Darf man Blogs mit Zeitungen gleichsetzen? Oder sind das zwei völlig unterschiedliche Welten? In diesem Artikel gehe ich auf die Unterschiede der beiden Medienarten ein und versuche aufzuzeigen, weshalb Blogger nicht wie Journalisten arbeiten (können).
Regelmässig werde ich von verschiedensten Menschen auf meinen Blog angesprochen. Das freut mich! Zeigt es doch, dass schweizweit.net da draussen gut ankommt und bei einigen Leuten bekannt ist.
In letzter Zeit kam es gleich zu mehreren Diskussionen, über die Art und Weise, wie ich schreiben soll. Einige Leute meinen, ich solle doch sachlicher werden und so wie die Zeitungen meine persönliche Meinung aus den Berichten rausnehmen.
Es stimmt schon: Zwischen den Texten auf schweizweit.net und jenen in der NZZ liegen Welten! Nur frage ich mich: Was ist daran so verkehrt? schweizweit.net ist eben ein Blog und weder eine Zeitung noch eine Zeitschrift. Blogs sind Medien einer ganz speziellen Sorte; und darauf möchte ich in diesem Artikel eingehen.
Die Vertreter vieler etablierter Medien haben keine gute Meinung von Blogs. Die sagen, wir seien oftmals nicht sachlich genug, wir würden oft Unwahrheiten verbreiten und aus den Mainstream-Medien abschreiben. Teilweise stimmt das schon. Immerhin liegen uns nicht die Möglichkeiten vor, wie sie die grossen Redaktionen haben. Wir haben keinen Zugriff auf die Agentur-Meldungen, wir machen unsere Blogs in der Freizeit und für einen Artikel können wir uns nicht vier Stunden Zeit nehmen und dazu noch mit drei Quellen telefonieren. Diese Möglichkeiten haben wir nicht und darunter leidet die Qualität.
Doch sowieso sind Blogs anders als Medien. Hier folgen nun vier Punkte, die uns unterscheiden und welche Blogs zu einer speziellen Art von Medien machen:
1. Blogger sind schnell
Auch wenn uns nicht die gleichen Möglichkeiten zur Verfügung stehen wie den etablierten Medien: Wir wollen schnell sein. Sehr schnell! Und so kommt es manchmal auch zu inhaltlichen Fehlern. Denn wir haben selten die Zeit, tief und genau zu recherchieren und uns fehlen oftmals die Möglichkeiten, gewisse Fakten zu überprüfen.
Manchmal rutscht dann auch eine Aussage raus, die jemanden verletzt. Doch wenn wir im Nachhinein feststellen, dass wir zu grob waren, können wir uns ja immer noch korrigieren und die entsprechenden Passagen entschärfen.
2. Blogger verstehen ihren Beitrag als Diskussionsgrundlage
Bei Zeitungen ist das anders. Dort soll der Artikel abschliessend sein. Und wehe, es kommt ein Leserbrief, in welcher jemand die Sache weiterdenkt!
Uns Bloggern sind die Kommentare der Leser sehr, sehr wichtig. Und manchmal erhält man durch einen spitz formulierten Artikel oder eine provokante These nun mal viele Kommentare und Trackbacks (Verlinkungen).
Die Kommentare sind eigentlich die zweite Hälfte des Artikels und für Blogs unverzichtbar. Denn hier wird der Artikel weiter entwickelt, nimmt neue Wendungen und werden andere Argumente ins Spiel gebracht.
Im Gegensatz zu den etablierten Journalisten geben wir auch zu, dass wir nicht alles wissen. Gerne lernen wir durch die Kommentare dazu. Und so geschieht es manchmal auch, dass wir anhand der Kommentare erkennen, dass unser ursprünglicher Artikel falsch war. Im Gegensatz zu den Zeitungen haben wir dann keine Probleme damit, uns zu korrigieren.
Wer mit einem Blog-Artikel nicht einverstanden ist und dann “hintenrum” versucht, den Blogger mundtot zu machen, der handelt falsch. Besser ist es, sich selber in den Kommentaren zu engagieren und eine Gegendarstellung zu veröffentlichen.
3. Wir sind ehrlicher
Die Journalisten haben die Weisheit mit Löffeln gefressen. Mit GROSSEN Löffeln. Das wissen wir alle. ;-) Wir Blogger sind anders, denn wir geben zu, dass wir bei weitem nicht alles wissen und jederzeit gerne dazulernen.
In fast allen Fällen geben wir auch unsere Quellen an. Zeitungen tun das so gut wie nie. Auch von schweizweit.net schreiben sie ab. Ohne die Quelle zu nennen. Bei Zeitungen gang und gäbe. (Beispiel: Artikel auf schweizweit.net / Abgeschrieben in einer Sonntagszeitung)
Ausserdem sind wir Blogger offener. Auf Facebook, Twitter & Co. erfährt man auch viel aus unserem Privatleben. Das macht uns authentisch und das mögen die Leser.
4. Wir schätzen einander
Journalisten sind oftmals Eigenbrötler. Keiner gönnt dem anderen was und jeder will mit einer Story der Erste sein.
Auch wir wollen natürlich schneller sein als die anderen Blogger, wenn möglich sogar schneller als die Zeitungen. Aber wenn wir das Rennen verlieren, gönnen wir den anderen den Sieg.
Sowieso sind Blogger untereinander viel stärker vernetzt als die Journalisten. Wir Blogger geben uns auch mal gegenseitig Tipps und Hinweise oder kommunizieren miteinander via Twitter und andere Social Media Sites.
Wir sind nicht besser, aber anders
Bevor man mich falsch versteht: Keinesfalls will ich damit sagen, dass Blogger bessere Menschen sind als Journalisten! Und ebenso wenig will ich behaupten, Blogs seien besser geschrieben als Zeitungen. Keineswegs!
Viel eher will ich einfach einmal aufzeigen, dass man Blogs und Zeitungen nicht miteinander vergleichen kann. Es sind einfach zwei völlig unterschiedliche Medien.
Auch die Arbeitsweisen von etablierten Medien will ich nicht kritisieren. Schliesslich befasse ich mich zurzeit selber damit: Noch ein paar wenige Seiten, und ich habe das Handbuch des Journalismus von Wolf Schneider und Paul-Josef Raue gelesen.
Dieses Buch habe ich von SBB-Angestellten erhalten und es enthält viele interessante Kapitel. Es wird mir mit Sicherheit helfen, die Artikel noch zu verbessern, welche ich regelmässig für eine SBB-interne Publikation schreibe. Die Notizen, welche ich mir zur Lektüre gemacht habe, füllen inzwischen schon mehrere A4-Seiten…
Aber auch für die Texte auf schweizweit.net entnehme ich wertvolle Tipps aus dem Buch:
- An den Anfang des Artikels muss das neue, wichtige, interessante
- Beantwortet werden muss: Wer, was, wann, wo, warum?
- Exotische Wörter vermeiden
- Überflüssige Wörter entfernen
- Konkret kommt vor abstrakt (Enzian vs. Blumen)
- Unübliche Zahlen immer mit Vergleich (368 Quadratkilometer –> etwa viermal so gross wie die Stadt Zürich)
- Bilder müssen zum Text passen
- Bilder brauchen einen Untertext
- Menschen auf den Bildern wirken wärmer als rein technische Bilder
- …
Ein paar Worte an Presseverantwortliche
Als Abschluss dieses Artikels noch kurz ein paar Worte an Public Relations-Verantwortliche:
Auch heute noch behandelt ihr Blogger und Journalisten nicht immer gleich. Bedenkt dabei, dass zumindest die Fach- und Themenblogger bestimmte enge Zielgruppen viel genauer treffen, als die meisten traditionellen Medien, welche für die Allgemeinheit schreiben.
Es könnte sich also lohnen, auch Blogger in die PR-Aktivitäten miteinzubeziehen, so dass ihr eure potentielle Kundschaft noch besser und mit weniger Streuverlust erreicht. ;-)
Bild © (cc) Matt Hamm (flickr.com)


{ 4 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }
Ich sehe das mit Blogs und Zeitungen genau gleich.
Man liest den Artikel und danach die Kommentare, beides sind wichtige Komponenten. Ist der Artikel gut aber darunter schreiben nur Vollpfosten irgendwelchen Schwachsinn, dann meidet man den Blog.
Wenn ich jeweils im Zug den Blick am Abend lese habe ich nach der Lektüre immer das Gefühl: “Da fehlt doch noch irgendwas!” und damit kann man sich keine gute Meinung über ein Thema bilden, eine weitere Lektüre ist vonnöten und dabei wird das Prinzip der Zeitung – Abschliessend zu sein – ad absurdum geführt. Die sprachliche Qualität und die fachliche Korrektheit haben beim Papiermedium auch zusehends nachgelassen.
Blogs + Kommentare sind für mich indes eine bessere Grundlage für eine Meinungsbildung, das Radio macht auf aktuelle Themen aufmerksam.
Ich sehe das ebenfalls so wie du Andreas. Mir ist es sehr wichtig Kommentäre zu einem Thema abgeben zu dürfen. Bei einer NZZ ist alles sehr objektiv geschrieben und meistens mit Pro und Kontra, daher ist es weniger wichtig bei dieser Zeitung, dass man Kommentar hinterlassen kann. Der Blick ist jedoch so etwas von subjektiv und daher möchte ich in allen Beiträgen meinen Kommentar dazu abgeben, und nicht nur so wie bis jetzt, wenn der Blick mal wieder nicht mehr weiss, was sie schreiben sollten, und daher mal wieder über eine Verspätung der SBB berichten und nur da einen Kommentar zulassen, dass sich mal wieder alle über die SBB beschweren, ohne dass dies nötig wäre……….
Ja, Kommentare sind auch was schönes. Man weiss nämlich, das man überhaupt gelesen wird. Besucherzahlen mögen hoch sein, doch Leserzahlen vllt weniger. Leider können nicht alle Blogs so professionell sein, wie deiner. Abgesehen davon, ich finde, mein Blog ist, was er ist. :)
Jeder Blog findet seine Leser. ;-)
Ausserdem: “Professionell” ist ein relativer Begriff. Ich bin mir nicht sicher, ob ich schweizweit.net als “professionell” oder doch eher einfach als Hobby bezeichnen würde.
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