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Nov

Unter dem Namen “easyride” versuchte die SBB schon einmal, etwas auf die Beine zu stellen, was man vereinfacht gesagt als “GA-Komfort ohne GA” bezeichnen könnte.

In wenigen Worten: Es ging darum, die Fahrgäste beim Ein- und Aussteigen berührungsfrei zu registrieren, die Daten per Funk an die Zentrale zu übermitteln und dann auf Grund der gefahrenen Kilometer mit Bahn, Schiff, Bus und Tram eine monatliche Rechnung zu erstellen.

Ziel war es, dass die Reisenden nicht mehr zwingend an einen Bahnschalter oder einen Automaten müssen, bevor sie in den Zug steigen.

Offiziell wurde das Projekt “easyride” zwar auf Eis gelegt, doch es gibt nach wie vor Bemühungen, etwas ähnliches auf die Beine zu stellen. Dies geht aus einem Interview hervor, welches Patrick Comboeuf dem Internet-Briefing.ch gab.

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Bild © (cc) Claudio Schwarz (flickr.com)

Blick zurück: Easyride

Am 10. Februar 2001 titelte die Neue Zürcher Zeitung: “Easy Ride im öffentlichen Verkehr?” Hier ein paar Auszüge aus dem Artikel:

Am 26. Februar beginnt in der Region Genf ein dreimonatiger Test, der über die technische Machbarkeit des Systems Easy Ride Aufschluss erteilen soll. Easy Ride soll als eine Art Zündschlüssel mit Generalabonnements-Komfort den Zugang zum öffentlichen Verkehr erleichtern.

Beteiligt sind die SBB, der mehr als 300 Unternehmungen repräsentierende Verband öffentlicher Verkehr, die Postautodienste und das Bundesamt für Verkehr.

Zu den erwarteten Vorteilen des frühestens im Jahr 2006 betriebsbereiten Systems gehören die genaue Feststellung der Nachfrage für jeden Zug und die Möglichkeit der Einführung differenzierter Tarife mit nachträglichen Rabatten und höheren Preisen in Spitzenzeiten. Problematisch sind ausser den Kosten insbesondere rechtliche Aspekte, könnte doch künftig per Knopfdruck festgestellt werden, wer im Zug sitzt.

Auch andere Medien berichteten über das System. So zum Beispiel der “Beobachter” in der Ausgabe 14/00:

Im Jahr 2005 sollen die Papierbillette für Bahn und Bus durch elektronische Tickets ersetzt werden.

320 Verkehrsbetriebe (Bahn, Bus, Postauto, Schiff und Seilbahnen) wollen bis 2005 das Papierbillett durch ein elektronisches Ticket ersetzen.

Das neue System «wurde von den Befragten spontan nicht als dringendes Bedürfnis gesehen», heisst es. Erst in einem zweiten Anlauf würden Argumente wie Zeitgewinn oder Vielfahrerrabatte die Zustimmung erhöhen.

Im Beobachter-Artikel wurde am Schluss sogar über eine mögliche Abschaffung des Halbtax geschrieben, da die Preise dank Easyride flexibler würden. Dass über eine solche Abschaffung nachgedacht wurde, bestätigte der damalige Personenverkehrchef Paul Blumenthal selber in einem Interview:

EasyRide ersetzt die heutigen Ausweise. Was aber geschieht mit den erfolgreichen General- und Halbtaxabos? Aus heutiger Sicht bleibt das Generalabonnement. Das Halbtaxabo dagegen löst sich in der EasyRide-Karte auf.

Dann – Anfang 2002 kam das Ende. Swissinfo titelte damals: “Easy Ride wird abgespeckt”. Die Entwicklung des billettlosen Reisesystems überfordere die finanziellen Möglichkeiten der SBB. Stattdessen werde man ein “Easy Ticket” auf den Markt bringen. Dies sei auch aus Datenschutzgründen weniger bedenklich.

Dieses “Easy Ticket” kennen wir nun – im Jahr 2009 – bereits in der Westschweiz, beim Stadtbus Chur und einigen anderen Verkehrsbetrieben. Demnächst wird es auch in andere Regionen der Schweiz kommen.

Zusammenstellung von Artikeln über das System “easyride”:

Und hier noch ein paar Auszüge von PDF-Dokumenten, die auf sbb.ch frei verfügbar sind:

Der Stand heute: iPhone- und MMS-Billette

Heute erfreuen sich vor allem die iPhone-Tickets grosser Beliebtheit. Kaum ein Tag vergeht, an welchem ich nicht mindestens einmal ein Apple-Handy vor die Nase gehalten bekomme. Waren es anfangs nur wenige “Nerds”, die es versuchten, so kann ich heute meinen Spruch schon öfters bringen: “Ah, schön, ich darf schon wieder ein iPhone knipsen…”

Und auch MMS-Tickets tauchen hie und da auf, jedoch nicht ganz so oft wie die iPhone-Billette. Auf Twitter.com wollte ich mal in Erfahrung bringen, wie die Leute so über das iPhone-Ticket denken:

Stefanamport: Würd ich nur im Notfall lösen. Die Ausfallgefahr von Handys / Smartphones ist mir noch hoch. (speziell Akku-Laufzeit)

chhauser: Das Einzige, was mich an den Mobiletickets stört ist, dass man nur per Kreditkarte bezahlen kann. Sonst finde ich es in eigentlich fast jedem Punkt ein seht cooles Angebot und ein Pluspunkt für die SBB, die damit ideal auf die neuen Technologien und Möglichkeiten setzt. :)

Floheinstein: Wünschenswert wären: Übertragbarkeit bzw. Ticket für Begleitung, Ersatz-GA/Halbtax, Velo-GA, Expressreservierung per App/Mms
Zahlung per eRechnung/Yellownet. Aber ansonsten sehr gut, meist nun im 1. Versuch lesbar. Ich brauche meist nur 1.Kl-Zus. da GA

Renatomitra: Super Sache! Das bquemste Ticket überhaupt. Wenn jetzt bloß der Scanner der Kondukteure funktionieren würden! #iPhone #Ticket

__roger: MMS wär schon Mal super! Aber bitte fixiert euch nicht aufs iPhone, Android hat eine beachtliche Zukunft! ;)

Das iPhone-Ticket ist also sehr beliebt. Erhältlich ist es für jeden iPhone-Besitzer über die Gratis-SBB-App im AppStore (Link). Das Programm ermöglicht direkte Online-Abfragen mit Echtzeit- und Ereignisinformationen bei Verspätungen, alternativen Verbindungen, Ausfällen, Gleiswechsel etc. Ausserdem sieht man auch gleich auf einen Blick, wie gut der gewählte Zug voraussichtlich ausgelastet sein wird.

Mit Sicherheit wird die SBB ihre iPhone-App in Zukunft noch weiter verbessern. Ich könnte mir vorstellen (beziehungsweise würde mir wünschen), dass demnächst auch der RailService mit eingebaut wird, so dass man über das Programm gleich eine Frage (via Twitter?) an diese Auskunftsstelle schicken kann. Besonders nützlich, wenn man in einem Regionalzug ohne Zugbegleitung sitzt und etwas wissen möchte. Bis es so weit ist, ist der RailService per Telefon 0900 300 300 (1.19 /min) und Twitter erreichbar. Letzteres jedoch nicht offiziell. (Siehe auch Artikel “Die SBB entdeckt das Web 2.0″) Da sich aber Chris (Initiant RailService via Twitter) und Comboeuf (Leiter E-Business SBB) am 2. Dezember in Stadelhofen beim Social Media Gipfel(i) zum ersten Mal begegnen, hoffe ich natürlich, dass sich dann etwas tut. :)

Zukunftsmusik: Fahren mit dem Handy

In einem Interview sagte Patrick Comboeuf, wie das Zug fahren mit Handy in Zukunft aussehen könnte. So plane man momentan zum Beispiel, auch Abonnemente aufs Handy zu bringen.

Ausserdem behalte die SBB die Location Based Services im Auge und erwarte von der Industrie nachhaltige Kundeninnovationen in diese Richtung. Unter dem Begriff Location Based Services will die SBB die Reiserouten eines Kunden systematisch erfassen und dem zeitlich sowie geografisch auf der selben Route fahrenden Verkehrsträger zuordnen.

Auszug aus dem Interview:

Als registrierter Kunde würdest Du z.B. beim Betreten eines Zuges erfasst und per Handymessage davon in Kenntnis gesetzt. Beim Um- oder Aussteigen würde wiederum über das Handy in Erfahrung gebracht, ob Du Deine Reise mit einem anderen Verkehrsträger fortsetzt (keine Aktion von Dir nötig) oder beendest (Taste 2 drücken oder automatisches Check-out nach z.B. 45 Minuten ohne gematchte Bewegung von Dir und dem Verkehrsmittel). Dies würde auch casual ÖV-Nutzern erlauben, mit GA- Komfort zu reisen ohne sich schon im voraus für ein Jahr ein entsprechendes Abo zu erwerben. Im Nahverkehr z.B. in London funktionieren ähnliche Modelle schon im Check-In / Check-out Modus auf Basis von Prepaid-Smartcards. Wenn Du an einem Tag 6 Einzelfahrten absolvierst, wird am Ende des Tages nur die billigere Tageskarte (+ eine 10% Systemgebühr) belastet.

Hier gehts zum vollständigen Interview…

Ich bin gespannt, welche innovativen Produkte in dieser Richtung noch auf den Markt kommen. Doch noch viel gespannter bin ich darauf, zu hören, wie ihr über Location Based Services, Abos auf dem Handy und dergleichen denkt. Wer von euch würde solche Dinge nutzen? Wer nicht? Und aus welchen Gründen?







11 Kommentare zu “Zukunft: GPS-Handy als Billett”

  1. Gumbo schreibt:

    Ich werde mich weigern, mein Handy für Billette zu benützen. Dafür hat es moderne, teure Billettautomaten. Handystrahlen scheinen ja eh kein Problem mehr zu sein, wenn man sieht, dass das halbe Leben sich nur noch um dieses blöde Spielzeug dreht.

  2. Ralf schreibt:

    Ich werde kein System benutzen, bei dem personalisierte Daten gespeichert oder erhoben werden müssten. Das Londoner System oder ein System wie die Oktopus-Card in Hongkong könnte ich aktzeptieren.

  3. Dani schreibt:

    Gerade auf einem Bahnhof wo so viele Taschendiese unterwegs sind sehe ich da ein Problem. Was wenn das Handy gestohlen wird?
    Und so wieso, da wird alles viel komplizierter, wo bleibt der persönliche Kundenkontakt?

  4. Oliver schreibt:

    Für mein GA hat die SBB schon viele Informationen von mir, kann aber eigentlich kein Reiseprofil erstellen.
    Falls das nun aber mit meinem Mobil-Telefon verbunden wird, gibt das ja ganz interessante Reiseprofile, die für gezielte Werbung benutzt werden könnte.
    Bedingung wäre also, dass ein Datenschutzkonzept der öffentlichen Verkehrsträger publiziert werden müsste, an den sich alle halten müssten.
    Es müsste dann ja immer noch anonyme Tickets geben (z.B. mit RFID Chip ausgerüstet, der einfach die Gültigkeit bestätigt), da es durchaus auch zukünftig Personen gibt, die keine mobile Kommunikation besitzen oder anderweitig abgedeckt sind (Familienbillett).

  5. Sandra-Lia schreibt:

    Das was die SBB da versucht, gibts doch als Schlüsselfertige Technologie. DB hat das in einigen Gebieten eingeführt. Nennt sich Touch&Travel. Handy an roten Punkt halten, einsteigen, losfahren, austeigen, Handy an roten Punkt halten. Und dies sogar von Bushalt in Potsdam bis zum Flughafen Frankfurt. Dazwischen ICE, RE, S Bahn und vieles mehr!

    Das ganze geht mit NFT, und das Handy muss ein entsprechenden Empfänger haben. Aber das wär kein Problem. Die NFT am Bahnhof können höchstens 2-4 Fr kosten, bestehen sie im wesentlichen aus einem Chip, der den Standort ans Handy überträgt. (Strom kriegt er aus dem NF)

  6. Andreas Hobi schreibt:

    @ Sandra-Lia:
    So wie ich es verstanden habe, will die SBB aber keine zusätzliche Infrastruktur (Touch&Travel-Station) in den Bahnhöfen, sondern es soll alles über die Handys und GPS laufen.

  7. Retro schreibt:

    @Sandra-Lia: Lass den Schweizern doch ihr eigenes T(r)ollCollect. ;-) Die Krankheit “wir müssen das Rad neu erfinden” wirst Du nicht ausrotten können, dazu sind Leute in den Positionen viel zu sehr von sich selbst überzeugt. Sonst hätte sich Deutschland damals auch ein Mautsystem aus einem anderen Land eingekauft.

    (Ach ja, und natürlich ist das dreieckige Rad eine Verbesserung gegenüber dem viereckigen. Immerhin holpert es pro Umdrehung einmal weniger.)

  8. Sandra-Lia schreibt:

    ja, diese elenden Egoistischen, Bürokratischen Trottel, die unterbeschäftigt und überbezahlt sind, setzen sich halt zu allem hinzu auch noch selbst unnötige Denkmäler. Herr A.M. (CEO SBB) zb. hat sich mit dem heutigen Entgleisen der SBAHN BERLIN ein weiteres unnötiges Denkmal gesetzt!

  9. gentux schreibt:

    Also den Einwand, dass man nur für sich Billette kaufen kann, kann ich nur beipflichten! Das Einzige Ticket welches ich dann doch nicht via iPhone gekauft habe war ein Klassenwechsel weil ich nach wie vor nicht verstehe weshalb es dort ein Ganzes und ein Halbes gibt und ich nicht wusste was zum GA passt. Das Ganze hätte übrigens soviel gekostet wie ein Klassenwechsel für den ganzen Tag.

    Die Sache mit dem Ausfall sehe ich nicht ganz so schlimm, die Zeiten von OS 2.0 sind zum Glück vorbei so können hunderte Apps installiert sein ohne, dass man auf dem Bildschirm einen festgefrorenen angebissenen Apfel sieht und der Akku ist auch nicht plötzlich leer…

  10. Andreas Hobi schreibt:

    @ Gentux:
    Grundsätzlich ist es ganz einfach: Mit Halbtax, GA (auch Tageskarte) zahlt man einen halben Klassenwechsel. Mit normalen Billetten zahlt man einen ganzen.

  11. mousseman schreibt:

    Die Japaner haben die SUICA Card (und Derivate) und das funktioniert für die entsprechenden Verkehrsbetriebe ganz gut. Das Problem ist, dass man in der Schweiz dann auf allen Perrons Gates installieren müsste, wo man die SUICA-Card zwecks Abbuchung des Fahrbetrags drüberziehen muss.

    Alleine das dürfte das Projekt killen. GPS braucht’s dafür nicht, und die Ticketbezahlfunktion an ein Handy zu binden ist technisch und auch datenschutzmässig heikel.

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