Pendler sollen mehr verdienen!

von Andreas Hobi am 5. November 2009 · 39 Kommentare

Wer in Stosszeiten unterwegs ist, soll mehr zahlen als in Randzeiten. Dies ist die Meinung von Bundesrat Moritz Leuenberger. Bei Bahnpendlern sollen die Preise aufschlagen, für die Autofahrer werden elektronische Erfassungssysteme installiert.

Nun, über Sinn und Unsinn solcher Aussagen kann man sehr lange diskutieren. Da bereits zahlreiche andere Medien dieses Thema aufgegriffen haben, will ich nicht gross darauf eingehen. Nur so viel: Der ÖV muss imho für Pendler erschwinglich und günstiger als der Individualverkehr bleiben. Und man darf nicht vergessen, dass unzählige Pendler in der Schweiz auf die Bahn angewiesen sind.

NYC - Port Authority Terminal: The Commuters, Next Departure
Bild © (cc) wallyg (flickr.com)

Was früher war, gilt auch für die Zukunft

Unabhängig von den Ideen Leuenbergers schwebt mir etwas ganz anderes vor. Ich versuche nun, euch meine Idee nahe zu bringen.

Ein Bekannter von mir arbeitet bei einer grossen Firma. Täglich pendelt er um die zwei Stunden. Und dies jeweils mitten in der Hauptverkehrszeit. Sowohl am Morgen, als auch am Abend.

Wie schön wäre es da, wenn er ausserhalb dieser Rush Hour fahren könnte! Seine Arbeit würde es ihm erlauben. Er arbeitet im Kundendienst, jedoch ohne direkten Kundenkontakt. Denn er beantwortet nur die Kundenreaktionen, welche schriftlich eintreffen, also per Brief, Mail und Fax.

“Wieso fährt der Depp dann mitten in der Hauptverkehrszeit?”, fragt ihr euch nun bestimmt. Nun: Seine Firma will es so. Man hat es früher so gemacht, also macht man es auch in der Zukunft so. Frühere Entscheidungen überdenken? Nicht in dieser Firma! Es denken halt nicht alle Firmen so fortschrittlich, wie die SBB.

So fährt mein Bekannter weiterhin täglich zweimal eine Stunde von zu Hause an seinen Arbeitsort und zurück. Zusammen mit tausenden anderer Pendler.

Umdenken wäre angesagt!

Wie gerne würde ich nun seiner Firma sagen: Jetzt schaltet doch endlich mal eure Köpfe ein! Das muss nun doch wirklich nicht sein, dass jemand, der bei seiner Arbeit keinen direkten Kundenkontakt hat, zu festgelegten Zeiten zur Arbeit erscheinen muss.

Und mir geht es nicht mal nur um den Mitarbeiter. Auch die Firma würde profitieren. Denn der Mitarbeiter würde mit absoluter Sicherheit erholter, glücklicher und weit motivierter zur Arbeit erscheinen. Da bin ich mir sicher.

commuter train
Bild © (cc) j.o.h.n. (flickr.com)

Pendlerzuschlag: Für die Firma

Wie könnte man nun solche Firmen dazu bewegen, ihren Mitarbeitern flexiblere Arbeitszeiten zu erlauben? Ganz einfach: Mit einem Pendlerzuschlag.

In vielen Firmen sind Lohnzuschläge für Nachtarbeit, Sonntagsarbeit und andere Dinge gang und gäbe.

Es wäre meiner Meinung nach an der Zeit, dass die Gewerkschaften und Arbeitnehmervertreter nun einen weiteren Lohnzuschlag durchsetzen: Für die Pendler.

Wer vom Arbeitgeber gezwungen wird, während der Hauptverkehrszeit zu pendeln, der würde dann eine Entschädigung dafür erhalten. Diese wäre pauschal und nicht von der Distanz abhängig, so dass auch eine gewisse Motivation für den Mitarbeiter vorhanden ist, trotzdem möglichst nahe am Arbeitsort zu wohnen. Und von mir aus dürfte der Lohnzuschlag für Bahnpendler auch ein wenig höher sein als jener für Autopendler… :)

Oder anders ausgedrückt: Pendeln ja, aber ausserhalb der Hauptverkehrszeit. Denn als Bähnler will ich natürlich, dass die Leute auch weiterhin pendeln. (Davon lebe ich ja.) Nur sollen sie es nicht alle zur gleichen Zeit tun.

Eure Meinung

  • Wie denkt ihr über einen Lohnzuschlag für Pendler?
  • Sind vielleicht sogar die Pendler selber schuld, dass sie so weit vom Arbeitsort weg wohnen?
  • Kennt ihr auch Beispiele von Mitarbeitern, die in der Hauptverkehrszeit pendeln müssen, obwohl es von den Aufgaben bei der Arbeit her auch anders ginge?
  • Wie würdet ihr das “Hauptverkehrszeit-Problem” auf Schiene und Strasse lösen?
Hat dir dieser Artikel gefallen? Falls ja, gebe deine Stimme ab und klicke auf den +1-Button! Ausserdem kannst du einen Kommentar hinterlassen, um uns deine Meinung zu diesem Artikel mitzuteilen.

Das ist ein Artikel von

Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

Andreas hat bereits 1440 Artikel hier auf schweizweit.net geschrieben.

Alle Artikel von → | Twitter: @andreashobi | Facebook

Du möchtest auch gerne einen Artikel schreiben? Kein Problem! Melde dich hier...

{ 39 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }

rotch November 5, 2009 um 14:43

Grundsätzlich eine gute Idee, die ich als Pendler natürlich befürworte. Jedoch stellt sich hier auch die Huhn/Ei-Frage: wieso wähle ich einen Arbeitgeber mit einem langen Arbeitsweg und wieso ziehe ich nicht etwas näher zum Arbeitsort. Die Frage erübrigt sich, wenn vom Arbeitgeber erwartet wird, dass ich an mehreren Standorten arbeite, und da geben die Sitzungen Arbeitsort und Zeitpunkt vor (wie in meinem Fall). Dies führt mich zu einem weiteren Vorschlag:

Rentner-Zuschlag. Meine Eltern würden mir nun zwar den Kopf abreissen, aber wieso sollen nicht die Fahrgäste mit einem preisreduzierten GA eine Art Nachtzuschlag (zBsp. 5.-) in den Stosszeiten bezahlen?

Antworten

Michael November 5, 2009 um 15:02

Kann mich grösstenteils anschliessen. Jedoch sehe ich einen ersten und wohl auch schon stark entspannenderen Schritt darin, wenn Schulen (Berufsschulen, Hochschulen etc.) die Unterrichtszeiten etwas verschieben würden. Je nach Ort und Art der ansässigen Schulen sind gewisse Züge mehrheitlich durch junge Schüler/Lehrlinge belegt… und diese sehen danach leider meist auch dementsprechend aus. Überall Abfall und Zeitungen im ganzen Wagen verteilt.
Ein weiterer Punkt ist meiner Meinung nach, dass viele Leute mit der heutigen Mobilität den Wohnort nicht zwingen mit der Arbeitsstelle wählen, sprich eben pendeln müssen. Ich meine hier vorallem Leute, welche einen festen Arbeitsplatz beispielsweise in Zürich haben, aber dennoch täglich von irgendwo eine Stunde lang pendeln. Dies sind meist auch jene Leute, die den grössten Motz rauslassen, wenn der Zug voll ist. Gleichzeitig aber sind die froh, dass der öV so gut organisiert ist. Was bei uns in der Schweiz leider auch fehlt, ist ein Zug knapp zur Hälfte belegt gilt er für viele als voll. Sind 75% belegt wird gejammert er sei überfüllt… Besonders Pendler müssen wieder lernen, dass ein Abteil erst bei vier Personen wirklich voll ist. Aber pendeln ist eh nicht die Stärke der Schweizer.

Antworten

Andreas Hobi November 5, 2009 um 15:06

@ Michael:
Du meinst, wir Schweizer könnten den Japaner noch was abschauen? :)

Was die Beschwerden anbelangt: Wenn jemand bei mir reklamiert, er finde keinen Platz, dann biete ich ihm meistens an, einen Platz für ihn zu suchen. Oft lehnen die Leute dann dankend ab. Scheinbar wissen die schon, dass es noch Platz hätte. Aber oft stehen sie halt lieber, als sich zu zwei oder drei anderen Pendlern zu gesellen. Wir Schweizer sind nunmal einfach keine Südländer…

Antworten

Camma November 5, 2009 um 15:28

Der Ansatz Pender stärker zu besteuern ist sicher interessant. Allerdings sollte dabei bedacht werden, dass heute immer mehr auch vom Staat gefordert wird, für die Arbeit lange Wege auf sich zu nehmen. 2h Pendeln am Tag sind hier kein Problem. Ich frage mich auch wie dies mit einem GA gelöst werden soll. Gibt es dann ein Pender-GA und ein Nicht-Pender-GA. Die Grenzen zwischen Pendeln, Freizeit, Sitzungen, Vereinen, etc. sind sehr fliessend. Somit lässt sich das Problem nicht einfach in Kategorien einteilen.

Antworten

Andreas Hobi November 5, 2009 um 15:49

@ Camma:
Pendeln und Zug fahren soll meiner Meinung nach auch in Zukunft so einfach wie möglich bleiben. Wenn sich der Fahrgast vor der Reise zuerst fragen muss, ob er auch alle Zuschläge bezahlt hat, dann ist das kontraproduktiv.

Deshalb appelliere ich an die Verantwortung der Arbeitgeber und Schulen, mit der Zeit zu gehen und attraktivere Arbeits- und Schulzeiten anzubieten.

Antworten

Ralf November 5, 2009 um 16:36

Der Versuch bei Pendlern abzukassieren scheint jetzt von D zur Schweiz übergesprungen zu sein. Ist ja auch zu verlockend, das ist ja auch eine große und wehrlose Gruppe. Die wenigsten sind ja zum Spass mehrere Stunden täglich unterwegs. Entweder gibt es in der Nähe keine Arbeitsplätze oder die Wohnung ist unbezahlbar. Frage mal eine Bedienung in einem Züricher (Basel oder Genf geht auch) Innenstadtrestaurant ob sie in fussläufiger Entfernung wohnt. Die Mehrkosten den Arbeitgebern auzuhalsen ist zwar eine gute Idee, aber deren Geschrei wäre dann riesengross. Für die bedeutet jeder Cent/Rappen mehr Lohn gleich den Untergang des Abendlandes.
Die DB ist im übrigen mit einer ähnlichen Idee gescheitert.

Antworten

Piero November 5, 2009 um 17:00

Hmm.. weiss ned so recht, weder Leuenbergers- noch deine Vorschlag überzeugt mich wirklich.

Das alle zur selben Zeit pendlen ist wirklich das grosse Problem, daher sollten der Bund eine Richtlinie durchgeben, dass Schule erst zwischen 8 bis 9 Uhr anfangen (da werden mir sicher alle Schüler zustimmen *g*) und somit die schon wegfallen.

Dann wird organisiert, wer wann anfängt: Firmen von A-L zwischen 6 und 7 Uhr, Firmen von M-Z zwischen 7 und 8 Uhr. Firmen, denen das ned passt, dürfen mit einer anderen wechseln.

Wie oben bereits erwähnt: Schulen sollen erst zwischen 8 und 9 Uhr anfangen.

Rentner mit vergünstigen Ticket bezahlen weiterhin weniger – aber sie bezahlen einen Zuschlag, wenn sie dafür in der Rushhour fahren – ausser sie bezahlen auch den vollen normalen Preis.

Antworten

Andreas Hobi November 5, 2009 um 17:08

@ Piero:
“Firmen von A-L zwischen 6 und 7 Uhr, Firmen von M-Z zwischen 7 und 8…” Das tönt ja fast schon kommunistisch. ;-)

Ich denke auch, dass man am ehesten bei den Schulen etwas machen kann. Und als nächstes bei den Behörden, deren Mitarbeiter ja auch oft pendeln. Bei privaten Firmen ist es am schwierigsten.

Antworten

T40 November 5, 2009 um 17:23

Was ist mit pendelnden Schülern? Bekommen die auch einen Lohnzuschlag??

Antworten

Andreas Hobi November 5, 2009 um 17:27

@ T40:
Nein, da müssten die Schulen eigentlich von sich aus genug klug sein, um die Unterrichtszeiten anzupassen.

Antworten

Martin November 5, 2009 um 17:47

@Andreas
Solche Gedanken hab ich mir auch schon gemacht. Habe aber einen anderen Lösungsweg: Firmen müssten 2- Schichtbetrieb einführen. Die Firmen die das nicht wollen sollen höhere Steuern bezahlen, damit die Firmen die 2- Schichtbetrieb haben ihre Angestellten besser entlöhnen und weniger lang arbeiten müssen. Stell dir noch den ökologischen Vorteil vor (Heizen, Reinigen, weniger Neubauten, keine Staus usw).

Antworten

Andreas Hobi November 5, 2009 um 17:59

@ Martin:
Macht Sinn.

Wobei ich mich gerade frage, ob es dann nicht einfach so ist, dass das Pendeln wieder attraktiver wird und somit mehr Leute pendeln, so dass wir dann in fünf oder zehn Jahren wieder gleich weit sind…

Sowohl bei meinem Vorschlag als auch bei anderen Lösungsvorschlägen könnte es unter Umständen schlussendlich darauf hinauslaufen.

Vielleicht ist das “Pendler-Problem” etwas, das man nie ganz lösen wird.

Antworten

Martin November 5, 2009 um 19:04

Es Pendelt niemand einfach so zum Spass. Der Hauptgrund ist die Arbeit oder die Schule, weder das eine noch das andere ist freiwillig. Der Arbeit hinterher Reisen ist blödsinn. Meine Freundin musste in den letzten 3 jahren den Arbeitsplatz wechseln. Hätten wir jedes mal den Wohnort wechseln müssen? Und ich meinen Job? Die Zeiten wo man neben der Fabrik ein Haus bauen konnte und ein Leben lang in dieser Fabrik arbeitete sind leider vorbei.

Antworten

mds November 5, 2009 um 20:41

Ausserhalb der Hauptverkehrszeiten zu pendeln ist gar nicht so einfach, wenn man nicht spät in den Abend hineinarbeiten möchte:

Am Morgen könnte man sich erst ab etwa 8.30 oder 9 Uhr auf den Weg machen, Feierabend wäre erst gegen 20 Uhr – bei regulären Arbeitszeiten … an Aktivitäten jenseits der Arbeit wäre dabei unter der Woche gar nicht mehr zu denken.

Antworten

Andreas Hobi November 5, 2009 um 20:43

@ mds:
Naja, “dä Füüfer und z’Weggli”, das geht halt nicht. :) Entweder man pendelt in der HVZ oder aber man arbeitet abends länger (bzw. steht früher auf).

Antworten

Martin November 5, 2009 um 22:43

@mds
Da hast du die negativen Seiten der Schichtarbeit entdeckt aber viele Arbeitnehmer müssen Morgens um 2.30 Uhr aufstehen oder kommen erst um 3.30 nach Hause. Wieso sollten man das den Büroangestellten oder Studenten nicht auch zutrauen? Dann würde der ÖV auch in der Nacht fahren und man müsste die Strassen und der ÖV nicht auf unsinnge 2-3 Stunden HVZ im Tag ausbauen, die dan die restlichen 20 Stunden brach liegen.

Antworten

Andreas Hobi November 5, 2009 um 22:46

Ich kenne ja beides: Von früher her die 9-17-Arbeitszeiten und heute die Schichtarbeitszeiten. Und ich persönlich möchte nur noch ungern zurück zu den Büroarbeitszeiten, das könnt ihr mir glauben!

Obwohl ich genau gleich viel arbeite wie früher, kommt es mir doch vor, als hätte ich mehr vom Tag. Ich könnte mir gut vorstellen, dass einige, welche momentan gegen andere Arbeitszeiten sind, sich schlussendlich durchaus auch damit anfreunden könnten, wenn sie die Vorteile mal erlebt haben.

Antworten

mds November 6, 2009 um 05:55

@Martin: Nacht- und Schichtarbeit sind ungesund, entsprechend sollten nicht noch mehr Personen so arbeiten müssen.

Und nein, ich persönlich habe nicht die negativen Seiten der Schichtarbeit entdeckt, ich arbeite wie viele andere schlicht nicht 40 oder 42 Stunden pro Woche, sondern deutlich mehr – entsprechend bin ich um jede Minute froh, die unter der Woche nicht auch noch durch mangelhaften öffentlichen Verkehr verloren geht.

Antworten

Gumbo November 6, 2009 um 11:00

Platz?
Die S-Bahn Zürich hat sehr grosszügige Erstklass-Abteile. Wer Komfort will, löst am besten 1. Klasse.

Antworten

Martin November 6, 2009 um 11:34

@mds
Kommt drauf an wie man die unregelmäsige Arbeitszeit gestalltet. Regelmässige Früh- und Spätschicht mit kürzeren Arbeitszeiten ist vielleicht gesünder als 50 Wochenstunden Normalarbeitszeit. Der Weg zur Arbeit wäre auch entspannter und kürzer. Natürlich, so wie einige Firmen, wie z.B. die Bahnen, die Arbeitszeiten gestallten ist es Raubbau am Körper des Angestellten.

Antworten

mds November 6, 2009 um 12:49

@Gumbo: Fährst Du selbst S-Bahn in der Region Zürich?

Die 1. Klasse ist in den neuen Wagen leider nicht mehr grosszügig gestaltet … und in Sachen Platz hilft 1. Klasse häufig auch nicht weiter, schliesslich ist dieser «Trick» allen bekannt.

Antworten

pendler November 6, 2009 um 15:23

@MDS
Also ich finde die 1. Klasse in den Siemens S-Bahnen ist eigentlich für den Regionalverkehr sehr grosszügig. Nicht wie beim Flirt oder GTW.

Antworten

Gringo November 6, 2009 um 15:35

Ich arbeite bei der selben Firma wie Andreas und m u s s täglich pro Weg 1:40h Arbeitsweg in Kauf nehmen.

Klar könnte ich umziehen – klar bin ich nicht gezwungen die Stelle anzunehmen. Die Alternativen dazu sind NOA (RAV der SBB) und wenn ich umziehe eine depressive Frau und der “Verlust” eines grössten Teil meines Beziehungsnetzes.

Meine Arbeit könnte ich zu 2/3 von einem Büro irgendwo in der Schweiz oder von zu Hause aus erledigen. Aber hier klemmt der Arbeitgeber.

Pendlerzulage in Form von Geld oder Zeit finde ich eine sehr gute Idee.

Antworten

pendler November 6, 2009 um 15:37

Wie denkt ihr über einen Lohnzuschlag für Pendler?
Finde ich eine schlechte Idee und negativ für den Standortvorteil CH.

Sind vielleicht sogar die Pendler selber schuld, dass sie so weit vom Arbeitsort weg wohnen?
Ja, häufig. Es kann halt nicht den “föfer und s weggli” geben. D.h günstige Mieten, wohnen auf dem Land und kurzer Arbeitsweg.

Kennt ihr auch Beispiele von Mitarbeitern, die in der Hauptverkehrszeit pendeln müssen, obwohl es von den Aufgaben bei der Arbeit her auch anders ginge?
Ja, bin selbst so einer. Arbeite an verschiedenen Orten (vorallem Zürich und Luzern). Viele Fahrten liessen sich sicherlich einsparen z.B durch Teleworking. Aber Sitzungen sind in der Regel halt Plichttermine und noch nicht so gerne als Telko gesehen.

Wie würdet ihr das “Hauptverkehrszeit-Problem” auf Schiene und Strasse lösen?
Lösen lässt sich das Problem aber nie. Die Welt wird immer mobiler. In Zukunft müssen die verschiedenen Systeme d.h ÖV und Individualverkehr optimiert und auch kombiniert werden. Das Kostet halt. Diese Kosten müssten die Pendler via Billettpreise zum Teil selber bezahlen (Verursacherprinzip). Die SBB könnte z.B. ein Billettsystem analog den Airlines durchführen d.h unterschiedliche Preise.
Was aufhören muss ist dieser Kampf zwischen Befürwortern des Individualverkehrs und des öffentlichen Verkehrs. Es braucht beides, denn keines der beiden System wäre in der Lage die ganze Masse effizient zu transportieren.
Zusätzlich könnte mit einer breiteren Unterstützung durch Teleworking-Ansätze oder gleitendere Arbeitszeiten die Masse der Pendler reduziert werden.

Antworten

trigger November 6, 2009 um 23:24

Alle Berner die in Zürich arbeiten und alle Zürcher die in Bern arbeiten tauschen die Arbeitsplätze (oder Wohnungen) :D Überspitzt gesagt. Ziel muss ja nicht sein dass keiner mehr pendeln muss, aber ich glaube schon dass sich schon einiges bessern würde, wenn bei der Wahl des Arbeitsortes/der Mitarbeiter der Problematik mehr Gewicht verliehen würde. Oder Arbeitgeber noch flexibler würden in Bezug auf Heimarbeit oder auswertige Arbeitsräume. Wie Gringo sagt, braucht nicht jeder ständig im Büro zu sein um zu arbeiten. Schlussendlich ist es auch eine ökonomische und ökologische Frage. öV benutzen mag ja umweltfreundlich sein, zu Fuss oder mit dem Velo zur Arbeit fahren können aber noch viel mehr.

Antworten

Wälte November 7, 2009 um 00:36

Warum mit dem Pendlerzuschlag die Arbeitnehmer bestraft werden und nicht die Verursacher (die super vediendende Geschäftsleitung) und das auf Kosten der Umwelt und der Lebensqualität

1. Der Arbeitgeber legt die Arbeitszeiten fest.
Fazit: ich muss mich daran halten.

2. Warum soviele Pendler?
Die Zentralisierung basiert auf Anordnung der Konzernspitzen:
Jede Verwaltungsaufgabe kann nur in Zürich, Basel, Genf oder Bern erfolgen, obwohl die meisten Aufgaben nicht von einem Flughafen abhängig oder Zentralbahnhof abhängig sind das betrifft höchsten die Verkäufer, die auf eine gute Verkehrsverbindung angewiesen sind.

3. Mit der Zentrumsbildung schaffen wir einen unbezahlbaren, unlösenbaren Flaschenhals und er wird immer enger.
Im Zeitalter der elektronischen Wege ist es ein Stumpfsinn, riesige Verarbeitungszentrums zu realisieren: Staus auf Autobahnen (Luftverschmutzung). Ueberfüllte Bahnen: Mehr Schienen und Doppelstockzüge geht nicht mehr. In und aus den Zentren gibts Stau, weil der Idividualverkehr (1 Person pro Auto) den öffentlichen Verkehr blockiert (Verspätung für die, die, welche auf Anschlüsse angewiesen sind zugunsten der Individualisten. Mit Pendlerzuschläge in öffentlichen Verkehrsmittel bestrafen wir die falschen. Ich habe auch nichts für Vergünstigen der Pensionierten, zu denen ich auch bald gehöre. Aber warum sollen diese nicht bestraft werden nach einer Vergünstigung, wenn sie unnötig in Zeiten fahren, wenn die Erwerbstätigen fahren und sie diesen die Sitzplätze wegnehmen?

4. Vearbeitungszentren im Grünen (Büro) wären viel billiger als in Zentreten:
Warum alles in Zürich, wenn die Lebensqualität der Angestellten z.B. in Frauenfeld besser wäre: schöne Umgebung, billige Gewerberäumlichkeiten (zugunsten der Arbeitgeber), Mittagessen zuhause (weniger Mensa), grosszügige und billige Parkplätze für solche, welche nicht ein öffentliches Verkehrsmittel benützen können, kurze Arbeitswege, längere Erholgsungszeit bringt bessere Arbeitsleistung, weniger Stau, weniger Rollmaterial auf den Schienen. Mehr Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich: Die Arbeitnehmer können wieder vor Ort einkaufen. Wie ist es heute: Im Stehplatz zurück von Zürich nach Wil per Bahn: neben der Mappe/Handtasche noch zwei Einkaufstaschen vom Mittag in Zürich. Und dann beklagt man sich, wenn es immer weniger Läden am Wohnort hat. Wo ist denn da der gesunde Menschenverstand?

5. Weniger Parkplätze in Zentreten für Pender:
Diese sollte verboten werden, wenn Pendler für ihre Arbeit ein öffentliches Verkehrsmittel zugemutet werden kann und sie dieses für die Ausführung der Arbeit (Verkaufsberatung, Arbeitsausübung) nicht benötigen. Das führt auch zur Entflechtung der Spitzenzeiten in den Zentren; und das Gewerbe hat dann auch genügend Parkplätze für deren Kunden. Und die öffentlichen Verkehrsmittel werden durch Zu- und Ausfahrten von Parkplätzen nicht behindert, sondern bevorzugt. (Bussspuren bevorzugen, aber ohne Velofahrer, die behindern diesen auch.)

Antworten

Gumbo November 7, 2009 um 00:42

MDS:
Ich fahre damit, und ich kann das wohl beurteilen:
Nimm mal die S-5 ab 17:25 ab HB in Richtung Oberland. Rush-Hour, oh Graus? Ich finde immer gut Platz in der 1. Kl.
Der Zug hat 3 dreier-Einheiten, d.h. 3 Wagen sind unten ganz und oben halb erste Klasse.
Die Siemens-Züge: Vier Wagen pro Einheit, wovon einer GANZ 1. Klasse.
Ich bleibe dabei: Es gibt noch Platz. Aber das Bevölkerungswachstum bremsen wäre vielleicht auch ein Ansatz…
Anders der Flirt und der GTW in anderen Gegenden: Da liegt aber auch bei der Gesamt-Kapazität einiger Züge einiges im Argen.

Antworten

Wälte November 7, 2009 um 01:15

An Gumbo

In der 1. Klasse gehören Sie wohl zu den Bevorzugten. Diese ist z.Beispiel auch auf der Strecke Romanshorn-St. Gallen täglich schwach besetzt und auch entsprechend gut angepasst. Dann hates es in Richtung Oberland ein Ueberangebot an 1. Klasse. Das Problem liegt in der zweiten Klasse. Diejenigen, welche die 1. Klasse zahlen könnten, leisten sich einen teureren Parkplatz vor dem Arbeitsplatz oder er ist sogar gratis oder vergünstigt. Das mit dem Bevölkerungswachstum kann ich nicht nachvollziehen. Mit zwei Kindern bin ich über dem Durchschnitt, oder habe ich die falsche Presse gelesen. Und solange jeder zwei Plätze beansprucht (in ersten und zweiter Klasse) für Sitzplatz und Gepäck, hat es halt wirklich zuwenig Platz in unseren Verkehrsmitteln. Und Zivilcourage ist auch nicht jedermanns Sache. Danke für die Antwort. 1. Klasse können sich nicht alle leisten – ich auch nicht.

Antworten

Thomas November 9, 2009 um 05:17

Andreas Hobi.
Ich frage mich seit längerer Zeit, was du überhaupt postest. Stundenpläne anpassen, natürlich sehr gerne Andreas, sonst noch wünsche. Die Schule beginnt normalerweise gegen 08:00 Uhr und endet gegen 16:00 Uhr. Verschiebe ich den Stundenplan auf Schulbeginn um 06:00 Uhr und Schulende auf 14:00 Uhr fahren die Schüler nicht mehr Im Pendlerverkehr. Wer steht schon um 04:00 Uhr auf ums ich auf die Schule vorzubereiten. Am besten beginnt die Schule um 10:00 Uhr und endet um 18:00 Uhr dann ist man auch nicht mehr im Pendlerverkehr, aber wer hat gern bis 18:00 Uhr Schule. Und was ist mit Sportvereinen usw…. Hallo, überlegst du real, oder fantasierst du. Ja ich bin auch ein RZB udn hab mal heute mit nem Lehrer drüber diskutiert. Manche wünsche ich mir, dass dieser Blog nicht existieren würde. Schon die Sache mit Ranil Jayanetti, war eine Hetzjagd, aber nach dem der Beobachter interveniert hat, war dein Beitrag ja schnell gelöscht.

Antworten

Martin November 9, 2009 um 09:40

@Thomas
Sehr viele Menschen stehen bei der SBB nicht nur um 2 Uhr auf, sie arbeiten sogar an Weihnachten- und Silvesterabend und Wissen zum Teil 4 Stunden vor Arbeitsbeginn nicht wan und wo und ob sie überhaupt arbeiten können und dabei müssen sie auch noch Top-Fit am Arbeitsplatz erscheinen. Und das alles damit die Schweiz möglichst günstig funktioniert. Natürlich haben diese Arbeitnehmer u.a. Probleme bei einem Verein mitzumachen. Das interessiert dich doch sonst bestimmt auch nicht. Aber auch du kannst dich ein wenig anstrengen, es geht nicht darum was du gerne hast, sondern was nötig ist und da kannst auch du einen kleinen Beitrag dazu leisten. Dabei fällt dir bestimmt kein Zacken aus der Krone.
Es ist Volkswirtschaftlich schwachsinnig und nicht tragbar eine Infastruktur zu bauen die nur 4 Stunden im Tag ausgelastet ist und dann 20 Stunden brach liegt, nur weil ein paar faule und leistungsswache Säcke die sich zu gut finden ihre Gewohnheiten nicht ändern wollen.

Antworten

Andreas Hobi November 9, 2009 um 10:15

@ Thomas:
Irgendeine Lösung muss es ja geben, in dieser Hinsicht sind wir uns vermutlich einig. Ich habe ein paar Vorschläge gemacht, bin gespannt, welche Ideen dir so vorschweben.

Sollte dir mein Blog tatsächlich nicht gefallen, steht es dir natürlich frei, in Zukunft andere Webseiten zu besuchen. Ich zwinge dich ja nicht, hier zu lesen. :) Den Besucherzahlen zufolge gefällt es den meisten Leuten, was ich hier schreibe. Denn auch nach bald schon drei Jahren steigen die Leserzahlen von Monat zu Monat.

Leider habe ich noch kein Patentrezept gefunden, wie ich es allen Recht machen kann.

Antworten

Gumbo November 9, 2009 um 12:04

Thomas
Dito:
Lies doch einfach diesen Blog nicht mehr, dann ersparst du dir Ärger.

Antworten

Michael November 9, 2009 um 13:16

Bei einigen Kommentaren sieht man wieder, wie Anpassungsfähig die Spezies Mensch ist. Ein reines Gewohnheitstier….
Probleme wegen möglichen Freizeitbeschäftigungen sehe ich nicht wirklich. Viele Menschen arbeiten heute auch gegen 17:00 bzw. 18:00 und sind dennoch in Vereinen. Diese Trainings etc. starten nicht alle Punkt 18:00, viele beginnen besonders auch im “höheren” Alter gegen 20:00 oder teilweise noch später. Dass dies nicht für Kinder zutrifft ist klar, doch diese pendeln auch nicht so oft ;)
Zudem würde es auch schon einiges bringen, wenn die Schule um 09:00 beginnen würde. Nachmittagsstunden bis 17:00 habe sogar ich erlebt, ist alles absolut kein Problem, wenn man sich etwas anpassen will. Ich wage sogar zu behaupten, dass eine später startende Schule tendenziell leistungsfähigere Schüler haben würde, da nicht alle übermüdet erscheinen.
Natürlich könnte man die Schule auch vorverlegen, doch das passt den armen Schülern überhaupt nicht… Solange man selber nicht betroffen ist, stimmt man sofort für 24h öV, Ladenöffnungszeiten 365 Tage im Jahr etc etc. Andere sollen Tag und Nacht arbeiten und die Schweiz am “leben” erhalten, nur man selber möchte dann doch lieber nicht….

Antworten

Andreas Hobi November 9, 2009 um 13:44

Was man vielleicht auch noch anmerken müsste: Schüler des 1. bis 9. Schuljahres pendeln normalerweise ja nicht und gehen sehr oft am Wohnort zur Schule.

Wenn wir also von “pendelnden Schülern” sprechen, dann meinen wir die Berufsschüler (welche meistens ja nur zwei Tage pro Woche zur Schule gehen) und die Maturanden, Studenten etc.

Wie Michael es richtig sagt: Andere sollen ruhig, nur sich selber ein wenig anpassen, das geht natürlich nicht. :)

Antworten

Piero November 9, 2009 um 14:01

ääh andreas..

so korrekt ist das nicht, OK, die SBB ist davon wohl nicht immer betroffen, aber dafür kleinere Nebenbahnen und Buslinien. Z.B. pendeln hier alle SchülerInnen ab der 6. Klassen von allen umliegenden Gemeinden hierher, was pro Tag rund 400 SchülerInnen sind. Für eine SBB wohl nicht viel, aber für eine kleine Vorortsbahn um so mehr eine Herausforderung.

Aber das Problem wird ja mit den geforderten 21 Milliarden verschwinden… höre ich da zweifelnde Rufe aus der Runde? :)

Antworten

Andreas Hobi November 9, 2009 um 14:44

@ Piero:
Ah so… In diesem Fall haben sich die Zeiten geändert… Zu meiner Zeit ging man noch zu Fuss oder mit dem Velo in die Schule. ;-)

Antworten

Harald November 10, 2009 um 00:34

Die Idee finde ich genial. Jedes knappe Gut wird über den höheren Preis gesteuert. Dann überlegt man sich endlich, ob sich die Mehrkosten lohnen.
Wenn die Firma den Arbeiter zu fixen Zeiten bei sich haben möchte, muss ein Wert dahinter stecken, und der darf etwas kosten. Sind die Kosten nicht begründbar, so ist es auch der Zwang zu fixen Arbeitszeiten nicht.

Ich arbeite als Flugbegleiter – insofern “zwingt” mich meine Firma, zu ungewöhnlichen Zeiten am Arbeitsplatz zu erscheinen und vergütet mir dies z.T. mit Zulagen (in diesem Beispiel bin vermutlich ich das “knappe Gut”, dafür geniesse ich oft leere Züge, resp. Strassen).
Übrigens: Die Zeiten, wo die Flugtickets zu jeder Tages- und Jahreszeit gleich viel kosteten, sind längst vorbei, die Steuerung der Nachfrage über den Preis ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Und keine Firma hat ein Problem damit, einen höheren Ticketpreis für den Mitarbeiter zu bezahlen, der z.B. an eine Messe fliegen muss. Niemandem käme es in den Sinn, vom Mitarbeiter den Zuschlag zu verlangen.

Zum Wohnort: Den kann sich nicht jeder aussuchen, resp. es gibt noch andere Gründe als den Standort des Arbeitgebers (z.B. Demographie, Wohnort von Familie/Freunden, Verwurzelung der Kinder etc.) – ich finde, man muss niemanden noch zusätzlich bestrafen, wenn Wohn- und Arbeitsort nicht nahe beieinander liegen.

Fazit: Ich bin froh, dass da einer etwas weitergedacht hat als unser philosophischer Bundesrat.

Antworten

Andreas Hobi November 10, 2009 um 12:41

@ Harald:
“Wenn die Firma den Arbeiter zu fixen Zeiten bei sich haben möchte, muss ein Wert dahinter stecken, und der darf etwas kosten.”
–> Genau so sehe ich das auch.

Antworten

nussbaum Juni 30, 2010 um 17:56

sehr geehrte damen und herren

ich habe folgende idee:

a wohnt in zürich und jobt in bern, b umgekehrt.

man könnte eine homepage bauen, wo leute mit
entgegengesetzt-ähnlichen arbeitswegen
ihre wohnungen tauschen könnten, jede(r)
trägt seine pendelroute und seine wohnwünsche
(grösse, preis etc.) ein.

..es liessen sich weitere optionen einbauen:
- fahrgemeinschaften bei ähnlichen arbeitswegen
- untermiete oder wochenaufenthalte statt
definitver wohnungstausch
etc.

es gibt viele lösungen,
die nicht neue technik brauchen,
sondern über logistische lösungen
spareffekte erbringen.

gibt es in der schweiz firmen oder
arbeitsgruppen, die solche lösungen suchen?

freundlicher gruss

w. nussbaum, dipl. ing. eth

Antworten

Schreibe einen Kommentar

Previous post:

Next post: