Deutsche Bahn: In Zukunft keine Ticketschalter mehr?

von Andreas Hobi am 20. Juli 2010 · 16 Kommentare

Vor kurzem bin ich über eine sehr gefährliche Aussage des Deutsche Bahn-Chefs Rüdiger Grube gestolpert. Anlässlich des Zeit-Matinee in Hamburg meinte er: “Wir wollen die schnittstellenlose Mobilität schaffen.” In der Zukunft werde es keine Ticketschalter mehr geben, sondern der Reisende werde ein Smartphone bei sich tragen und seine Reise per Bahn, Flugzeug oder Auto aus einer Hand organisieren.

Deutsche Bahn ICE - Munich Hbf

Ein ICE der Deutschen Bahn in München

Im Grunde genommen geht dies in eine Richtung, wie ich sie am 1. Juli 2010 schon angesprochen habe (SBB: In Zukunft mit Chip oder Handy reisen). Trotzdem: Man könnte Grubes Aussage auch dahingehend verstehen, dass die Deutsche Bahn plane, sukzessive die Bahnschalter abzubauen, die Öffnungszeiten zu reduzieren, um so die Reisenden zum Umstieg aufs Handy zu zwingen. Dies ist meiner Meinung nach der falsche Ansatz.

Ich persönlich hoffe nicht, dass dies der Fall ist und noch weniger hoffe ich, dass – sollte es dann doch so geplant sein – das Beispiel nicht Schule macht in anderen Ländern und bei anderen Bahnen.

Klar; auch ich bin der Meinung, dass wir inskünftig mit digitalen Fahrscheinen unterwegs sein werden. In welcher Art auch immer dies schlussendlich umgesetzt wird. Aber: Die Reisenden müssen sich selbst für diese neue Art von Fahrscheinen entscheiden und parallel dazu weiterhin jederzeit die Möglichkeit haben, an einem Bahnschalter herkömmliche Tickets zu kaufen. So lange, bis sie sich aus eigener Initiative für die neue Billett-Generation entscheiden.

Dann, über die Jahrzehnte hinweg, wird es immer weniger Menschen geben, die den elektronischen Tickets gegenüber Bedenken haben und irgendwann werden wir den Punkt erreichen, an dem die Papierbillette tatsächlich nicht mehr gebraucht werden und im Museum landen.

Quelle: welt.de

Bild © (cc) nicky-alex (flickr.com)

Hat dir dieser Artikel gefallen? Falls ja, gebe deine Stimme ab und klicke auf den +1-Button! Ausserdem kannst du einen Kommentar hinterlassen, um uns deine Meinung zu diesem Artikel mitzuteilen.

Das ist ein Artikel von

Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

Andreas hat bereits 1466 Artikel hier auf schweizweit.net geschrieben.

Alle Artikel von → | Twitter: @andreashobi | Facebook

Du möchtest auch gerne einen Artikel schreiben? Kein Problem! Melde dich hier...

{ 16 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }

Piero Juli 20, 2010 um 16:38

Das mit dem gezwungen werden ist so eine Sache: macht nicht die SBB genau das? Muss ich nicht mittlererweile ein Ticket lösen und dorthin fahren zu können, wo ich noch ein Ticket lösen kann?

Problematisch sind dabei die Tarifverbünde, die zwar innerhalb ihrer Gebiete Tickets verkauft – aber für Fahrziele ausserhalb ihres Gebietes keine am Automaten anbietet. Weiter werden massenweise Bahnhöfe zu unbedienten unfunktioniert, aber nicht bei allen kann ich auch ein Ticket überallhin lösen. Es ist schon fast eine Sensation, wenn ich an jeden Bahnhof oder Haltestelle der Schweiz von jedem Bahnhof der Schweiz eine Fahrkarte lösen kann – von ausländischen Destinationen kann man nicht mal zu träumen wagen.

Ausserdem: Ich persönlich mag den Kontakt mit einer echten, lebenden Person, die ich beim Kauf noch kleinere Dinge fragen kann (und welche mir auch meist Auskunft geben kann). Bei einem Automaten geht das äusserst schlecht.

Natürlich ist mir klar, dass dieses Angebot eine Kostenfrage ist, aber es gibt eben Dinge, die man nicht so einfach wegrationaliseren kann, ohne einen Wertverlust zu verzeichnen. Aber wir könnten Verwaltungsräte und Chefetagen entlassen, die brauchts im Grunde nicht wirklich.

Antworten

Andreas Hobi Juli 20, 2010 um 17:02

@ Piero: Meines Wissens müsste inzwischen eigentlich an jedem SBB-Bahnhof mindestens ein Touchscreen-Automat stehen, der Billette für die ganze Schweiz verkauft. Oder ist das noch nicht überall der Fall? (Lasse mich gerne eines besseren belehren…)

Das mit den ausländischen Destinationen ist so eine Sache… Mal “kurz über die Grenze” ist kein Problem; Konstanz und ähnliche Destinationen erhält man auch am Billettautomat. Schwieriger wird es mit Paris, Rom, Wien und Berlin. Oft gibt es dort verschiedene (Markt-)Tarife und Variationen. Vermutlich ist die Gefahr dann zu gross, dass jemand mit einem falschen Ticket im Zug sitzt. Wobei: Übers Internet werden solche Fahrten ja dann doch wieder verkauft…

Und was die Kostenfrage anbelangt, kann ich halt einfach nur wieder betonen: Die SBB muss mit dem Geld arbeiten, das sie erhält. Je mehr Geld vorhanden ist, desto mehr kann man dem Kunden bieten.

Denn ganz klar ist: Die meisten Leute haben am liebsten – wie du und ich – eine reale Person vor uns, wenn wir etwas kaufen.

Antworten

Piero Juli 20, 2010 um 17:31

Betreffend Bahnhöfe bezog ich mich nicht nur auf jene der SBB ;)

Und natürlich muss die SBB mit dem Geld arbeiten, dass sie erhält. Die Frage ist natürlich, ob sie das Geld auch sinnvoll einsetzt. Wenn ich da meine bescheidenen kommunalen Erfahrungen zu Grunde lege, wieviele Gelder aufgrund mangelnder Flexibilät “verschossen” wird, wage ich gar nicht daran zu denken, wie es bei einem derart grossen Unternehmen wie einer SBB ist.

Sandra-Lia Juli 20, 2010 um 18:08

Also.. Andreas, ich habs ja schon einige mal gesagt, dass das nicht so ist.. (BLS lass ich mal weg) aber Linie Biel/Bienne – Moutier via Sonzeboz-Sombeval: Da sind so viele alte Automaten, das einem schlecht wird.

Und das wird bestimmt nicht die einzige Strecke sein. Zwischen Delle (wo schon ein neuer SBB!! Automat auf Französischem Boden steht) und Delemont sind auch noch auf einigen Bahnhöfe alte Automaten… ich werde sicher noch mehr finden!

Antworten

Sandra-Lia Juli 20, 2010 um 18:10

Hier mal ein Foto von DELLE (Franche Comte, Frankreich)

http://www.flickr.com/photos/tarieledhwen/4496592334/sizes/l/in/photostream/

(da steht der einzige neue Automat auf der Strecke, die rein von der SBB betreiben wird, da ja DELLE der einzige Französische Bahnhof auf der Strecke ist)

Antworten

Alain Juli 20, 2010 um 19:27

Das alle Schalter geschlossen werden, ist doch schlicht und einfach nicht möglich. Wer macht denn die Beratung und der SAV?

Antworten

stefan Juli 20, 2010 um 22:13

Bahnschalter können doch nicht abgeschafft werden. Natürlich wenn ich genau weiss welches Ticket ich benötige, dann kann ich dieses Digital lösen.
Aber wenn ich das nicht genau weiss, dann bin ich doch auf Beratung angewiesen.

Schon nur die verschiedenen “Via” auf den SBB Automaten lassen mich teilweise alt aussehen. Wie soll ich den wissen über welche Orte ein Zug fährt.
Natürlich wird dies möglich sein indem man Fahrpläne genau studiert oder sich durchfragt. Aber da bevorzuge ich doch die bequeme Beratung am Schalter.

Auch bei anderen Problemen wären viele ohne Schalter aufgeschmissen. Bsp. bei einem vergessen oder verlorenen ABO. Da wäre meine erst Anlaufstelle sicher der Schalter, in der Hoffnung schnelle Hilfe zu erhalten.

Antworten

Steven Juli 22, 2010 um 12:52

Vor allem für Touristen, nur ab und zu Bahnfahrer und Internationale Billete ist der Schalter unabdingbar. Wie sollen den bitteschön zwei touristen aus Japan ihren SwissPass am Automaten lösen, oder ihre Verbindung von Interlaken nach Zermatt? Oder der jenige der 2 mal im Jahr mit der Bahn fährt, und sich daher weder mit den Automaten noch mit dem Internetshop auskennt? Ausserdem löse ich meine Internationalen Billette immer am Schalter (neuerdings aber nicht mehr bei der SBB, solang es Bahnen gibt die keinen Zuschlag verlangen, gehe ich dorthin ;) ;)

Antworten

Alain Juli 22, 2010 um 12:55

Ich finde es sowieso eine Schweinerei dass die BLS die Zuschläge nicht verlangen!!!!

brummbaer Juli 22, 2010 um 18:39

Ich finde es gut. Der Zuschlag ist doch das weichste was es gibt und hier lob ich mal die DB. Die wollten das auch einführen und haben es dann gelassen. Ebenfalls sind dank Eurobaise im moment einiges Günstiger als die SBB und da noch Pro Billett bzw. pro Person die Gebühr zu verlangen ist einfach nur weich. Da kann eine Gruppenreise gerne mal teuer werden. Das nenn ich ein typischen Manager furz.
Die BLS weiss eben was Kundenfreundlichkeit heisst. Beratung ist doch das Kerngeschäft der Bahnhöfe und da noch Geld zu verlangen ist einfach nur frech. Wenn dann müsste man die Onlinepreise senken. Also Online gekauft gleich 2 Prozent günstiger oder so ebenso beim Automat.

Antworten

Alain Juli 22, 2010 um 20:45

Eigentlich wäre dies im Tarif so geregelt auch für die BLS, man muss sich ja aber nicht daran halten.

Antworten

brummbaer Juli 22, 2010 um 21:01

In welchem Tarif. Es gibt Tarife und Tarife…. aber das weisst du ja selbst. Ich sehe die Gebühr eher als ein SBB “angebot” an als ein BLS RBS etc. sache. Ich denke die Transportunternehmen der VöV haben den 5 Franken nicht zugestimmt also müssen sie sich auch nicht dran halten.

Sandra-Lia Juli 22, 2010 um 21:46

Es ist eine Sauerei, dass die SBB eine solche Gebühr überhaupt eingeführt hat!! Da lob ich die BLS, die mir in zwischen eh wesentlich Sympathischer ist, als die SBB!

Antworten

Steven Juli 22, 2010 um 23:58

ääääääääähhhhh, warum musste ich dann bei der BLS bei einem Billet nach Innsbruck die 5 Stutz zahlen? Ich denke nur bei RBS, AAR und AB wird darauf verzichtet? Oder hat die BLS das auch wieder aufgehört?

Antworten

Sandra-Lia August 1, 2010 um 08:40

Also bei der RBS kann ichs mir nicht wirklich vorstellen, diese Geldgeilen Säcke, die den Libero-Abzockverbund erfunden haben, die verzichten sicher nicht auf 5.-. Wie gesagt, ich finds ne Sauerrei, zumal die Bahn auf den Verkauf von Auslandbilletten ein Monopol hat, und man sie noch nicht mal am Automaten kaufen kann!

Brummbaer August 1, 2010 um 12:35

Tja…. auch wenn es über deiner vorstellungskraft liegt, beim rbs zahlt man keine 5 stutz. Informieren bevor bashen ;-)

Antworten

Schreibe einen Kommentar

Previous post:

Next post: