Ulrich Gygi. Auch heute noch setzen viele Schweizer diesen Namen mit der Post in Verbindung. Seit dem 1. Januar 2009 jedoch ist er Verwaltungsratspräsident der SBB. Ich habe in einem früheren Artikel darüber berichtet.
In der Öffentlichkeit hört man wenig von VR-Präsi Gygi. Ein “stiller Schaffer” könnte man sagen; einer, der auf gut schweizerdeutsch “mehr lieferet statt laferet”. Das gefällt mir! Wie ich bisher gehört und mitbekommen habe, macht er seinen Job mehr als nur gut.
Nun hat Gygi – zur Abwechslung – mal wieder “gelaferet”. In einem Interview mit der Handelszeitung nahm er zu verschiedenen Themen Stellung. Und ich muss sagen: Viele seiner Antworten gefallen mir.
Pannen bei der SBB
In den letzten Tagen und Wochen gab es in den Medien viele Meldungen über SBB-Pannen. Und es stimmt: Die Pannen hatten grössere Auswirkungen als noch in früheren Jahren. Trotzdem antwortet Gygi, der selber auch oft Zug fährt, auf die Frage “Sind Sie selber schon einmal mit einem Zug stecken geblieben?” mit einem ganz klaren “Nein”.
In einer weiteren Antwort präzisiert er dann weiter, dass die Zahl der Pannen absolut gesehen nicht zunehme. Doch die Auswirkungen der Pannen auf die Kundinnen und Kunden seien in einem stark ausgelasteten System ungleich grösser.
Die SBB möchte jedoch nicht, dass mit einem weiteren Ausbau des Angebots eine Zunahme der Pannen einhergeht. Gygi erklärt, dass die Infrastruktur systematisch auf Schwachstellen geprüft werde und der Unterhalt – besonders auf stark frequentierten Linien – weiter verstärkt wird.
Die SBB unternimmt also viel, um die Kunden so gut wie möglich von Pannen zu verschonen.
Sparbillette und 9-Uhr-Generalabos
Die SBB produziert in der Hauptverkehrszeit – in einem Viertel der verfügbaren Zeit – genau gleich viel Geschäftsvolumen, wie in den restlichen drei Vierteln.
Daher will sie Anreize zur Nutzung der verkehrsschwächeren Zeiten geben. Bezüglich 9-Uhr-GA sind ihr aber die Hände gebunden, weshalb es einen Versuch mit den teilweise bis zu 60% vergünstigten Sparbilletten gab.
Dieser Versuch zeigte deutlich, dass sich Kunden über den Preis lenken lassen. Deshalb gibt Gygi bekannt, dass es in Zukunft nochmals eine Welle von Sparbilletten geben wird. Einen Zeitraum hierfür nannte er jedoch nicht.
Was sich gezeigt hat: Mit den Sparbilletten hat die SBB nicht nur Reisende dazu bewogen, in der verkehrsarmen Zeit zu fahren, sondern es gab auch Neukunden, welche bisher kaum mit dem Zug fuhren. Ich hoffe, dass die SBB diese Neukunden auch ohne Sparpreise bei der Stange halten kann.
Neue Ideen
In erster Linie will die SBB natürlich Rollmaterial beschaffen, um die Sitzplatzkapazitäten und den Komfort zu erhöhen. Dies hat oberste Priorität.
Die Verantwortlichen denken jedoch auch darüber nach, Angebote für Reisende mit besonderen Ansprüchen aufzugleisen. Gygi erwähnt in dieser Hinsicht zum Beispiel Sitzungen im Zug, will also unter anderem Geschäftskunden und Firmen mit dem neuen Angebot ansprechen. Doch dazu braucht es nicht mal unbedingt neues Rollmaterial oder anders ausgestattete Wagen, wie die Firma namics auf ihrem Blog zeigt.
Ausserdem bedauert Gygi, dass die SBB im Regionalverkehr aufgrund der heutigen Gesetzgebung nichts verdient. Er ist – wie ich auch – der Meinung, dass alle Geschäftsbereiche einen Gewinnbeitrag leisten sollten, damit sich das Unternehmen weiterentwickeln kann.
Weitere Möglichkeiten, um Geld zu verdienen, sieht Gygi im Verkauf. Im Bereich der neuen Absatzkanäle wie Internet und Mobiltelefon und bei den Loyalitätsprogrammen seien noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, führt der VR-Präsident aus.
Man darf also gespannt sein, was uns in dieser Hinsicht inskünftig noch erwartet.
Vielleicht hat ja auch jemand aus meiner Leserschaft eine Idee, wie die SBB zusätzliche Einnahmen erwirtschaften kann. Darf ruhig auch ausgefallen sein! Bin gespannt auf die Kommentare. ;-)


{ 18 Kommentare… lies sie gleich hier unten oder schreibe einen }
Ja, Namics ist (und bleibt) ein grosser Fan des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz und auch in Deutschland. Rollmaterial braucht es nicht aber mehr Steckdosen (auf allen Zügen) und bessere Netzwerkverbindungen! ÖV für Firmen ist nicht nur sicher, kommunikativ und entspannend aber auch eine gute Investition: http://blog.autolos.com/stories/25616/
Eine Toilletengebühr wäre sicher auch nicht schlecht, um Mehreinnahmen zu erzielen…
Damit Meyer seine Taschen noch mehr füllen kann, und in paar Jahren, wenn er abhaut, das gleiche Chaos hinterlässt, wie bei den SBahnen Berlin? Sorry, aber wie viel Gewinn hat die SBB gemacht? Das muss reichen! Diese ewige Geldgier und immer noch mehr Gewinn, das kanns ned gewesen sein! Es braucht neue Ansätze des Geschäftens, wenn man etwas längerfristig und vorallem nachhaltig sein will.
9i GA find ich nachwievor gut. Den Regionalverkehr könnte man schon mehr rausholen, wenn zb. überall endlich sauberer 30min Takt wäre, oder noch besser ,mehr!
Zudem muss die SBB mal endlich anfangen, umzudenken!
Ich werde vllt. heute noch einige Vorschläge präsentieren!
@ Sandra-Lia:
Ich denke nicht, dass Meyer ein Chaos hinterlassen wird. ;-)
Der Gewinn im Millionenbereich tönt tatsächlich nach viel. Er relativiert sich jedoch sehr rasch, wenn man sieht, vor welchen (teilweise auch finanziellen) Problemen die SBB steht. Das Unternehmen schwimmt nicht wirklich im Geld und die nächsten Jahre dürften nicht ganz so einfach werden.
naja, nach dem Scherbenhaufen der AM in Berlin zurückgelassen hat, glaub ich nur noch an eins: Es kann nur noch schlechter werden! DAs Gegenteil muss er mir erst beweisen!
Die S-Bahn Berlin hat wirklich eine Krise, die noch nicht ganz ausgestanden ist. Das sind vor allem die Trümmer, die Mehdorn hinterlassen hat, aber die Rolle Meyers ist uns Zeitungslesern vielleicht nicht bekannt.
Aber auf einen Teil seines hohen Lohnes verzichten könnte er schon, um den Mitgliedern der Pensionskasse, die Opfer von Bankern und einem bürgerlichen Bundesrat ist, etwas davon zu sponsern.
Herr A. Meyer war jahrelang Chef der SBAHN BERLIN und Mehdorns Busenfreund! Also, wen wundert jetzt noch irgendwas!
Gehört vielleicht nicht hier her, aber ich hatte erneut Verspätung im 0707h ab Basel nach Zürich und in Zürich hatte dann der Flughafenzug ebenfalls Verspätung. Es kotzt mich an, von meinem Vater ständig und immer zu hören was für ein tolles Bahnnetz wir in der Schweiz haben, überall sei man schnell usw. Ich bin noch NIE eine Woche lang am Stück jeden Morgen pünktlich bei der Arbeit gewesen. Das ist ein Fact der mich jährlich über CHF 3000.00 kostet. Was nutzt mir ein Bahnnetz, das meine Bedürnisse nicht deckt. Jede Minute Einsparung, welche während des Jahres durch irgendwelche Massnahmen erzielt wird, wird beim nächsten Fahrplanwechsel jeweils aufgefressen, weil die Planer mit der Kapazität rechnen, welche wir vielleicht in 10 Jahren haben. Unsere Schienen sind voll ausgebucht, punkt aus amen, da muss die SBB einfach mal auf die Bremse treten und nicht nochmals da und dort den Fahrplan noch mehr verdichten. Das muss ja einfach schief gehen, das sieht ein JEDER ausser der SBB.
In drei Monaten hat der Spuk für mich ein Ende, ich muss nicht mehr pendeln, mir tun aber die andern Pendler leid, welche ihre S-Bahn in Zürich auch künftig mehrmals wöchentlich verpassen und zu spät zur Arbeit kommen…
Wenn die SBB für jede zehnte Verspätung einen halben Monat GA rückerstatten müsste, uih da wären die plötzlich pünktlich – wetten ?
@ Reto Gräflin:
Sprichst du vom 07:07-Zug heute Morgen? Der ist laut Datenbank pünktlich (sprich: mit einer Verspätung von höchstens drei Minuten) angekommen: http://prosurf.sbb.ch/pros/inter/prosurfservlet?TRANSACTION=005&LANGUAGE=d&ZNR=761
Was die Situation im Allgemeinen anbelangt: Verspätungen kommen vor, da gibt es nichts zu beschönigen. Egal ob man zu Fuss, mit dem Fahrrad, dem Auto oder mit dem öV unterwegs ist, es kann immer was schief gehen.
Glücklicherweise halten sich bei der SBB die Verspätungen in Grenzen. Auch wenn du vielleicht anderer Meinung bist: In dieser Hinsicht jammern wir auf hohem Niveau.
Natürlich gebe es die Möglichkeit – wie du vorschlägst – weniger Züge fahren zu lassen und den Fahrplan nicht zu verdichten. Dies hat dann aber wieder negative Auswirkungen auf das Platzangebot. Hier gilt es einfach, den “goldenen Mittelweg” zu finden. Einerseits eine möglichst hohe Pünktlichkeit, andererseits ein zufriedenstellendes Platzangebot.
@Andreas Hobi
Meine Uhr und die Uhr vom Bahnhof zeigt 08.04h.
Fakt ist, dass vo 4 1/2 Jahren die Ankunftszeit laut Fahrplan 07.58h war (und kaum je eingehalten worden ist), dann wurd auf 07.59h umgestellt, was die Verspätungsstatistik (genau wegen der Dreiminutenregelung) ungemein verbessert hatte. Heute nun ist ETA Zürich 08.00h. Offensichtlich spinnt nun entweder die Uhr in der Datenbank oder der Messpunkt wurde an den Anfang des Bahnhofs verlegt und sobald die Zugspitze einfährt, ist er in der Datenbank angekommen. Fakt ist, dass die SBB mir diese Verbindung im Fahrplan so vorschlägt und jedes Jahr Perioden auftreten (1 – 2 Monate im Jahr) in denen der Fahrplan mehrfach wöchtenlich von Basel SBB nach Glattbrugg nicht eingehalten wird. Bei einem S-Bahn 30 Minuten Takt nicht gerade erbaulich. Bei den Preisen der SBB muss ich mir nicht sagen lassen, dass ich auf hohem Niveau jammere, ich zahle auf hohem Niveau. Dass SBB Angestellte das Problem weniger hart mitbekommen, ist mir schon klar. Eine grosse Mehrheit arbeitet unweit des HB’s oder hat alle paar Minuten ein Tram. Ich selber kenne mittlerweile alle Alternativen, um nach Glattbrugg zu gelangen, muss also auch nicht 30 Minuten auf die nächste S-Bahn warten. Die Zugbegleiter scheren sich heute mehrheitlich einen Dreck um die Verspätungen und melden nichts über die Lautsprecher – ich vermute da haben die Zugbegleiter einfach längst resigniert.
Was die SBB vergisst, ist dass die Pendler DIE Stammkundschaft schlechthin ist. Stammkundschaft wird überall (ausser bei der SBB) gehegt und gepflegt. Bei der SBB werden Fussballfans mit Sonderrabatten versorgt, die Züge hernach in Euro 08 Manier verziert (ich spreche nicht von den Sonderzügen!!!) und selbst in der ersten Klasse bleibt just noch für mich ein Sitzplatz übrig, für den ich selbstverständlich einen Upgrade zahlen muss, während der besoffene laute nach Schweiss und Bier stinkende Fussballfan für fast kein Geld Zug fahren kann.
Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt mit dem Fahrrad zuspät angekommen bin(ich fahre täglich zum Bahnhof!). Ich warte mein Velo und gebe dafür Geld aus und bekomme vom Mech 1a Service! Auch meine Schuhe sind keine Billigtreter. Weil ich eben pünktlich und sicher unterwegs bin, leiste ich mir das. Die SBB hingegen, bringt es fertig an einem Tag auf der gleichen Strecke eine Fahrleitungsstörung- / Stellwerkstörung und eine Türstörung zu haben. Für die Türstörung wird der Fahrgast dann noch vom Lokführer angeschnautzt, man möge von der Türe wegtreten. Die Türe war frei, aber leider kaputt!
Ich reise in der ganzen Schweiz mit dem Zug. Die Strecke Basel SBB – Glattbrugg ist ein Graus. Nie hatte ich derartige Erlebnisse auf irgendwelchen anderen Strecken. Leider ist die besagte Strecke meine häufigst benutzte, aber seitens SBB gibt man sich absolut machtlos gegenüber den Problemen.
Sorry Andreas Hobi, aber es ist inakzeptabel, wenn ich um 0630h auf den Zug muss, nur um Gewissheit zu haben, in 80% der Fahrten vor 0830h am Ziel zu sein. Das hat mit Jammern auf hohem Niveau null und nichts zu tun.
Ich glaube auch, dass der Grossteil der SBB Angestellten jeden Tag ihr Bestes geben – das zeigt ja auch Ihr Engagement mit dieser Website. Leider wird aber auch dieses Bild getrübt, wenn mir eine Schalterangestellte mitteilt, dass sie kein Auskunftsbüro sei und mir keine Fahrplanauskunft geben könne, und ausserdem auch gar keine Zeit hätte im Moment (dies in einer Situation, wo ich wegen einer Stellwerkstörung aus dem Zug steigen musste, an einem Bahnhof wo ich noch nie war und eigentlich pünktlich zu einem Termin hätte erscheinen müssen.
Betreffend Verspätungen, welche sich in Grenzen halten; Aufs ganze Netz betrachtet, meinetwegen, da bleiben die Verspätungsprozente bald mal auf tiefem Niveau. Die SBB soll mal eine Statistik machen, wo berechnet wird, wieviele Personen pünktlich ans Ziel gebracht worden sind, dann sehen wir wieder weiter…
Meinen Taktzug (stündlich) hat die SBB von den jahrelang geltenden 16 Min. Fahrzeit auf 20 Min. verlangsamt im neuen Fahrplan, weil die Gleise überlastet sind. Diese 20 Minuten für 20 km entsprechen genau der vor 50 Jahren publizierten Fahrzeit! Ich habe zufällig ein Kursbuch von 1959..So kann man’s auch machen. Was für ein Fortschritt. Auch dies zähle ich zu “Verspätung.”
@ Reto Gräflin:
Was mich dabei noch interessieren würde: Hat sich die Abfahrtszeit auch geändert?
Meine Erfahrungen zeigen, dass die Prosurf-Daten schon sehr genau sind. Vielleicht gab es ja ausgerechnet bei Ihrem Zug eine Fehlerfassung.
Fakt ist nunmal, dass der Grossteil der Züge pünktlich ankommen. Und es wird sogar von Jahr zu Jahr besser. Im Vergleich zum ersten Semester 2008 fuhren die Züge im ersten Semester 2009 deutlich pünktlicher, wie auch in diesem NZZ-Artikel erwähnt: http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/puenktlicher_trotz_haeufiger_stoerungen_1.3534136.html
Als Zugbegleiter bin ich vermutlich öfters mit dem Zug unterwegs, als die meisten Leser hier in diesem Blog. Und massive Verspätungen (ab drei Minuten aufwärts) erlebe ich dabei selten. Entweder bin ich ein Glückspilz, der immer die richtigen Züge zugeteilt bekommt oder aber einige Pendler sehen nur die Verspätungen, nicht aber die pünktlichen Züge.
Gerne können Sie heute Abend während der Hauptverkehrszeit auf prosurf.sbb.ch den Bahnhof Zürich (oder einen anderen grossen Bahnhof der Schweiz) aufrufen und beobachten, wie pünktlich die Züge verkehren. Sie werden feststellen, dass es nur ganz wenige Fernverkehrszüge gibt, welche tatsächlich eine Verspätung von über drei Minuten haben. (Darunter mit Sicherheit auch ein Cisalpino…)
Was die Lautsprecherdurchsagen anbelangt, da besteht tatsächlich ein Manko. Die SBB arbeitet aber daran, die verfügbaren Informationen noch rascher und umfassender zum Zugpersonal zu leiten, so dass dieses im Zug eine bessere Durchsage machen kann.
Die Preise, nun ja, darüber kann man sich streiten. Die Basler Zeitung schrieb am 29. Februar 2008: “Preis und Angebot der Schweizer Bahnen können sich im europäischen Vergleich sehen lassen.” und das St. Galler Tagblatt doppelte im März nach: “Die Schweizerinnen und Schweizer sind eine ausgesprochene Bahnfahrer-Nation. Einer der Gründe dürfte sein, dass Angebot und Preise der Schweizer Bahnen im europäischen Vergleich gut bis sehr gut abschneiden.”
Fakt ist: Eine Litra-Studie ( http://litra.ch/dcs/users/2/GS_Angebot_Preise_d.pdf ) zeigt, dass die SBB tatsächlich sehr faire Preise anbietet. Eine Bahnfahrt von 200 Kilometern kostet in der Schweiz in der 2. Klasse CHF 53.-. In Österreich bezahlt man dafür CHF 61.- (+15%), in Deutschland CHF 74.- (+40%).
Interessant ist auch der Vergleich des Halbtax-Abos mit ähnlichen Angeboten in den Nachbarländern: Italien kennt kein Halbtax, in Österreich kostet es 168 Franken, in Deutschland 370 und in Frankreich 672 Franken. (Schweiz: CHF 117 – 150)
Dazu auch gleich die Frage “Wie oft muss man eine Strecke von 200 Kilometern fahren, damit das Halbtax rendiert?”:
- Schweiz: 6
- Österreich: 7
- Deutschland: 12
- Frankreich: 32
Ebenfalls gelobt wird in der Studie die Übersichtlichkeit und die Einfachheit des SBB-Tarifsystems. Das bewährte Angebots- und Preissystem werde nur mit Bedacht verändert.
Und hier eine weitere interessante Zahl:
Die Strecke Zürich – Bern einfach kostete im Jahr 1858 in der ersten Klasse 9.65 Franken. Das entsprach mehreren Tageslöhnen eines Arbeiters. Heute ist das Bahnfahren deutlich günstiger geworden: Der Preis eines Billettes erster Klasse für dieselbe Strecke beträgt 76 Franken – teuerungsbereinigt entsprächen die 9.65 von 1859 heute weit über 100 Franken.
Damals mehrere Tageslöhne, heute rund zwei Stundenlöhne.
Natürlich werden die Pendlerinnen und Pendler auch bei der SBB “gehegt und gepflegt”. Verbesserte Anzeigen im Bahnhof Hardbrücke, Gutscheine für GA-Besitzer und Einkauf neuer Züge für noch mehr Sitzplätze sind nur einige der Aktionen, welche die SBB in der letzten Zeit unternommen hat.
Und auch was die Erfassung der Verspätungen betrifft, will SBB-CEO Andreas Meyer etwas ändern. Genau so, wie von Ihnen verlangt, möchte er in Zukunft gerne die Anzahl der von Verspätungen betroffenen Fahrgäste in die Berechnungen miteinbeziehen.
Ich denke, nicht nur Sie, sondern auch wir alle sind auf diese Daten gespannt.
Andi
und während wir hier so schön am diskutieren sind, und du glaubst, alles sei übertrieben:
Mein Zug heute morgen, kommt nach 26 km Fahrt wie immer 3 Min zu spät, kriecht wie immer in der Gegend Oerlikon-Hardbrücke, Ankunft 5 Min zu spät.
Du fährst vermutlich gute Strecken. Ich muss sagen, ich fahre auch mal Chur-Zürich und erlebe selten Verspätungen dort. Wenn, dann wegen Abwartens der RhB.
Im 20-Minuten wird heute von einer Grosspanne in Luzern gestern morgen berichtet. Stellwerkstörung, stundenlang Busersatz.
Well..
Ich rate den Vertretern hier, die sich über 3 Minuten Verspätung aufregen, doch mal alleine schon in unsere angrenzenden Nachbarländern zu fahren. Im südlichen Land sind Züge bis 15 Minuten Verspätung auf die Sekunde genau – ab 30 Minuten wird dann von einer leichten Verspätung geredet.
Das heisst nicht, dass ich nicht dafür bin, dass sich die SBB verbessern soll – aber das Gejammer von den wenigen Minuten geht etwas auf den Geist. Ein Autofahrer muss auch genug Zeit für die Fahrt einplanen.
Zum Thema Meyer sag ich nur, dass, falls er wirklich massgeblich für das Chaos in Berlin verantwortlich ist, muss er bei den SBB gehen.
Die Frage über die Kosten und Preise ist eben auch, was wir als Gesellschaft bezahlen wollen – und was jeder einzelne bezahlen soll. Damit ist auch gemeint, ob wir die Kosten für die Umweltverschmutzung, die ein Mehrverkehr auf der Strasse bei einem schlechten Angebot im öffentlichen Verkehr tragen wollen und können.
@Piero
Ich muss nicht mit dem Umland vergleichen. Der Staat will, dass ich Zug fahre. Mit den Zukunftsplänen von Leuenberger, wirds dann bald eher ein Zwang als ein Wunsch. Wenn ich mir einen Fahrplan runterlade und der mir sagt, dass ich um 07.07h auf den Zug soll, um um 08.17h in Glattbrugg zu sein, dann glaube ich das grundsätzlich. Wenn der Alltag dann aber so aussieht, dass der Zug 2 von 3 Fahrten soviel zu spät ankommt, dass ich den Anschluss im Zürich HB nicht erreiche, so ist der Fahrplan schlichtweg falsch !
Wenn ich den Anschluss am HB erreiche, so ist die S-Bahn jeweils so spät, dass die Ankunft von 08.17h ein reines Fantasiegebilde der Fahrplanschöpfer ist und die Ankunft viel eher 08.25h ist als 08.17h, dann glaube ich sehr wohl dass ich allen Grund habe “not amused” zu sein.
Unsere Blockzeit beginnt um 08.30h. Erreiche ich den Anschluss auf den Zug der theoretisch um 08.17h in Glattbrugg sein soll, so bin ich in der Regel sowas Ähnliches wie pünktlich im Büro, wohlgemerkt als jeweils letzter, da ich der einzige bin, der mit dem Zug anreist.
Wäre die SBB einfach nur ehrlich, dann würde sie mich auf den 06.40h oder 06.47h ab Basel SBB schicken, tut sie aber nicht, weil sie den 07.07h Zug gern nachwievor so ausgelastet haben will wie jetzt. In einem IR würde ich für einen Sitzplatzmangel sorgen, da ich sehr wohl noch einen Platz hätte, später Zusteigende hingegen müssten wohl auf einen Platz verzichten, da schon zuviele Basler im Zug wären. Also muss die SBB den 07.07h im Fahrplan führen, obwohl sie sich sehr wohl der regelmässigen Unregelmässigkeiten bewusst ist.
Der Zug ist seit Jahren ein Problem und der Zug ist seit Jahren immer 07.07h ab Basel SBB und braucht seither für die selbe Strecke immer länger und wird zusätzlich immer unpünktlicher. Das ist keine gefühlte Verschlechterung, sondern einfach eine Tatsache. Das Schlimmste ist jeweils der Fahrplanwechsel. Dann klemmts jeweils an allen Ecken und Enden und es dauert an die zwei Monate bis einigermassen Normalität auftritt. Einen weiteren Hype gibts dann mit den Sommerbaustellen.
Wenn ich Auto fahre, weiss ich jeweils nach einem Tag sehr genau, wo’s jeweils klemmt und kann mich sehr flexibel umstellen.
Mein Arbeitsweg mit dem Auto dauert etwas über eine Stunde, mit allem Verkehr eingerechnet, wenns mal schlimm kommt, dann immernoch deutlich unter zwei Stunden. Das gibt in der Regel einen Arbeitsweg von 2-3 Stunden am Tag, Tür zu Tür. Um den Zug in Basel zu erreichen, muss ich um 06.50h zuhause los (mit dem Velo, Bus Verbindung leider unbrauchbar!), um dann um 08.30h im Geschäft zu sein, das sind dann 3 Stunden 20 Minuten pro Tag, wenn der Fahrplan stimmt. Wenn ich einen Anschluss wegen 3-4 Minuten Verspätung nicht erreiche, so werden aus 3 Stunden 20 Minuten leider sehr bald 4 Stunden und mehr.
Im absoluten Idealfall spare ich mit dem Auto etwa eine Stunde Weg pro Tag, im schlimmsten Fall auch. Wenns mittelmässig läuft, dann kommts etwa “hanswasheiri” hin.
Die paar Mal, die ich mit dem Auto gehe, läufts eigentlich ideal, am schlimmsten war es, beim letzten grossen Schnee, da war aber auch bei der SBB nicht mehr viel los. Schneeflocken auf der Schiene scheinen tatsächlich ein grosses Problem darzustellen…
Die Reklamationen bei der SBB zu genau meiner Verbindung werden vermutlich Mittlerweile als Lacher durch die Reklamationsabteilung geschickt, da ich nicht auf die Schnautze sitze und die Faust im Sack mache, werde ich als Nörgeli betitelt, damit kann ich sehr gut leben, mein Überdruckventil bleibt so verschont.
Über 3 Minuten in meinem Leben nerve ich mich nicht, dass sind die Nerven nicht wert. Es geht aber hier um ein etwas komplexeres Thema als 3 Minuten. Diesen Weitblick hat die SBB leider nicht. Wie Herr Hobi ja selber sagt, hat er selten viel Verspätung. Würde er täglich meine Verbindung befahren, sähe das Bild sofort anders aus. Allen die eine Problemstrecke fahren helfen Kommentare wie “es wird auf hohem Niveau reklamiert” und “sich über 3 Minuten Verspätung aufregen”, gar nichts.
Das Ärgernis wird immer schlimmer und Anstrengungen seitens SBB werden mit jedem Fahrplanwechsel zunichte gemacht.
So ist es und nicht anders. Ich habe meine Konsequenzen gezogen und mir einen Job in Basel gesucht und gefunden. Es müsste schon sehr viel geschehen, dass ich mich wieder in der Region Zürich anstellen lassen würde.
Für Ferienreisen gibt es nichts bequemeres als die Bahn. Wenn ich in die Ferien fahre habe ich viel Zeit. Ich lächle dann jeweils, ob der dann stattfindenden unnötigen Pünktlichkeit und auch über die pensionierten Leute, welche “nie Verspätung haben”, mit der superpünktlichen SBB…
So, nun wünsche ich der SBB einen guten Wochenstart, dann startet auch meine Woche gut ;-).
Nun, dennoch hättest du eben daraus lernen müssen und eben früher fahren – oder mit dem Chef flexiblere Arbeitszeiten ausmachen..
Klar ist das lästig, wenn Verbindungen nicht klappen….
Klar, meine Bude muss sich anpassen und ich muss den Fahrplan selber umstellen… Genau das dringt sehr oft als Dienstleistungsverständnis durch bei der SBB… Ich erwarte,dass ein Fahrplan, welcher für Verbindungen mit Umsteigen erstellt wird, dieser soweit stimmt und nicht, dass der Kunde sich darum kümmern muss. Logisch habe ich mich den Gegebenheiten angepasst und gehe entsprechend früh auf den Zug, wenn ich an wichtige Sitzungen muss, soviel habe ich schon gelernt..?
Ich verstehe deine Aufregung schon, ich habe auch acht Jahre lang Umsteigezeit von über 20 Minuten in Kauf genommen, obwohl es es eigentlich eine Verbindung gab, bei der ich innert paar Minuten umsteigen hätte können. Dies hat aber auch, wie bei dir, nur ab und an mal geklappt.
Ein Autofahrer hat das selbe Problem: Seine Strecke könnte er z.B. in 30 Minuten zurücklegen, aber denncoh muss vermutlich im morgen- und abendlichen Verkehr 45 bis 60 Minuten einrechnen, ob ihm jetzt 30 Routenplaner eine andere Zeit berechnen oder nicht.