Der Zeitplan

2012 informierten die Organisationen des öffentlichen Verkehrs auf der Basis einer SBB-internen Studie darüber, wie die Realisierung erfolgreich aufgegleist werden kann.

Gleichzeitig beruhigt Garcia: Die konventionellen Billette, Billettautomaten und Bahnschalter werde es auch weiterhin noch geben. Das Ziel sei es aber schon, die grosse Masse der Routinegeschäfte elektronisch und weitgehend automatisch ablaufen zu lassen.

Im Jahr 2014 wird dann laut Garcia die erste Phase gestartet, indem die heutigen Abonnemente durch eine neue “ÖV-Karte” abgelöst würden. Anfangs sei es jedoch noch nicht möglich, die Reisewege der Fahrgäste automatisch zu erfassen; die Karte muss vom Zugpersonal erfasst und überprüft werden. (RFID)

Dann, in einer nächsten Phase, werden ab ca. 2017 in den Wagen befindliche Sensoren automatisch die Daten aller Passagiere abfragen. Die Chipkarten können dabei in den Taschen bleiben.

Einmal täglich senden die Erfassungsgeräte in den Wagen dann die Daten an die Zentrale, wo sie aufbereitet und die Fahrten verrechnet werden. Dadurch, dass die Daten nur einmal täglich übermittelt werden, ist es unmöglich, in Echtzeit den Aufenthaltsort einer Person festzustellen.

Wer es lieber noch anonymer möchte, kann auch eine unpersönliche Karte gegen Vorauszahlung kaufen.

Vorteile für die Kunden

Die Fahrgäste könnten in vielerlei Hinsicht von einer solchen Karte profitieren. So liessen sich zum Beispiel Rabatte für Stammkunden oder für die Benützung der Züge in Randstunden gewähren, Klassenwechsel automatisch erheben und wer eine Station zu weit fährt als ursprünglich geplant, der zahlt nicht mehr eine Busse, sondern einfach den Fahrpreis.

Möglich wäre es dann zum Beispiel auch, Rabatte für verspätete Züge oder für Dispozüge mit altem Rollmaterial zu gewähren.

SBB CFF FFS Schweiz Reisende Fahrgäste Passagiere Liebespaar
(Foto: SBB)

Vorteile für die SBB

Durch die automatische Erfassung hat die SBB genauere Zahlen über die Fahrgastfrequenzen in ihren Zügen. Das hilft ihr, das Angebot besser zu planen.

Ausserdem wird es nicht mehr möglich sein, ein Billett mehrfach zu benutzen. Beispiel: Eine bestimmte Strecke ein zweites Mal zu fahren, wenn man beim 1. Mal nicht in eine Kontrolle gekommen ist.

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Die Zukunft des Zugpersonals

Über die Auswirkungen dieser Chipkarte auf meinen Job müssen wir wohl nicht lange diskutieren. ;-)

Ich würde es mal so formulieren: Jeder Zugbegleiter, jede Zugbegleiterin, sollte sich bei Gelegenheit überlegen, wo so seine / ihre Stärken sind und in welche Richtung man sich beruflich weiterentwickeln möchte.

In meinem Fall heisst das: Den obligatorischen Nothelferkurs habe ich anfangs dieses Jahres gemacht, momentan lerne ich mit einem Mac-Programm die Fahrschul-Theorie, da ich ja innert höchstens drei Jahren die Autoprüfung machen muss. Ansonsten verfällt der Nothelfer wieder. Noch ein paar Wochen, dann “sitzt” der Stoff und ich kann mich für die Theorieprüfung anmelden.

Sobald nach dem Winter der ganze Schnee geschmolzen ist, fange ich dann mit dem praktischen Teil und dem VKU an und versuche, “das ganze Ding”, mit allen heutzutage verlangten WAB-Kursen im 2012 durchzubringen.

Danach kommt die dreijährige Probezeit und voraussichtlich 2015 kann ich den nächsten Schritt in meiner Karriere in Angriff nehmen. (Wer mich näher kennt, weiss ja, wohin ich möchte… ;-)

“Gefällt es dir denn nicht mehr?”, möchten einige Leute mich vielleicht an dieser Stelle fragen. Meine Antwort ist ganz klar: “Doch! Und wie!!! Mein Job gehört mit Sicherheit zu den besten, interessantesten und spannendsten nicht nur innerhalb der SBB, sondern auf dem ganzen Schweizer Arbeitsmarkt! Und auch die SBB selber ist als Arbeitgeberin sehr attraktiv.” Aber leider bin ich zur Überzeugung gelangt, dass es den Zugbegleiter in der heutigen Form in 10, 20 oder 30 Jahren nicht mehr geben wird. Und da ich ja noch mindestens 39 Arbeitsjahre vor mir habe und lieber nicht in einem Büro arbeiten möchte…

Anstatt zu jammern, passe ich mich an. Ändern kann ich an dieser Entwicklung – die ich selber ja logisch, nachvollziehbar und interessant finde – sowieso nichts. Ausserdem hätte ich an der Stelle des Verwaltungsrats oder der Geschäftsleitung der SBB genau gleich entschieden. Man muss einfach mit der Zeit gehen.

Zwar spricht die SBB in der Sonntagszeitung davon, dass es Billettkontrollen auch weiterhin geben werde, diese aber schneller vonstatten gehen. Wie diese Billettkontrollen genau aussehen und ob auch in 20 oder 30 Jahren immer noch jeder Fernverkehrszug begleitet ist, darüber ist nichts bekannt.

Und zum Schluss noch dies…

Der Datenschützer mal wieder… Ach, wie ich diesen Typen liebe… ;-) Die Sonntagszeitung sprach Hanspeter Thür auf die elektronischen Tickets an. Der Datenschützer hat nach eigenen Angaben zwar noch keine Kenntnis vom Projekt. Die Sonntagszeitung geht aber trotzdem jetzt schon davon aus, dass er Anpassungen verlangen wird. Keinen blassen Schimmer von der Thematik haben, aber einfach mal grundsätzlich dagegen sein. Wie bei Facebook.

Hauptsache, die Arbeit geht dir nicht aus, gell Thür?

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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Sandra-Lia Juli 5, 2011 um 08:34

Zum Theorie Büffeln hab ich so tolles Programm auf mein Android geladen :) Weiss nicht, obs für den Sauren Apfel dies auch gibt (Wer würde einen guten Apfel schon angebissen liegen lassen).

Und zu dem System: Dann kann ja die SBB nicht mehr Millionen mit Bussen verdienen. Würde dass dann auf die Billete aufgeschlagen?

Gut, nun zur Echten Meinung von mir:

Natürlich tönt das alles wieder toll. Aber es ist es wohl nicht. Es wird auch hier möglich sein, das ganze zu Fälschen. Und, eins ist sicher: Was, wenn der Server mal nicht geht, oder irgend sonst was schief geht?

Nun, für mich wird das wohl kaum eine Rolle spielen, bis dahin arbeite ich vermutlich auf einer Postautolinie *lach*

Spass bei seite. Bis dahin kann ich sicher Autofahren. Wird auch mal Zeit.

Nun, ich bin jedenfalls krittisch gegenüber dem neuen System. Aber nicht in der Form, wie beim Einführen der Billetpflicht. Sondern eher: Ich bin halt nicht so euphorisch, da viele neue Technologien schon vieles versprachen, und selten alles gehalten wurde.

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Andreas Hobi Juli 5, 2011 um 08:41

In Chur kennen wir etwas ähnliches ja schon, mit der “ChipCard” für den “Bus vu Chur”, das ist etwas ganz ähnliches. Nur muss diese Karte einfach noch in die Nähe eines Terminals im Bus gehalten werden. Funktioniert aber ganz gut.

In der Westschweiz gibt es die Mobilis-Karte und in London die OysterCard, die ich anfangs dieses Jahres mit grosser Begeisterung nutzte. Sehr praktisch und verrechnet einem immer den günstigsten Tarif. (Und ich habe SEHR genau geschaut, was mir jeweils verrechnet wurde. ;-)

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gentux Juli 8, 2011 um 10:33

Gibts auch schon seit einigen Jahren in Biel so RFID-Karten zum Aufladen und dann im Bus “abstempeln”, da finde ich die Idee schon gut, denn wenn wir die Papierbillete und Mehrfahrtenkarten mal abschaffen, retten wir Bäume.

Was die Vorteile für den Kunden anbelangt bin ich sehr kritisch was denn tatsächlich rauskommt. Da muss ich Sandra-Lia vollkommen zustimmen. Besonders einen Rabatt für Dispozüge dürfte nur der Marketingabteilung der SBB bekannt sein.

Und wie soll der Schwarzfahrer eigentlich vollautomatisch per Server-Side-Script aus dem Zug geworfen werden? Also einen Zugsbegleiter wird es meiner Meinung nach immer brauchen, vielleicht nicht mehr so viele, weil man vielleicht automatisiert Schweissausbrüche erkennen und eine Wagennummer mit der höchsten Schwitzrate als SMS an den Zugsbegleiter senden kann aber Passagiere beruhigen ohne Lachgas, Selbstschussanlage oder ähnlichem ist vollautomatisiert nicht ganz so einfach.

Piero Juli 5, 2011 um 08:47

Der Ansatz ist sicher gut, aber….

Also gehen wir mal davon aus, dass ev. jedem Einwohner so eine Karte ausgehändigt wird. Es wird dann vermutlich verschiedene Gruppen geben:

a) GA-Kunden, bei denen für die Statistik erfasst wird, wie oft und wieviele km sie mit den ÖV’S fahren

b) Halbtax-Kunden, die zahlen nur die Hälfte des Preises (und hier fragt sich, ob die dann, falls sie mal soviel fahren, dass sich ein GA rentieren würde, auch den günstigeren Preis eines GA bezahlen würden)

c) Die Tarifberbundsabonnenten ohne Halbtax, welche nur ganz wenig ausserhalb ihres Gebietes fahren

d) Die Tarifverbundsabonnennten, welche mit Halbtax öfters mal schweizweit fahren

e) Der Prepaidkunde als Gelegenheitsfahrer

Natürlich würde es wohl noch kleinere Abstufungen wie Kinder, Jugend, Erwachsener, Rentner etc geben. Wenn man aber dann jeweils den günstisten Tarif bezahlt, je nach dem, wie oft man gefahren ist, frag ich mich, ob hier vorallem die SBB nicht ein Eigentor schiessen wird. Viele bezahlen für ihre Fahrt zuviel, weil sie Anfangs Jahr gar noch nicht abschätzen können, ob ein GA, ein Halbtax oder sonst ein Abo nicht doch günstiger gekommen wäre. Diese Leute bezahlen immer den Höchstpreis.

Vielleicht aber wird, wenn die SBB und die ÖV-Unternehmen einem GA-Kunden, der gem. ihren Vorstellungen viel zu viel fährt (wie kommt kann er nur sein GA derart skruppellos ausnutzen????) dann Ende Jahr mit einem “zuvielgefahrenzuschlag beglückt” werden.

Und wenn wir schon dabei sind: Erfassen wir doch über eine Blackbox auch, wie oft ein Autofahrer die Strasse benutzt. Unterschieden wird dann, obs eine Autobahn, Hochleistungsstrasse, Hauptstrasse usw ist.

Wir könnten jederzeit ermitteln, wo wieviele Menschen mit einem Bus, Zug oder eben auf der Autobahn/Strasse unterwegs sind. Ausweichrouten für Autofahrer und Bahnfahrer könnten dem Nutzer auf sein Handy/Smartphone übermittelt werden. Da das System erkennt, wo wer ist, kann auch ermittelt werden, mit welche Leute öfters zusammen unterwegs sind – und denen dann Gruppenrabatte anbieten. Oder Ausflugstipps schicken. Oder gezielte Werbung… oder.. und…

.. aber wieso bekomm ich so ein Gefühl, ständig kontrolliert und beobachtet zu werden – sogar mehr, als das heute bereits der Fall ist?

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martele Juli 5, 2011 um 23:09

Irgendwie beschleicht mich auch so das Gefühl, ständig beobachtet zu werden.
Mit dem Datenschutz für so eine Chipkarte habe ich meine Mühe, mal ganz davon abgesehen, dass man immer weiss, wo wer steckt.
Und wenn das so ist, dass Ende Monat die Rechnung kommt und du siehst, oh, wow, so viel bin ich gefahren und die Rechnung wird gesalzen sein. Viel Spass beim Bezahlen im Nachhinein. Aber vielleicht gibts ja prepaid und wenn ich dann ausgerechnet weit weg will, fehlen mir ausgerechnet ein paar Franken und ich müsste mitten auf der Strecke aussteigen oder noch vor Abfahrt irgendwie hin rennen, um Geld drauf zu laden. Aber vielleicht gibts ja mal eine Technik, bei der man mit Hilfe von Gedanken solche Dinge erledigen kann (bitte nicht!).

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Alain Juli 6, 2011 um 00:37

@ Piero

In vielen Ländern ist dies ja auf der Strasse schon der Fall. Alle paar Kilometer kommt mal wieder eine Zahlstelle und man darf blechen…. Ansonsten muss man sich für die langsame und unkomfortable Innerortsstrassen entscheiden.. Auch in London z.B. muss man um überhaupt einfahren zu können eine spezielle Gebühr bezahlen…..

@Martele

Ich denke zwar schon, dass entweder das Günstigste verrechnet wird, oder dann eben eine Prepaid gibt, oder eine Art Anzeige die einem immer sagt, wie viel der aktuelle Stand ist – ähnlich wie bei den Mobilefunkanbieter….

Alain Juli 6, 2011 um 00:35

@ Piero

In vielen Ländern ist dies ja auf der Strasse schon der Fall. Alle paar Kilometer kommt mal wieder eine Zahlstelle und man darf blechen…. Ansonsten muss man sich für die langsame und unkomfortable Innerortsstrassen entscheiden.. Auch in London z.B. muss man um überhaupt einfahren zu können eine spezielle Gebühr bezahlen…..

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Piero Juli 7, 2011 um 11:26

Stimmt leider.

Was ich mich in dem Zusammenhang frage:

Wenn ich für verschiedene Leistungen andere Preise bezahle, müsste ich dann nicht auch bei den Steuern Abzüge oder Zuschläge bezahlen müssen? Krankenhaus 100 m entfernt ist ja eine gute Sache, hingegen wenns 30 km weit weg ist, hab ich ja eine minderte Leistung. Oder eine Quartiersstrasse vor dem Haus oder eine Hauptstrasse, welche winterdienstmässig besser unterhalten wird. Oder Schulen in der Nähe oder im Nachbarort usw..

Und wenn Bund, Staat usw ständig Gebühren für Leistungen verlangt, kann ich dann auch die Aufwendungen für die Steuererklärung in Rechnung stellen, welche jedes Jahr anfällt? :D Diese “Dienstleistung” möchte ich in Zukunft bezahlt wissen :D

Chris Juli 5, 2011 um 18:56

Ich sehe da für mich viele Nachteile. Das schöne am GA ist, dass ich von Zug nach Zürich die S9 oder halt den IC nehmen kann.

Jetzt muss ich mir in Zukunft immer überlegen, ob ich mir das leisten kann.

Ich werde also wohl einfach ein GA+ kaufen müssen und massiv mehr zahlen.

Das “gurkt” einem schon ein bisschen an.

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Andreas Hobi Juli 6, 2011 um 15:50

Die Chip-Karte und das GA+ haben nicht unbedingt etwas miteinander zu tun. Ich denke, diese beiden Sachen sollte man auseinander halten.

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Piero Juli 7, 2011 um 11:21

Das hat sogar sehr viel miteinander zu tun:

Durch diese Erfassung kann die SBB bzw. die ÖV-Anbieter exakt sagen, ob und in wie weit ein GA – für sie als Unternehmer – rentiert. Sie können ohne weiteres durch die gewonnen Daten massiv Druck auf den Preis ausüben, Änderungen erzwingen, Kürzungen verlangen. All diese schlimmen Pauschalfahrer können als Abzocker entlarvt werden – denen es einfällt, sich ein GA zuzulegen – und dann noch damit oft zu fahren.

Mike Juli 5, 2011 um 20:12

Dass das System nun kommt wundert mich überhaupt nicht. Die Vorteile für die SBB sind riesig:
1. Die SBB sieht nun auf den Kunden genau, wer welche Züge wann nutzt. Sie wird mit Sicherheit dies ausnützen, um ihre Leistungen zu optmieren, sprich der Nachfrage anpassen. Leere Züge/Busse wird es nicht mehr geben. Was nicht benützt wird, wird gestrichen. Ein Zug wird noch genausoviele Wagen haben, wie bei den Fahrgästen notwendig.
2. Mit dem neuen System wird der Kundenservice noch mehr abgebaut und die SBB zur Geisterbahn. Denn beim neuen System brauchts kein Schalterpersonal für Billetverkauf mehr. Die Folge werden massivste Bahnhofschliessungen mit daraus folgendem Stellenabbau bei Schalter- und Zugspersonal.
2.
Und die Vorteile für die Kunden?
Der einzige Vorteil ist das entfallen des Biletkaufs. Ansonsten bin ich zukünftig der SBB ausgeliefert, da ich als Kunde habe ich Null Einfluss darauf, wieviel ich bezahle, da dies automatisch abgebucht wird. Das öffnet der SBB Tür und Tor für Preiserhöchungen/Zuschläge nach Lust und Laune.
Die Kunden müssen sich zukünftig durch einen riesen Tariffdschungel kämpfen, wenn sie profitieren wollen, da die SBB diverse Zuschläge für FV/Hochgeschwindigkeitsstrecken einführen wird.

Antworten

Alain Juli 6, 2011 um 00:39

@ Mike. Es wird schon heute in (fast) jedem Zug eine Frequenz erhoben vom Zugpersonal. Das heisst, also schon heute werden gem. deren Angaben die Züge “optimiert”. Hier muss man aber unterscheiden zwischen RV und FV. Beim RV wird die Leistung sowieo fast immer durch die Gemeinden oder Kantonen gekauft und fahren deshalb wenns sein muss auch leer. Das entscheidet aber nicht nur die SBB oder BLS… Sondern eben viel die Gemeinde oder der Fiskalzahler

Antworten

gentux Juli 8, 2011 um 10:42

Was haben die SBB und die Handyprovider gemeinsam?

Jetzt noch nicht sehr viel. Aber die Handyprovider sind schon dort wo die SBB 2017 sein werden.

Antworten

Danilo Juli 9, 2011 um 01:25

Zuerstmal frage ich mich, wie das durchgesetzt wird. Man kann ja per RFID kontaktlos kontrollieren, aber wie will man Schwarzfahrer (z.B. anonyme Prepaidkarte mit zu wenig Guthaben) denn rauswerfen? Da würde wohl ein Zugchef benachrichtigt, inkl. Wagennummer oder so.

Aber was ist hingegen, wenn man dann seine RFID-Karte in Alufolie wickelt? Faradayscher Käfig, keine Verbindung / Abbuchung möglich, aber wenn der Kontrolleur kommt, hat man sie selbstverständlich dabei und kann sie vorweisen (natürlich vorher genügend aufgeladen). Sehe nicht wirklich, wie man sowas mit einem automatischen System verhindern kann. Und unterbinden kann man anonyme Fahrkarten auch nicht – oder was soll man sonst den Touristen abgeben?

Und noch zur Kritik an Herrn Thür – ich finde es ja OK, wenn man nicht immer mit seiner Meinung übereinstimmt, aber er hat wenigstens klar gesagt, dass er sich mit diesem Thema noch nicht genauer befasst hat. Du wirfst ihm hingegen eine grundsätzliche Ahnungslosigkeit auf seinem Gebiet vor, welche er – soweit ich das bisher beobachtet habe – definitiv nicht hat. Oder denkst du nicht, dass ein Experte für das Datenschutzgesetz mehr von Datenschutz versteht als ein Nicht-Experte? :) Genauso wie du dich mit ÖV gut auskennst, kennt er sich mit dem DSG aus. Und Grundsätzlich, bevor man kritik übt, hast du dir die Gerichtsurteile zu den letzten paar Thür-Fällen denn überhaupt angesehen? :) Da sind einige der für die meisten Leute unverständlichen Punkte nämlich ziemlich vernünftig begründet.

Antworten

Oelsen August 6, 2011 um 00:22

So hintendrein möchte ich da tortzdem noch einen Kommentar pfunden.

In Holland wird im Moment ein “Hacker” (eig. nur ein technisch sehr interessierter Mensch…) vom Bundestaatsanwalt auseinandergenommen, weil er gezeigt hat, dass man mit der MetroCard oder wie das heisst unter gewissen Umständen oder manchmal mit Nachhilfe gratis fahren kann _ohne dass das System es bemerken kann_ (!).

Tja. Siemens Schweiz? Wenn sie richtig kompetente Leute einstellen, dann wird das was. Ich denke mir mal, die Verzögerung der letzten Monate hat direkt etwas mit der holländischen Geschichte zu tun. Die sind ja nicht blöd. Hoffentlich.

Was passiert, wenn jemand in den Lesegeräten schlecht programmierte Firmware findet? Eine präparierte Karte oder ein fieser Sender könnte die Kontrolle ganz einfach abschiessen. Die Mitreisenden freuts: Sie fahren dann alle gratis. Es geht ja nicht darum, dass jemand gratis Zugfahren kann, sondern darum, dass es einen Reiz hat, wenn man solche Systeme geknackt hat.

Noch zu Thür: Pseudonymität ist nicht Anonymität. Oh, und was ist, wenn diese Karten immer antworten? Mal schnell auf einem Platz gucken, ob es SBB-Pendler hat? Im Laden messen, wer wann ein- und ausgeht? Klar ist das witzig für den Laden, bis man irgendwann ziemlich direkt durch dieses System belästigt wird…

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