Die SBB möchte, dass alle Leute ihre Züge und Bahnhöfe benutzen können. Doch das ist nicht immer ganz einfach, gibt es doch immer noch vereinzelt Bahnhöfe ohne erhöhte Perrons und Züge, in welche man nicht ebenerdig einsteigen kann.
Und selbst bei einem ebenerdigen Einstieg ist es nicht jedem Menschen möglich, in den Zug zu gelangen.
Damit auch Menschen, deren persönliche Mobilität eingeschränkt ist, den öffentlichen Verkehr benutzen können, bietet die SBB diverse Dienstleistungen an.
Auf diese Dienstleistungen möchte ich in diesem Artikel ein wenig näher eingehen. Ausserdem werde ich eine Geschichte erzählen, welche ich diese Woche in Bad Ragaz (SG) erlebte und mich zu diesem Artikel bewegte.
Unnötiger Ärger

Mitte dieser Woche stand ich zusammen mit der Zugchefin in Bad Ragaz vor dem Zug. Ungefähr 75 Meter entfernt sah ich eine ältere Dame mit einer Gehhilfe (“Wägeli”) aus der Unterführung kommen. Schon wollte ich mich auf den Weg zu ihr machen, um ihr beim Einsteigen behilflich zu sein, als ich bemerkte, dass sie in Begleitung eines Herrn war, der ihr dann auch beim Einladen der Gehhilfe zur Hand ging.
Also erübrigte sich meine Hilfe und wir fuhren kurz darauf weiter. Der hilfsbereite Mann ging nach dem Einladen der Dame wieder in die Unterführung, wollte also nicht mitfahren.
Als ich dann nach wenigen Minuten mit der Kontrolle bei der Dame angelangt war (sie stand bei ihrem Wägeli auf der Plattform des Wagens), wurde ich unvermittelt und völlig unerwartet in einem sehr hässigen Ton angegangen: “Das isch doch ä verdammti Sauerei, niemert umme, wo eim hilft bem iistiege, was isch denn das fürnes Personal da bi dä SBB, früehner isch das ganz anderst gsi…” Ich versuchte, ihren Redeschwall zu unterbrechen und sie zu beruhigen, hatte damit jedoch keinen Erfolg. Ihr Redeschwall war ungebrochen: “Wartet nur, bis Sie mal alt sind, denn hilft ihne au niemert, ja das isch hüt halt nümme so wiä früehner, diä Alte sind ganz alleige uf sich gstellt und niemert hilft eim meh wenn me wett in Zug stiege und frühener da isch na Personal umme gsii…”
“JETZT LOSED SIE MIR ENDLICH MAL ZUE, BITTE!!!” Nur mit einer eher lauten Stimme und deutlichen Worten konnte ich mir nun endlich Gehör verschaffen.
“Also erstens: Ja, ich hätte Ihnen in Bad Ragaz beim Einsteigen geholfen, wenn ich nicht gesehen hätte, dass sie bereits einen hilfsbereiten Mann bei sich haben. Und zweitens: Wenn Sie infolge ihres Alters oder aus anderen Gründen nicht mehr in der Lage sind, den öffentlichen Verkehr alleine – ohne fremde Hilfe – zu benutzen, dann haben Sie die Möglichkeit, auf eine Gratis-Telefonnummer anzurufen, so dass Ihnen beim Ein- und Aussteigen auf jeden Fall geholfen wird, unabhängig davon, ob der Zug von Kondukteuren begleitet ist oder nicht.”
Doch sie schien für mein Worte kein Musikgehör zu haben: “Das wär ja no, dass i immer zerscht aalüüte müesst, bevor i ga Zug fahre gange, wo während mir denn, damit ihr au jo immer wüsstet, wo i bin, nei das chas doch nöd sii, das isch doch kei Freiheit meh!”
Um sie zu beruhigen, wollte ich ihr wenigstens beim Aussteigen helfen: “Darf ich fragen, wo Sie hinfahren?” Da sie ein GA hatte, konnte ich das auf dem Billett nicht erkennen. Doch sie schien nicht zu verstehen: “Das gaht sie gar nüünt aa. Gaar nünt!” Ich dachte mir “wer nicht will, der hat” und setzte meine Kontrolle fort.
Da ich sie in Landquart nicht aussteigen sah, gehe ich mal davon aus, dass sie nach Chur fuhr. Keine Ahnung, ob ihr dort jemand beim Aussteigen geholfen hat. Ich ging in meinen Feierabend und sah die Dame seither nicht mehr.
Hilfe beim Ein- und Aussteigen
Wer bei der Benützung der SBB-Züge Hilfe benötigt, ruft am besten auf die Telefonnummer an, auf die ich später noch zurückkomme.
Wer vergessen hat, dort anzurufen oder aus einem Grund spontan Hilfe benötigt, kann sich bei Fernverkehrszügen ohne weiteres auch beim Zugpersonal bemerkbar machen; durch Zurufen, winken oder so. Wir sind jederzeit gerne beim Einsteigen oder auch beim Einladen des Gepäcks, Velos oder Kinderwagens behilflich.
Denjenigen Fahrgästen, welche in meiner unmittelbaren Nähe sind, biete ich die Hilfe jeweils automatisch an. (Und oft sind die Leute auch froh um die Hilfe.) Reisende, welche einige Wagen entfernt stehen, müssen sich einfach bemerkbar machen, wenn sie Hilfe benötigen.
Die Mobilitätshilfe der SBB
Die SBB bietet einen umfassenden Hilfe-Service für Reisende im Rollstuhl, für Gehbehinderte, Blinde und Sehbehinderte sowie für geistig Behinderte. Auf diesen Service möchte ich nun gerne näher eingehen, da ich die Erfahrung machte (nicht nur im oben beschriebenen Fall), dass nicht alle Leute diesen Dienst kennen.
Täglich von 6 bis 22 Uhr erreicht man das sogenannte Call Center Handicap der SBB via Gratis-Telefonnummer 0800 007 102 (aus der Schweiz) oder +41 (0)51 225 71 50 (aus dem Ausland). Natürlich kann man sich auch via Email (mobil@sbb.ch) oder Fax (+41 (0)51 225 70 90) melden.
Das Call Center Handicap hilft euch bereits vor der Reise, indem es Informationen geben kann über die Zugänglichkeit von Bahnhöfen und Zügen und die am besten geeigneten Züge empfiehlt.
Während der Reise stehen entweder die Mobilitätshelfer der SBB zur Verfügung, oder das Zugpersonal (welches vom Call Center Handicap verständigt wird) hilft beim Ein- und Aussteigen. Je nach Zugtyp kommen dann mobile Lifte oder Rampen zum Einsatz.
Abhängig von der Distanz auf den Umsteigebahnhöfen reicht die minimale Umsteigzeit (wie sie im Fahrplan steht) nicht. Das Call Center Handicap hilft in solchen Situationen bereits im Voraus, den optimalen Anschlusszug herauszusuchen.
Weitere Tipps
Schon gewusst? Über die Telefonnummer 031 390 88 88 lassen sich unter anderem die Abfahrtszeiten der Züge mit Gleisangaben für Basel, Bern, Luzern, Olten, St. Gallen, Winterthur und Zürich HB anhören. Auch Informationen zur S-Bahn Zürich sind unter dieser Nummer zu finden.
Eine Reliefnetzkarte der S-Bahn Zürich ist bei den Blindenorganisationen erhältlich.
Induktionsverstärker finden sich für Hörbehinderte in vielen grossen Bahnhöfen. Damit wird ein direktes Hören auf Position “T” des Hörapparates erlaubt.

09.10.2009 um 17:53
Ich habe letztens gesehen, dass sogar eine Begleitperson der SBB mitgefahren ist.
Ein Kommentar zu dieser älteren Person da:
Ich möchte festhalten, dass ich in keinsterweise respektlos gegenüber älteren Mitbwohner sein möchte, aber so ein Verhalten finde ich total daneben. Die heutigen älteren Menschen scheinen vergessen zu haben, welche “Turnübungen” sie den damaligen älteren Menschen beim Zugfahren zugemutet haben. Vorallem der erste Tritt in einen Zugswagen stellte sich meist als Zerrung bringendes Ungetüm heraus, welches die damaligen älteren Menschen auch oft ohne Hilfe schaffen mussten. Heute haben wir viele eebenerdige Einstiege und das Reisen mit dem Zug oder dem öffentlichen Verkehr ist wesentlich erleicht worden.
Aber wir haben ja keine Ahnung, da früher alles immer besser war…
13.10.2009 um 09:45
…immer noch “vereinzelt” Züge mit hohem Einstieg..ist schon leicht untertrieben, Andi.
Die ganze blaue S-Bahn-DPZ-Flotte von Zürich ist sehr hoch, da die Schlaumeier von Konstrukteuren die Plattformen ausgerechnet über den Drehgestellen angelegt haben.
Oder schau mal einen DB-ICE-T an, wenn er in Bülach in der Kurve steht. Da hat sogar ein junger Mensch Probleme, die unterste Stufe zu erklimmen.
Aber, da ja die Alten heute alle ein Händi haben, ist nun alles paletti.
Dass aber deine Kundin so meckerte, ist natürlich nicht schön, die hatte ja einen Begleiter.