Arbeiten während der grossen SBB-Störung

von Andreas Hobi am 3. September 2009 · 34 Kommentare

Folgende Meldung stand am Montag in den Zeitungen:

Eine Fahrleitungsstörung zwischen Thalwil und Horgen führte zu einem Unterbruch des Schienenverkehrs. Die Züge von Zürich nach Chur wurden über Winterthur und Buchs umgeleitet. Die Gesamtreisezeit verlängerte sich um 60 Minuten.

Ein Betriebsunterbruch ist immer eine ärgerliche Sache. Vorallem für die Reisenden, aber auch für das davon betroffene Personal. Wie “der Tag der grossen Störung” für einen Kondukteur aussah, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Busy mainstation
Bild © (cc) jaeschol (flickr.com)

Montag, 31. August 2009; 09:30 Uhr

Gestern bin ich erst gegen 01:15 Uhr nach Hause gekommen. Nach einigen Stunden Schlaf beginnt ein neuer Tag. Wenn ich wüsste, was heute auf mich zukommen wird, dann würde ich wohl noch ein paar Minuten im Bett liegenbleiben. Doch ich bin kein Hellseher, also stehe ich auf.

Ich mache die Morgentoilette, ziehe mich an und halte im Kühlschrank Ausschau nach etwas Essbarem. Ein Schoggibrüggeli, das ist heute mein Zmorge. Und eine Tasse kalte Milch. (Ich trinke keinen Kaffee.)

Daraufhin setze ich mich vor meinen iMac und schaue im Einteilungsprogramm nach, wie ich heute arbeiten soll. 16:01 Uhr bis 00:57 Uhr. Ich liebe Spätdienste! (Gehöre damit aber zur Minderheit in meinem Zugpersonal-Depot.)

Nun bearbeite ich einige eingetroffene Emails, moderiere die Kommentare auf schweizweit.net, werfe einen Blick in die Besucherstatistiken und lese über den RSS-Reader andere Blogs. Nach wie vor gehe ich von einem ganz normalen Arbeitstag aus.

Montag, 31. August 2009; 10:45 Uhr

Per Internet erfahre ich von der Fahrleitungsstörung im Raum Thalwil – Horgen. Diese Strecke werde ich heute am späten Nachmittag auch befahren. Ich bin aber zuversichtlich, dass die Störung bis dahin behoben sein wird.

Trotzdem behalte ich die Newsmeldungen im Auge.

Die Züge von Zürich nach Chur werden also über Winterthur – St. Gallen – Romanshorn Rorschach umgeleitet. Die Reisenden müssen mit Verspätungen von 60 Minuten rechnen. Mir tun die Kollegen leid, welche auf diesen Zügen Dienst tun müssen.

Montag, 31. August 2009; 15:00 Uhr

Die Fahrleitungsstörung dauerte deutlich länger, als ich erwartet hätte. Nun scheint sich die Lage aber zu normalisieren. Ich schalte meinen iMac ab, schaue noch eine halbe Stunde fern und mache mich dann bereit für die Arbeit.

Gegen 15:30 Uhr verlasse ich das Haus, gegen 15:34 Uhr bin ich im Bahnhof. Hat schon seine Vorteile, ein solch kurzer Arbeitsweg. Tatsächlich habe ich es fertig gebracht, Ende Juli in eine Wohnung zu ziehen, welche zwar nur vier Gehminuten vom Bahnhof entfernt ist, von der aus man den Bahnhof aber weder sieht noch hört.

Im Bahnhof angekommen gehe ich durch eine unscheinbare Türe, welche sich nur mit einem elektronischen Chip öffnen lässt. Dann geht es zwei Treppen hinauf; die erste sportliche Betätigung an diesem Tage.

Den Lift lasse ich links liegen, dem traue ich nämlich nicht. Schon öfters hat er mich nicht dorthin gebracht, wo ich eigentlich hin sollte. Manchmal drückt man den Knopf für das Obergeschoss, wird aber in den Keller hinunter befördert. Ein anderes Mal schliessen sich zwar die Türen, doch der Lift bewegt sich nicht und gibt die Türen auch nicht wieder frei.

Das letzte Mal, als ich mit diesem Lift im dunklen Keller landete, das war gestern. Christian Hauser kann es bezeugen. :) Doch dort lag der Fehler bei uns selbst. Wir standen zu viert im engen Lift und irgendjemand muss wohl den falschen Knopf gedrückt haben…

Montag, 31. August 2009; 15:55 Uhr

Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Ich habe meine Arbeitsgeräte und -dokumente aus meinem persönlichen Spind genommen, das Zugpersonalgerät zum Laufen gebracht, das Handy eingeschaltet, das Datum in der Zange auf den 31.08. gestellt, meinen Tourenbeschrieb für den heutigen Tag ausgedruckt, im Computersystem nach allfälligen Gruppenreservationen für meine Züge gesucht, mich mit Kinderbilletten ausgestattet und vieles mehr. Was man halt so macht, bevor es ernst gilt.

Um 16:09 Uhr fährt mein Zug, so steht es im Computer. Es ist nun 15:58 Uhr, höchste Zeit, aufs Perron zu gehen. Dort angekommen, läutet mein Telefon. “Wer will denn jetzt schon etwas von mir?”, schiesst es mir durch den Kopf. Es ist der Einteiler, wie ich auf dem Display erkennen kann.

  • “Hoi Andreas. Bist du schon auf dem Perron?”
  • “Natürlich! Soeben angekommen.”
  • “Ach, hättest nicht so pressieren müssen. Du fährst nicht mit.”
  • “Wie, was, warum?”
  • “Wir brauchen dich auf dem 586, um 17:09 Uhr, also in einer Stunde. Für den 582, den du eigentlich hättest begleiten müssen, kommt jemand anders.”
  • “Ah, ja so; dann gehe ich halt wieder.”
  • “Kannst noch ein bisschen bezahlte Pause machen. Ah ja, was ich noch sagen wollte: Der 586, der wird mit ein paar Minuten Verspätung abfahren. Dein Zug ist nämlich jetzt unterwegs von Zürich nach Chur via Winterthur – Rorschach. Es ist der letzte Zug, der noch so umgeleitet wird. Du fährst dann aber direkt von Chur nach Zürich, ohne Umweg über das St. Galler Rheintal.”
  • “Alles klar, dann weiss ich Bescheid. Danke dir!”

“Schwer enttäuscht” darüber, dass ich nun doch noch nicht mit der Arbeit beginnen kann und noch eine Stunde bezahlte Pause habe, gehe ich zurück auf Feld eins, sprich ins Depot.

Nun habe ich Zeit, mich um ein anderes Problem zu kümmern: Gestern Sonntag erhielt ich eine Einladung für einen Kurs, welcher am nächsten Donnerstag, 3. September, stattfinden soll. Ein “Lernbegleiter-Kurs”. Wusste gar nicht, dass ich überhaupt Lernbegleiter bin… Ok, ich hatte einmal einen Tag lang eine Lehrtochter dabei (die älter war als ich) und gestern kam der Christian Hauser als Schnupperstift mit. Aber ob es deswegen gleich einen Kurs braucht?

Kommt hinzu, dass ich am Donnerstag eigentlich einen arbeitsfreien Tag eingeteilt und den Tag bereits verplant habe. Und auf der Einladung steht nur:

Sie sind für die Lernbegleiter/innen-Schulung am 03.09.2009 angemeldet. (…)

Wir wünschen Ihnen einen interessanten Kurs und viel Vergnügen.

Freundliche Grüsse

XY

Entschuldigung! Wo findet der Kurs statt? Und wann? Was muss ich mitbringen? Was muss ich vorbereiten? Zu diesen Fragen finde ich in der “Einladung” keine Angaben. Und auch im Einteilungsprogramm und in der Online-Lernplattform der SBB lässt sich nichts dazu finden.

Doch die Einladung gilt mir, dass ist offensichtlich. Denn oben steht mein Name.

Zu allem Übel lassen sich auf dem Brief auch keine Telefonnummern oder Email-Adressen finden, mit denen ich bei den unterzeichnenden Personen mal nachfragen könnte.

Jetzt liegt der Ball bei meinem Chef. Soll der sich mal um das ominöse Schreiben kümmern. Ich kann damit jedenfalls nichts anfangen.

Montag, 31. August 2009; 16:45 Uhr

Die “Zwangspause” in Chur ging rasch vorüber. Nun versuche ich es nochmals und begebe mich zum zweiten Mal an diesem Tag aufs Perron. Auf der Anzeigetafel steht, dass mein Zug 15 Minuten Verspätung haben wird.

“Naja, könnte schlimmer sein.”, denke ich mir. In der Zwischenzeit beantworte ich die zahlreichen Fragen der auf dem Perron stehenden Fahrgäste.

Viele wollen wissen, welcher Zug schneller in Zürich ist: Meiner oder derjenige, der um 17:16 abfährt und bereits im Bahnhof steht. Ich rechne damit, dass wir gegen 17:24 Uhr in Chur abfahren können und dass wir bis Zürich nirgends eine Möglichkeit haben, den anderen Zug zu überholen. Deshalb sage ich den Reisenden, dass der andere Zug sehr wahrscheinlich kurz vor uns in Zürich eintreffen wird.

Auf die Frage, um welche Zeit denn unser Zug in Zürich sei, wage ich eine Prognose und teile den Leuten mit: “Ich rechne damit, dass wir gegen 18:50 Uhr in Zürich HB eintreffen.” Es ist jetzt ungefähr 17:05 Uhr und ich schätze, dass wir um zehn vor sieben in Zürich sind. Ein Fahrgast sagt mir, er finde es mutig, jetzt schon eine Prognose zu machen und er werde mich dann beim Wort nehmen.

Montag, 31. August 2009; 17:22 Uhr

Mein Zug trifft in Chur ein. Ich muss noch eine Bremsprobe machen und dem Lokführer die Belastung abgeben, ihm also mitteilen, was für Wagen er hinter sich her zieht. Für diese Aufgaben rechne ich mit ungefähr 10 Minuten. Glücklicherweise sind mir der ankommende Lokführer als auch der ankommende Zugbegleiter dabei behilflich.

Beide hätten vor eineinhalb Stunden Feierabend gehabt und könnten jetzt eigentlich umgehend nach Hause gehen. Die SBB zahlt ihnen nichts dafür, dass sie noch länger bleiben und mir helfen.

Doch für einen Bähnler ist es Ehrensache und eine Selbstverständlichkeit, alles zu unternehmen, um einen verpäteten Zug so rasch als möglich wieder fahren zu lassen. Deshalb helfen mir die beiden, so dass ich und vor allem meine Fahrgäste möglichst wenig zusätzliche Verspätung erhalten.

Schlussendlich bringen wir es fertig, dass der Zug den Bahnhof Chur um 17:32 Uhr verlässt. Mit einer Verspätung von 23 Minuten düse ich nun mit meinen Fahrgästen in Richtung Zürich.

Eigentlich hätte mein Plan für heute folgendes vorgesehen:

16:09 – 18:27 Uhr: Chur – Zürich – Basel
18:33 – 19:26 Uhr: Basel – Zürich
19:40 – 20:00 Uhr: Zug vorbereiten in Zürich
21:04 – 21:50 Uhr: Zürich – Luzern
22:10 – 22:56 Uhr: Luzern – Zürich
23:12 – 00:45 Uhr: Zürich – Chur

Nun schaut alles danach aus, als ob ich heute nicht nach Basel fahre, sondern in Zürich warte, bis ich den 20:00-Zug vorbereiten kann.

Montag, 31. August 2009; 18:17 Uhr

Die Kontrolle ist beendet, alle offenen Fragen der Reisenden beantwortet. Im Dienstabteil warte ich nun, bis wir in den Zimmerbergtunnel einfahren. Sobald wir in diesem Tunnel sind, dauert es noch ungefähr 12 Minuten bis zum Hauptbahnhof Zürich.

Kaum eingefahren, starte ich mein Zugpersonalgerät auf und erkundige mich online über die Anschlussmöglichkeiten für meine Fahrgäste. Ihre fahrplanmässigen Anschlüsse sind natürlich alle seit rund 20 Minuten bereits weg, deshalb schaue ich nun, wann die nächsten Anschlusszüge fahren.

Daraufhin gebe ich die Informationen per Lautsprecher an die Reisenden weiter.

Zürich HB
Bild © (cc) W*** (flickr.com)

Montag, 31. August 2009; 18:53 Uhr

“Geschätzte Fahrgäste, wir treffen in Zürich Hautbahnhof ein!”

Drei Minuten später als ursprünglich (in Chur) prognostiziert erreichen wir unser Ziel. Da lag ich nicht mal so sehr daneben. Normalerweise würde der Zug noch nach Basel weiterfahren. Doch infolge der grossen Verspätung endet er heute ausserordentlich in Zürich. Glücklicherweise haben jene Fahrgäste mit Destination Basel bereits um 19:02 Uhr einen direkten Zug nach Basel.

Nachdem alle Fahrgäste ausgestiegen sind, gehe ich nochmals durch den Zug und versichere mich, dass er wirklich leer ist und niemand meine Durchsage überhört hat. Denn sowas kommt immer mal wieder vor.

Als auch das erledigt ist, begebe ich mich in die Personalräume. Dort treffe ich jenen Mitarbeiter, der eigentlich um 16:09 Uhr mit mir nach Basel hätte fahren sollen. Und in Basel wäre er dann mit dem 19:17 Uhr – Zug nach Luzern gefahren, wo wir uns wieder getroffen hätten.

Nun ist es 19:05 Uhr und er sitzt in Zürich. Scheint so, als sei auch sein heutiger Plan über den Haufen geworfen worden. Ich frage ihn, wie seine Tour heute aussieht.

So wäre es für ihn eigentlich vorgesehen gewesen:

16:09 – 18:27 Uhr: Chur – Zürich – Basel
19:17 – 20:30 Uhr: Basel – Luzern
22:10 – 22:56 Uhr: Luzern – Zürich
23:12 – 00:45 Uhr: Zürich – Chur

Doch statt von Zürich über Basel nach Luzern zu fahren, wartet er nun bis kurz vor 21 Uhr, um dann mit mir um 21:04 Uhr von Zürich nach Luzern zu fahren. Auf diesem Zug wäre ich sonst alleine. Umso mehr freue ich mich nun, dass er mich begleitet.

An dieser Stelle muss ich dann auch gleich auf etwas hinweisen, von dem die meisten Fahrgäste gar nichts mitbekommen: Rund um die Störung sind dutzende Mitarbeiter der SBB damit beschäftigt, Zugpersonal, Lokführer und Rollmaterial so zu disponieren, dass es zu möglichst keinen Zugausfällen kommt.

Wie schwierig das ist, kann man sich nur in Ansätzen vorstellen. Nur wenn Zugpersonal UND Lokführer UND das Rollmaterial vorhanden ist, kann der Zug auch wirklich fahren. Wenn bei einer Störung nun die ganze Planung über den Haufen geworfen wird, ist es sehr schwierig, den Betrieb doch noch einigermassen am Laufen zu halten. Ein grosses Kompliment deshalb an dieser Stelle an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Dispo-Zentralen, welche immer wieder unglaubliches leisten!

Montag, 31. August 2009; 21:04 Uhr

Das Chaos hat sich gelegt. Nun läuft alles wieder planmässig. Von diesem Punkt an geht meine Tour so weiter, wie ursprünglich vorgesehen. Die Fahrt nach Luzern verläuft ruhig und ohne erwähnenswerte Zwischenfälle. In Luzern steigen dann viele Besucher des Lucerne Festival ein. Darunter auch – wie schon gestern – ein früherer Tagesschau-Moderator mit seiner Frau. Ein Moderator, der bekannt war für die Aussage “zum Schluss noch dies”.


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Michi September 3, 2009 um 18:41

Die Züge wurden über Winterthur – St. Gallen -Romanshorn umgeleitet? Die Extraschlaufe hätte den Reisendenbestimmt gefallen. Auf die Stunde Verspätung die dann noch dazu gekommen wäre, wäre es bestimmt auch nicht mehr so angekommen ;)

Antworten

Chrigu September 3, 2009 um 19:29

Jaja, der Lift in Chur. War wohl ich schuld.. :-)

Und dann diese enorm tiefen Züge, wo ich dauernd den Kopf angeschlagen habe… :-)

War cool, dass ich dich begleiten durfte!

Antworten

Andreas Hobi September 3, 2009 um 19:34

@ Chrigu:
Ja da musst du dem Stv. meines Chefs danke sagen. ;-) Habe erst jetzt gesehen, dass dein Login-Artikel ja online ist… Gleich mal lesen gehen!

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Chrigu September 3, 2009 um 19:41

Ui, da hast du aber viiiel zu lesen =)

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Andreas Hobi September 3, 2009 um 19:50

@ Chrigu:
Das habe ich auch gemerkt! Kommentar habe ich schon geschrieben.

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Chrigu September 3, 2009 um 19:55

@Andreas:
Kommentar gesehen und veröffentlicht. Danke!

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Dominik September 3, 2009 um 20:44

Danke für den Artikel. Ich denke, viele Reisende vergessen immer wieder, wieviel Disposition im Hintergrund selbst bei einer kleinen Störung nötig ist…

Was kann ich mir eigentlich unter “19:40 – 20:00 Uhr: Zug vorbereiten in Zürich” vorstellen?
Musstest du da einen abfahrenden Zug vorbereiten, den du nachher gar nicht begleitet hast?

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Andreas Hobi September 3, 2009 um 21:14

@ Dominik:
Genau so ist es. :)

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Alain September 3, 2009 um 22:43

Ich finde dass nicht nur die Dispo Zentralen, sondern auch die Mitarbeiter für ihre Flexibilität erwähnt werden sollten:D:D:D

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Andreas Hobi September 3, 2009 um 23:30

@ Alain:
Und die Mitarbeiter/innen der Bahnhöfe und zentralen Dienste, welche bei Störungen als Kundenlenker (in gelben Leuchtwesten) im Einsatz stehen. ;-)

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Gumbo September 4, 2009 um 11:31

Die Störungen häufen sich. Gestern morgen in Hardbrücke Faden heruntergerissen. Weitreichende Verspätungen im Bereich HB. Ich komme zu spät zur Arbeit.

Antworten

Andreas Hobi September 4, 2009 um 11:37

@ Gumbo:
Ich denke nicht, dass sie sich häufen. Sie haben einfach grössere Auswirkungen als früher.

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Hermi September 5, 2009 um 00:44

Wurden die züge wirklich über St.Gallen umgeleitet? Kann ich mir nichtvorstellen. Denn dann wäre ja jedesmal eine Schiebelok benötigt worden. Eher Romanshorn und über die Schlaufe. Interessanterweise wurde es im NAVI-Go auch so komuniziert (SG-ZH).

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Andreas Hobi September 5, 2009 um 09:34

@ Hermi:
Auf jeden Fall Winterthur – Rorschach. Dazwischen weiss ich nicht. Wo braucht es denn die Schiebelok?

Antworten

Marcel Manhart September 5, 2009 um 11:14

Gemäss älteren Umleitungs-Zirkularen wurden die Züge wegen der Steigung zwischen Rorschach und St. Gallen tatsächlich via Romanshorn VL umgeleitet.

Nun verkehren diese Umleitungszüge (IC Basel – Zürich – Chur und ÖBB-EC Zürich – Buchs – Wien) aber via Winterthur – Wil – St. Gallen nach Rorschach – Buchs und nur noch in sehr seltenen Fällen via Romanshorn VL.

In der Regel ist auch ein komerzieller Halt in Winterthur und in Buchs (SG) vorgesehen.

Siehe auch Foto vom Abfahrtsanzeiger in Buchs (SG) bei meinem Bericht vom 2. Sept:
http://info24.jimdo.com/2009/09/02/störungen-auf-dem-sbb-netz-am-31-august-2009//

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Hermi September 5, 2009 um 23:43

Du hast recht Marcel. Habe mich da mal schlau gemacht.
Die Normallast einer Re460 bei 26prom. beträgt 650t. meines wissens ist RS-SG 26prom.
wenn wir jetzt de IC mit 7wg zu jew. ~63t rechnen gäbe das 441t (504t bei 8wagen). Was sogar das Anhängen von Zusatzwagen noch ermöglichen würde.

@Andreas
ein schiebdienst wäre von RS nach SG notwendig wenn der IC(2000) eine anhängelast von 650t übersteigen würde. Dies war bis zum Fahrplanwechsel 06/07 jeden morgen 2x der fall als der IC am abend noch bir RS ind die UA und am morgen den wieder nach ZH fuhr. Als schiebelok kam dann jenachdem eine Re4/4 oder sogar eine Ae6/6 zum einsatz. Und wurde in SG wieder abgehängt. Heute ist das ja leider nicht mehr so und der schiebedienst ist selten zu beobachten. Um von dort einen anderen zg zu übernehmen. Ich habe leider nie herrausgefunden wer diese loksstellt. Ich vermutemal da wurden gerade die genommen die rumstanden. :)

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Sandra-Lia September 7, 2009 um 22:16

SBB – Die SBB sollte sich langsam Gedanken machen, ob Andreas Meyer noch tragbar ist! Nach dem ja die S Bahn Berlin, deren Chef er früher war, im Sommer schon mal stand, steht jetzt schon wieder alles! Diesmal wegen einem Problem, das eigentlich scho…n seit 2004 bekannt ist. Fagt sich ja nur, wie lang es geht, bis es bei den SBB genau so chatoisch ist, weil dieser neoliberale Andreas Meyer alles zu tode Spart!

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Michael September 7, 2009 um 23:04

@Sandra-Lia

Über Meyer kann man streiten, sicherlich.
ABER: Woher bekommt die SBB (als quasi Staatsbetrieb) das Geld für die nötige Infrastruktur? Die Trassenpreise waren anfangs auf einem rentablen Niveau, bis sie von Bundesbern als zu teuer empfunden wurden. Seit dem wurden diese mehrfach gesenkt, wodurch die Infrastruktur alleine nicht mehr tragbar ist. Logische Konsequenz, es muss auf der einen Seite gespart werden. Die andere Seite bedeutet, dass mehr Einnahmen durch höhere Ticketpreise eingefahren werden müssen. Gewissen Leuten in Bern muss auch klar werden, dass die SBB ein Recht haben muss, die Preise für Trassen so festzulegen, dass auch der Unterhalt finanziert werden kann.
Aber wenns nicht einmal mit der Pensionskasse richtig gemacht wird, weshalb dan mit dem ganzen Betrieb…
Ist mir nur diesen Sommer wiedermal aufgefallen, die SBB steht sofort wegen allem in der Kritik… Aber die Post (ähnliche Verhältnisse wie bei der SBB) baut Stellen ab trotz vielen Millionen Gewinn, verschlampt immer mehr Post etc, aber Kritik wird keine laut. Logisch, denn auf die Bahn sind wir alle angewiesen. Aber zeigen wir dies und unterstützen dies? Immer mehr Züge fordern immer mehr Unterhalt und nicht umgekehrt.

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Sandra-Lia September 7, 2009 um 23:16

Was Post betrifft: ich bin wohl die grösste Gegnerin der “Personen ohne Sinnvolle Tätigkeit”, wir können alles, nur keine Post austragen, und schon gar nicht lesen (usw). Die Post hatte letzes jahr allein von mir 12 Strafanzeigen wegen Postgeheiminsverletzung, wegen Betrug und anderer Delikte bekommen, weil sie eben total unfähig ist.

Bei den SBB gehts halt erst so Bergab, seit Mayer da is. Natürlich, was du erwähnt hast, ist nicht gut, danke an die SVP, an dieser Stelle.

Gscheiter wäre vllt. wenn die Infrastruktur durch eine unabhängige Staatliche Gesellschaft gewartet werden müsste.

Antworten

Michael September 7, 2009 um 23:24

Da gibt es aber nicht nur Meyer, der dazu gekommen ist. Ob dies also im direkten Zusammenhang mit ihm steh wage ich nicht zu behaupten.
Aber solche “Versäumnisse” wirken sich erst nach gewisser Zeit aus, das stimmt. Was jetzt gespart wird, das rächt sich in einem oder zwei Jahren extrem. Vielleicht ist dies jedoch auch ein leiser Hilferuf an die Bevölkerung. Die SBB hat selbst wohl am wenigsten Freude an den Störungen. Irgendwann ist man an einem empfindlichen Punkt angelangt, ich zitiere Weibel, die Zitrone ist ausgepresst, wir brauchen eine neue Zitrone.

Der Ansatz einer staatlichen Infrastruktur gefällt mir an und für sich. Doch im System SBB existieren viele Zusammenhänge, wodurch eine solche Trennung wohl nur sehr schwer wäre. Zumal die SBB dies sicherlich nicht gerade feiern würde.
Wäre aber sicher eine Alternative… oder analog dem Flugverkehr mit SkyGuide.

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Brummbaer September 8, 2009 um 08:32

Sowas gibt es ja schon. Trasse Schweiz ist die unabhängige Trasse vergabe Stelle. Was den Unterhalt betrifft, spielt es meines erachtens keine Rolle wär das jetzt macht. Wenn diese Staatlich Stelle auch kein Geld bzw. zu wenig Geld hatt dafür..,,,? Da wären wir wieder bei den Trassenpreisen und beim Bund, also bei der Politik…. und da ist nicht nur die SVP schuld sondern so ziemlich alle. Verlagerung von der Strasse auf die Schienen das heisst die Trassepreise runter, wir haben ja auch kein Geld also gibts vom Bund auch nicht mehr.

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Sandra-Lia September 8, 2009 um 11:00

Die Trassestelle ist zwar sehrwohl unabhängig, doch die Trasses werden von den SBB / BLS etc gewartet und in Standgehalten. Was ich halt interessannt finde, ist, die Tatsache, dass man im Strassenverkehr genug Geld hat, um das wesentlich grössere System am Leben zu halten, obwohls weniger Transportkapazität und Umweltschädlicher ist, als der Schienenweg!

Antworten

Martin September 23, 2009 um 13:22

Das die Trassenpreise gesenkt wurden wäre mir neu, Wie hoch sind sie den?
Wen der Spardruck, der bei der Zugführung herrscht, auch bei der Infrastruktur und Verwaltung eingeführt würde, könnte man die Trassenpreise stark senken und auf Subventionen ganz verzichten.
O.K. die Personalzufriedenheit würde sich dan auch der von Lokführern nähern

Antworten

Hermi September 23, 2009 um 15:00

wieso sind eigentlich immer die lokführer unzufrieden? was ist mit den Wagenreiniger die sind um einiges schlimmer dran. Oder das zugpersonal das chronisch unterbesetzt ist und dauernd angepöbelt wird. Oder der Rangierer der immer mehr arbeit in weniger arbeitszeit erledigen soll. oder wie bereits erwähnt der Wagenreiniger, si reinigen die züge mit 5 mann obwohl 8 nötig wären um ein mindeststandard halten zu können was ist mit all denen die nicht erwähnt wurden? aber nein immer nur die Lokführer. sie sind ja soooo arm dran. sorry aber das musste mal gesagt werden obwohl es nicht zum thema gehört.

Antworten

Martin September 24, 2009 um 01:11

Diese Frage ist sehr wichtig. Es liegt bestimmt nicht an den Genen, auch nicht an der Religion oder der Rasse der Lokführer. Nein, sie haben einfach den meisten Grund unzufrieden zu sein. Ein andere Erklärung ist unlogisch. Eine ausführliche Antwort würde den Rahmen sprengen, nur soviel, dass was abläuft ist Mobbing im grossen Still.

Antworten

Hermi September 24, 2009 um 08:40

Das mit dem Mobing im grossen Stil hör ich seit ich bei den SBB bin. Aber eine wirklich plausible erklärung hatt mir noch keiner gegeben.

Antworten

gumbo September 28, 2009 um 09:31

Das Zugpersonal ist auch nicht zufrieden.
Es herrscht Personalmangel seit langer Zeit.
Die Zugbegleiter müssen sich dauernd bei den Kunden für Unzulänglichkeiten, auch duch die Sparmassnahmen bei Reinigung und Unterhalt, rechtfertigen.
Dazu kommt die Misere mit der Pensionskassen…

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Hermi September 28, 2009 um 20:21

Also die gleiche situation wie in der ganzen Firma.

Antworten

Martin September 29, 2009 um 00:58

Die schlechte Pensionskasse betrifft nicht alle gleich. Büroangestellte können leichter bis 65 arbeiten als Personal das höchsten medizinischen Anforderungen genügen muss und Morgens um 2 Uhr aufstehen “darf”.
Beim Zugpersonal hat es vielleicht auch Personalmangel, nur wird hier einfach der Zug nicht mit Zugbegleiter besetzt. Die ganzen Unannhemlichkeiten bleiben so beim (ausser Billetkontrolle) Lokführer hängen.
D.H. der Unterbestand bleibt beim Lf hängen, der die Arbeit nun alleine machen muss.

Auch muss gesagt werden das Zugbegleiter heute keine Arbeistintensiven Schletzerzüge mehr haben auch das anspruchsvolle Züge rückstellen fehlt heute und in Zukunft werden sie zu 2. auf dem Zug sein, während der Lokführer bei unbegleiteten Zügen alleine ist, obwohl nur schon die Arbeitsbelastung einen 2. Lokführer gerechtfertigen würde, abgesehn davon kommt der Lokführer auch mit den Passagieren in Kontakt. Dafür ist bei den Zugbegleitern der Lohn gestiegen, bei den Lokführern verhält es sich genau gegenteilig.

Antworten

gumbo September 29, 2009 um 12:21

Schletzerzüge schon nicht. Habe ich noch benutzt. Die Leichtstahlwagen mit ihren Falttüren waren bedeutend schlimmer als die alten Schwingtüren von vor dem Krieg.
Auch habe ich kürzlich beobachtet, dass z.B. zwischen Zürich und Bern ein Doppelstockzug mit zwei Mann so aussah: Der hintere Teil bis etwa ein Wagen vor dem Buffettwagen war kontrolliert. Als ich durch den Zug zum Steuerwagen lief, sah ich etwa auf Höhe Aarau beide Zugbegleiter in einem Abteil gemütlich am Plaudern. Im Steuerwagen, den ich in Bern verliess, hörte ich Reisende (mit Velos) zueinander sagen: Gäll, de Kondiktör isch iez nie cho? Näi, isch ned cho.
So geht’s natürlich nicht…

Antworten

Hermi September 29, 2009 um 19:25

Nein so gehts wirklich nicht. zum glück ist dies, zumindest nach meiner erfahrung, sehr selten. Aber ihr dürft nicht vergessen dass sich auch die Arbeitsbelastung für den Rangier alleine in den letzten zwei Jahren fast verdreifacht hat. das zugpersonal wird entlastet Lokführer werden angemietet und ausgebildet, auch sie werden, wenn auch nur langsam durch “vermehrung” entlastet. was aber beim Rangier überhaupt nicht zutrift genaugenommen ist sogar das gegenteil der fall.
In chur sind es zurzeit 16 diensten am tag hinzu kommen noch die Verstärkungsdienste welche mit 27 Rangierern abgedeckt werden. Dazu kommen dann noch die ferien TP’s und alles andere. Trotzdem höre ich selten dass ein Rangierer oder jemand vom zugpersonal jammert. Nur di Lf’s sind immer am jammern.

Antworten

DR Oktober 5, 2009 um 23:22

Ui, da hast du aber viiiel zu lesen =)

Antworten

Martin Oktober 9, 2009 um 10:56

@Hermi
Bin selbst manchmal am Rangieren, du kannst mir also keine Geschichten erzählen. Durch den Einsatz von Pendelzügen gibt es im Rangier weniger zu tun. Das gilt auch für Chur. Zudem wurden die Löhne im RD erhöht. Auch die Arbeitszeiten wurden im RD nicht so stark wie bei den Lokführern verschlechtert (flexibilisiert). Lokführer jammern nicht sondern sie machen auf unhaltbare Zustände aufmerksam. Mobbingopfer jammern aus Sicht des Täters immer und wenn man immer wieder hört das jemand gemobbt wird, dann muss man davon ausgehen das es wahr ist.

Jammern ist das was die Infrastruktur erfolgreich gemacht hat. In den Medien heulen das man kein Geld für den Infrastrukturunterhalt hat, dabei bedeutet 17% Mehrverkehr nicht automatisch 17% mehr Unterhaltskosten, denn die neuen Züge schonen das Trasse und die Verwitterung findet unabhängig vom Verkehr statt.
Abgesehen davon haben die Lokführer diesen Mehrverkehr sogar mit stark sinkenden Kosten erbracht, wieso funktioniert das bei der Infrastruktur nicht auch?
Zum Dank wird das zusätzliche Geld, dass nun in die Infrastruktur gepumpt wird, aus dem operativen Bereiche der SBB Cargo geklaut.

Antworten

Michael Oktober 9, 2009 um 14:30

Martin

Deine Argumente betreffend Infrastruktur finde ich schwach. Auch wenn heute Züge etwas “sanfter” mit der Infrastruktur umgehen, so bedeuten 17% Mehrverkehr auch einige Prozente mehr Unterhalt. Die Schienen werden trotz allem stärker belastet, die Fahrleitung erleidet einen höheren Verschleiss. Hinzu kommt, dass 17% mehr Züge auch 17% mehr technische Vorgänge bedeuten, sprich mehr Weichen, welche umgestellt werden müssen, mehr Signale, welche die Birnen irgendwann zum Kollaps bringen. Hinter dem ganzen verbirgt sich noch die ganze Stellwerktechnik, sprich Relais etc. Wenn diese Teile nicht gewartet werden entstehen unweigerlich Weichenstörungen, Signalstörungen und Stellwerkstörungen, welche nichts mit dem Rollmatieral zu tun haben, mit welchem du das Ganze hier runter spielen willst. Verwitterung findet ohne grösseren Einfluss des Verkehrs darüber statt, da kann ich zustimmen. Doch auch hier gilt, je mehr Verkehr, desto stärker werden die ganzen Bauten über die Jahre beansprucht.
Das grösste Problem an diesem System ist nun leider, dass Leute, welche stellwerktechnisch für den Unterhalt zuständig wären, sich mit einfacheren Arbeiten, wie beispielsweise Weichen schmieren, abfinden müssen. Daraus resultierende Störungen müssen mit Aufwand wieder beseitigt werden, womit die Ersparnis, welche man erhoffte, flöten geht.

Das du nun auch noch gleich von einem Raub der Infrastruktur aus dem Cargo sprichst… Cargo kann seine Erträge immerhin mehrheitlich selbst bestimmen, während die Infrastruktur unter den heutigen Umständen nie auch nur annähernd rentabel betrieben werden kann. Entweder müssen die Trassenpreise steigen (was wiederum Cargo nicht sonderlich helfen würde) oder es muss eine “externe” Unterstützung her.

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