Sowohl auf der Strecke vom Hauptbahnhof Zürich nach Schaffhausen, aber auch vom HB nach Basel kommt es immer wieder vor, dass auf meinen Zügen auch Grenzwächter mitreisen und die Fahrgäste kontrollieren.
Da die Grenzwächter jeweils nur wenige, ganz bestimmte Personen “herauspicken”, kommen sie meistens rascher voran als ich. Kaum haben die Grenzwächter den Wagen dann verlassen, kommen die Fragen der Fahrgäste.
“Sie Herr Kondukteur, was soll denn das??? Grenzkontrolle innerhalb der Schweiz???”
Ja. Grenzkontrolle. Innerhalb der Schweiz.
Das Stimmvolk war ja so deppert und hat damals den Schengenvertrag angenommen.
Dass ich persönlich “eher wenig” vom Schengener System, der EU und anderer Fremdbestimmung halte, ist den meisten inzwischen wohl bekannt. :)
Im Zug hingegen lasse ich mir davon nichts anmerken. Die SBB ist ja schliesslich politisch neutral.
Also erkläre ich dann jeweils in Seelenruhe, über was wir damals abstimmten und dass schon damals ganz klar im Abstimmungsbüchlein stand, nach der Annahme des Schengener Vertrages könne jederzeit an jedem Ort eine Grenzkontrolle stattfinden und seither stelle ein Gürtel von 30 Kilometern Breite “die Grenze” der Schweiz dar. In diesem Bereich kommt es besonders häufig zu Kontrollen. Ich weiss, von was ich rede, schliesslich bin ich in einem Dorf direkt neben der Grenze aufgewachsen.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Leute erst nach meiner Erklärung kapieren, über was damals eigentlich abgestimmt wurde. Es scheint also tatsächlich Menschen zu geben, die zwar abstimmen, sich aber gar nicht wirklich mit den Hintergründen beschäftigen.
Wie gesagt: Ich war damals dagegen. Denn ich finde es gefährlich, wenn man die Grenze zur Schweiz so einfach überschreiten kann und keine systematische Kontrolle mehr stattfindet.
Aber: So sehr mich die Situation direkt an der Grenze beunruhigt, so sehr freue ich mich dann darüber, wenn Grenzwächter in meinen Zug steigen. Denn sobald ich den Wagen betrete, wissen die Leute ja schon, dass Grenzwächter auf dem Zug sind. Aus diesem Grund hatte ich in solchen Zügen nie Probleme mit Fahrgästen, die nicht bezahlen wollten oder sich anderweitig quer stellten. Die Sache hat also auch ihre positive Seite! ;-)
Und die Kontrollen sind oftmals sehr ergiebig: Erst kürzlich haben Grenzwächter im Basler Bahnhof (unter wüsten Beschimpfungen) 104 Personen kontrolliert. Davon mussten 19 Personen mit auf den Posten und 6 Personen hielten sich rechtswidrig in der Schweiz auf. Sechs Personen von 104 Menschen; das entspricht 5.8 Prozent. Diese Zahl spricht für die Grenzwächter, aber gegen das angeblich so sichere Schengener System. Auch der Berner Fremdenpolizeichef Alexander Ott bestätigt: “Es gibt immer mehr Illegale in der Schweiz.”
Kurz zusammengefasst: Als Kondukteur freue ich mich über Schengen, als Privatmann mit Sorge um die Sicherheit der Schweiz bedauere ich das damalige Abstimmungs-Ja.
Bild © (cc) poprostuflaga (flickr.com)

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Die Kontrollen sind die logische Konsequenz der weggefallenen Grenzen. Wie sich zeigt, funktionieren ja die Schengen-Aussengrenzen nicht wirklich, sonst könnten ja gar keine Illegalen hier landen. Ich war auch entsetzt, als das Abkommen angenommen wurde. Ich kann nun ja selbst auch ohne Passkontrolle in Europa herumreisen – einen Pass muss ich aber trotzdem auf mir tragen, die früheren Kontrollen waren ein kleineres Uebel für mich.
Mal ganz langsam:
1) Es hätte es auch illegale Leute hier, wenn die Grenzen noch kontrolliert werden.
2) iDieses “rausgepicke” im Zug ist eine massive Beleidigung für jene, die kontrolliert werden. Jene werden oft nur darum kontrolliert, weil quasi “die Fratze” der Person einem Grenzwärter nicht gefällt. Wenn Kontrolle, dann bitte auch alle – ausserdem nach welchen Richtlinien wird kontrolliert?
3) Gürtel von 30 km.. wie Nah ist ein Zug von Zürich nach Basel in diesem Gürtel? Welche Berechtigung hat die Grenzwacht, in diesen Zügen Personen zu kontrollieren, quasi im Gebiet der normalen Polizei?
Schlussendlich kann ich sagen: ob mit Schengen oder mit einer altmodischen Grenzkontrolle: Ich fühl mich weder sicherer noch gefährdeter. Aber genervt, wenn ich im Inland-Zug neben dem Kondukteur auch noch meine ID/oder meinen Pass zeigen muss. (Soweit ich weiss haben wir noch keine gesetzliche Grundlage, die eine Ausweispflicht beinhaltet, aber ich kann mich auch irren)
Es wird auf jeden Fall immer Menschen geben, die sich illegal in der Schweiz aufhalten. Trotzdem bin ich der Überzeugung, dass es bei strikteren Grenzkontrollen weniger wären.
Angenehm ist es natürlich nie, wenn man kontrolliert wird. Sei dies nun bei einer Grenzkontrolle, bei einer Polizeikontrolle auf der Strasse oder sonstwo. Aber wo immer Menschen aufeinander treffen, sind Kontrollen anscheinend unumgänglich.
Die Grenzwacht kontrolliert vor allem die Züge von und zu den Grenzen, selten auch auf anderen Linien. Der Schwerpunkt liegt aber schon auf Basel, Schaffhausen, St. Margrethen, Chiasso, etc.
Eine Ausweispflicht gibt es in der Schweiz tatsächlich nicht. Deshalb akzeptieren die Grenzwächter im Normalfall auch andere Dokumente. Zum Beispiel GA, Halbtax, Führerausweis, Schüler- / Studentenausweis, etc. Sehr viele Leute haben ihre ID nämlich häufig nicht dabei, was ja auch verständlich ist. Schliesslich ist diese Karte ein wertvolles Dokument.
Auch vor dem Beitritt der Schweiz zum Schengengebiet wurde ich an den Grenzen zur Schweiz nie kontrolliert, ebenso verhielt es sich vor dem Zustandekommen des Vertrages an den Grenzen an den anderen deutschen Grenzen, z.B. Richtung Belgien und Niederlande.
Dann war ich also durch, und wenn ich mich illegal in der Schweiz aufhalten würde, würde ich keine wirkliche Kontrolle mehr befürchten müssen. Durch den Schengenvertrag sind diese Kontrollen aber nun überall möglich, deshalb steigert dies meiner Ansicht nach die Sicherheit.
Und das Grenzkontrollen wie früher Richtung Osteueropa (vor derem Schengenbeitritt) in Europa beinahe komplett weggefallen sind, begrüße ich dank der Reisefreiheit sehr, ob die Schweiz nun EU-Mitglied ist oder nicht.
Besonders kontrolliert werden natürlich die Schengen-Außengrenzen und weil es im Endeffekt nur noch ein Schengen-Visum und keine Visa mehr pro Staat gibt, sind hier die Verfahrensmaßstäbe zur Visaerteilung auch stark harmonisiert worden, so dass jemand, der sich legal in den Schweizer Nachbarstaaten aufhält, sich auch legal in der Schweiz selbst aufhält. (Weil ein Visum für Frankreich, Deutschland oder Österreich auch gleichzeitig ein Schengenvisum ist.)
Mal meine Sicht der Dinge weshalb die Grenzkontrollen mit Schengen deutlich wirksamer sein können als ohne (ohne Berücksichtigung ob die EU und Co. gut sind): Früher gab es ein paar besetzte Grenzposten. Wer illegal rein wollte, hat sich einen Weg gesucht welcher unkontrolliert war. Heute muss so jemand jederzeit damit rechnen kontrolliert zu werden. Dass mehr Illegale kommen als bisher würde ich jetzt nicht unbedingt auf Schengen schieben wollen, sondern dabei alle Umstände des Lebens in der heutigen, sich laufend verändernden Welt berücksichtigen. Das spielt ganz sicher auch eine grosse Rolle.
Schengen hat auch ein Vorteil. Während die Leute früher über die grüne Grenze kamen, setzen sie sich direkt in den Zug, und sind so viel einfacher auffindbar, als früher. Zudem, seit Schengen ist, wird wesentlich mehr kontrolliert, als früher. Nach Frankreich war früher nie jemand an Bord, heute eig. immer. Also sogesehen hat sich die Grenze sogar deutlich verschärft. Nur, rassistisch ist, wie kontrolliert wird.
Was ich noch anfügen möchte: Wenn man Schweizer ist, muss man sich innerhalb der Schweiz nicht ausweisen! (und da kann die Grenzwache den Kopfstand machen, das muss man nicht, es gibt in CH keine Ausweistragepflicht, und das soll so bleiben!)
Wo steht deine Aussage im letzten Abschnitt im Gesetz geschrieben?
Zum einem, wenn einer illegal in ein Land möchte, nimmt er auf keinen Fall einen Grenzübergang der kontrolliert wir. Und wenn er dann drinn ist, ist er bis auf weiteres erst einmal drinn.
Zum anderen, Wenn es nach den Europolitikern in ihrem Elfenbeinturm gegangen wäre, gäbe es überhaupt keine Kontrollen! Aber da haben die Innenpolitiker einen Aufstand gemacht.
@ Sandra-Lia : Als Schweizer hast Du in der Schweiz keine Ausweispflicht, das ist richtig. Die Polizei kann Dich aber, wenn Du Dich nicht ausweisen kannst, jederzeit mit auf den Posten nehmen um Deine identität zu überprüfen. ein “Verdacht” genügt. Da nehme ich gerne ständig meinen Ausweis mit…
Ausserdem : Mit Rassismus haben diese Kontrollen meist gar nix zu tun. Oder willst Du dem Kontrolleur, welcher im Zug von Biel nach Solothurn meine deutsche Freundin kontrolliert hat, Rassismus gegenüber deutschsprechenden mitteleuropäisch aussehenden Frauen unterstellen?
Danke für den Artikel. Die Kontrolleure mit Hund (welche ich übrigens auch schon im Zug von Bern nach Biel sah), liessen mich schon ein wenig rätseln. Jetzt ist alles klar.
Wenn das ein Nachteil von Schengen ist, dann nehme ich den gerne in Kauf.
Zitat: wenn Du Dich nicht ausweisen kannst, jederzeit mit auf den Posten nehmen um Deine identität zu überprüfen. ein “Verdacht” genügt. Da nehme ich gerne ständig meinen Ausweis mit…
Stimmt, war ich auch öfters froh, dass ich den dabei hatte (ich seh eben aus wie ein halber Mafioso :D )
Hier noch eine Interessante Story dazu. Die 30km gelten wohl nicht bei Zügen: Sobald ein Zug aus dem Ausland kommt, können offenbar sämtliche Anschlusszüge kontrolliert werden. Sprich ungefähr die ganze Schweiz.
Eine Frage
Müssen die Zöllner ein Billet haben oder nich xD
Grenzwächter brauchen – wie auch Bahnpolizei und andere Polizeikorps – während der Arbeit kein Billett.