Weshalb in jedem Zug die immer gleichen Durchsagen machen? Dies fragte ich mich vor einiger Zeit und beschloss damals, meine Durchsagen ab sofort dem “Fahrgastmix” anzupassen. Seither gab es immer mal wieder Lob für meine Durchsagen.

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Wie die Durchsagen sein müssten
Natürlich gibt es Vorgaben, wie wir Zugbegleiter die Durchsagen machen müssen. So wird zum Beispiel jeder Halt angekündigt. Und wir geben in den grössten Bahnhöfen in der jeweiligen Sprache die nächsten fünf Fernverkehrsanschlüsse mit Zeit und Abfahrgleis durch.
Wie es auch ginge
Irgendwann fragte ich mich, ob das nicht auch anders ginge. Und so kam ich auf die Idee, je nach “Art” der Fahrgäste zusätzliche Durchsagen zu machen.
Natürlich lasse ich die vorgegebenen Elemente nicht weg. Die sind Pflicht und ich muss mich an diese Vorgaben halten. Aber in einigen Zügen kann man noch zusätzliche Elemente miteinbauen. Und wie es scheint, kommt das bei den Fahrgästen an.
Durchsagen für Pendler
Pendler sind regelmässige Zugfahrer. Sie kennen die Strecke, wissen, wo sie aus- oder umsteigen müssen und wie es mit den Anschlüssen aussieht. Deshalb hätten sie am liebsten gar keine Durchsagen, was ich durchaus auch verstehen kann.
Nichtsdestotrotz müssen natürlich auch hier die Haltebahnhöfe angesagt und die Anschlüsse durchgegeben, so wie es die SBB will.
Aber hier zusätzliche Durchsage-Elemente einzubauen, das wäre absoluter Quatsch. Deshalb mache ich in diesen Zügen nur die vorgeschriebenen Durchsagen. Nicht mehr und nicht weniger.
Durchsagen für Ausflügler
Hier schaut es schon ein wenig anders aus. Viele Ausflügler und Freizeitreisende sind sich zwar gewohnt, mit dem Zug zu fahren, doch reisen sie nicht immer auf den gleichen Strecken.
Deshalb kann es manchmal zu Unsicherheiten kommen. “Wo muss ich schon wieder umsteigen? Hält dieser Zug in Bad Ragaz oder muss ich in Sargans aussteigen? Wo fährt der Anschlusszug nach Feldkirch?”
Wenn möglich, bemühe ich mich natürlich, bereits bei der Kontrolle den Umsteigeort zu erwähnen. “Grüezi wohl, Billett bitte. – Dankeschön! – Für Buchs steigen Sie in Sargans um. – Schönen Tag noch!”
Und falls ich dies mal vergesse oder der Fahrgast auch gleich noch das Gleis wissen möchte, fragt der Reisende oft von selbst nach den benötigten Infos.
Und nun habe ich mir angewöhnt, je nach Bahnhof zusätzliche Elemente in die Durchsage einzubauen. Wenn ich zum Beispiel sehe, dass ich heute rund 50 Reisende im Zug habe, die nach Malans wollen, dann erwähne ich auch die Anschlussinfos für das kleine Weinbauerndorf in meiner Durchsage. Und dies, obwohl Malans nun wirklich keine Weltstadt ist und nur knapp über 2′200 Einwohner hat.
Oder ein anderes Beispiel, welches sich kürzlich so abgespielt hat: Im Intercity Zürich – Sargans – Landquart – Chur sehe ich viele Reisende, welche nach Vaduz wollen und ausserdem Fahrgäste mit Reiseziel in Österreich als auch einige wandernde Senioren, die nach Bad Ragaz und Maienfeld wollen.
Und so wird aus einem einfachen “Nächster Halt Sargans” dann halt eine etwas längere Durchsage:
“Nächster Halt Sargans. Reisende nach Buchs – Liechtenstein – Österreich sowie nach Bad Ragaz und Maienfeld steigen bitte um. Unser Zug fährt weiter ohne Halt bis Landquart und Chur. Nach Buchs haben Sie Anschluss auf Gleis 6; der Anschlusszug nach Bad Ragaz und Maienfeld folgt nach Abfahrt unseres Zuges auf unserem Ankunftsgleis.”
“Diese Durchsage ist viel zu lang!”, dachte ich, als ich sie zum ersten Mal machte. Doch mein Bauchgefühl sagte mir: Wenn ich in meiner Freizeit unterwegs wäre und mich nicht so auskenne, dann würde ich mir genau eine solche Durchsage wünschen.
Und siehe da: Obwohl ich schon des öfteren ähnliche Durchsagen machte, gab es nie Reklamationen oder Beschwerden. Im Gegenteil! Bereits ein paar Mal wurde ich positiv darauf angesprochen.
Und kürzlich wurde ich wieder von einem Fahrgast angesprochen. Auf der Weiterfahrt nach Landquart lobte er meine Durchsage in Sargans, aber auch jene, welche ich in Thalwil nach einer technischen Panne machte. (Für Bähnler: Das ZUB hat angesprochen und so wurde der Zug ein wenig unsanft abgebremst.) In der Störungs-Durchsage erwähnte ich, was vorgefallen ist und dass die Fahrt in wenigen Sekunden weitergeht. Und dann kam noch mein Standard-Satz, den ich immer bringe, wenn der Zug unsanft bremst: “Sollte es durch das abrupte Bremsmanöver zu Unannehmlichkeiten gekommen sein, so bitte ich Sie, dies dem Zugpersonal mitzuteilen.”
Denn ganz selten kommt es vor, dass bei einer Schnellbremsung Getränke verschüttet werden. Das letzte Mal, als dies (vor über einem Jahr) in meinem Zug geschah, war es glücklicherweise nur Mineralwasser. Daraufhin hat sich die Dame bei mir gemeldet und ich habe ihr einen Getränkegutschein gegeben, so dass sie sich – falls sie dies möchte – nochmals ein Mineral-Fläschli kaufen kann. Ihr Erstaunen darüber war so gross, dass sie ihren Ärger gleich vergass.
Was man mit wenig Aufwand alles bewirken kann…
Aber zurück zum erwähnten Fahrgast. Er gebe Rhetorikschulungen, Redetrainings und solche Dinge. Und was er in diesem Zug über Lautsprecher gehört habe, sei “Weltklasse” gewesen. Er würde sich wünschen, dass sich andere Zugbegleiter ein Beispiel nehmen an mir. Wow, so sehr wurden meine Durchsagen zuvor noch nie gelobt. ;-)
Es freute mich und war natürlich ein gewaltiger Ansporn, es in Zukunft weiterhin so zu machen.
Fazit
In gut besetzten Pendlerzügen sind solche weitergehenden Durchsagen natürlich absoluter Schwachsinn. “Nächster Halt” und die Anschlussinfos sind mehr als genug. Ein Grossteil der Pendler würde auch sehr gerne darauf verzichten.
In Freizeitzügen jedoch sieht die Welt ganz anders aus. Dort macht es Sinn, auch mal ein bisschen mehr zu erzählen, als vorgegeben. Ich werde mich bemühen, in der kommenden Wintersaison daran zu denken, wenn wieder fast das ganze Unterland nach Davos, Flims, Laax und Lenzerheide reist.
“Geschätzte Fahrgäste, die Anschlussbusse nach Flims und Laax verkehren ab dem Postautodeck. Wir wünschen Ihnen einen unfallfreien Ski-Tag.”

10.11.2009 um 16:31
Ich will auch mal bei Dir im Zug sitzen!!!
10.11.2009 um 16:38
@ ChliiTierChnübler:
Ich hoffe einfach, dass du mich dann auch ansprichst (falls ich dich nicht gleich erkenne). Nicht so wie jener Leser, der letzte Woche in meinem Zug von Olten nach Zürich sass und mir erst am Abend schrieb: “Hey, war heute in deinem Zug!” ;-)
10.11.2009 um 18:16
Solche Abwechslung finde ich jeweils angenehm, allerdings nur unter der Bedingung, dass der Sprecher bzw. die Sprecherin am Railvox-Hörer auch entsprechend sprachbegabt ist. Denn auch Deutsch will gelernt sein, mit übermässigem Akzent oder so richtig hinterwäldlerisch geht ja mal gar nicht meiner Meinung nach – aber dir traue ich qualitativ hochstehende Durchsagen zu!
Am optimalsten wärs natürlich, wenn zur gegebenen Zeit auch die Anschlüsse automatisiert durchgesagt werden könnten, Liveergänzungen wären ja so immer noch möglich.
10.11.2009 um 21:22
War letztes Wochenende in der Ostschweiz (jedoch nicht auf der Strecke ZH-Chur) und kam irgendwo auch in den Genuss von ausführlichen Ansagen. Ob das Hobi himself war konnte ich natürlich nicht beurteilen..
10.11.2009 um 21:37
Wenn der Andreas will, kann er gerne mal ein Durchsage-Muster veröffentlichen. Habe nämlich am Sonntag eins aufgenommen (von ihm.) =D
Es ist schon so, wenn der RZB nicht enorm sprachbegabt ist oder die Ansagen nicht vorausschauend ab dem ZPG II abliest und dann im IC Brig-Bern-Romanshorn in Zürich die Ansage macht mit zwei Ansagen für IC’s nach Bern-Brig/-Interlaken Ost, dann ist es natürlich auch nicht sinnvoll.
@Andreas: Du hast das im Griff. ;-)
10.11.2009 um 21:52
@ T40:
Naja, es gibt noch ein paar hundert andere Zugbegleiter, welche hervorragende Durchsagen machen. :)
10.11.2009 um 21:55
@ Chrigu:
Aha, Spion im Zug! ;-) Gesehen habe ich dich ja, nur von der Aufnahme bekam ich irgendwie nichts mit. (PS: Die Fahrt durchs 34km-Loch verlief übrigens ganz ruhig und ohne besondere Vorkommnisse. Nur auf der Rückfahrt hatten wir ab Visp viele Leute, weil gleichzeitig Fussballfans, Militär und die ersten Wintersportler in die “Üsserschwiiz” wollten.)
Ja genau, dein Kommentar widerspiegelt ziemlich genau das, was ich dir am Sonntag im Zug erzählte. ;)
10.11.2009 um 22:05
@Andreas C.S.I. S.B.B., you know? ;-) Na, du warst ja auch am “ansagen”, als ich aufgenommen habe. Habe es dir gegenüber gar nicht erwähnt. :D
Mr. Zugchef hatte keine Probleme. Finde ich gut. Achja: Ich habe dich übrigens noch vom Perron gegenüber deines Zuges in Bern beobachten können, wie du den Zug abgefertigt hast. Noch mehr C.S.I. S.B.B. ;-)
10.11.2009 um 22:08
Big Chrigu is watching me. :)
(Und das “Big” ist dabei gar nicht mal so fehl am Platze… *g*)
Apropos: Shame on me weil ich in Chur zuerst nur Pascal erkannte, bevor ich merkte, dass da ja noch ein bekanntes Gesicht ist…
10.11.2009 um 22:15
Shame on you. ;-) Naja, mich erwartet man auch nicht in Chur, vor allem nicht am Sonntagnachmittag. Ich habe schon Sereina gesagt: Ich künde mich in Zukunft an. Überlege mir gerade, eine APG-Kampagne in Chur zu starten mit meinen Anwesenheitsterminen. *g*
10.11.2009 um 22:24
@ Chrigu:
Ähm… Ich bin mir nicht sicher, ob es in Chur dafür eine genügend grosse Plakatwand gibt; sind ja doch einige Termine, die du inzwischen in der Alpenstadt hast… :)
11.11.2009 um 12:48
Locker ansagen ist nun einmal nicht des Schweizers Sache. Die Mehrheit sagt eher weniger als vorgeschrieben und sicher nicht mehr. Darum fallen diejenigen besonders auf, die einmal etwas mehr sagen. Mir reichte zwar eine Entschuldigung bei Verspätungen, das wäre schon mal was. In Deutschland machen die ja z.T. schon eine Angage, wenn der Zug nur schon einen Signalhalt macht. “..wir werden unsere Fahrt in Kürze fortsetzen..”
Die Extra-Ansagen dürfen einfach nicht nerven, sondern müssen gezielt und ohne Stottern gemacht werden.
Im Pendler-Zug hört man vielleicht jedes 20. Mal ein “schönen Arbeitstag” o.ä. Dann horchen alle verduzt auf. Busfahrer machen dies viel öfter.
11.11.2009 um 15:48
Meinen Fahrgästen am Perron habe ich gelegentlich auch eine gute Fahrt oder einen schöner Wintersport/Wandertag gewünscht. Die Reaktionen waren da durchaus positiv. Man muss es halt einfach ordentlich machen. Ein Rumgedruckse ist natürlich nicht unbedingt optimal ;) . Ich glaube aber, dass der Herr Hobi das schon kann.
11.11.2009 um 16:16
So soll es sein im Zug:
Liebe Fahrgäste, Sie haben folgende Anschlüsse verpasst.. IC nach.. IR nach… usw :P
Oder so im Bahnhof:
Sehr geehrte Fahrgäste auf dem Gleis 7, Ihr IR nach so und so ist vor einer Minute auf Gleis 15 abgefahren, sorry :D
13.11.2009 um 07:36
Ob die Anschluss-Durchsagen gemacht werden hängst aber stark vom Kondukteur ab. Sollte eigentlich klar geregelt sein. Diese Woche an 4 Tagen nein an einem Tag ja…
Mal Durchsagen und mal nicht macht einen schlechten und unprofesionellen Eindruck.
Mich als Pendler stören die Anschlussdurchsagen nicht.
13.11.2009 um 10:24
@ Pendler:
Nun, es gibt halt immer wieder Gründe dafür, dass keine Durchsage erfolgt. Vielleicht konnte der Zugbegleiter keine Verbindung zu den Echtzeit-Daten herstellen. Dann macht es wenig Sinn, einfach die Verbindungen ab Fahrplan vorzulesen. Das Risiko wäre zu gross, dass jemand wegen einer Gleisänderung in den falschen Zug steigt.
Oder der Kondukteur wurde von einem Fahrgast aufgehalten, der noch ein Billett oder eine Auskunft braucht. Oder es ist sonst irgendwas dazwischen gekommen.
14.11.2009 um 17:45
Dann kannsch ja in Solothurn sagen: Leider hier kein Umstieg zum Weissenstein via Oberdorf, da die Seilbahn nicht mehr fährt. Und wenn sie wieder fährt: Reisende zum Weissenstein steigen bitte auf den Regio (Gleis 3) in Richtung Moutier um, um in Oberdorf auf die Seilbahn zu gelangen.
16.11.2009 um 14:07
@Andreas Hobi
Ja, das ist natürlich schade wenn was dazwischen kommt. Vielleicht bessert es sich wenn dann mal immer 2 Kondis auf den Zügen eingeteilt sind. Momentan kommt die Durchsage sehr oft nicht… Apropos Durchsagen: Wieso müsst ihr im IC2000 eigentlich immer mehrfach auf den Knopf zum Auslösen der Durchsage drücken?
17.11.2009 um 09:34
@ Pendler:
Das ist systembedingt so. Den genauen Grund kenne ich aber auch nicht.