Raucher im Zug: Von Kollegen verarscht

von Andreas Hobi am 1. Dezember 2009 · 3 Kommentare

Wenn es um das Rauchen im Zug geht, kenne ich kein Pardon. Jeder sollte wissen, dass dies seit einiger Zeit nicht mehr erlaubt ist und wenn das Zugpersonal jemanden mit einer brennenden Zigarette erwischt, kostet das ein paar Franken.

Lange habe ich es für unmöglich gehalten, dass ich eines Tages mal Mitleid mit einem Raucher haben würde. Doch genau das ist kürzlich geschehen. Hier folgt nun die Geschichte dazu.

Rauchen verboten
Bild © (cc) marfis75 (flickr.com)

Eau de nicotine

Nach der Kontrolle eines Zweitklasswagens stand ich vor einem geschlossenen WC. Ich beschloss, hier kurz zu warten und die Person, welche sich auf der Toilette befindet, auch zu kontrollieren.

Nach zwei, drei Minuten steigt mir ein immer stärker werdender Nikotin-Geschmack in die Nase. Dieser Duft kann nur einen Ursprung haben: Das WC.

In Gedanken bereite ich mich schon auf eine schwierige Diskussion vor. Ich erwarte eine/n Raucher/in, welche/r anfangs abstreitet, überhaupt geraucht zu haben. Ich erwarte die Standardaussage: “Das müssen Sie mir erst mal beweisen!

Grosses Erstaunen

Was dann aber folgte, dass ist sogar in meinen schönsten Träumen nie passiert:

  • Ich: Grüezi wohl. Darf ich mal Ihr Billett sehen?
  • Er: Sicher. (Gibt es mir.)
  • Ich: (Während ich sein Billett in den Händen halte.) Sie wissen bestimmt, dass das Rauchen auf der Toilette nicht erlaubt ist.
  • Er: Äh… Ja, nein… Ich dachte…
  • Ich: Das macht jetzt halt einfach fünfundzwanzig Franken.
  • Er: Äh… Ja, ok… So viel Geld habe ich nicht mehr dabei…
  • Ich: Ich kann auch eine Rechnung schreiben. Nur kommen dann einfach noch dreissig Franken dazu. Dazu bräuchte ich dann einen Ausweis.
  • Er: Ja, geht halt wohl nicht anders.

Keine Widerrede? Kein Abstreiten? Bei dem Typ renne ich ja offene Türen ein! Aber ehrlich gesagt ist das ja richtig langweilig. Der macht es mir viel zu einfach. ;-)

Doch das beste soll erst noch kommen. Nachdem ich seine Personalien erfasst habe, brauche ich noch seine Unterschrift auf dem Formular.

  • Ich: So, das hätten wir. Auf diesem Formular steht, dass Sie auf der Toilette geraucht haben und dafür eine Rechnung in der Höhe von 55 Franken erhalten werden. Ganz unten müssten Sie noch unterschreiben.
  • Er: Ok. Hier unten? Alles klar… (er unterschreibt und gibt mir das Formular zurück)
  • Ich: Wunderbar. Hier noch ihr Teil des Formulars als Kopie. Brauchen Sie aber nicht aufzuheben, wenn Sie nicht möchten. Die Rechnung kommt dann per Post.
  • Er: Ah so. Ok. Merci vielmal!

Ist das nicht der Hammer?!? Da büsse ich einen Raucher mit stolzen 55 Franken und was sagt der zum Schluss? “MERCI VIELMAL!” Da musste ich mir das Lachen richtig verkneifen.

Und: Nein, es war kein sarkastisches, ironisches oder sonst irgendein “Merci”. Es hörte sich tatsächlich richtig freundlich an! Da geschehen Dinge auf unseren Zügen, die glaubt man selber kaum! ;-)

Wenn man solche Freund hat…

Wer nun denkt, damit sei die Geschichte zu Ende, der täuscht sich. Es wird noch besser!

Nachdem wir die Formalitäten erledigt hatten, ging der Raucher zu seinen Kollegen zurück. Alle drei Jungs waren in Snowboard-Klamotten gekleidet und scheinbar auf dem Weg in ihr Ski-Gebiet.

Bereits als ich mich näherte, hörte ich, wie sie ihn mit der Sache aufzogen.

Als ich dann bei ihnen war, richtete ich mich nochmals an den Raucher: “Sorry wenn ich nochmals rasch störe. Ich wusste gar nicht, dass Sie in Begleitung da sind. Also wenn einer Ihrer Kollegen Ihnen 25 Franken ausleihen würde, dann können wir es natürlich nach wie vor so machen, dass Sie gleich vor Ort bar bezahlen und damit dreissig Franken sparen können.”

Doch der Raucher verneint. Er habe sie soeben gefragt, aber sie bräuchten alle ihr Geld für das Snow-Weekend. Und übrigens hätten die Kollegen ihm nach der Abfahrt des Zuges angegeben, er dürfe auf der Toilette rauchen. Er habe ihnen das zuerst gar nicht geglaubt, aber dann hätten sie ihn fast dazu gedrängt, doch rasch eins rauchen zu gehen. Hätte er vom Verbot gewusst, dann wäre es ihm nie in den Sinn gekommen, auf der Toilette eine Zigarette anzuzünden.

Es stellte sich dann heraus, dass seine “Kollegen” in Tat und Wahrheit genau wussten, dass das Rauchen im ganzen Zug untersagt ist. Sie haben ihren Freund schlicht und ergreifend verarscht und ihn zum Rauchen gedrängt, in der Hoffnung, dass dann gleich der Kondukteur kommt. Und mit diesen Jungs darf er nun sein gesamtes Wochenende verbringen.

Naja, wenn man solche Freunde hat, dann braucht man definitiv keine Feinde mehr…

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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{ 3 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }

Sandra-Lia Dezember 1, 2009 um 18:30

ja, das ist wohl echt die höhe! Hoffentlich regressiert er bei seinen “Freunden” das Geld ein

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Gentux Dezember 1, 2009 um 18:58

Da gibts doch Schilder im WC dass es nicht erlaubt ist. War mal in einem ungarischen Nachtzug stellte mich vor das “Rauchen erlaubt” Schild und zündete eine Ziggi an dann kamen ungarische Kontrolleure und sagten etwas und ich antwortete mit “wie bitte?” da sagte einer auf Englisch dass ich nicht rauchen dürfe ich verwies auf das Zigaretten-Symbol ohne Strich und da wurde ich auf die Toilette verwiesen. Ich befand mich übrigens auf östereichischem Boden.

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Andreas Hobi Dezember 4, 2009 um 09:26

@ Sandra-Lia:
Ja das müssen die Jungs unter sich ausmachen. ;-)

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