Wochenrückblick

von Andreas Hobi am 9. August 2010 · 13 Kommentare

Meldungen aus dem öffentlichen Verkehr

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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Martin August 9, 2010 um 12:06

Der Fahrplan des Glacier Express ist nie und nimmer die Unfallursache. Fahrpläne sind immer knapp und können nur eingehalten werden wen der Lokführer die maximale erlaubte Geschwindigkeit ausfährt, dass ist bei der SBB genau so wie bei der MGB. Natürlich ist das stressig und anspruchsvoll und nur durch geeignetes Personal machbar.

Auch der Cisalpino oder der Railjet sind ständig zu spät. Deswegen entgleisen die Züge aber nicht. Das ist auch kein Grund zu schnell zu fahren. Die Kunst einen Zug zu führen ist ja gerade den Zug nahe am Limit, aber nicht darüber, zu bewegen. Geschwindigkeitsüberschreitungen von 5 Km/h sind bereits unüblich, aber 60% zu schnell? Das ist eindeutig: Der Lokführer war für diesen Beruf nicht geeignet.

Es war schlicht und ergreiffend Lokführerfehler, jeder Zug kann verunfallen, wen der Lokführer 20-30Km/h zu schnell fährt, das ist allgemein gültige Physik, egal wo. Die Frage ist wieso wusste das der MGB Lokführer nicht? Offensichtlich fehlt es bei den Lokführern an Ausbildung und Qualifikationen, dass ist das Grundübel der Eisenbahnen und hat in letzter Zeit zu mehrern Unfällen und Verspätugen geführt . Es nützt nichts wen wir die wahre Unfallursache ignorieren oder abstreiten.

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Piero August 9, 2010 um 15:06

Mal ein Kommentar betreffend Preiserhöhungen:

Mir ist klar, dass mehr Leistung auch mehr kostet. Sowas streitet ja niemand ab, aber wie kommt man auf die Idee, mehr Passagiere würden die Kosten auch in diesem Umfang erhöhen?

Mal ein simples Beispiel: Es fahren 9000 Züge am Tag auf den SBB Gleisen. Ob diese nun 700’000 Passagiere transportieren oder 900’000 Passagiere – es sind immer noch genausoviele Züge. Einzig die Zugslänge könnte man hier als Kostenfaktor anfügen, also das mehr Radachsen die Schienen abnützen und mehr Strom verbraucht wird. Aber wenn längere Güterzüge mit mehr Tonnen fahren, dann bezahlen diese doch auch mehr, oder bin ich da auf dem Holzweg?

Weiter finde ich, dass es bei 6% mehr Passagiere noch lange nicht heisst, dass die Kosten auch um 6% gestiegen sind.
Und natürlich fallen die Einnahmen pro Kopf, aber welches Unternehmen kann von sich aus behaupten, dass sie a) über 400’000 GA – Kunden und b) 2.2 Mio Halbtaxkunden hat? Bringen 400’000 nicht mehr ein als 250’000 Kunden? (Soweit ich weiss, war das etwa die Zahl der GA-Kunden vor Bahn 2000)

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Andreas Hobi August 12, 2010 um 09:47

Nun, mit den GA-Kunden verhält es sich so, dass die pro Kilometer weniger Geld einbringen, als uns (die SBB) der Personenkilometer kostet. Um beim Vergleich mit der Migros zu bleiben: Wir verkaufen die Milch günstiger, als uns der Einkauf kostet.

Sogar der Preisüberwacher hat in einem Interview mit der 20 Minuten zugegeben, dass dies tatsächlich so ist. Wir machen also nicht mehr Geld, wenn wir mehr Generalabos verkaufen.

Auch mit der Gemeindetageskarte verhält es sich so. Oder will jemand behaupten, es sei für die SBB ein lohnendes Geschäft, wenn die Fahrgäste für 30-34 Franken einen ganzen Tag lang beliebig viel Zug fahren wollen? ;-)

Ursprünglich war die Gemeindetageskarte ja dazu gedacht, bahnunerfahrene Personen auf die Schienen zu bringen. Inzwischen aber kaufen sich viele Leute eine Gemeindetageskarte, sobald ihre Fahrt mehr als die erwähnten 30-34 Franken kosten würde. Auch Halbtaxler treffe ich oft mit diesen Karten an.

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Piero August 12, 2010 um 10:14

Aber dennoch beantwortet es nicht die Frage, was daran teuerer sein soll. Es fahren immer noch gleich viele Züge, ob da nun ein paar mit einer Gemeindetagskarte rumkurken oder nicht, fahren tun diese Züge, Busse, Trams etc ja dennoch. Und wir reden hier, wenn diese 900’000 Passagiere pro Tag stimmen, von rund 0.5% der Fahrgäste an einem Tag. Einen grossen Nachteil für die Kunden wird selten erwähnt, dass diese Karte an einem bestimmten Nutzungstag gültig ist. Für spontane Reisen werden solche Tageskarten also selten genutzt.

Zu den Aktionen mit der Migros: wenn die SBB ständig jammert, warum zum Geier werden dann solche Aktionen gemacht?

Martin August 12, 2010 um 10:44

Die Frage ist doch die: Wieso wird die SBB immer teurer, wenn das Personal immer weniger verdient dafür aber immer mehr arbeitet und produktiver wird? Klar, die einen sagen der Bund zahlt für den öffentlichen Auftrag immer weniger. Das Trifft nur auf SBB Cargo zu, aber nicht für den Personenverkehr.

Andreas Hobi August 12, 2010 um 10:48

Produktivitätssteigerungen sind eine Möglichkeit, um die Leistungen günstiger erbringen zu können. Das alleine reicht aber anscheinend noch nicht. Deshalb sind laut SBB die Preisanpassungen unerlässlich.

Martin August 12, 2010 um 11:02

Wie du selbst sagst: “Produktivitätssteigerungen sind eine Möglichkeit, um die Leistungen günstiger erbringen zu können”.
Aber wie kommt es dazu, dass bei der SBB Produktivitätssteigerungen zu höheren Kosten führen. Irgendwo gibt es einen Cash drain.

Andreas Hobi August 12, 2010 um 11:18

Was ich damit sagen wollte: Trotz Produktivitätssteigerungen können die Ausgaben für Personel, Material etc. nicht genügend gesenkt werden. Das Verhältnis zwischen Ausgaben und Einnahmen stimmt immer noch nicht.

Mit den Produktivitätssteigerungen versucht die SBB, die Ausgaben zu senken.

Mit den Preisanpassungen versucht die SBB, die Einnahmen zu erhöhen.

So, dass optimalerweise das Verhältnis irgendwann im Lot ist.

Martin August 12, 2010 um 11:43

Zu den Ausgaben: Einsparungen und Effizienzsteigerungen beim Personal führen zu tieferen Ausgaben. Auch Züge und Loks sind heute, wie alle industriel gefertigte Produkte, billiger. Wie ich schon geschrieben habe gibt es auch keinen Grund wieso die Infrasruktur teurer sein soll.

Zu den Einnahmen: Die sind eindeutig gestiegen, jedes Billett und jedes GA das mehr verkauft wurde schlägt direkt auf der Einahmenseite zu Buche. Mehr Passagiere bedeutet aber auch Mehreinnahmen aus Railcity und Park and Ride Anlagen.

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Martin August 9, 2010 um 15:23

@Piero
Leider stellen sich nur wenige Menschen solche Fragen. Wieso soll eine Verkehrszunahme von 15% die Infrastruktur um 15% teurer machen? Neue Züge und Loks beanspruchen die Schienen weniger und die Stellwerktechnik, Signale, Fahrleitungen nützen sich wegen längeren Zügen auch nicht mehr ab. Die Schienen müssen wegen witterungseinflüssen so oder so nach 40 Jahren ersetzt werden. Kommt dazu das die Infrasruktur aus Kostengründen viele und der teuren Weichen ausgebaut hat

Eigenartiger ist auch, dass es immer weniger Lokführer gibt und diese auch noch weniger verdienen und bei der Ausbildung wird auch kräftig gespart. Wo bleibt das eingesparte Geld?

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Piero August 9, 2010 um 15:38

@Martin

Genau, diese Logik der SBB-Führung ist einfach nicht nachvollziehbar. Genauso das Geschrei um die Gemeindetageskarte. Wenn ich mich richtig erinnere: Aktuell kostet die Gemeindetageskarte 9775 Franken, in Zukunft 11 300 Franken, was über 3x soviel ist wie ein normales 2. Klasse-GA. Dennoch soll es finanziell derart schlecht sein, dass man gerne auf die rund 4000 Gemeindetageskarten verzichtet hätte – und somit auch auf bald über 40 Mio Fr. dies sogar von Passagieren, die effektiv nur mal sporadisch mit dem Zug fahren und beim Ausbleiben dieses Angebotes garantiert kein Halbtax kaufen werden sondern ihre Fahrt mit dem Auto machen? (Sonst hätten sie’s ja längst ein Halbtax erworben, wenn es sich rechnet)

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John August 9, 2010 um 18:24

Preiserhöhung wegen grösserem Angebot?
Ist die Milch im Supermarkt wirklich teurer als im kleinen Tante-Emma-Laden?
Gemäss Management SBB JA!

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brummbaer August 10, 2010 um 11:46

@piero Ja die Güterzüge zahlen mehr. Je länger der Zug je teurer das Trasse. Die Trassenpreise errechnen sich nach Tonnenkilometer. Also würden auch Personenzüge teuerer je länger sie sind.
Zu den Preiserhöhungen…. der Bund also wir alle wollten die Privatisierung und die Aufteilung der Bahn. Das was früher durch den Bund Subventioniert wurde zahlt heute die Bahn selber. Der Eigner (Bund) gibt vor das kein Verlust gemacht werden darf.
Zum Halbtax noch folgendes, es gab mal eine Zeit so vor 30 Jahren da Kostete das Halbtax über 300 Franken, dann kam der Bund und machte mit den SBB einen Deal, wir subventionieren das Halbtax und ihr macht dafür ein gutes Angebot und das 100 Franken Halbtax. Dann kürzte der Bund das Halbtax und die SBB erhöhte den Preis auf 125 Franken für ein Jahr. Dann strich der Bund die Subventionen und die SBB erhöte auf 150 Franken (immer auf ein Jahr gerrechnet) und seither nicht mehr. Das war vor 17 Jahren. Also ist diese erhöhnung meiner Meinung nach Gerechtfertigt. Weil beim Halbtax anders als in andern Ländern auch die Privatbahnen dabei sind und auch die wollen ein Stück vom Kuchen, auch die werden von ihren Kantonen und Gemeinden nicht mehr im Selben umfang wie früher unterstützt

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