Eine Odyssee: Von London nach Bern in 13 Stunden

von Alain Briggeler am 8. Juni 2010 · 4 Kommentare

Dieser Gast-Artikel wurde von Alain Briggeler eingesandt. Mehr über Alain erfahrt ihr am Ende des Artikels.

2007 0521 Eastbourne Rail Station

Nach sonnigen und erholsamen Ferien in Eastbourne (UK) machten meine Freundin und ich uns auf die Rückreise in die Schweiz. Genauer gesagt: Nach Bern. Wir entschieden uns, die Reise per Zug durchzuführen, da bereits bei einer Reise im Dezember alles reibungslos funktionierte.

Die Rückreise begann eigentlich auch dieses Mal ganz nett: Mit dem Zug in Richtung London Victoria. Doch schon 17 Minuten später mussten wir auf einen Bus umsteigen, weil die Strecke wegen Bauarbeiten über eine Länge von 40 Fahrminuten abgesperrt war.

Also standen wir nun mit rund 350 anderen Fahrgästen in Lewes. Darunter schätzungsweise 100 deutsche Studenten, die meine Nerven schon ziemlich auf die Probe stellten.

Auf jeden Fall durften wir mit unseren vier Koffern in einen der drei Bussen einsteigen. Ein unglaubliches Gedränge war die Folge. Gewisse Studenten hatten jedoch keine anderen Probleme, als sich darüber zu streitenk, wer auf dem Doppelstock-Bus oben sitzen darf.

Nun, wir waren auf jeden Fall froh, dass wir ein wenig Platz neben einer älteren Dame mit ihren 2 Enkeln hatten. (Und wer mich kennt, weiss, dass ich nicht besonders gerne schreiende Kinder neben mir habe…) ;-)

Nach einer rund 45minütigen und holprigen Busreise ohne Klimaanlage erreichten wir Three Bridges, von wo aus wir uns wieder in einem vollen Zug Richtung London Victoria auf den Weg machen durften.

On the rails

Dort angekommen gingen wir dann zu dem Eingang der Underground, um ein Ticket nach London King’s Cross St. Pancras International zu kaufen. Doch wie kann es anders sein? Gerade mal ein Schalter war geöffnet und ebenso nur 8 Billettautomaten, von denen zwei nicht funktionierten…

Nach rund einer Wartezeit von 30 Minuten konnten wir doch noch die Underground-Tickets kaufen und machten uns anschliessend auf den Weg zum Bahnhof King’s Cross St.Pancras, in welchem übrigens auch das Gleis 9¾ im Film Harry Potter gedreht wurde.

Dort angekommen kam die nächste Überraschung: Die ganze Halle vor dem Check-In war vollgestopft. „Da kann doch etwas nicht stimmen“, sagte ich noch zu meiner Freundin. Und so war es; die Strecke London – Paris war infolge einer Fahrleitungsstörung unterbrochen und die Züge, welche um 10h32 hätten abfahren sollen, waren um 12h00 immer noch vor Ort. Nach dem Check-In und der eifrigen Suche nach unserem Platz in der 1.Klasse fuhren wir mit 40 Minuten Verspätung in London ab.

Nach einer feinen flugzeugähnlichen Verpflegung machte ich mich auf die Suche nach dem Reisezugbegleiter, der mir das Ticket bestätigen musste, da der Anschluss in Paris eventuell nicht reichen wird. Auf jeden Fall durfte ich zweimal alle 14 Wagen durchqueren, bis ich ihn gefunden hatte.

Mit einer Verspätung von 30 Minuten erreichten wir dann Paris, wo wir vom Bahnhof Paris Nord nach Paris Gare de Lyon gehen mussten. Da ich die Reise schon mal gemacht hatte und ich noch wusste, welche Linie wir fahren müssen, rechnete ich damit, dass wir es eigentlich trotzdem noch auf den Zug nach Bern schaffen sollten.

Da aber nun auch in Paris dasselbe Problem wie in London mit dem Billettkauf war, schafften wir es leider nicht mehr rechtzeitig.

Also rief ich im Rail Service der SBB an, um zu fragen, ob der Zug nach Lausanne wegen dem Streik überhaupt fahren würde. Ansonsten hätten wir gar nicht an den anderen Bahnhof gehen müssen. Der Rail Service versicherte mir jedoch, dass dies der Fall sei. Also gab es nur noch ein Problem: Wir hatten zwar die Tickets, aber keine Reservierungen, und somit eigentlich keine Berechtigung. Nach diversen Gesprächen, natürlich auf Französisch, konnten wir die Fahrt mit dem TGV nach Lausanne antreten. Bis nach Djion-Ville mussten wir jedoch stehen. Schlussendlich erreichten wir Bern aber doch noch.

Die Reise war dennoch sehr spannend und empfehlenswert!

Bittet beachtet aber, dass eine Stunde Umsteigezeit in Paris bei kleineren Verspätungen knapp werden könnte. Also rechnet genügend Zeit ein, so dass ihr sicher keine Zeitprobleme erhaltet!

Ich meine, Paris ist ja eine sehr interessante Stadt! ;-)

Über den Autor: Alain Briggeler erblickte am 22. November 1991 in Brig VS das Licht der Welt. Mit 15 Jahren zügelte er für ein Jahr nach Ruswil LU und anschliesend absolvierte er ein Sprachjahr in Eastbourne. Er macht die Lehre bei login Berufsbildung und arbeitet zurzeit am SBB Bahnhof in Leuk und ab dem August im RailService SBB und auf den Zügen des Fernverkehrs. Sein grösstes Interesse ist wohl die Eisenbahn. Mancher, der ihn kennt, bezeichnet ihn auch schon als ferrophil. Auf jeden Fall reist er gerne durch die Schweiz, aber auch durch ganz Europa. Wenn er nicht auf reisen oder bei der Arbeit ist, fährt er gerne Motorrad, snowboardet oder hört Musik..

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Alain Briggeler ist ein ÖV-Fan der Extraklasse. Nicht nur arbeitet er bei der SBB, er beschäftigt sich auch in seiner Freizeit viel mit dem öffentlichen Verkehr.

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Bobby California Juni 8, 2010 um 20:55

Mit Interesse habe ich diesen Bericht gelesen. Fazit: Da hat jemand wirklich Pech gehabt. Wenn ich nach England fahre, nehme ich auch immer den Zug, und ich hatte bisher nie solche Horrorerlebnisse. Okeeh, wenn ichs mir genau überlege, lief beim letzten Mal auch nicht ganz alles wunschgemäss:
- dass das Billett von Calais nach London 300 (dreihundert) Franken kostet, wenn man es zwei Tage vor der Abreise am Schalter in Zürich HB kauft (einfache Reise, Fahrzeit ca. eine Stunde), habe ich nicht ganz verstanden;
- auf der Rückfahrt war ein Brand im Kanaltunnel, da nahm ich halt das Schiff in Dover, so war ich am Abend erst in Calais. Aber Calais ist auch eine sehr charmante Stadt;
- dass ich in Calais kein Billett nach Zürich kaufen konnte, sondern nur eines nach Paris, fand ich nicht gerade sehr kundenfreundlich von der SNCF.
Dennoch wird mich nichts und niemand davon abhalten, beim nächsten Mal wieder den Zug zu nehmen.
Und ja, eine Stunde Aufenthalt in Paris ist schon ein bisschen knapp.

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gumbo Juni 9, 2010 um 18:01

Wieder mal typisch England LIVE!! Obwohl fliegen mit den Briten auch nicht immer viel besser klappt, hat die Bahn bei der Schlamperei vor allem seit der Privatisierung der Britischen Bahnen die Nase vorn.
Streiks sind übrigens oft der Auslöser für Probleme, aber auch die Luft-Arbeiter streiken oft und gern.

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Alain Juni 9, 2010 um 23:13

Ja in England gibt es viele Probleme. In diesem Fall waren es Bauarbeiten und keine Streiks – Zum Glück. Aber diese Baustellen dauern mehrere Jahre, weil als ich für ein Jahr in England war, waren diese Sperrungen schon da, und jetzt immer noch, als bald 4 Jahre.

Und die Privatisierung des öV in England ist nicht gerade sehr schlau, für ein Land, in welchem die Leute immer ärmer werden, weil die Steuern nonstop steigen und das Leben immer teurer wird, aber der Staat immer mehr verschuldet wird. Ich meine das GA kennen die Briten nicht, aber dafür ein Streckenabo von London nach Eastbourne, welches im Jahr in der 2. Klasse rund £4048 was rund CHF 6900.- macht, und früher bei einem starken Pfund sogar mehr als CHF 10 000.-. Nur so zusätzlich. Die Strecke von London nach Eastbourne dauert ca. 1h 20 minuten. Ob nun Privatisierung im öV klever ist – sicher nicht!

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Chris Juni 10, 2010 um 10:30

Ich habe sehr viel negatives von den privatisierten englischen Bahnen gehört. Meine Erlebnisse waren dafür umso besser, als dass sich Verspätungen zumindest im englischen Teil der UK in Grenzen hielt. Der vollgestopfte Zug nach Inverness hingegen war ziemlich stark verspätet.
Was ich hingegen an den englischen Zügen nicht mag ist die Platzknappheit. Wäre ich 30cm kleiner, dann wäre alles passend. Und ich bin ‘nur’ 1.78 gross…
Und überfüllt waren die meisten Züge auch. Ohne Reservation muss man gut aufpassen.

Ich fand eher die französischen Systeme als unzureichend. Als InterRailer eine halbe Stunde vor Abfahrt am schalter noch Plätze für den TGV zu reservieren ist unmöglich: Kontingent weg. Bitte was? Wir haben ja das Ticket, brauchen nur Reservation… nix zu machen. Man müsste ein neues Ticket kaufen – das taten wir nicht, sondern gingen einfach zum Schaffner des TGVs. Ab dann war alles absolut unkompliziert ;)

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