Heute habe ich für euch mal wieder ein Rätsel. Es geht dabei um eine Aussage, die ein Kunde mir gegenüber machte.
Als Zugbegleiter hat man es ja mit verschiedenen Nationalitäten und Sprachen zu tun. Engländer, Amerikaner, Spanier, Franzosen, Italiener, Deutsche… Walliser, Basler, Berner…
Und genau um einen Berner geht es heute. Ich kenne viele Berner und hatte bisher noch nie wirklich Probleme, diese zu verstehen. Wie denn auch, die sprechen ja alle so schön langsam. ;-)
Diesmal war es ein bisschen anders. Der Berner trat in Zürich HB an mich heran mit einer an und für sich ganz einfachen Frage. Leider verstand ich sie beim ersten Mal nicht. Und auch nicht beim zweiten Mal. Beim dritten Mal habe ich mich dann entschuldigt und ihm gesagt, dass ich beim besten Willen nicht verstehe, was er mich fragen wolle. Dabei war es doch nur ein ganz einfacher Satz:
“Wiä sträng fahret d’Ihr?”
Zuerst runzelte ich die Stirn und stellte eine Gegenfrage: “Sie wollen wissen, wie schnell wir fahren?” Doch er verneinte und stellte die Frage nochmals, diesmal mit einer deutlichen Betonung auf sträng.
Streng hat mit Anstrengung, Kraft zu tun, schoss es mir durch den Kopf. Vielleicht will der Kunde irgendwas technisches über den Zug wissen? Doch auch das war es nicht, was er suchte.
Er stellte die Frage nochmals und ich musste inzwischen schon schmunzeln über den Gedanken, dass wir beide zwar schweizerdeutsch sprachen, uns aber trotzdem nicht verstanden.
Dann endlich fand ich heraus, was der Herr von mir wissen wollte.
Findet ihr es auch heraus? Meine Berner Leser mit Sicherheit! Scheint ja ein geläufiger Ausdruck zu sein im Bärndütsch. Aber ob es die anderen Leser auch herausfinden? Ich bin gespannt! ;-)
(Die Auflösung erfolgt demnächst in den Kommentaren, nachdem ihr eure Vermutungen niedergeschrieben habt.)
Bild © SBB AG


{ 35 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }
Er fragte wie regelmässig, in welchem Rhytmus oder Takt ihr fahrt.
Also das ist ja Sonnenklar:
Der gute Mann wollte wissen, wie oft ihr fährt, bzw wie oft ein Zug dorthinfährt, wo der Zug da hinfährt.
Wie streng = wie oft.
Also i bi ja säuber Bärner, aber dä Begriff hani iz no nie ghört im bezug uf Züg. Uf aahieb hätti iz gmeint, er meint dermit, wie gnau dases d SBB mitem Fahrplan nimmt. Also: Wie gnau fahret dir?
Hani o no nie ghört. Mi erscht Verdacht wär aber o das mit dr pünktlechkeit gsi. Stadtbärner isch dä Herr ämu nid, oder?
mou klar, es bezieht sech äuä ufe zugfüehrer/kontrolleur…
Wie ich mir dachte: Die meisten von euch wissen sofort etwas mit dem Begriff anzufangen, während ich ziemlich auf dem Schlauch stand. ;-)
Naja.. als Bündner (oder sowas ähnliches) ist das ja klar, euch versteht man ja auch nicht (immer) :D
Also ich kenne den Begriff streng in unserer schönen Sprache auch für die Häufigkeit. Wiä sträng? = Wie hüüfig? = Wie oft?
Der Berner war sicher von der älteren Generation, ich als “junger” Berner verstehe das nämlich nicht :( Oder es ist Berner Oberländisch?
Also ich würde mich ebenfalls als “junger” Berner verstehen und mir ist der Begriff ist mir durchaus geläufig. Ist meines Wissens auch nicht Berner Oberländerisch :D.
Und wie alle schon gesagt haben: sträng = wie oft in Form von einer Anzahl: 2 mal am Tag oder so.
Also de Usdrock kenni sogar als Aargauer, s’chont ä vor, dass mer da e eusem Breitegrad bruched, nor ned so “sträng” :-)
Hmm, ich musste zwar zuerst auch lange überlegen, dann fiels mir aber doch noch ein. “Wie sträng” habe ich persönlich aber nicht mehr im Wortschatz, das hörte ich bisher auch nur bei meinen Eltern oder älteren Bekannten.
Sonst sollte man doch eigentlich als Bewohner des Emmentals mit den Hardcore-Dialektspezialitäten auskommen, wir haben hier noch ganz andere Kreationen. Wenn ich bei der Arbeit nicht etwas Angepasstes aussprechen würde, würden mich einige Leute nicht verstehen (im Emmental sagt _man_ nämlich nicht “eis, zwöi, füf” sondern “iis, zwüü, föif”). Und so weiter…
PS (Mist, vorhin vergessen): Nur die Überschrift deines Blogbeitrags macht mir zu schaffen. Vielleicht haben andere Berner da andere Vorstellungen, aber d’Ihr genau so geschrieben als Höflichkeitsform habe ich noch nie gesehen ;-)
Dihr oder Dir würde mir viel heimeliger vorkommen.
Schweizerdeutsch zu schreiben ist nicht immer ganz einfach. :) Wobei wir damit nun ja eigentlich schon bei der nächsten Frage wären: Liebe Berner, wie schreibt man “d’Ihr” oder “Dihr” richtig? (Sofern es ein “richtig” überhaupt gibt; denn eigentlich kann dies jeder so schreiben, wie er möchte. )
Ich hätte “dir” oder alternativ “diir” geschrieben, aber das ist wohl nicht zwingend. Soviel ich weiss wird das h zur dehnung im Schweizerdeutschen aber allgemein nicht wirklich benutzt (ob es wirklich falsch ist weiss ich nicht), stattdessen benutzt man doppel-vokale.
Viele Beispiele (allerdings nicht immer repräsentativ) gibts auf http://als.wikipedia.org/wiki/Houptsyte ;)
den ausdruck hört man heute nur noch bei der älteren generation..bedeutet “wie häufig”
Also sogar ich als Walliser höre dies noch viel und weiss somit was es heisst!!!
Hm, also das weiss man natürlich in Solothurn auch, was es heissen tät-
Ich hätte was besseres für dich: Der Zug fährt um viertel Neun! (Bitte ausdeutschen, was die Zeit in Stunden und Minuten bedeutet)
Da würde ich mal auf 08:45 tippen, weil das Viertel vor der Neun steht. Aber sicher wäre ich mir nicht. Ich würde also auf alle Fälle genauer nachfragen, welche Zeit gemeint ist.
Korrekt wäre 08:15. Eigentlich eine logischere und einfachere Zeitangabe als wir sie benutzen.
08:00 – 08:15 – 08:30 – 08:45 – 09:00
acht – viertel neun – halb neun – dreiviertel neun – neun
Wird soviel ich weiss vor allem in Süddeutschland so ausgedrückt.
Ich würde eher auf die Primetime (wenn abends) tippen, also 20.15 Uhr – oder halt 08.15 Uhr.
Es heisst ja auch halb sieben und nicht halb vor sieben oder halb nach sechs.
Ha! Endlich mal was Nützliches aus Deutsch-TV gelernt ;-)
Soll ich auflösen?
Alle Antworten sind falsch! Logik: Viertel Neun, Halb Neun, dreiviertel Neun; Zu Deutsch: 8.15, 8.30, 8.45! So einfach ist das in Nord- und Ostdeutschland :))
ICH KORRIGIERE
7.15, 7.30, 7.45
Weil vor.. (ich hab mich grad selbst vertan. )
Also viertel 8 = 7.15. (eben dreiviertel vor acht!!)
Hier noch genauere Begründung, nicht von mir:
bei dir in Brandenburg (wie in ganz Ostdeutschland) benutzt man meines Wissens die Form “viertel acht” und “dreiviertel acht”. Diese Version wird aber auch in der Gegend um Freiburg herum, also im Badischen verwendet. Im übrigen Deutschland gilt in der Regel die Fassung “Viertel nach sieben” bzw. “Viertel vor acht” (Achtung: Großschreibung nur in der zweiten Fassung, nach Neuer Deutscher Rechtschreibung).
Das mit 1/4 8 (oder ähnliches) hat mir auch schon Kopfschmerzen bereitet. Ich sag dann immer, sie sollens exakt sagen, also 8:15 Uhr.
Obwohl man ja logisch gesehen dahinter kommen könnte: 1/4 von der Stunde 8 = 8:15 Uhr. 3/4 8 wären dann 3/4 der Stunde 8.
Viertel 9 ist dann.. 9:15? Doch.. nein.. doch
Ach die Deutschen und ihre komische Sprache :D
ja, eben 1/4 8 ist = 7.15, weil schon 15 min zur nächsten Stunde vergangen sind. Es gibt da noch viel geilere Aussagen, wie 10vor viertel 8! (wäre dann 7.05!!!) Oder zehn vor dreiviertel 8 (Ist logisch, oder? 7.35).
Also bei solchen Sachen wirds immer schwer, aber dein Satz, ist doch einfach ^^
“Wie schträng fahret Diir?” wird als Frage nach dem “wie häufig/oft” gestellt. Herkunft würde ich auf Oberaargau/ Emmental tippen. Im Berner Oberlad würde man eher fragen “wi fliisig fahret Dier?”
Ja, mit “fliisig” käme ich schon eher klar! Solche Ausdrücke kommen auch im Wortschatz meiner Grosseltern vor (Region Sarganserland). :)
Gummel, Gummelistunggis, zringelume, schlätere, obsi, nizi, Polizi, Niidle… :)
Er will wissen, wie häufig die Züge fahren. “Wie sträng” soll in diesem Zusammenhang “wie häufig” bedeuten.
Das hätte ich auch als “Wie häufig fahren Sie” verstanden.
Das verstehe ich noch, aber sage ich nie.
Du solltest mal S Totemügerli lesen: Hier ein Wikipedia-Artikel in Walliserdeutsch: http://als.wikipedia.org/wiki/Totem%C3%BCgerli
Und hier findest du ds Gschichtli: http://hucky.org/mamboo/content/view/6/22/
Viu Spass!
Ou, das hät zuuget!
Nein, in Süddeutschland nicht, sondern im Osten, Berlin, Brandenburg.
@Sandra-.Lia: Ich kenne jedenfalls Leute aus dem Hohenlohe, welche sich so ausdrücken :)
Fragt sich halt, woher sie ursprünglich kamen. Aber denkbar ist vieles. Ich red schliesslich auch kein breiten Dialekt, sondern irgend eine bunte Mischung.