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Mutig, mutig, was sich das deutsche Nahverkehrsunternehmen “Metronom” da vorgenommen hat: Auf allen Zügen führt die Firma ein Alkoholverbot ein. Etwas, das in der Schweiz wohl massiven Widerstand hervorrufen würde. Und das zurecht.
Wer ist die Metronom?
Mit rund 290 Mitarbeitern, 34 Lokomotiven und 195 Personenwagen fährt die “metronom Eisenbahngesellschaft mbh” auf Deutschlands Schienen. Genauer gesagt auf den Strecken Hamburg – Bremen, Hamburg – Uelzen – Hannover, Hannover – Göttingen und Hamburg – Cuxhaven.
Insgesamt 6 Eisenbahnlinien, 56 Haltestellen, 510 Kilometer Liniennetz.
Auch wenn die Metronom von der Grösse her nicht mit der Schweizerischen SBB mithalten kann, so gibt es doch einige Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten: Die erzielte Pünktlichkeitsrate der Metronom-Züge liegt bei 95 Prozent und die Fahrgäste werden in den Zügen persönlich und laut der eigenen Kundenzeitschrift “momente” betont freundlich durch das Zugpersonal begrüsst. An Umsteigebahnhöfen werden die Anschlussmöglichkeiten durchgegeben und an den Endhaltestellen die Fahrgäste verabschiedet.
Was es bei der SBB nicht gibt (und hoffentlich auch nie geben wird): Die “Stammplatz-Reservation”. Pendler können für ein entsprechendes Entgeld “ihren” Stammplatz reservieren und haben so jeden Morgen einen Sitzplatz – “ihren” Sitzplatz – auf sicher.
Fahrgäste wollen (anscheinend) keinen Alkohol
Im Frühsommer 2009 fragte das Unternehmen seine Fahrgäste, ob sie ein Alkoholverbot in den Zügen wünschen. 5’000 Fragebögen kamen zurück, davon sprachen sich 4’200 Reisende für ein Verbot aus. Stolze 84 Prozent!
Mich hat diese hohe Zustimmungsrate sehr erstaunt. Und ich glaube, viele der Umfrage-Teilnehmer haben da etwas falsch verstanden…
Klar, nach Grossereignissen, Stadtfesten und Fussballspielen gibt es hin und wieder Probleme mit betrunkenen Fahrgästen. Aber ist das wirklich ein Problem, welches ein Eisenbahnunternehmen lösen kann? Ich denke nicht.
Das Problem besteht ja nicht darin, dass sich die Leute im Zug besaufen und dann Krawall machen. Viel eher ist es ja so, dass sie ihre Birne bereits volllaufen lassen, bevor sie überhaupt beim Bahnhof sind. Verhindern kann man das nicht. Ausser man verbietet den Alkohol gleich landesweit, aber das wäre ja völliger Blödsinn.
Wie dem auch sei, klüger wäre es, die Metronom würde Massnahmen ergreifen, so dass bei problematischen Fahrgästen schneller reagiert werden kann. Sicherheitskonzept überdenken, ein paar Kameras aufstellen, Besucher von Fussballspielen auf dem Weg vom Stadion zum Zug überwachen, schnelle Eingreifmöglichkeiten für Sicherheitskräfte in den Zügen.
Unsinniges Alkoholverbot
Nun, wer mich kennt, der weiss: Ich bin keiner, der unnötig viel Alkohol trinkt. Zu speziellen Anlässen gerne, im Ausgang auch mal ein Glas, aber mehr muss nicht sein. Notfalls könnte ich auch gut ohne alkoholische Getränke überleben.
Trotzdem stelle ich mich zu 100 110 Prozent hinter die Gegner eines Alkoholverbotes im öffentlichen Verkehr. Ganz einfach, weil ich es als absolut überflüssig erachte. Täglich bin ich um die acht Stunden in Zügen der SBB unterwegs und noch nie hatte ich Probleme mit einem Fahrgast, weil Alkohol im Zug konsumiert wurde. Mit einem Alk-Verbot werden die Leute nur unnötig provoziert und bringen tut es, um ehrlich zu sein, genau nichts.
Comedy-Ansagen: Auch ‘ne Lösung
Vorläufig jedoch versucht die Metronom, die problematischen Fahrgäste auf eine ganz unkonventionelle Art und Weise in den Griff zu kriegen: Mit Comedy-Ansagen!
“Mein Gefühl sagt mir, dass wir dort halten werden.”, raunt dann zum Beispiel eine Stimme aus den Lautsprechern, die ganz nach Akte-X-Agent Scully klingt. An einem anderen Bahnhof hört man dann den Udo Lindenberg: “Cadenberge – Auch ‘ne schöne Adresse, haben leider kein Atlantic-Hotel hier.”
Die Stimmen kommen jedoch nicht von den Promis selbst, sondern von einem professionellen Sprecher, der alle möglichen Leute von Dieter Bohlen bis Peter Maffay parodiert. Zu diesen speziellen Durchsagen sagt Metronom-Sprecherin Tatjana Festerling auf welt.de: “Wir setzen auf den Überraschungseffekt. Es ist ein Trumpf, den wir aus dem Ärmel ziehen, wenn die Stimmung in Zügen aufgeheizt ist, eine Möglichkeit, die Fahrgäste abzulenken.”
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Ich staune jeweils auch über Alkohol-trinkende Passagiere im öffentlichen Verkehr … Hauptsache, Essen und Trinken im Allgemeinen bleibt erlaubt, denn darin liegt ein grosser Vorteil des ÖV gegenüber dem Individualverkehr.
@ MDS:
Ja, ich hoffe auch, dass das Ess- und Trinkverbot der Basler Trams in der restlichen Schweiz nicht Schule macht.
Finde dies auch überflüssig. In Kanada war es z.B. so, dass man nur im Barwagen oder eigenen Schlafwagenabteil etwas trinken durfte. Dies vor allem wegen dem Jugendschutz. In den USA ist es ähnlich. Als ich dann meinen Wein bezahlt hatte und Richtung Abteil wollte damit, hiess es: Aber nur im Papiersack, das ist Vorschrift.
Immer noch besser als ein Verbot.
Schauen wir doch die romanischen Länder an: Die Kinder lernen schon von klein auf, mit Wein etc. umzugehen. Am meisten Alkoholprobleme gibt es in den nordischen Ländern, wo es Verbote und hohe Steuern darauf gibt.
Was es bei der SBB nicht gibt (und hoffentlich auch nie geben wird): Die “Stammplatz-Reservation”. Pendler können für ein entsprechendes Entgeld “ihren” Stammplatz reservieren und haben so jeden Morgen einen Sitzplatz – “ihren” Sitzplatz – auf sicher.
Dachte, so was sei in Planung bei der SBB.. hab jedenfalls solche Gerüchte gehört!
Was das Alkverbot angeht: Manchmal wärs echt nicht schlecht, wenns so was gäbe.. Immerhin sind Leute, die sich Besaufen nicht gerade angenehm…
@ Sandra-Lia:
Ich hoffe nicht, dass die Stammplatz-Reservation kommt.. Ansonsten: Viel Vergnügen mit den unzähligen Diskussionen! ;-)
Ich war so frei mich tiefer in die MAterie einzulesen. Das Ergebnis mündete in einen offenen Brief an Metronom: http://tiny.cc/metronom
Ich hoffe sehr auf Antworten, da ich nicht glaube, dass immer mehr Verbote auch für Unbescholtene dazu taugen gesellschaftliche Fehlentwicklungen zu stoppen.
Es grüßt Cornelius H.
JA, so siehts aus!