Mit Parkkarte Zug fahren

von Andreas Hobi am 25. Februar 2010 · 5 Kommentare

Auch wenn diese Woche bisher nur drei Arbeitstage beinhaltete: Über zu wenige Erlebnisse kann ich mich nicht beklagen. Einmal fehlte der Lokführer (stand mit dem Auto im Stau), einmal versuchte ein Fahrgast zu betrügen und einem anderen sah ich in Winterthur zu, wie er die Gleise überschritt.

Und dann gestern noch die Sache in Basel und der Fahrgast, welcher mit einer P+R-Parkkarte reiste.

BASEL, Bahnhof SBB
Bild © (cc) lamatman (flickr.com)

Zufallstreffen im Dreiländereck

Ich kam soeben mit einem Eurocity (Chur – Hamburg) in Basel an und war noch kurz bei einem anderen Eurocity (Luxemburg – Chur) bei der Vorbereitung behilflich, als ich mich auf den Weg Richtung Personalrestaurant machte.

Unterwegs wollte ich noch rasch in einen Kiosk, um mir den aktuellen Blick zu holen.

Plötzlich hörte ich hinter mir Stimmen: “Ja das ist er! Tatsächlich!” Und kurz darauf wurde mir bewusst, dass damit wohl ich gemeint war.

Vor mir standen drei junge Herren, die ich wohl noch nie zuvor in meinem Leben gesehen habe, die mich aber anscheinend gleich erkannten.

“Hey, so ein Zufall! Erst gerade vorhin sprachen wir von dir!” Es stellte sich heraus, dass sie schweizweit.net kannten und (mehr oder weniger berufsbedingt) ab und zu dort vorbeischauen. Jedoch waren es keine SBB-Angestellten.

Sie arbeiten für eine “Agentur für Crossmedia-Kommunikation”, welche öfters Mal Aufträge für die SBB erledigt. Unter anderem waren sie für den Relaunch der Website eines SBB-Produkts verantwortlich, welches vor allem bei Jugendlichen sehr beliebt ist.

Diese drei Jungs hatten wohl irgend so eine Sitzung, und danach muss es irgendein Gespräch über schweizweit.net gegeben haben. (Und ich Depp habe nicht mal gefragt, worum es denn genau ging…)

Danach gingen wir noch kurz in die Café Bar, wo wir ein wenig über dies und das sprachen. Eine halbe Stunde später mussten sie dann auf den Zug.

Anstrengende Rückfahrt

Nach diesem Zufallstreffen musste ich mich unbedingt noch im Personalrestaurant für die anstrengende Rückfahrt stärken. Vor mir stand eine rund dreistündige Fahrt mitten durch die Basler Fasnacht und die Hauptverkehrszeit. Und das am fünften Arbeitstag in Folge. Als Motivation blieb mir die Tatsache, dass ich danach zwei Tage frei habe. Wobei der zweite Tag dann doch wieder fast ganz für die SBB drauf geht…

In Zürich dann – auf halbem Weg – stand ich vor dem Zug, als ein älteres Ehepaar auf mich zukam: “Sie, fährt dieser Zug nach Ziegelbrücke?” Ich bejahte die Frage und das Ehepaar zog von dannen, als der Herr sich umdrehte und nochmals auf mich zukam. Seine Frau rief ihm nach: “Er sagte doch “ja”.” Der Herr kam nochmals zu mir und fragte, ob ich seine Frage soeben mit einem Ja beantwortet hätte.

Ab einem gewissen Alter versichert man sich wohl gerne noch ein zusätzliches Mal, ob man auch wirklich im richtigen Zug sitzt. Dies kann ich voll und ganz nachvollziehen.

Um 18:12 Uhr fuhren wir dann mit einem gut besetzten Zug los.

Irgendwann zwischen Wädenswil und Pfäffikon stiess ich wieder auf das ältere Ehepaar. Während mir die Dame ein Billett nach Ziegelbrücke entgegen hielt, zeigte mir der Herr eine P+R Parkkarte mit aufgedruckter Autonummer für den aktuellen Tag und den Bahnhof Ziegelbrücke.

Ich musste schmunzeln: “Entschuldigen Sie, das ist die Parkkarte. Haben Sie vielleicht auch noch ein Billett?” Doch er schaute mich ganz verwirrt an. “Oh nein! Das ist die Parkkarte? Ja dann liegt das Billett jetzt im Auto hinter der Windschutzscheibe…

Da ist wohl etwas verkehrt herum gelaufen. Der Herr erschien mir glaubwürdig. Einerseits wegen dem doch schon ordentlich fortgeschrittenen Alter, andererseits auch, weil er mir bereits in Zürich verwirrt erschien. Es wäre also fast schon frech gewesen, hier nochmals ein Billett – und dann noch mit einem Zuschlag von zehn Franken – zu verkaufen.

Ein Problem blieb aber noch: Es bestand die Möglichkeit, dass der Herr – trotz gelöster Parkkarte – unter Umständen eine Parkbusse hinter dem Scheibenwischer klemmen hat.

Also hinterliess ich auf der Rückseite der mir vorgewiesenen P+R-Karte eine kurze Notiz, meinen Namen, das Depot und die Personalnummer für Rückfragen. In der Hoffnung, dass sich auf diese Weise eine allfällige Busse wieder rückgängig machen lässt.

Das Ehepaar zeigte sich sehr froh darüber und versicherte mir, dass ihnen sowas noch nie geschehen sei.

Naja, wieder zwei Fahrgäste glücklich gemacht und mir bleibt die Hoffnung, dass sie auch im Verwandten- und Bekanntenkreis weitersagen, dass die SBB grundsätzlich einen tollen und fairen Service bietet. Und dass man nicht immer alles glauben soll, was in den Medien hochgeschaukelt wird. ;-)

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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{ 4 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }

Fredy Februar 25, 2010 um 17:20

Super Andreas ! Jetzt weiss ich, dass Du nicht nur Jagd auf Schwarzfahrer machst. Gratuliere !

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Peter Februar 28, 2010 um 20:37

Da kann ich nur gratulieren, chapeau für diesen Service!

Leider erging es mir letzthin auf dem Weg in die Ferien genau anders rum: Aus Versehen (mein Fehler, das ist klar) hatte ich das Online-Ticket nach Zürich-Flughafen anstatt für den Tag des Abfluges für zwei Tage später gekauft. Unser Zugbegleiter konnte leider kein Auge zudrücken, und ich musste – obwohl ich auch das Flugbillet gezeigt und damit klargestellt hätte, dass ich jenes falsch gebuchte Ticket nie hätte brauchen können – ein neues Billet inkl. Zuschlag bezahlen. Schade…

Die anschliessende Woche Ferien haben wir trotzdem genossen! ;)

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danilo März 1, 2010 um 21:29

am bahnhof burgdorf buchmatt darf man offiziell mit einer parkkarte zug fahren, wenn der automat mal nicht wieder defekt ist. die bls konnte sich wohl keinen richtigen automaten leisten, deshalb steht jetzt dort ein parkplatzautomat und eine preisliste…

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rootLogin März 10, 2010 um 12:46

Das ist wirklich ein grossartiger Service =) Ich glaube die waren wirklich froh das du sie fahren liest.

Mir auch mal passiert, hatte mein Portemonaie samt GA/Ausweis zu Hause vergessen. Hatte aber meine Maestro-Karte zufälligerweise dabei, da ich sie in meiner Tasche vergessen hatte. Zum Glück glaubte mir der Kondukteur das ich wirklich ich bin und die Karte nicht irgendwo mitgehen liess =) Durfte auch nach der Überprüfung, ob ich ein GA besitze auch ohne Probleme weiterfahren =) Die SBB sorgt sich eben doch um ihre Kunden :)

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