Ich kann es nicht lassen…

von Andreas Hobi am 15. Dezember 2009 · 10 Kommentare

Vor einiger Zeit sah ich im deutschen Fernsehen eine Sendung über Ladendetektive. Im Anschluss an einen anstrengenden Arbeitstag wurde einer dieser Detektive dann gefragt, wie es denn so sei, wenn er mal privat einkaufen gehe.

Einfach so abzuschalten, das falle ihm schon schwer, sagte dieser daraufhin. Tatsächlich achte er automatisch darauf, wie sich andere Menschen im Laden verhalten. Auch in seiner Freizeit. Einmal hätte er sogar einen Herrn angesprochen, als dieser etwas einsteckte.

“Gottseidank ist es bei mir noch nicht so weit!”, dachte ich mir beim Zuschauen. Nichtsahnend, dass ich bald darauf in eine ähnliche Situation geraten würde.

DB Regio
Bild © (cc) daFlippi (flickr.com)

Magische Momente im Europapark

Ich verbrachte zusammen mit meiner Freundin einen unterhaltsamen Abend in Basel und gleich darauf zwei erholsame Tage im Europapark Rust sowie im Hotel El Andaluz. (An dieser Stelle auch nochmals ein herzliches Dankeschön ans El Andaluz für das Upgraden in die Suite!)

Mal abschalten, eintauchen in eine Märchen- und Fantasiewelt, einfach nur Spass haben. Das stand auf dem Programm. Das Wetter spielte hervorragend mit, oft mussten wir nur ganz kurze Zeit anstehen und die Shows waren wie schon letztes Jahr hervorragend. Ein perfektes Wochenende also.

Leider aber gehen solche Tage immer viel zu schnell vorbei und so stand dann auch bald wieder die Heimreise auf dem Programm.

Zuerst mit der DB Regio von Ringsheim nach Freiburg und dann weiter via Basel und Zürich nach Chur.

Mutmasslicher Schwarzfahrer bei der DB Regio

Auf dem ersten Teil der Strecke geschah es dann. Unterwegs mit der DB Regio von Ringsheim nach Freiburg sassen wir in der zweiten Klasse auf Klappstühlen zwischen Einstiegsplattform und Übergang zum nächsten Wagen.

Der Zug war nicht sonderlich gut besetzt; es hatte also überall noch genügend freie Plätze für Reisende ohne Gepäck. Die Gepäckablagen jedoch waren schon gut gefüllt, weshalb wir uns mit unseren beiden Koffern im Gang platzierten.

Irgendwann – es muss etwa auf der Hälfte des Weges gewesen sein, kam ein junger Mann in einer Lederjacke eiligst durch den Übergang vom vorderen Wagen und hastete die Treppe in den oberen Stock des DB Regio-Zuges hinauf.

Aus Spass sagte ich dann zu meiner Freundin: “Komm, wir machen mal die Billette bereit, da kommen glaubs ein paar Kondukteure.”

Tatsächlich dauerte es dann etwa drei Minuten, bis plötzlich ein deutscher Schaffner vor uns stand. Eigentlich war mein Spruch mehr als Witz gemeint… Nachdem er uns kontrollierte, setzte er seine Arbeit im unteren Stock fort.

“Würde mich nicht wundern, wenn jetzt der andere wieder herunter käme und zurück in den vorderen Wagen ginge”, dachte ich mir. Doch dieser liess sich Zeit. Der deutsche Schaffner war unten schon fast mit der Kontrolle fertig, während sich der junge Mann in der Lederjacke noch immer im oberen Stock befand. Da wir im hintersten Wagen des Zuges sassen, konnte er unmöglich noch weiter nach hinten gegangen sein.

Dann war der Schaffner fertig mit der Kontrolle des unteren Stockes und begab sich nach oben. Es sah nicht gut aus für den mutmasslichen Schwarzfahrer. “Jetzt hat der sich zu viel Zeit gelassen. Der Schaffner wird ihn oben davonlaufen sehen und dann sofort kontrollieren.”

Doch was musste ich mitansehen? Einige wenigen Sekunden, nachdem der Schaffner die Treppe nach oben gegangen ist, kam der junge Herr ganz gemütlich herunter. Dabei warf er noch einen Blick zurück, um sich zu vergewissern, dass ihm der Schaffner auch nicht folgt.

Der junge Herr versteckte sich nun unten hinter einer Ecke, so dass ihn der Schaffner nicht sehen konnte, wenn dieser herunter kommt und zurück in den vorderen Wagen geht.

Ich nahm mir fest vor, den deutschen Kollegen auf den mutmasslichen Schwarzfahrer hinzuweisen, sobald dieser dann mit der Kontrolle des oberen Stockes fertig ist. Leider aber kam der Schaffner erst wieder herunter, nachdem der Zug anhielt und sich die Türen geöffnet hatten. Er lief so rasch zuerst an uns und dann am mutmasslichen Schwarzfahrer vorbei, dass ich nicht reagieren konnte.

Und ehe ich mich versah, war dann auch der junge Herr weg. Der Schaffner stand nämlich direkt vor der Türe und beobachtete den Ein- und Aussteigevorgang. Dabei warf er auch einen Blick zurück in unseren Wagen und sah den jungen Herrn. Diesem wurde es nun zu heiss, wusste er doch, dass er gleich nach der Abfahrt kontrolliert würde. Deshalb verliess er den Zug noch, kurz bevor wir weiterfuhren.

Dem Gesichtsausdruck nach, den der Schaffner nun hatte, schien er sich bewusst zu sein, dass da gerade ein Schwarzfahrer an ihm vorbei gelaufen ist. Aber machen konnte er jetzt auch nichts mehr. Der Zug fuhr weiter.


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Hans Dezember 15, 2009 um 14:16

Mach Dir keine Gedanken, die Kontrollen bei der DBAG sind sowieso so dürftig und mies dass es auf einen Schwarzfahrer mehr oder weniger nicht ankommt. Auch gegen die ganzen Leute die mit einem 2. Klasse Ticket in der 1. Klasse fahren greift die DBAG nicht wirklich durch.

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Juliette C. Frollo Dezember 15, 2009 um 20:31

Tz, es gibt ja schon Leute… =(
Bestimmt hat der Kontrolleur beim nächsten Mal mehr Glück.

Wann immer ich Kontrollen miterlebt habe waren die eigentlich recht gut organisiert, es waren stets mehrere Leute, die von beiden Seiten und in beiden Stockwerken her kontrolliert haben – Auch die, die eben noch heraus springen wollen.
Liebi Grüëssli,

Julie

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Piero Dezember 15, 2009 um 22:37

was ich interessant finde ist, dass man anscheinend so gut verdient bei der SBB, dass man sich eine Suite leisten kann – ein Skandal, dahin gehen also die ganzen Gelder :P

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Hermi Dezember 15, 2009 um 23:17

gseht so uus als chöntsch wörkli nöm abschalte. :) aber zum glöck gosch (oder besch scho gse) uf d chrüzfahrt. :) de gsesch de hffentli lang kei iisebahn me. :)

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Andreas Hobi Dezember 16, 2009 um 03:37

@ Piero:
Die Sache war die, dass wir eigentlich nur ein normales Zimmer gebucht hatten. Da es an jenem Tag aber viele Tagestouristen hatte, die sich keine Suite leisten konnten oder wollten, hat das Hotel uns (da ich Stammgast bin) auf gut neudeutsch “upgegraded”. :)

@ Hermi:
Na 38 Täg 1 Stund 23 Minute bis zur Krüüzfahrt! ;-)

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Gumbo Dezember 16, 2009 um 12:29

Piero
So einen Quatsch hast du schon lange nicht mehr geschrieben. Dann würde ich mich schleunigst bei der SBB als Zugführer bewerben, wenn du diesen Leuten ihren (sehr bescheidenen) Lohn missgönnst.
Ich bin auch schon Business-Class geflogen mit diversen Fluggesellschaften, weil man mir das Gratis-Upgrading angeboten hat. Samt Champagner und Essen à la carte. Vermutlich bin ich jetzt auch ein reicher Krösus.
Andreas:
Geh mal nach Island. Dort gibt es keine Eisenbahn, und du kannst VOLL abschalten!

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Piero Dezember 16, 2009 um 13:39

@Gumbo

Den Gebrauch von Ironie ist dir wohl nicht geläufig? ;)

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Gentux Dezember 16, 2009 um 18:17

Tja dafür stellen die ja Kinder und Menschen mit einer Behinderung am nächsten Regio-Bahnhof ab, dann geht es schon auf.

Allgemein scheint der DB AG den Gang an die Börse das Wichtigste zu sein, welcome to new-british railways.

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Tom Dezember 16, 2009 um 20:48

@Andreas: ist es nicht ziemlich umständlich, mit dem Zug in den Europa-Park zu gelangen? Die Verbindungen sollen auch nicht die besten sein…

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Andreas Hobi Dezember 17, 2009 um 23:41

@ Tom:
Ab Zürich oder Basel ohne Halt bis Freiburg, dann mit dem Regio nach Ringsheim. Mit dem Bus ist man dann in 10 Minuten im Park.

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