Bereits ab 2013: In 60 Minuten von Zürich nach Davos

von Andreas Hobi am 1. April 2010 · 5 Kommentare

Was lange währt, wird endlich gut! Diese Aussage trifft auf den AlpTrain definitiv zu. Zumindest auf die kleine Ausführung. Ein Teil der Vision des Bündners Andrea Tuffli wird bereits auf den Fahrplanwechsel 2013/14 Realität.


Was ist der AlpTrain?

Hier folgt nun eine kleine Übersicht zu Tufflis Vision. Wer mehr Details möchte, suche auf Google nach “AlpTrain” oder schaut sich die AlpTrain-Präsentation an.

Die Vision AlpTrain besteht aus einem kleinen und einem grossen Teil. Der kleine Teil (“Graubünden Vision”) wird auf den Fahrplanwechsel 2013/14 realisiert und enthält eine schnelle Bahnverbindung von Zürich über Chur bis nach Davos. Ausserdem beinhaltet sie einen neuen Tunnel zwischen Chur und Davos. Die Tourismusorte Lenzerheide und Arosa werden mit unterirdischen Haltestellen und Standseilbahnen angeschlossen und rücken durch die massive Fahrzeitverkürzung in Pendlerdistanz zu Zürich.

Abzweiger zur Lenzerheide und nach Arosa

Dabei wird man mit dem AlpTrain von Zürich aus folgende Fahrzeiten haben:

  • Chur: 40 Minuten (heute 1:15 Stunden)
  • Lenzerheide: 47 Minuten (heute 2:02 Stunden)
  • Arosa: 53 Minuten (heute 2:32 Stunden)
  • Davos: 1 Stunde (heute 2:35 Stunden)
  • St. Moritz: 2 Stunden (heute 3:21 Stunden)

Sämtliche genannten Bündner Destinationen sind dann von Zürich aus rascher erreichbar als Visp, das Eingangstor zum Wallis. Mich als Bündner (zumindest im Herzen) freut dies natürlich! ;-)

Der AlpTrain: Schon bald verbindet er Zürich mit Davos in 60 Minuten

Der zweite Teil (“Europa Vision”) wird vorerst noch nicht verwirklicht. Zu viele Beteiligte haben da noch ein Wörtchen mitzureden und (zu) viele Menschen sind solchen neuen, visionären Projekten gegenüber skeptisch. Dies finde ich sehr schade. Denn die Europa Vision würde die europäischen Städte Mailand, Zürich und München mit einer noch nie zuvor dagewesenen Hochgeschwindigkeitsverbindung miteinander vernetzen. Dadurch würden die Fahrzeiten zwischen diesen Metropolen massiv verkürzt.

Andrea Tuffli im Interview mit Radio DRS

Das Ostalpenversprechen besteht noch immer

Den meisten von euch wird der Begriff “Ostalpenversprechen” nicht viel sagen. Deshalb hier eine kurze Erklärung:

Am 1. Juni 1882 wurde die Gotthardbahn fahrplanmässig in Betrieb genommen. Doch schon lange vorher erkannte der Bündner Ingenieur Richard La Nicca die Bedeutung der Eisenbahn. La Nicca lebte von 1794 – 1883, stammte aus Chur, war der erste Kantonsingenieur Graubündens, erstellte 1839 das erste Projekt für eine Bahnlinie über den Splügenpass und war ab 1853 technischer Direktor der Südostbahn Rorschach – Chur.

Zwischen 1853 und 1871 versuchte La Nicca eine Fusion mehrerer Eisenbahnen durchzubringen, so dass man eine Bahnlinie erstellen kann von Flüelen nach Disentis und von Chur über Disentis durch den Lukmanier, als Alternative zum Gotthardtunnel. Dieses Vorhaben endete dann aber erfolglos.

Weil die Ostschweiz nicht zum Zuge kam, was die Nord-Süd-Verbindung betrifft, machte man ihr das Ostalpenversprechen: Der Bund verpflichtete sich der Bevölkerung der Ostschweizer Kantone gegenüber, den späteren Bau einer Ostalpenbahn mit 4.5 Millionen Franken zu unterstützen. Mit Zinsen, teuerungsbereinigt und aufkumuliert dürfte dieser Betrag heute ein Vielfaches höher sein. In der AlpTrain Europa Vision ist die Ostalpenbahn enthalten. Der Bund müsste also seinen versprochenen Anteil zahlen.

Weshalb der AlpTrain eine Zukunft hat

Die Zukunft gehört der Schiene! Dies ist laut dem Architekturbüro Tuffli & Partner AG unbestritten. Die steigende Mobilität kann laut dem Büro nur auf der Schiene bewältigt werden.

Und die Eisenbahn erlebt ein Revival, wird trendy. Bis 2030 rechnet SBB-CEO Andreas Meyer mit einer Steigerung des Personenverkehrs um 50 – 100%. Und dabei muss man im Hinterkopf behalten, dass Prognosen rund um das Wachstum des ÖV bisher immer übertroffen wurden…

Einen weiteren Trend, den Tuffli & Partner zu Gunsten der Bahn ausmacht: Die Fluggesellschaften geraten vor allem auf Kurzstrecken immer mehr unter Druck. Die Treibstoffpreise und Landegebühren drücken auf die Marge und damit wird das Geschäft mit Europaflügen immer schwieriger. So will zum Beispiel die Air France KLM einige unrentable Fluglinien durch Hochgeschwindigkeitszüge ersetzen. Beispiel: Paris – London.

Graubünden profitiert

Bei der Vision AlpTrain wird nicht zuletzt auch der Kanton Graubünden in hohem Masse profitieren. Deshalb ist die Freude über den positiven Entscheid und die Umsetzung im Jahr 2013 sehr gross. Die Wirtschaftskraft des Kantons wird dann massiv gestärkt und es werden mit Sicherheit spürbar mehr Touristen in den schönsten Kanton der Schweiz reisen.

Ich könnte direkt mit euch wetten, dass bereits noch in diesem Jahr weitere grosse Hotelneubauten in diversen Bündner Destinationen bekanntgegeben werden. Denn schliesslich will man den Touristen-Ansturm auch entsprechend bewältigen können.

Man achte auf das Datum…

Nun gut, ich gebe es ja zu: Heute ist der 1. April. Somit entspricht nicht alles in diesem Artikel ganz der Wahrheit.

Es gibt die Vision rund um den AlpTrain tatsächlich! Und auch das Ostalpenversprechen habe ich nicht erfunden; es besteht genau so, wie ich es beschrieben habe.

Nur leider schaut es noch nicht danach aus, als ob die AlpTrain-Vision demnächst verwirklicht wird. (Die Tatsache, dass nur schon alleine für den Bau der Tunnels die Zeit bis 2013 nicht reichen würde, lassen wir mal aussen vor.)

Dabei hat man ja zum Beispiel mit dem Vereina-Tunnel sehr gut gesehen, was aus einer Vision werden kann und welchen Nutzen der Vereina heute der Bevölkerung bringt. Und auch damals gab es Leute, welche die Vision für überdimensioniert, zu teuer oder sonstwas hielten.

Trotzdem drücken wir den Visionären rund um Andrea Tuffli kräftig die Daumen! Auf dass ihr Vorhaben gelingen möge!

Weiterführende Literatur

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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{ 5 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }

Chrigu April 1, 2010 um 16:32

Ich freue mich schon heute auf diese Standseilbahn. ;-)
April, April.. :-P

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Alain April 1, 2010 um 16:47

Mich als Walliser freuts nur gering ;-)

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Alain April 1, 2010 um 16:48

@ Chrigu
Der besze Aprilscherz geschah heute im Bahnhof Leuk ;-) siehe Facebook Profil

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Stefan April 3, 2010 um 15:59

diese grossen Projekte find ich immer wieder faszinierend, wie diesen Eurotunnel durch die Alpen! von Dänemark nach Schweden soll jetzt auch ne brücke gebaut werden, stellt euch das mal vor, von mailand nach, sagen wir Stockholm, in 10 stunden mit dem ICE, das wär auch gut für die wirtschaftliche Entwicklung…

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Christian Oser September 21, 2010 um 18:07

Graubünden will unterirdische Schnellfahrstrecken nach Davos und die Ostalpenbahn doch noch bauen, und das Wallis sowie das Berner Oberland plädieren wieder für den Grimseltunnel; aber offenbar denken die beiden Initianten jenes Projektes, Ulrich Blatter und Alain Hadorn, leider nicht an die Integration der Appenzeller Bahnen, des Montblanc-Express sowie der Centovallibahn in die Netze der RhB, MGB, Zentralbahn, BOB und MOB. Wenn der GoldenPass einmal durchgehend von Luzern bis Montreux fährt, ist das ja schon mal positiv. Darüber hinaus wird einerseits bekanntlich von Montbovon aus das Greyerzerland erschlossen, also ein ideales Betätigungsfeld für Schnellzüge z. B. von Lauterbrunnen/Grindelwald über Interlaken – Spiez – Zweisimmen – Gstaad – Château-d’Oex und Bulle nach Châtel-St-Denis und Palézieux.
Andererseits lassen sich in Chamby mit dem Übergang zu
BC und MVR neue Märkte im Raum Vevey erschliessen.
Eins muss gesagt sein: Die RhB ist zu langsam, um in die Pendlerdistanz zu Zürich zu rücken. Für den Fremdenverkehr genügt sie jedoch den Ansprüchen.

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