Appenzeller Bahnen: Kaum mehr Kunden trotz Verzicht auf Bearbeitungsgebühr

von Andreas Hobi am 6. April 2010 · 3 Kommentare

Vor einiger Zeit hat die SBB die Beratungsgebühren für internationale Tickets auf fünf Franken angesetzt. (schweizweit.net berichtete darüber am 29. Oktober.)

Grund: Der Verkauf von internationalen Billetten mit persönlicher Beratung ist laut der SBB nicht kostendeckend. Damit die Fahrgäste auch in Zukunft am Schalter internationale Billette kaufen und sich umfassend beraten lassen können, wird die Gebühr erhoben, sobald das Billett mehr als 25 Franken kostet.

Grundsätzlich keine grosse Sache. Fünf Franken können sich die meisten leisten. Doch was ist, wenn nun plötzlich eine kleine Bahn kommt und ihre Tickets ohne Bearbeitungsgebühr verkauft? So geschehen in der Ostschweiz mit den Appenzeller Bahnen.

Diese verkaufen auch internationale Tickets zu Nettopreisen, ohne Beratungsaufschlag.

Kundenwanderung in der Ostschweiz?

Die Frage, die ich mir nun stellte: Wandern jetzt Kunden von der SBB zu den Appenzeller Bahnen ab, wenn sie in ihrer Nähe eine AB-Verkaufsstelle haben?

Werbung der Appenzeller Bahnen

Mit diesem Inserat warben die Appenzeller Bahnen in diversen Ostschweizer Medien.

Die AB verkaufen die Tickets in Appenzell, Teufen, St. Gallen, Speicher und Heiden. Vorallem der Verkaufspunkt in St. Gallen dürfte sich nun einer grösseren Nachfrage erfreuen, war meine These.

Tatsächlich aber scheinen nur wenige Kunden von der SBB zur AB abgewandert zu sein. Auszüge aus der Antwort der Appenzeller Bahnen an schweizweit.net:

Eine Umfrage bei unseren Bahnhöfen hat ergeben, dass das Wegfallen der Buchungsgebühr vor allem in St.Gallen beim Verkauf von internationalen Bahnreisen bemerkt wird, da in St.Gallen auch noch ein SBB Verkauf vor Ort ist. Allerdings bewegen sich unsere Zuwächse im bescheidenen Rahmen.

Nichtsdestotrotz hoffen die AB, dass die Verkaufszahlen über eine längere Periode gesehen noch steigen werden.

Meine Vermutung

Grundsätzlich gilt: Wer bis anhin schon bei den Appenzeller Bahnen kaufte, wird das weiterhin tun. Ähnlich verhält es sich mit den SBB-Kunden. Fünf Franken sind zu wenig, um deswegen seine Gewohnheiten zu ändern.

Sobald mehrere Personen reisen, ist die Wahrscheinlichkeit schon höher, dass die Kunden vorallem in St. Gallen zur AB-Verkaufsstelle gehen.

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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Piero April 6, 2010 um 16:42

Nun, ich denke, die meisten haben das gar nicht mitbekommen, dass dies nun paar Franken kostet.
Andererseits kann ich zb nicht einfach zu AB fahren und dort ein Ticket 5 Fr. billiger kaufen. OK, könnt ich schon, wäre aber echt bescheuert – vorallem massiv teurer, dorthin zu kommen.

Also für dein Vergleich kommen wirklich nur die Leute in Frage, deren Weg sowohl zur SBB wie auch zu den AB in etwa gleich sind – und soviele werden das wohl nicht gerade sein.

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stefan April 7, 2010 um 20:13

Meine Gedanken, gehen ziemlich in die gleiche Richtung wie die von Piero.

Der Kreis jener Kunden welche effektiv 5.- sparen können ist wohl relativ gering.
Auch müssen wir an jene denken welche den Zug sonst nur selten benutzen. Da wird die SBB wohl Ansprechpartner Nummer 1 sein.

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gentux April 12, 2010 um 07:04

Finde ich aber trotzdem nicht fair, wenn ich mir ein internationales Billett kaufen will, dank TCV 710.12 auch eine Begleitperson mitnehmen möchte, MUSS ich an den Schalter. Das, obwohl es mir überhaupt nichts ausmacht, ja sogar erleichtert, wenn ich das im Internet erledigen könnte und ich dann bei Reiseantritt einfach das Billett “beglaubigen” könnte.

Meiner Ansicht nach müssten erst Alternativen geschaffen werden, bevor man Gebühren verlangt.

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