Do you speak english?

von Andreas Hobi am 2. Februar 2010 · 9 Kommentare

Sprachen sind das A und O in meinem Job. Die meisten Zugbegleiter sprechen täglich deutsch, französisch und englisch und beherrschen diese Sprachen auch dementsprechend gut.

Interessant wird es, wenn mal ein Fahrgast keine dieser drei Sprachen spricht und sich mit mir unterhalten möchte. Während ich bei den lateinischen Sprachen (italienisch, spanisch, etc.) noch ein kleines bisschen vom französisch ableiten kann (vorausgesetzt, der Kunde spricht sehr langsam und deutlich), wird es bei anderen Sprachen schon schwieriger.

Ab und zu kommt es dann auch zu witzigen Begebenheiten. So auch vor ein paar Wochen, als ein südländisch aussehender Herr auf mich zukam.

“Do you speak english?”, fragte er mich mit einem Akzent, den ich nicht zuordnen konnte. Ich antwortete ihm. “Yes, sure!”

Doch dann kam leider nur ein “Äh… yes… oh… äh…” gefolgt von einer mir fremden Sprache. Scheint so, als habe da jemand seine Englischkenntnisse überschätzt oder seine zuvor säuberlich in Gedanken zurechtgelegten und aus dem Wörterbuch herausgesuchten Englisch-Vokabeln vergessen…

Kurz darauf glaubte ich, das Wort “Bern” verstanden zu haben. Ich bejahte, dieser Zug fahre nach Bern, und sogleich stieg er ein. Und tatsächlich: In Bern verliess er den Zug dann auch wieder.

Ging ja gerade nochmals gut! ;-)

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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pädu Februar 3, 2010 um 22:36

Das hätte ich auch ohne Sprachkenntnisse gewusst! :)
Alle wollen in die schönste Stadt der Schweiz.

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Gumbo Februar 4, 2010 um 16:43

In kaum einem anderen so kleinen Land der Welt kann man damit rechnen, mit drei bis vier Fremdsprachen durchzukommen. Wir Schweizer reissen uns ein Bein aus und lernen die Landessprachen und Englisch. Vergleiche: In den riesigen USA musst du ohne Englisch nicht meinen, auch nur einen Schritt weit zu kommen. Allenfalls im Südwesten noch mit Spanisch.
Am meisten regen mich die Anglos auf, die es z.T. fertigbringen, zwanzig Jahre hier zu wohnen und gutes Geld zu verdienen, aber immer noch glauben, sie müssen nicht Deutsch reden. Oft sind es auch die globalisierten “Expats”, wie sie sich nennen. Sie ziehen von Job zu Job und bleiben aber immer in ihrem goldenen Käfig, ohne sich mit dem Gastland auseinandersetzen zu wollen. Zug ist eine Hochburg von denen…

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gentux Februar 8, 2010 um 07:27

Ich habe auch nicht schlecht gestaunt, als ich mal im IR zwischen Aigle und Lausanne war. Ein Herr hielt statt eines Tickets, eine Zwanzigernote hoch als der Kondi vorbeikommt, dieser wollte natürlich wissen wohin’s den geht.

Der Herr konnte kaum Französisch und antwortete eher mit ähs und öhs, also fragt der Kondi welche Sprachen er spräche, der Herr antwortet: “anglais et espagnol”, daraufhin verständigten sich beide auf Spanisch… und das flüssig!

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Andreas Hobi Februar 8, 2010 um 15:08

@ Gentux:
Wäre es nicht zwischen Aigle und Lausanne gewesen; ich hätte direkt auf einen Kondukteur aus unserem Depot getippt! ;-)

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Gumbo Februar 8, 2010 um 16:29

Ideal wäre ein -zig-sprachiger Kundendienst. Nur – wer findet solche Genies und kann sie zum Einsteigen als Reisezugbegleiter motivieren? Diese Leute sind meistens in lukrativeren Jobs zu finden…
Beispiel andere Länder:
In Finnland, dem Nummer-eins Pisa-Studienland, können die Kondis, vor allem die älteren, nur ein paar Worte Englisch. Oft muss man sich mit Händen und Füssen verständigen, auch wenn praktisch kein Besucher finnisch kann.
Frankreich: Auch als Tourist musst du es nicht versuchen, mit einer Fremdsprache etwas zu wollen.
Bei uns sollten gemäss den Kunden die Billettautomaten schon viersprachig sein…

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gentux Februar 8, 2010 um 16:36

Ehm die Billettautomaten SIND doch viersprachig. Komme nicht ganz mit.

Franzosen wollen keine Fremdsprache können. Amerikaner wollen schliesslich auch nichts von Sozialversicherungen wissen… ist halt eine Marrotte… Deshalb ist es schon ein Vorteil in der Schweiz zu leben, hier hat man entweder Deutsch, Französisch, Italienisch oder Rätoromanisch in die Wiege gelegt bekommen, Englisch bekommt man übers Internet vorgesetzt und eine Fremdsprache lernt man noch. Als Finnen würden wir Finnisch sprechen und schon hätten wir Probleme mit den Franzosen :)

Anders gesehen, ich kenne auch Menschen die wie ich im IT-Umfeld arbeiten und sich ohne Englisch-Kenntnisse durschlagen wollen… naja…

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Andreas Hobi Februar 8, 2010 um 16:44

@ Gumbo:
Aber ist es nicht so, dass in irgendeinem nordeuropäischen / skandinavischen Land die Synchronfassungen von TV-Filmen so miserabel oder teilweise gar nicht vorhanden sind, dass die Filme häufig in englisch mit landessprachligen Untertiteln ausgestrahlt werden und die Leute deshalb ziemlich gut englisch können? Habe da mal etwas in die Richtung gehört, nur weiss ich nicht mehr, um welches Land es sich handelte… Finnland war es deinem Kommentar zu folge wohl eher weniger…

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Martin Februar 9, 2010 um 11:06

Die Einwohner von englisch- spanisch- oder französischsprechenden Ländern können keine Fremdsprachen, nicht mal ansatzweise und wie so lernen wir jede noch so belanglose Fremdsprache? Manchmal glaube ich dass das intensive lernen von Fremdsprachen die Volksverdummung fördert, so hat man an den Schulen keine Zeit mehr sinnvolles und wichtiges zu lernen. Wen jeder auf dieser Erde Englisch sprechen könnte, müsste ich als Lokführer nicht französisch und italiänisch Diplome erwerben.

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Martin Februar 9, 2010 um 11:07

Skandinavier können in der Regel gut Englisch und nicht selten Russisch oder sogar Deutsch

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