Burka-Trägerin oder Fasnächtler: Für mich als Kondukteur macht das keinen Unterschied. Beide sind vermummt und beide muss ich kontrollieren. Aber wie eigentlich?
Jedes Jahr zur Fasnachtszeit ist es dasselbe. Es gibt immer ein paar ganz schlaue Köpfe, die eine Maske tragen, mir das GA oder ein anderes Abo entgegenstrecken und schauen, wie ich darauf reagiere.
Je nach Situation mache ich den Spass mit oder aber fordere die Person auf, die Maske kurz abzulegen. Kommt immer darauf an, wer vor mir sitzt und wie sich die Person verhält. Meistens aber kann ich die Situation dadurch lösen, indem ich einfach nach einem weiteren Ausweis frage. Wenn dort der gleiche Name steht, geht es für mich meistens in Ordnung. Einmal im Jahr muss man ja nicht so pingelig sein.
Bei den Personen, die ich aufforderte, rasch die Maske abzulegen, fand ich bisher jedenfalls noch nie jemanden, der mit einem fremden GA fuhr.
Wie schaut es nun aber mit Burka-Trägerinnen aus?
Auch diese sind vermummt. Wenn auch aus anderem Grund als die Fasnächtler. Und hier kann ich auch nicht einfach so mal darum bitten, das Gesicht zu entblössen. Erst recht nicht, wenn der Ehemann daneben sitzt.
Der Sinn hinter der Burka ist es, den Körper vollständig zu verschleiern. Bei einem ähnlichen Kleidungsstück, dem Niqab, bleiben die Augen frei, alles andere ist jedoch auch verschleiert.
Bisher hatte ich noch nie eine Niqab-Trägerin im Zug. Zwei mal jedoch eine Frau mit Burka. Beide Male sind noch nicht so lange her. (Es wäre jedoch falsch, daraus eine Tendenz abzuleiten.)
Eine der Burka-Trägerinnen wies mir ein normales Billett vor. Das ist kein Problem; diese Tickets sind unpersönlich und können von jeder Person benutzt werden.
Die zweite Dame hingegen besass ein GA. Dieses ist persönlich und als Kondukteur muss ich mich vergewissern, dass die Person, die vor mir sitzt, die wirkliche Besitzerin des GA ist.
Bei diesem einen Mal machte ich es gleich wie bei den Fasnächtlern: Ich verlangte einen weiteren Ausweis und verglich die Namen. Dabei merkte ich, welch unangenehmes Gefühl es in mir auslöste, mit einer Person zu sprechen, der ich nicht in die Augen schauen kann. Ein komisches Gefühl.
Es stellt sich mir nun die Frage, wie ich eine solche Situation in Zukunft lösen würde. Vermutlich wieder mit der Frage nach einem zweiten Ausweis. Doch was, wenn sie diesen nicht auf sich trägt?
Was sicher gar nicht geht: Die Dame zu zwingen, ihr Gesicht frei zu machen. So wie ich das verstanden habe, ist das gleichzusetzen damit, einen Westeuropäer zu bitten, die Hosen herunter zu lassen. Das geht natürlich nicht. Ein grober Eingriff in die Intimsphäre. Schliesslich sage ich einer Schweizerin, die bei mir im Zug sitzt, auch nicht, sie soll doch bitte mal ihr Top ausziehen.
Eine Frau, die eine Burka trägt, ist der Überzeugung, dass sie sich nur ihrem eigenen Mann gegenüber zeigen darf. Unabhängig davon, ob ich dieses Denken nun für richtig halte oder nicht und unabhängig davon, dass eine Mehrheit der muslimischen Gelehrten laut Wikipedia die Burka nicht für eine theologische Notwendigkeit halten: Die Dame zum Ausziehen der Burka zu zwingen, wäre wohl die schlechteste Lösung.
Wenn ich Glück habe, bin ich nicht alleine auf dem Zug und kann eine Mitarbeiterin rufen. Denn Frauen gegenüber dürfen sich die Burka-Trägerinnen zeigen.
Doch wenn es keine andere Lösung gibt, müsste ich die verschleierte Dame wohl oder übel bitten, beim nächsten Halt auszusteigen oder halt bei mir ein normales Billett zu lösen.
Oder seht ihr eine bessere Lösung?
Bild © (cc) deepchi1 (flickr.com)


{ 18 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }
Wie soll dann der Ausweis einer Burkaträgerinn aussehen? Mit oder ohne Passfoto? Und wenn ja, ist das Foto unverschleiert?
Nur der Name zu zeigen, gnügt meiner Ansicht nach nicht.
Intressant ist noch die Aussage bei den Fasnächtlern:
“Je nach Situation mache ich den Spass mit oder aber fordere die Person auf, die Maske kurz abzulegen. Kommt immer darauf an, wer vor mir sitzt und wie sich die Person verhält”
Wie soll dann die Person sich verhalten, bzw aussehen. damit du den Spass mitmachst ?Trägt er eine Clownmaske muss er keinen Ausweis zeigen. Trägt er aber zBsp eine Gruselmaske dann schon?
Gruss eines aktiven Guggenmusikers
Glücklicherweise gibt es bei den Passämtern Vorschriften, wie das Foto auf den Ausweisen auszusehen hat. :)
Was die Fasnächtler betrifft: Es kommt wie gesagt immer auf die Situation drauf an. Es gibt auch Fälle, wo ich effektiv nichts machen kann. Wenn jemand komplett geschminkt ist, kann ich auch mit Foto nur schwer überprüfen, ob er derjenige ist. (Ausser er hat ein markantes Gesicht, eine spezielle Nase, spezielles Kinn, etc.) Und ich kann ihn ja nicht bitten, die Schminke weg zu machen. :)
Ich versteh immer noch nicht welche Situation du meinst. Du schreibst ja entweder muss die Maske abgezogen oder dann eben je nach “Situation” eben doch nicht
Nun, meine persönliche Meinung ist hierzu folgende:
Wenn ich in ein Land gehe, das gewisse Richtlinien und Lebensgewohnheiten hat, dann kann ich dort nicht meine eigenen von zu Hause mitbringen. Anders gesagt: wenn in einem Land gefordert wird, dass Männer Anzüge tragen, so habe ich mich in dem Gastland auch so zu verhalten. Wenn Leute gerne ihren Körper verhüllen, dürfen sie das gerne in den Ländern machen, die das auch so wollen.
Ich habe nichts gegen Burkas oder andere religiöse Kleider oder Gegenstände, nur hier in der Schweiz haben wir eine Gesellschaft, die auf Augen und Gesichtskontakt beruht und auf Werte, die innert Jahrhunderten entstanden sind. Wer sich diesen unseren “abendländlicher Kultur” nicht anpassen und stattdessen seine eigenen Werte ausleben möchte, der darf gerne vom Recht gebrauch machen, unser Land und oder andere abendländlicher Länder zu verlassen. Wenn nicht, hat man sich an die Werte jedes Landes zu halten. Umgekehrt geht es uns auch nichts an, wenn z.B. im Iran die Frauen verhüllt sein müssen. Das ist deren Wertvorstellung und nicht unsere.
Genau meine Meinung! Und nein, ich bin jetzt nicht für ein Burka-Verbot. Aber ich bin dafür, dass Menschen sich ganz von sich aus anpassen wenn sie in ein fremdes Land ziehen. Für mich hat sowas einfach auch mit Anstand zu tun.
Bin ich auch dafür. Nur wollen sie (eine Minderheit Seitens der Muslime) halt nicht respektieren.
Zum Video: Der Teil mit den Kommentaren in Onlinenzeitungen triffts irgendwie ganz gut – so stelle ich mir oftmals die geistige Fähigkeiten einiger Kommentatoren vor.
(hat jetzt aber nicht direkt mit dem Thema hier zu tun)
Dein Ansprechpartner für dieses “Problem” sollten doch die SBB sein. Diese müssen schliesslch die Verantwortung für so einen Entscheid tragen und nicht jeder einzelne Zugbegleiter.
Völlig richtig. Dort würde ich natürlich auch nachfragen, falls sich solche Fälle häufen sollten.
Also in jeden Zug zwei Zugbegleiter, damit ist das Problem gelöst, es gibt Arbeitsplätze für Frauen, es gibt grundsätzlich weniger Arbeitslose. Das wäre doch die beste Lösung!
Wer vermummt mit der SBB fahren will, hat halt ein Erwachsenen-Billet (oder eine Tageskarte), das halt etwas mehr kostet. Wer ein persönliches Abo hat, zeigt sein Gesicht. Zwei identische Ausweise lassen sich zu einfach auftreiben.
Ich muss als Motorradfahrer ja auch den Helm für eine Führerscheinkontrolle, sofern es verlangt wird, abziehen. Wieso kann das eine offenbar rechtgläubige Dame nicht?
@mousseman
Für eine Tageskarte braucht man ein Halbtaxabo, ausser es sei die Gemeinde Tageskarte =)
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Ich halte nichts für ein Burkaverbot, aber wenn es ums Thema Sicherheit, in welches ich auch das Thema Betrug nehme, sollte man trotz allem verpflichtet sein, sich halt mit Gesicht zu zeigen, ich meine zwischendurch dürfen diese alle mit ihren Burkas umherwandern…. Und das finde ich nicht als einen Eingriff in die Persönlichkeit!
@Andreas
Es ist vielfach eh sehr schwierig mit den Fotos, denn die Fotos werden ja 10 Jahre bei der SBB gespeichert. Jedoch sind nach 10 Jahren, oder wenn man ein Halbtax für 3 Jahre macht, sogar nach 13 Jahren, die Leute sehr verschieden und somit ist es sicher nicht immer viel einfacher =)
Was ich an der Sache nicht verstehe: was macht das für einen Unterschied, ob der Zugbegleiter nun das Gesicht der Frau auf einem amtlichen Ausweis sieht oder in Natura? Das Gesicht zeigt sie in einem gewissen Sinn so oder so….
*gähn* *langweilig*
jetzt musst auch noch du auf den fahrenden Burka-Zug aufspringen…
Immerhin war der Artikel spannend genug um von dir durchgelesen und kommentiert zu werden. ;-)
Gute Antwort. Ja, ich lese grundsätzlich jeden deiner Artikel und finde die meisten auch toll ;)
Hm, ich wohne in Bern, bin viel unterwegs (mit der Bahn natürlich) und habe hier in der Schweiz noch nie eine Burkaträgerin gesehen. Verstehe also die Diskussionen in den Medien nicht. Man kann sich diesen unsäglichen Diskussionen kaum entziehen, da weicht man dann halt gerne auf spannende Blogs (wie diesen hier) um und erschrickt dann umso mehr, wenn man dann auch auf solchen Seiten etwas zu diesem Thema lesen muss.
Wobei es in Andreas’ Artikel nicht um die eigentliche Burka-Polemik geht sondern um die Frage, wie sich ein Zugbegleiter bei der Fahrausweiskontrolle einer Burkaträgerin zu verhalten hat.
@Andreas: könntest du mal deine Vorgesetzten fragen? Würde mich interessieren, was die meinen.
Eine offizielle Vorgehensweise gibt es (noch) nicht. Aber wie ich in Gesprächen hörte, ist meine Art und Weise, damit umzugehen, nicht schlecht. :)