Da fährt man nach langer Zeit endlich mal wieder nach Biel und wird bei der Rückreise von einem Ehepaar bemitleidet… :-)

Bild © (cc) stejan (flickr.com)
“Das sind doch nicht etwa…?”
Schon in Zürich, lange vor der Ankunft in Biel, wurde es “interessant”. In Zürich nämlich stieg eine Gruppe von Leuten ein, die meine Aufmerksamkeit weckten. Drei Kinder, die ich alle um die 7 bis 11 Jahre schätze und fünf Erwachsene. Nicht in den besten Klamotten. Dem Anschein nach Rumänen.
Nachdem es in letzter Zeit immer mal wieder Berichte über rumänische Bettler gab, die in genau solchen Zusammensetzungen unsere Fahrgäste belästigen und teilweise sogar regelrecht terrorisieren, nahm ich mir vor, diese Leute gleich mal zu Beginn zu kontrollieren. Bis auf ein Kind hatten dann aber alle gültige Fahrausweise. Ich habe mir also umsonst Sorgen gemacht.
Dürüm in Biel
Ich habe in den verschiedenen Bahnhöfen meine “Stammlokale”, wo ich mich jeweils in den Pausen verpflege. In Zürich ist es das Personalrestaurant des Bahnhofs, in Basel das Personalrestaurant der Post (seit unsere eigene Milchküche abgeschafft wurde), in St. Gallen der Selecta-Automat, in Schaffhausen der Mc Donalds in der Altstadt, in Romanshorn das Bahnhofbistro (mit den besten Egli im Bierteig der ganzen Schweiz!), in Luzern der Mc Donalds, in Bern der Migros TakeAway und in Brig seit kurzem das SV-Restaurant mit abgetrenntem Bereich für das Bahnpersonal.
Und dann wäre da eben noch Biel. Dort gehe ich jeweils zum Türken in der Bahnhofsunterführung und hole mir einen Dürüm. Köstlich! Müsst ihr unbedingt auch mal probieren.
Nach diesem kulinarischen Höhenflug stand dann auch schon bald wieder die Heimreise auf dem Plan. Obwohl Samstag war und Biel erfahrungsgemäss nicht unbedingt zu den friedlichsten Plätzen gehört, blieb es ruhig auf dem Perron und in meinem Zug.
Eine falsche Annahme führt fast zu einer Beleidigung der Stadt Chur
Nebst den vielen Jugendlichen, welche in Biel zustiegen und in den Ausgang wollten, gab es in meinem Zug auch ein Paar. Beide so um die 45 Jahre alt.
Bereits bei der Kontrolle waren sie ziemlich gut drauf. Als wir dann kurz vor Solothurn auf der Plattform standen und warteten, sprachen sie mich nochmals an:
- Er: “Müssen Sie heute noch lange arbeiten?”
- Ich: “Kommt drauf an, was Sie unter “lange” verstehen… Um Mitternacht habe ich Feierabend.”
- Sie: “Bis wo fahren Sie denn jetzt noch?”
- Ich: “Jetzt mit diesem Zug bis Zürich und dann mit einem anderen Zug weiter nach Chur.”
- Sie: “Oh! So weit noch?”
- Er: “Und Sie übernachten dann in Chur?”
- Ich: “Ähm… Ja, ich übernachte dann in Chur…”
- Er: “Kein Zuckerschlecken… Sie Armer… Dass es noch Jobs gibt, bei denen man auswärts übernachten muss…
- Sie: “Naja, so lernt man dafür die Schweiz kennen, gället Sie?”
- Er: “Aber der Job gefällt Ihnen demfall?”
- Ich: “Ja, der gefällt mir auf jeden Fall!”
Ehrlich gesagt weiss ich nicht, was an der Stadt Chur so schlimm sein sollte, dass man gleich bemitleidet wird, nur weil man hier übernachtet… ;-)
Eigentlich hätte ich die beiden direkt mal nach Chur einladen sollen, so dass sie sich ein Bild von dieser wunderschönen Alpenstadt machen können. Oder ich hätte ihnen auch einfach erklären können, dass Chur für mich nicht “auswärts” ist, sondern zu Hause…
By the way: Es soll ja gerüchteweise Leute geben, die regelmässig von Thun quer durch die ganze Schweiz nach Chur fahren, um hier das Wochenende zu verbringen… Gäll Chrigu? ;-)

12.11.2009 um 12:15
so schlimm ist Chur wirklich nicht ;-)
es gibt aber andere Meinungen: der Schriftsteller Thomas Bernhard schrieb in einem seiner Bücher: «Die Stadt Chur ist eine der kältesten, die es gibt, die finsterste, die ich kenne.» und bemitleidet jeden, der hier übernachten muss…
12.11.2009 um 12:35
@ Flog:
Naja, mit “kalt” wird Bernhard wohl kaum die Temperaturen gemeint haben. ;-) Und meiner Meinung nach auch nicht die Gemüter der Einwohner. Aber das ist Ansichtssache.
12.11.2009 um 13:27
Ich denke nicht, dass sie die Stadt Chur als schlimm empfinden. Wahrscheinlich galt das Mitleid eher der Tatsache, auswärts übernachten zu müssen. Denn man weiss ja: my home is my castle oder: zuhause ist es eben doch am schönsten :-)
12.11.2009 um 13:38
@ Thomas:
Sehr wahrscheinlich ist es so. :)
12.11.2009 um 14:30
Hey Andreas ;-)
Is ja ne lustige Geschichte, aber wenigstens scheint mir das so, als wären eure Fahrgäste freundlicher als unsere in Deutschland.
In Chur übernachten würd ich auch mal gern, bis jetzt hatte ich das Vergnügen in der Schweiz nur in Basel Bad Bf.
Ich übernachtet öfters in Deutschland, is aber auch ganz schön.
Freundliche Grüße
Florian
12.11.2009 um 14:59
@ Florian:
In Deutschland übernachten, das darf ich vom 5. auf den 6. Dezember. Aber nicht dienstlich! ;-)
Keine Ahnung, ob die Fahrgäste bei uns freundlicher sind als im Grossen Kanton. Beklagen kann ich mich auf alle Fälle nicht.
12.11.2009 um 15:58
Jo du tosch mr aso scho schüülli lied. ;-P
12.11.2009 um 18:42
Cool, das SV Restaurant in Brig ist auch das Stammlokal von mir =) Sehen uns ja vielleicht mal ;-)
Brig war zudem auch mal Alpenstadt =)=)=)
Aber ehrlich gesagt, war ich noch nieeeeeee in Graubünden, jedoch glaube ich, dass ich dies mal ändern sollte, oder was meinst du Andreas? :P
12.11.2009 um 19:29
Meinst du etwa miiich? Neeeein, da muss eine Verwechslung vorliegen. ;-)
Habe schon fast wieder vergessen, wie Chur ist. Muss bald wiederkommen.
Und: Wer in Chur übernachten “muss”, wird nie mehr weg wollen. Geht bei mir auch jedes Mal so.
12.11.2009 um 20:27
@ Alain:
Du bist jederzeit auf ein Café eingeladen! ;-) Habe heute übrigens mal wieder einen Fahrgast an euch verwiesen. (Portemonnaie in RhB verloren.)
12.11.2009 um 22:48
Naja, städtebaulich ist Chur schon nicht unbedingt eine Augenweide, zumindest nicht das was ich bisher davon gesehen habe. Dafür ist das Drumherum umso schöner und die Leute umso netter :-) .
13.11.2009 um 00:06
Waren sicher ein nettes Pärchen.
Die hatten dich wohl für einen Bieler gehalten der in der “Fremde” übernachten muss.
13.11.2009 um 01:18
@ Michael:
Du musst ja auch nicht die Domenig-Hochhäuser anschauen sondern die Altstadt! ;-)
14.11.2009 um 09:42
Ich weiss gar nicht, wie Chur so ist, wenn man als Terro.. ups Tourist dort ist…
Hab dort zwar ganz oft übernachten müssen, aber meist in einem 20-Mann-Raum…und wenn ich an Chur denke, kommt mir sowas wie “Rossboden” in den Sinn….
14.11.2009 um 10:08
@ Piero:
Willst du mit “Terrorist/Tourist” auf den Song “turist u terrorist” der rätoromanischen Band Tabularasa anspielen? ;-)
“da tuot las vart
vegnana in nossa engiadina.
in tuottas vart
laschane oure lur benzina
già noss baps
dschaivan nus essans dependents
da lur raps.
ma uossa müd’il vent!
uooh – est tü uoassa ün turist
u terrorist?”
==> aus allen richtungen kommen sie in unser engadin. hinterlassen ihre abgase bei uns. unsere väter sagten, wir seien von ihrem geld abhängig, jetzt dreht sich der wind! wir wollen selber entscheiden, machen einen putsch.
==> Ok, Chur gehört definitiv nicht zum Engadin. Trotzdem kam mir bei deinem Kommentar dieser Song in den Sinn. ;-)
14.11.2009 um 17:40
(danke das ich mein Design wieder haben darf ^^)
Ah, dann bisch ja an mir vorbeigerauscht, leider hät ich dich ned mal besuchen können, da ich im Notfall war :(
So schad.
16.11.2009 um 16:27
@andreas
ähm.. nein, wollte ich eigentlich nicht – ist mir gar nicht aufgefallen, dass das auf das andeutet ;)