Momentan sprechen alle über die 700 Milliarden Franken für den “Erhalt” des Euros. Zahlen, die einst gigantisch gross schienen, werden plötzlich alltäglich. Eine Bagatelle ist im Vergleich dazu der 2-Milliarden-Auftrag der SBB an die Rollmaterialhersteller, könnte man meinen. Doch dem ist es eben nicht so, denn bei diesen 2 Milliarden handelt es sich um den grössten Auftrag, den die SBB je vergeben hat!
Stadler Rail?
Bombardier?
Siemens?
Einer dieser drei Firmen erhält den Zuschlag. Oder werden am Schluss vielleicht sogar zwei Firmen im wahrsten Sinne des Wortes “zum Zuge” kommen? Es wäre nicht das erste Mal und auch heute gibt es Gerüchte, dass die SBB den Auftrag vielleicht aufteilt. Dies ist meiner Meinung nach zwar sehr unwahrscheinlich, aber nicht ganz ausgeschlossen.
Doch wer auch immer den Zuschlag erhält, ein paar Eckdaten sind bereits heute bekannt. So soll der neue Doppelstockzug der SBB mit WLAN und Videoüberwachung ausgestattet sein und mit einer Geschwindigkeit von mindestens 200 km/h verkehren können. Rollen sollen die Züge dann ab 2013 zwischen Genf, Zürich und St. Gallen. Die Züge werden in etwa gleich viel Platz bieten wie die heutigen Doppelstöcker
Ab 2017 kommt dann eventuell die neu zu entwickelnde “Wankkompensation” fahrplanmässig zum Einsatz. Diese neue Technik soll helfen, in Kurven schneller zu fahren und somit die Reisezeit zu verkürzen. Zuerst aber müssen noch zahlreiche und gründliche Tests gemacht werden und dann – falls die Technik funktioniert – braucht es noch ein paar Ausbauten bei der Infrastruktur, damit die Sache auch Sinn macht. Ich bin gespannt, wie es herauskommt, wenn man eine solche neue Technik direkt von der Computeranimation auf die Schienen setzt.
Bisher beherrschten vor allem diese technischen Details die Berichterstattung in den Medien. Ich denke und hoffe, dass von morgen an auch jene Aspekte diskutiert werden, welche die Fahrgäste betreffen: Die Innenaustattung, Aufteilung der Plätze, Platz fürs Gepäck, Toiletten (welches System?), Kundeninformationssysteme, etc.
Und: Die Züge sollen so gebaut werden, dass sie auch auf dem deutschen und österreichischen Schienennetz verkehren können. Damit will sich die SBB bereit machen für eine vollständige Öffnung des europäischen Eisenbahnnetzes. Dabei tauchen aber ein paar Probleme auf. Zum Beispiel unterscheiden sich die Perronhöhen der Schweiz und von Deutschland um 21 Zentimeter. Wie wird der Hersteller dieses Problem lösen? Denn ein ebenerdiger Einstieg ist heutzutage Standard.
So soll der Fernverkehr-Doppelstöcker des thurgauischen Unternehmens Stadler Rail mal aussehen.
Bombardier will diesen Zug aufgleisen und nennt ihn bereits heute "TWINDEXX Swiss Express"
Mit diesem Doppelstöcker will Siemens durch die Schweiz fahren
Wer erhält den Zuschlag?
Wenn ihr mich fragt, ist alles möglich. In den Medien werden vor allem Siemens und Bombardier als Favoriten gehandelt; Stadler Rail hat dort eine Aussenseiter-Position. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass Stadler immer pünktlich geliefert hat und wir bei den Zügen aus dem Thurgau nie ernsthafte technische Probleme oder Störungen hatten. Dies kann man von den beiden anderen Anbietern weniger behaupten.
Gegen Stadler spricht, dass die Firma bereits zahlreiche Regionalverkehrszüge an die SBB liefern durfte und die SBB nicht nur von einem Anbieter “abhängig” sein möchte.
Für alle drei Anbieter gilt jedoch: Sie haben bisher noch nie einen solchen Zug gebaut, wie er in der Ausschreibung verlangt wird. Alle beginnen also sozusagen bei null.
Wer nun den Zuschlag erhält, wird heute Nachmittag bekanntgegeben. Leser von schweizweit.net erfahren es sofort (voraussichtlich zwischen 13:45 und 14:15 Uhr) hier auf dem Blog, auf Twitter und Facebook.

{ 12 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }
Sind die Betriebs- und sonstigen Folgekosten in diesem Betrag schon enthalten?
Ich vermute, wie üblich bei staatlichen Grossprojekten wohl nicht …
Keine Ahnung. Aber vielleicht stellt ja einer der anwesenden Journis in Bern die Frage und wir erfahren auf diesem Weg etwas über die Folge- und Betriebskosten.
… das wäre für Journalisten eine sehr überraschende Frage! ;)
Gratuliere Bombardier zum Erhalt des 2 Milliarden-Auftrags.
Das wird ein Kollege von mir aber freuen. Der arbeitet nämlich als Elektrozeichner bei Bombardier
Die Chance liegt 1:3, dass du richtig liegst. :)
Willst Du wetten…. es ist so!
Steht ja seit gut einer Stunde im Intranet.
Darauf habe ich an meinen freien Tagen leider keinen Zugriff. (Ausser ich würde an den Bhf gehen.)
Aber inzwischen hat es ja die SBB bestätigt. :)
Aber nicht- weil ich mit einem Kommetar schneller war -dass ich dir den ganzen geplanten Blogbeitrag zur Sau gemacht habe
Neee, bin ja selber auch daran interessiert, möglichst rasch an die Infos zu kommen. Habe dann aber doch noch zugewartet mit meiner Twitter-Statusmeldung, weil ich ja zuerst nicht wusste, woher du die Information hattest.
Sehr schön. So einen Auftrag ins Ausland zu geben. Dabei hat Bombardier durch übernahmen schon mehrere 100 Arbeitsplätze in der Schweiz vernichtet.
Immerhin wird ein Teil der Züge in Villeneuve produziert. Der andere Teil hingegen in Deutschland…
@Touni
Deine pauschale Aussage trifft nicht zu. Bobardier beschäftigt Mitarbeiter in Zch.Oerlikon und in Villneuve. Und die Züge werden grösstenteils auch in im Werk bei Villneuve hergestellt. Du hast aber Recht, was die Schliessung des Werks in Pratteln betrifft.
Ausserdem hat StadlerRail schon etliche Aufträge der SBB erhalten und hat erst kürzlich einen weiteren erhalten.