Immer schön die Hände putzen! Dies gilt in meinem Job vor jeder Pause und bei Feierabend. Nicht nur, weil wir bei unserer Arbeit mit den verschiedensten Materialien in Kontakt kommen, sondern auch, weil es unter den Fahrgästen ein paar unappetitliche Reisende gibt…
Es kommt fast täglich vor, und trotzdem habe ich mich nach bald sechs Jahren Zugbegleitung nicht daran gewöhnen können: Reisende, welche ihr Billett “zum Fressen gern” haben.
Wirklich! Ist kein Witz!
Die stecken tatsächlich ihren Fahrausweis in den Mund, bevor sie ihn mir in die Hand drücken. Eklig.
Oft läuft es in etwa so ab:
- Person nimmt Portemonnaie hervor
- Person entnimmt Papierbillett
- Person steckt Papierbillett zwischen die Lippen (“Zwischenablage”)
- Person sucht das Halbtax im Portemonnaie
- Person übergibt mir Halbtax und Billett
Anstatt also das Billett mir zu geben oder auf dem Tisch zu lagern, bis sie auch das Halbtax gefunden haben, tendieren gewisse Personen dazu, ihr Billett mit den Lippen festzuhalten. Den Sinn dahinter verstehe ich leider nicht.
Ich bin dann immer darum bemüht, das Billett nicht unbedingt an der Stelle anzulangen, an der es im Mund war. Trotzdem finde ich die ganze Sache ziemlich unhygienisch und eigentlich auch unhöflich dem Zugpersonal gegenüber.
Glücklicherweise stecken sich viele dieser etwas speziellen Fahrgäste das Billett nur ganz wenig an einer Ecke in den Mund, so dass ein Grossteil des Billettes nicht “kontaminiert” ist. An einen Fahrgast mag ich mich aber erinnern, der sich im Hochsommer, schweissgebadet, das Billett regelrecht in den Mund geschoben hat! Dem hätte ich am liebsten die Kondukteur-Zange entgegengestreckt und ihm gesagt: “Lochen Sie Ihr Billett gefälligst selbst, Sie Schwein!”
Ich konnte mich dann aber gerade noch zurückhalten. ;-)
Vielleicht muss ich mir für die Zukunft mal noch etwas einfallen lassen. Eine Möglichkeit wäre es zum Beispiel, bei solchen Kunden demonstrativ Latexhandschuhe aus dem Hosensack zu zaubern, anzuziehen und dann erst das Billett in die Hand zu nehmen. Das Gelächter der rundum sitzenden Fahrgäste wäre mir vermutlich sicher!
Oder aber ich nehme das Billett gar nicht selber in die Hand, sage dem Kunden, wie er es zu halten hat und loche es dann “aus sicherer Entfernung”. Wäre auch was…
Bild © (cc) fortes (flickr.com)


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könntest ja den Leuten auch etwas Essbares anbieten. Sie scheinen ja sonst nichts zu (fr)essen zu kriegen…
Naja.. ist ja schon so, dass das eklig ist – andererseits nimmt das der Kunde ja auch in die Hand. Schon mal daran gedacht, wo der Kunde mit seiner Hand zuvor gewesen sein könnte und ob er diese dann auch sachgemäss gereinigt hat?
Ausserdem: was einen nicht umbringt, macht einen hart. Diese These, dass wir in einer viel zu sterylen Umwelt leben, bekommt immer mehr Unterstützung. Von der Möglichkeit, spezielle Würmer wieder in den Körper zu kriegen, ist bereits die Rede.
Ehrlich gesagt, mache ich das erst nicht mehr, seitdem ich deinen ersten Text zu diesem Thema gelesen habe. Ich denke aber, dass das hygienemässig eher im Kopf ein Problem ist und nicht tatsächlich. Ich denke es gibt schlimmeres in deinem Job, wie z.B. die fein verteilte ***** welche von den offen Toiletten ausgehend fein zerstäubt an den Zügen inkl. Handstangen etc. klebt. (zum Glück gibt es immer weniger offene Toiletten)
Ich habe zwei Jahre in Indien gelebt und gearbeitet. Seit dieser Zeit bleibe ich bei den westliche Hygienethemen immer sehr locker.
Mach es doch wie ich. Nimm es an der “Trockenen” stelle in die Hand und gib es mit der “Nassen” Seite zurück. Der Gesichtsausdruck ist dann sehr erheiternd ;-)
Also ganz ehrlich gesagt, denke ich auch dass es in einem Zug unhygienischere Sachen gibt als ein Billet welches kurz im Mund war.
Das fängt an bei den unzähligen Hustern im Winter, über pausenlos überfüllte und nicht entleerte Mülleimer, weiter zu Fäkaliengestank und endet irgendwo.
Diese Billete im Mund sind kontaminiertechnisch für einen Kondikteur sicherlich nicht das grösste Problem.
Es soll auch Fahrgäste geben, welche eure Erfrischungsgutscheine und die Railcheks à 5.- bis 15.- gerne etwas in den Mund nehmen. So wie die zum Teil jeweils bei mir auf dem Tisch landen (verfressen, völlig erblasst, so dass man die Gültigkeit kaum mehr sieht) und das gerade bei der 1. Gattung bei Gutscheinen welche teilweise erst wenige Wochen oder Tage alt sind… Oder liegt die fehlende Farbe auch an den ZPG II?
Am ZPG II liegt das nicht. Wir müssen ja unsere Abrechnungsbelege (die auch auf dem ZPG gedruckt werden) zu Hause aufbewahren. Und ich habe solche, die zwei, drei Jahre alt und immer noch sehr gut lesbar sind.