Kaum ein anderes Thema hat uns in den letzten Tagen so beschäftigt wie der Eyjafjallajökull in Island. Ein Vulkan spuckt Asche und in fast ganz Europa geht nichts mehr. Uns wurde vor Augen geführt, wie abhängig wir vom Luftverkehr sind.
SBB-Mitarbeiterin regelt im Stellwerk den Zugverkehr (Foto © SBB)
Angefangen hat die Sache ja bereits im Februar 2010. Damals wurden erhöhte seismische Aktivitäten in der dortigen Region festgestellt. Kurz darauf verzeichnete man deutliche Veränderungen der Oberfläche des Vulkans, bevor es am 20. März zu ersten Eruptionen kam.
So richtig Notiz nahmen wir dann vom Naturspektakel, als die aus den Medien bekannte Aschewolke in Richtung europäisches Festland zog.
Jeder von uns ist direkt oder indirekt vom Vulkan betroffen. Entweder kennt man jemanden, der in die Ferien fliegen wollte oder von dort nicht nach Hause kam, oder aber man arbeitet in einer Branche, die vom Vulkan betroffen ist.
Bei mir sieht es folgendermassen aus:
- Als Zugbegleiter konnte ich mich nicht über zu wenig Arbeit beklagen: Viele Leute nahmen den Zug statt das Flugzeug.
- Ausserdem sassen einige Arbeitskollegen im Ausland fest und konnten nicht aus ihren wohlverdienten Ferien zurück kommen: Deshalb durfte ich kürzlich eine Tour einer Kollegin übernehmen, die nach wie vor in Bangkok steckt.
- Meine Schwiegereltern in spe befinden sich nach wie vor in Djerba (Tunesien). Ihr Rückflug am letzten Montag fand nicht statt.
Das Vulkan-Halbtax
Stellvertretend für die zahlreichen Reisenden, die vom Flug auf den Zug umgestiegen sind ein Beispiel vom letzten Montag:
In meinem Zug im St. Galler Rheintal sitzt ein Herr mit einem ermässigten Billett Heerbrugg – Hamburg via St. Margrethen. Zusätzlich weist er mir ein Übergangs-Halbtax vor, welches er am gleichen Tag gelöst hat. (Mit dem Halbtax hat er in der Schweiz 50% und in Deutschland 25% Ermässigung.)
“Ihnen kommt wohl kein Isländer in die Quere, oder?”, fragt er mich. Meine Gegenfrage, ob er ursprünglich mit dem Flugzeug nach Hamburg fliegen wollte, bejaht er.
“Und das Halbtax haben Sie extra wegen der Fahrt nach Hamburg gelöst? Oder hätten Sie sowieso eines kaufen wollen?”, frage ich ihn nun. Doch siehe da: Tatsächlich hätte er kein Halbtax gekauft, wenn der Flug stattgefunden hätte!
Ich muss schmunzeln und sage wie nebenbei: “Naja, jetzt wo Sie ja ein Halbtax haben, können Sie gleich öfters mal den Zug nehmen.” Seine Antwort: “Das werde ich auch. Denn jetzt lohnt es sich ja!” Nun ja, mit dem Halbtax ist das Zugfahren wirklich nicht mehr so teuer.
Und so hat der isländische Vulkan nicht nur kurzfristige Auswirkungen auf den Umsatz der SBB, sondern viel längere: Ein ganzes Jahr lang ist dieses Halbtax gültig!
Wenn ich “die SBB wäre”, dann würde ich jetzt schleunigst mit den Isländern über ein Vulkan-Abo verhandeln. So ein, zwei Vulkan-Tage pro Jahr wären nicht schlecht… ;-)
SBB-Mitarbeiter stecken im Ausland fest
Sicher habt ihr gesehen, dass die SBB während den Asche-Tagen zahlreiche zusätzliche Plätze, Wagen und Züge bereit stellte. Pro Tag waren es gemäss der SBB-Medienstelle rund 11’000 zusätzliche Sitzplätze!
Mehr Züge bedeuten auch mehr Personal. Doch das war teilweise gar nicht in der Schweiz. Zahlreiche Mitarbeiter steckten im Ausland fest und erschienen deshalb nicht zu ihren ersten Arbeitstagen nach den Ferien.
Irgendwie haben wir es dann aber doch fertiggebracht, dass die Züge rollten und die Kundschaft den gewohnten Service erhielt. Trotz Personalknappheit im einen oder anderen Depot.
Schwiegereltern in Djerba gestrandet
Was war das für ein Wochenende! Meine Schwiegereltern in spe genossen die Ferien in Djerba, weshalb ich und meine Freundin Haus, Hof und Auto oberhalb von Ilanz GR für uns hatten. Drei ganze Tage – von Freitag bis Sonntag – genossen wir die Tage in den Bündner Bergen.
Wobei es gegen Ende nur noch bedingt ein Genuss war. Bereits am Samstag zeichnete es sich nämlich ab, dass der Retourflug am Montag eventuell gefährdet ist. Und so verfolgten wir laufend die Nachrichten, um die neusten Entwicklungen nach Djerba weiterzuleiten.
Denn von der Reiseleitung vor Ort erhielten die Gestrandeten kaum Hilfe. Gebucht haben sie über ITS Coop. Tönt Schweizerisch, ist es aber anscheinend nicht. Die Reiseleitung vor Ort bestand darauf, dass dies eine deutsche Reiseveranstalterin sei und deshalb könne sie auch nur Infos für Reisende und Flüge nach Deutschland geben. Zu allfälligen Flügen in die Schweiz habe sie keine Infos. (Und dies, obwohl die Schwiegereltern einen Air Berlin-Flug von Djerba nach Zürich gebucht hatten, über ITS Coop.) Die Reiseleitung vor Ort war offenbar überfordert mit der Situation, was ein Stück weit auch verständlich ist. Trotzdem: Es ist ihr Job, den Leuten zu helfen, gopfertami!
Auch in den darauf folgenden Tagen erhielten sie keine Infos zur Rückreise in die Schweiz. Meine Schwiegereltern in spe waren also auch weiterhin auf unsere Hilfe aus der Schweiz angewiesen. Und als ob das nicht genug wäre: Am Sonntag wurde ihnen auch noch der Reisevertrag gekündigt! ITS Coop sagte ihnen sinngemäss: Von nun an seid ihr nicht mehr unsere Kunden und wir wollen nichts mehr mit euch zu tun haben. Flug annuliert, Hotel nicht verlängert, auf die Strasse gestellt. Nun mussten sie von sich aus weitere Hotel-Nächte buchen. Und das nicht zu günstig! Das Hotelpersonal sagte ihnen, sie seien ja nicht mehr Kunden eines Reiseveranstalters und deshalb könne man die zusätzlichen Nächte auch nicht zu den Preisen einer Verlängerungswoche buchen, sondern zu deutlich höheren Preisen. Auf gut deutsch: Entweder ihr bezahlt, was wir verlangen (nämlich den Wucherpreis), oder wir schmeissen euch raus. So läuft es in Tunesien im Jahr 2010.
Auch hier wurde ITS Coop angefragt, ob man denn nicht wenigstens schauen könne, dass das Hotel anständige Preise verlange. ITS Coop lehnte ab. Dafür sei man nicht zuständig.
So richtig geniessen konnten sie die verlängerten Ferien also nicht. Denn laufend mussten sie “auf dem Sprung” sein, weil jederzeit ein Flug gehen könnte. Nix mit gemütlich am Sandstrand oder am Pool liegen.
Gestern Nachmittag dann kam die erlösende Info: Es geht ein Flug in die Schweiz! Die Koffer waren bereits vorher gepackt, also fuhr man schnurstracks zum Flughafen und abends um 22:45 00:26 23:57 Uhr landeten meine Schwiegereltern wieder auf heimischen Boden.
Das Martyrium war also überstanden und die finanziellen Auswirkungen werden sich – ETI Schutzbrief sei dank – auch in Grenzen halten.
Ich werde wohl nie bei ITS Coop und L’Tur buchen!
Zum Abschluss noch die Geschichte von Jeremy. Er sitzt auf Fuertaventura fest und hat ähnliches erlebt: Als sein Reiseveranstalter L’Tur genug hatte von der Aschewolke und den zahlreichen Gestrandeten in aller Welt, machte es sich das Unternehmen, welches mit dem Slogan “Nix wie weg” wirbt, einfach: Den Gestrandeten wurde – genau so wie bei ITS Coop – schlicht und ergreifend der Reisevertrag gekündigt. Dies heisst für die Gestrandeten: Von nun an sind sie auf sich alleine gestellt. Ihr glaubt das nicht? Hier ist als Beweis das Schreiben vom Reiseveranstalter.
Hier die Artikel zu Jeremys Fall:
Fazit: Wenn ich irgendwo ein L’Tur-Reisebüro sehe, dann heisst es für mich nur eines: Nix wie weg!
Denn wenn ihr in eine ausserordentliche Situation geratet, wird euch L’Tur wie es scheint nicht helfen. Genau so wie ITS Coop. Im Gegenteil! Die lassen euch hocken. (Und wer es immer noch nicht glaubt, der findet im zweiten zu Jeremys Fall verlinkten Artikel ein Video, welches Jeremy heimlich drehte. Dort gibt die Reiseleitung zu verstehen, dass er doch bitte das Hotel verlassen solle und dann im Flughafen selber zu schauen habe, wie er heimkommt.)
Sollte eine Stellungnahme von ITS Coop oder L’Tur bei mir eintreffen, werde ich diese selbstverständlich entsprechend hier im Artikel einfügen.


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Zu den Reiseveranstaltern:
Ist zum Teil schon verständlich, dass die da kalte Füsse bekommen, wenn man die Kosten ansieht. Andererseits ist wohl der Langzeitschaden bzw. Image-Schaden massiv höher. Lustig, wie solche Firmen mit Kunden umgehen – anscheinend denken die nicht, dass ein heutiger Kunde vielleicht auch mal später erneut ein Kunde sein könnte.
Zu Goldgrube für SBB:
Ein einziges, zusätzlich verkauftes Halbtax bessert die Bilanz der SBB natürlich stark auf :P
Wer den Rappen nicht ehrt… ;-) Nein, der Kunde mit dem Halbtax war ja nur ein Beispiel; bestimmt gab es noch viele andere solche Kunden.
Zu den Reiseveranstaltern kurz meine Meinung:
Wir leben im Jahr 2010. Wenn ich will, kann ich mir meine Reise selber individuell per Internet zusammenstellen. Ich kann selber den Flug buchen, das Hotel reservieren und Ausflüge planen. Alles ohne die Hilfe eines Reiseveranstalters.
Wenn ich nun aber doch über einen Reiseveranstalter buche, dann aus einem einzigen Grund: Weil ich möchte, dass sich jemand um meine Probleme kümmert, falls ich welche bekomme.
Das kann heissen: Weil mit dem Hotel etwas nicht stimmt, die Ausflüge nicht klappen oder ich sonst Hilfe benötige.
Sprich: Wenn ich über ITS Coop, L’Tur oder andere buche, dann will ich aber auch, dass die mir bei solchen Problemen helfen. Ansonsten hätte ich ja gleich von Anfang an direkt selber meine Ferien über Internet buchen können und wäre damit vermutlich sogar noch günstiger gefahren.
Im Jahr 2010 sind Reiseveranstalter für mich also eher eine Art “Versicherung”. Sie sollen mir bei Problemen im Urlaubsland helfen. Nicht mehr und nicht weniger.
Es kann ja nicht sein, dass die Reiseleitung vor Ort nur für Schönwetter da ist, und sobald es Probleme gibt, verzieht sie sich und kündigt den Vertrag, oder?
Das mit LTur kann ich bestätigen (anderer Fall mit miesem Hotel) – garantiert nie wieder!
Je mehr du anderen Leuten von deinen Erlebnissen erzählst, desto eher wird L’Tur keine Reisen mehr verkaufen und von besseren Anbietern vom hart umkämpften Markt verdrängt werden.
Schade für L’Tur, aber umso besser für die Kundinnen und Kunden.
“Uns wurde vor Augen geführt, wie abhängig wir vom Luftverkehr sind.”
Nicht vom Luftverher sind wir abhängig, sondern von den Naturgewalten und das ist gut so!!!
Die erste Stellungnahme, die mich per Mail erreichte, kommt von Nina Meyer / L’Tur. Sie habe mit Jeremy telefoniert, gemailt und als aufmerksamer Leser seines Blogs wüsste man, wie sich L’Tur für ihn und alle anderen Kunden auf Fuerte (und nicht nur da) eingesetzt habe.
Nun, ich habe nicht nur den Blog aufmerksam gelesen, sondern auch das Schreiben, welches Jeremy erhalten hat und sein Video, das habe ich natürlich auch aufmerksam angeschaut. Beides spricht eigentlich für sich.
Lassen wir uns doch einfach nochmal Jeremys Artikel durch den Kopf gehen. Es folgen ein paar Original-Zitate aus seinem Text:
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Laut Direktor kündigt L’TUR mit allen Gästen den Reisevertrag. Faktisch heisst dies, das Wir ab sofort auf Uns gestellt sind. Hotelkosten würden auf Uns übertragen…
Soeben kam die Bestätigung. Ab sofort läuft alles auf eigene Kosten hier. L’TUR hat, rückwirkend auf heute Morgen, den Reisevertrag gekündigt. Eine alleinerziehende Mutter mit zwei Töchtern kann sich das Hotel nicht mehr leisten (Sie müssen schon seit Freitag selbst bezahlen).
Es wird Uns mitgeteilt, das Wir am besten nun auch für den Rückflug selber schauen sollten. Die Flugzeuge sind so ausgebucht, dass es schwer sein wird einen der Restplätze zu ergattern
L’TUR ist im Moment echt zum kotzen.
Soeben wurde Uns gesagt, wenn Wir können sollen Wir zum Flughafen und Uns ein Flugticket kaufen. Natürlich vollkommen zu Unseren Kosten!
L’TUR gibt bekannt sich im Moment nicht um einen Rückflug von Uns kümmern zu können – man fühle sich ausser Stande, im Moment etwas für uns zu tun. Diese Aussagen wurden – nicht gerichtlich verwertbar – per Video festgehalten damit nicht wieder ein Mitarbeiter von L’TUR in der Kommentarfunktion hier was anderes sagt!
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Aber wie gesagt: L’Tur versichert mir, dass die Reisenden korrekt behandelt wurden. :)
Was aus dem Artikel aber durchaus ersichtlich ist: Nachdem L’Tur erkannte, dass da ein Blogger unter den Gästen ist, wurde Jeremy tatsächlich geholfen. (Er bekam Infos, Flug wurde organisiert, etc.) Aber wie es scheint, geschah dies nur, um einen grösseren Image-Schaden zu verhindern.
Lieber Andreas,
egal ob über einen Blog, über Twitter, Facebook, Mail oder Telefon: In den vergangenen Tagen haben wir alle hier bei L’TUR unser Bestes gegeben, damit es unseren Urlaubern vor Ort gut geht. Und wir haben uns um jedes Problem gekümmert, von dem wir erfahren haben.
Das in Einzelfällen auch mal was nicht sofort optimal klappt – auch für uns alle war es eine Ausnahmesituation. Und es ist einfach, nur die schlechten Kommentare aus dem Blog zu kopieren ;-) Naja, Schwamm drüber.
Beste Grüße aus Baden-Baden,
Nina
Und warum dann diese Aktionen von Vertragskündigung?
Es hätte sonst niemand bestritten, das die Reiseveranstalter sich den A*** aufgerissen haben, um den Kunden zu helfen. Aber eben: wenn die Kunden zu Nicht-Kunden “degradiert” werden, bleibt einfach ein komischer “Nachgeschmack”.
Auch wenn ich nicht direkt betroffen war, so muss ich die SBB und die angrenzenden Bahnen mehrheitlich loben. Was da innert kürzester Zeit für Ressourcen aus dem Boden gestampft wurden. Es mag vielleicht nicht für jedermann ersichtlich sein, doch die ganze Disposition von Personal, Rollmaterial, der zusätzliche Mehraufwand welcher geleistet werden musste… und dies obwohl nicht wenige SBB Mitarbeiter selbst im Ausland blockiert waren.
Grosses Lob allen Beteiligten!
Auch mich hats erwischt, wenn auch nicht so arg. Aber 80 Euro Mehrkosten fürs Bahnticket hat mich das bisschen Asche auch gekostet.
Die Geschichte mit den Reiseveranstaltern ist nachvollziehbar, wenn auch sehr ärgerlich. Das ist ungefähr das selbe, wie wenn sich bei der Bahn jemand vor den Zug schmeisst. Dann gibts auch keine Entschädigung für entstandene Mehrkosten, weil es halt höhere Gewalt ist. Das selbe ist auch bei den Airlines so, auch wenn einige aus Kulanz die Kosten für die Bahntickets übernommen haben. Ein solcher Fall ist für einen Reiseveranstalter in praktisch jedem Fall das Todesurteil, wenn er die Reiseverträge nicht kündigen kann. Wie soll er alle diese Mehrkosten aus eigener Tasche bezahlen? Dafür gibts Reiseversicherungen. Das ist nicht Sache des Veranstalters.
Traurig ist es dabei aber natürlich schon, dass die örtlichen Reiseleiter die Leute oft quasi im Regen stehen lassen. Es ist in der Branche der Residents (Bezeichnung für stationäre Reiseleiter) äusserst selten wenn gutes Personal am Start ist. Oft sind es einfach “kleine Leute”, die sich nebenbei etwas Geld verdienen und gleichzeitig noch ein wenig bezahlten Urlaub machen wollen. Auf jeden Fall muss man lange suchen, bis man wirklich gute Residents findet. Diese hingegen werden sich auch in einem solchen Fall um gestrandete Reisende kümmern und sie nicht einfach wegschicken. Klar ist aber, dass sie auch nicht mehr machen können als ihnen bei der Buchung von Hotels und Flügen behilflich zu sein. Und auch das halt nur soweit wie das vor Ort möglich ist. Sind die wenigen verfügbaren Flüge ausgebucht, so kann auch ein Resident nichts daran ändern. Und auch wenn es für Gestrandete mühsam ist, ist es logisch, dass auf einem verkehrenden Flug den Passagieren der Vorzug gegeben wird, welche eine Buchung haben, welche auf diesen Flug lautet.
Schlussendlich ist es einfach je länger je mehr ein Problem dass Reisende glauben, wenn sie eine All-inclusive-Reise buchen, bräuchten sie nicht mehr selber denken. In einer solchen Situation wie jetzt werden sie aber einfach nicht drum herumkommen, auch wenn es mühsam ist.
Aber mal ganz abgesehen von der ganzen Sache: Es ist in praktisch jedem Fall sinnvoller (und meistens deutlich günstiger – Katalogreisen kriege ich fast immer ca. 30 – 50 % günstiger kalkuliert) Reisen selber zu buchen, auch wenn es mehr Arbeit bedeutet. Wenn man sich nicht ganz auf sich selbst verlassen will, kann jedes Reisebüro auch Leistungen einzeln buchen, auch wenn kaum ein Reisebüro dies gerne tun wird. Die Provisionen für Pauschalangebote sind halt nun mal besser. Zwar muss man sich bei selbst gebuchten Reisen auch vor Ort selbst um alles kümmern, kommt aber in einer Problemsituation nicht selten ebenfalls besser weg. Ein Veranstalter wird kaum einzelne Plätze in einem Flugzeug kriegen, ein Individualreisender aber jenachdem schon, wenn er die Fluggesellschaft um ein Standby-Ticket anfragt.
Fakt ist, dass die kommerzielle Reisebranche banal gesagt hauptsächlich darauf aus ist, dem Reisenden möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen und möglichst wenig dabei selbst investieren zu müssen, sowohl im Bezug auf finzanzielle Dinge wie auch auf Zeit. Aktuelles Beispiel (nicht dass ich jemals auf die Idee kommen würde bei einem Veranstalter zu buchen, dafür organisiere ich zu lange selbst Reisen ;-) ): Wir fahren Ende Mai für 5 Tage nach Mallorca. Gebucht habe ich im Januar. Der günstigste Preis in einem akzeptablen, allerdings auch nicht besonders herausrangenden da Touristenbunker, Hotel lag für zwei Personen bei 1400 Euro – nur Flug und Unterkunft. Bezahlt habe ich aktuell 300 Euro für den Flug inkl. aller Zuschläge und 250 Euro für 4 Nächte im Businesshotel, letzteres allerdings ohne Frühstück. 550 Euro für zwei Personen, meinetwegen 650 wenn man noch das Frühstück mitberechnet. Das ist schlussendlich immer noch um die Hälfte günstiger. Dass ich dabei auf einen organisierten Transfer vom Flughafen zum Hotel sowie eine Begrüssung durch einen Resident verzichten muss, kann ich dabei ganz gut verschmerzen ;) (der Bus kostet grade mal etwas mehr als 2 Euro und hält auch nur wenige Schritte vom Hotel entfernt).
Zum Ende noch ein Tipp für Leute, die zwar günstig Reisen aber nicht alles selbst buchen wollen: Es gibt massenweise Privatpersonen und kleinere Veranstalter, welche Reisen zu nahezu Selbstkostenpreisen organisieren. Dabei gibts dann auch einen örtlichen Reiseleiter. Ich selber gehöre da auch dazu. Wer eine Reise von mir organisieren und leiten lässt, bezahlt lediglich meine Spesen und seine eigenen Kosten. Es gibt viele Leute, die das selbe anbieten. Man muss sie lediglich in der Masse der Reiseveranstalter als Nadel im Heuhaufen finden…
Wer den finanziellen Schaden zu tragen hat, darüber lässt sich vielleicht noch streiten. Fakt aber ist, wie du richtig sagst: Man lässt seine Kunden nie im Stich! Nie!
Den Berichten von Gestrandeten entnehme ich, dass sie oft bereit nach kurzer Zeit alleine und auf sich gestellt gelassen wurden. Sowas gibt es bei der SBB nicht. Zumindest habe ich noch nie gesehen, dass das Zugpersonal bei einem Personenunfall das Weite suchte und die Fahrgäste sich selbst überliess…
Ich würd die verklagen! Die können doch ned einseitig den Vertrag künden! Gehts no! Diese einseitigen AGB gehören eh verboten! (da gehört SBB übrigens auch dazu!!). Ich werde, wenn ich gewählt werde, mich dafür einsetzen, dass die Konsumenten nicht nur die Melkkuh der Gewinngeilen Konzerne sind, sondern auch Rechte bekommen, und vor Gericht mal für Millionen klagen können.
Nur, was können die betreffenden Unternehmen dafür wenn Probleme aufgrund höherer Gewalt entstehen? Wie soll ein Unternehmen genug Rücklagen bilden um alle möglichen Auswirkungen von höherer Gewalt abzufedern? Die Folge von sowas wäre, das überall (!) die Preise massiv steigen würden, für alle Konsumenten. Dann kostet das Bahnticket Zürich HB – Hardbrücke halt plötzlich CHF 20.- weil die SBB sich absichern muss gegen Schneefall, Überschwemmungen und Ähnliches. Das bringt am Ende auch niemandem was. Ich wäre eher für eine freiwillige Versicherung für solche Fälle, die jedermann der sich für sowas absichern möchte, gerne individuell abschliessen kann. So tragen nämlich nur die Leute die Mehrkosten, die eine solche Absicherung auch unbedingt haben möchten. Ich gehöre definitiv nicht dazu…
Lieber Amdreas,
erstmal danke fürs verlinken :)
ich sitze gerade im Zug von Köln (da sind wir heute hingeflogen) nach Basel – wenn alles klappt bin ich um 06:00 in Basel.
Ich denke, das da eine Aussprache mit L’TUR von nöten ist.
Die kommunikationsabteilung hat neben einem guten Monitoring scheinbar auch gute Kontakte und so wurde, kurz nachdem ich das Video gemacht habe, auch reagiert im Hotel.
Das finanzielle stört mich nichtmal, damit kann ich leben – aber das ich Gäste sah die nur durch nina resp. meinen Blog erfuhren, das Sie für den Rücktransport nichts bezahlen müssen hat mich schon schockiert. Schliesslich ist es relativ klar was in der Kündigung steht – für mehrkosten ist der Gast zu 50% aufzukommen. Was sind aber solchd Mehrkosten etc.? Diese fragen wurden/konnten nicht beantwortet werden.
Nun den, das Ende der Geschichte ist bekannt. Mit 4 stündiger Verspätung treffen wir bald in Basel ein. Ich war schneller wieder in Köln als ich gedacht hätte und mit L’TUR werde ich mich bald im HQ in Baden-Baden aussprechen – auch wieder etwas, das ich nur dem grossen Feedback auf meinen Blog zu verdanken habe. Jedoch will ich L’TUR die Möglichkeit geben, das Sie ihre Sicht der Dinge präsentieren. Schlussendlich bin ich im letzten Jahr sehr oft mit L’TUR verreist und auch bei kleineren Problemen konnte immer geholfen werden. Doch die Kündigung diesesmal… dafür erwarte ich ein angemesenes Feedback seitens L’TUR…
Nun die höhere Gewalt ist das Eine, die Kundenfreundlichkeit das Andere.
Ich persönlich hätte viel mehr Verständnis dafür, wenn man in solchen Fällen zuerst den Kunden heim bringt und dann die wirklichen Mehrkosten in Rechnung stellt, da kann niemand was dafür und das Risiko tragen wir halt selber.
Im Gegensatz zum Reisenden irgendwo auf der Welt kommt der Veranstalter einfacher zu Geld.
Ich kam auch einmal einen Tag zu spät nach hause wegen Vulkanasche, die Balair zahlte uns das Hotel und Essen. Voll Easy, würden die Kids heute sagen. Das war halt 1993….
Hallo zusammen,
ich muss das hier mal loswerden:
EIN GANZ GROSSES KOMPLIMENT AN UNSRE SBB!!
In ganz Europa herrscht Chaos auf den Gleisen, Züge fallen aus, sind Stunden zu spät oder überfüllt. Hier merkte man nicht viel davon.
Man reisst sich mal wieder ein Bein aus, um die schlechte Organisation der Bahnen im Ausland auszubügeln, denn so gut wie alle Fernzüge aus dem Ausland (EC Hamburg-Chur, EC Brüssel-Chur und TGV fallen entweder aus oder kommen Stunden später. Hier in der Schweiz merkt man davon aber nichts, denn es werden für alle Züge Ersatzkomposotionen aufgeboten. Das einzige was der Fahrgast merkt, sind die anderen Wagen..
Was das für eine Organisation und Flexibilität erfordert, kann man als normaler Fahrgast wahrscheinlich nur erahnen. Es muss ein Riesenaufwand sein, den die SBB für uns betreibt. Hier merkt man wirklich, das die Schweizer Bahnen begriffen haben, das die Bahn für die Menschen da ist, und nicht nur für Gewinne. Und mir ist es dann auch Sch****egal wenn ein Ersatzzug mit 40 Jahre alten grünen Wagen kommt (Ok, ich als Bahnfan freue mich dann) solang er pünktlich fährt.
Viele Cisalpinos nach Italien werden doppelt geführt (so gesehen in Bern), damit die Pendler nicht in den ausgebuchten Triebzügen stehen müssen, bzw am Bahnsteig stehen bleiben müssen.
DANKE an alle SBB Mitarbeiter die das Möglich machen :)
Gruß, Steven