Wie man die Reisekrankheit überwindet

von Andreas Hobi am 15. Juni 2010 · 11 Kommentare

Manche Reisende fühlen sich beim Reisen unwohl. Vorallem auf längeren Fahrten mit Schiff, Auto, Zug oder Flugzeug stellt sich dieses unangenehme Gefühl ein. In der Fachsprache nennt man diese Krankheit Kinetose (Bewegungskrankheit; aus dem Griechischen “kinein” = bewegen). Doch man ist ihr nicht hilflos ausgeliefert. Es gibt Mittel und Wege, um sie zu minimieren oder ganz zum Verschwinden zu bringen.

Apple mug

Ein Tee mit Ingwerwurzeln hilft oft bei Reisekrankheit.

Woher kommt die Reisekrankheit?

5 bis 10 Prozent aller Menschen sind sehr empfindlich, was das Reisen angeht. Sie werden rasch reisekrank. 5 bis 15 Prozent sind relativ unempfindlich und bei etwa 75 Prozent bewegt es sich im normalen Rahmen.

Vermutlich stecken widersprüchliche Meldungen verschiedener Sinnesorgane dahinter. Wenn die Augen dem Gehirn melden, dass man sich mit 160 Kilometern in der Stunde fortbewegt, das Gleichgewichtsorgan hingegen der Meinung ist, das stimme gar nicht; ja dann hat der eine oder andere Körper ein Problem. Und genau das geschieht in den verschiedenen Verkehrsmitteln. Zum Beispiel dann, wenn man im Zug aus dem Fenster schaut.

Manchmal wird unser Denkorgan durch diese gegenteiligen Meldungen so verwirrt, dass das Durcheinander auch Auswirkungen auf das vegetative Nervensystem hat. Nun fangen auch unsere anderen Organe an zu spinnen. Uns wird übel, man muss vielleicht sogar erbrechen und fühlt sich richtig miserabel.

Symptome der Reisekrankheit

Die Reisekrankheit wirkt sich bei den Menschen ganz unterschiedlich aus. Meistens aber treten eine oder mehrere folgender Symptome auf:

  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Ekelgefühl gegenüber vielen Nahrungsmitteln
  • Koordinationsstörungen
  • Lustlosigkeit
  • geistige Leere
  • Schwindel
  • kalter Schweiss
  • Übelkeit / Erbrechen
  • Hyperventilation
  • Herzklopfen
  • Kreislaufkollaps

Was kann man gegen die Reisekrankheit tun?

Ausschlafen!
Es kann etwas bringen, wenn man vor einer langen Reise viel schläft. Der Körper kann so Energie tanken, die er später benötigt.

Keine Genussmittel!
Wer bereits einen Tag vor der langen Reise auf Alkohol, Nikotin, fettreiches Essen und Kaffee verzichtet, tut dem Körper einen Gefallen. Besser ist leichte Kost wie zum Beispiel Obst, Gemüse, Salate und Zwieback.

Mit leerem Magen losfahren ist aber auch keine gute Idee. Dies fördert die Reisekrankheit nur.

Locker bleiben!
Wenn man ohne Unterbruch auf die ersten Anzeichen von Reisekrankheit wartet, kommen sie auch. Ablenkung kann hier viel bringen.

Frischluft!
Wer zu Reisekrankheit tendiert, soll so oft wie möglich an die frische Luft. Es gibt kaum etwas besseres.

Reisen im ÖV

Im Zug kann es etwas bringen, wenn man in Fahrtrichtung sitzt. Ausserdem ist es empfehlenswert, zwischendurch im Gang auf und ab und bei grösseren Zwischenstopps an die frische Luft zu gehen.

Bei der Fahrt schaut man am besten in die Ferne. Denn der Blick auf die nähere Umgebung, die rasch vorbeizieht, ist ein typischer Auslöser für die Reisekrankheit.

Lesen sollte man am besten sein lassen. Dann dies fördert die Reisekrankheit.

Im Bus empfiehlt es sich, möglichst weit vorne zu sitzen; wenn möglich mit Blick durch die Frontscheibe. Für das Rausschauen aus dem Bus gilt das gleiche wie beim Zug: In die Ferne gucken!

Manchmal kann es helfen, wenn man während der Reise über Kopfhörer Musik hört oder mit geschlossenen Augen auf dem Rücken liegt.

Selbstverständlich gibt es auch diverse Medikamente, die gegen die Reisekrankheit wirken. Hier möchte ich jedoch keine Empfehlungen aussprechen, sondern auch an die nächste Apotheke verweisen. Einzig ein kleiner Tipp soll gestattet sein: Ingwerwurzel als Tee wirkt oft Wunder!

Welche Tipps habt ihr gegen die Reisekrankheit?

Bild © (cc) re-ality (flickr.com)

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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gumbo Juni 15, 2010 um 12:59

Ich habe im Zug höchstens bei Luftfederung Probleme. Einmal in einem englischen Schlafwagen, das war unglaublich unangenehm, sogar bei Geradausfahrt.
Als Kind auf der Rückfahrt von der Expo 64 (Lausanne-Aarau) mag ich mich erinnern, kotzte ich in Aarau in ein Blumenrabättli. Das war aber nicht vom Bahnfahren, sondern von der Sonne und Augenproblemen…

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Simon Erhardt Juni 15, 2010 um 13:23

Ich hab noch ein paar Tipps für Leute denen vorallem im ICN oder sonstigen Neigezügen (ICE-T, Pendolino) schlecht wird: Hier hilft es meist, wenn man auf den inneren Sitzen, also nicht am Fenster, platz nimmt. Da dort die Auslenkung der Neigetechnik am geringsten ist.

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Paul Rent Juni 16, 2010 um 11:03

Ich leide zum glück nicht zu stark an Reisekrankheiten, stellte aber auch schon fest, dass vorallem im Bus und Postauto das Reisen vorne wesentlich angenehmer ist als hinten.

Insofern kann ich diesen Tipp von Andreas bestätigen.

Wünsche allen frohes Reisen.

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Sandra-Lia Juni 16, 2010 um 12:44

Ich hab das vorallem im ICN auf der Strecke von Moutier nach Basel, Stück ab Delemont bis Basel. Da wirds mir jedes mal schlecht. Aber, wenn ich was esse davor, oder während der Fahrt, gehts. Wäre der Speisewagen nur ned so unglaublich teuer…

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gentux Juni 18, 2010 um 07:19

Oh ja, aber das Teilstück ist auch echt fies!

Sonst geht es mir aber gut im ICN, ich fahre zeitweise mehr als 4x wöchentlich von Biel nach Lausanne und retour.

Im Bus setze ich mich auch mal zu hinterst, habe damit auch keine Probleme. Aber ob ich die 10 Stunden Flug im Juli ohne Schäden überlebe… mal sehen.

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Peter Juni 17, 2010 um 02:30

Nach meinem Wissen hängt Reisekrankheit vor allem damit zusammen, dass die Augen nicht unbedingt das sehen, was das Gleichgewichtsorgan in den Ohren merkt. Das geschieht auch bei einer Lebensmittelvergiftung, wo oft zuerst das Gleichgewichtsorgan wirres Zeug meldet. Die Natur reagiert darauf, dass sie versucht das Gift im Magen möglichst schnell los zu werden und das ist oben raus.

Ich selber leide massiv unter Reisekrankheit, was mir auch schon bei meiner Arbeit zum Verhängnis geworden ist. Leute mit starken visuellen Fähigkeiten (Grafiker, Fotographen, etc.) scheinen von der Reisekrankheit mehr betroffen zu sein. Am schlimmsten sind Bewegung mit Frequenzen um die 2 Hz. Essen während der Reise hilft, auch Kaugummi oder trockenes Brot kauen.

Meine persönlichen Tips:

Neigezüge:
Die besten Plätze sind hinten im Zug über den Drehgestellen neben dem Gang. Auf meinen regelmässigen Fahrten ins Tessin habe ich im Cisalpino meist gefrühstückt. Nicht erste Klasse auf der Fahrt in den Süden buchen, die ist nämlich vorne im Zug. Bei vielen Neigezügen neigen sich die hinteren Wagen langsamer als der vorderste Wagen. Das was einem wirklich schlecht macht im Neigezug ist wahrscheinlich nicht einmal die Neigung selber sondern die Regelung der Neigeeinrichtung, welche bei Geradeausfahrt den Wagenkasten aufrecht hält.

Autobus:
Nicht zuvorderst sitzen sondern möglichst über den Achsen. So ist die Reise sogar im hinteren Bereich des Busses durchaus auszustehen.

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Sandra-Lia Juni 17, 2010 um 11:30

Stimmt, im Reisebus hab ichs auch oft. Da Sitze ich dann immer weit hinten, und JAH NICHT über der Achse. Im Zug sitz ich eh immer Gangplatz, und Erste Klasse kann ich mir nicht leisten. Wenigstens ist es in CH nur auf einer Strecke, da ich nie mit Italienischer Salatschleuder ins Tessin fahren würd.

Aber wahrscheinlich wäre im ICN auch so. Fahre meist mit dem IR oder via Valais.

Bin übrigens Fotografin.. :)

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gumbo Juni 17, 2010 um 14:46

Frage an Walkman- (oder wie das Zeug heute heisst) Hörer:
Versucht sonst mal ohne Kopfhörer zu reisen. Man vermutet, das Gleichgewicht könne auch durch akustische Störung des Innerohrs irritiert werden.

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laurent September 5, 2010 um 14:41

Hallo zusammen,
Ich werde voraussichtlich ab Jan. 2011 in Biel arbeiten. Ich wohne in Lausanne. Zwischen Lausanne und Biel verkehrt der ICN. Wenn ich Eure Kommentare richtig verstanden habe, muss ich in den vorderen Wagen sitzen im hinteren Teil des Wagens und in Fahrrichtung. Danke für die Bestätigung. Gruss !

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Andreas Hobi September 6, 2010 um 08:15

Am besten ist es wohl, wenn du im hinteren Wagen direkt über dem Drehgestell und auf der Gang-Seite Platz nimmst.

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Sandra-Lia September 6, 2010 um 10:01

Oder du ziehst nach Solothurn, Biel, Neuenburg… dann ist die Fahrzeit kürzer. :)

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