Das ist ja jetzt mal eine echt dreiste Sache. Da betrügt einer die SBB mit voller Absicht und meldet sich dann bei einem Kondukteur, um in Erfahrung zu bringen, wie er nun möglichst billig weg kommt. Hier die ganze Geschichte:

Bild © (cc) lazytom (flickr.com)
Aus drei mach acht
Mobilität kostet. Egal ob ich mit dem Auto unterwegs bin oder mit dem Zug, gratis ist es so gut wie nie. Während man beim Benzinkauf kaum betrügen kann (Sprit gibt es ja normalerweise nur gegen Bares), so versuchen es beim öffentlichen Verkehr hin und wieder ein paar Leute.
Im ÖV ist es ja auch deutlich einfacher, zu betrügen. Doch wer dabei erwischt wird, der muss dann halt auch mit den Konsequenzen leben können.
Es gibt viele Arten, wie man betrügen kann: Ohne Billett reisen und sich vor der Kontrolle verstecken, das GA der Kollegin nehmen oder ein altes Billett manipulieren.
Letzteres hat auch unser Betrüger – nennen wir ihn mal Bodo* – gemacht.
Bodo hatte eine super Idee. Glaubte er zumindest. Aus seinem März-Abonnement machte er kurzerhand ein August-Abo. Aus einer “3″ wurde eine “8″. Hier der Auszug aus dem Original-Email, welches an schweizweit.net gesendet wurde:
Sehr geehrte Damen und Herren
Aus finanziellen Gründen habe ich aus meinem März Abonnement ein
August Abonnement “gebastelt”, natürlich flog die Sache auf und ich
werde nun in den folgenden Tagen/Wochen eine Busse über 200 CHF
bezahlen müssen.
Dass die Sache auffliegen könnte, damit hat er wohl nicht im Traum gedacht. Zwar schrieb Bodo in seinem Mail “natürlich flog die Sache auf”, doch niemand fährt ernsthaft mit einem gefälschten Fahrausweis, wenn er davon ausgeht, sowieso erwischt zu werden.
Nun denn, die Gründe werden vielfältig sein, weshalb jemand versucht, die SBB zu betrügen. Fakt ist: Eine saftige Rechnung ist den Betrügern sicher. Und eine Anzeige lässt auch nicht lange auf sich warten.
Die Kondukteure werden unterschätzt
Was Bodo vielleicht gar nicht weiss: Er ist nicht der Einzige, welcher im August mit einem März-Abo fährt. Diese Taktik ist der SBB sehr wohl bekannt. Deshalb werden die Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter der SBB auch regelmässig für solche Betrugsversuche sensibilisiert und ausgebildet.
Glaubt mir: Wir kennen (fast) alle Tricks. Und ein Grossteil der Betrüger werden früher oder später auch erwischt. Betrug lohnt sich – zumindest bei der SBB – nicht.
Dass wir im August besonders viele gefälschte Fahrausweise entdecken, versteht sich von selbst. Denn in keinem anderen Monat lässt sich so leicht ein altes Abo selbst “erneuern”.
Doch auch in den anderen Monaten sind wir ständig auf der Hut. Wie gesagt: Wir kennen die Tricks. ;-)
* Name geändert und der Redaktion bekannt
{ 28 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }
Tja. schlussendlich wärs hald glich billiger gsi es billet z chaufe. Dummi lüüt gits hald scho. :)
@ Hermi:
Der macht das kein zweites Mal mehr. Das er versucht, zu betrügen, das ist ja das Eine. Dass er sich dann aber bei einem bloggenden Kondukteur nach Tipps erkundigt, das ist das Andere… :)
Tja, hätte er diesen Blog öfter gelesen, hätte er er auch gewusst, dass er von Andreas sicher keine Hilfe zu diesem Problem erwarten konnte :-)
Dass Andreas bei Betrügern kein Pardon kennt, wissen wir ja schon länger.
So muss es sein!
sägä jo Dummi lüt gits. aber es git jo zum glöck au netti und fründlechi. han gad letschti vo eim zwe Latte Macchiatto becho wellers nüm hett chönne trinke. das sind de die moment wo mer fgärn schaffet. :D
Vielleicht sollte man sich mal fragen, ob unser System, welches ja mehrheitlich auf Vertrauen aufbaut – allen Kontrollen durch Andreas zum trotz, wirklich Sinnvoll ist.
Ich habe ein U-Abo des TNW, aber wenn ich mir überlege, wie schnell ich mich bei guter Taktik einer Kontrolle entziehen kann, vorallem bei den SBB, dann wunderts mich nicht, dass Leute mit leichtem Hang zum betrügen diese Möglichkeit auch ausnutzen. Nicht alle hier in diesem durch Atomwaffen gefährdetem Land sind so ehrlich wie die schweizweit-Leser.
@ Piero:
Das hast du vollkommen Recht.
Ich denke, das ist eine Frage, die man sich nicht nur in Zusammenhang mit der SBB stellen muss. Vieles in der Schweiz beruht auf Vertrauen.
Es liegt an der Politik, solche Dinge zu thematisieren. An vielen Orten wäre es meiner Meinung nach sinnvoll, Kontrollen zu verstärken oder anders zu gestalten.
Hey, schönes Bild :-)
Schönes Foti. Gleich rechts siehst Du wo ich die meiste Zeit meines Lebens gelebt habe :)
Ausserdem frage ich mich, wie oft ich hier kommentieren muss, bis ich nicht mehr überprüft werden muss ;) oder ist das das Kontrolleur-Syndrom?
@ chliitierchnübler
erst wenn fingerprint und iris-scanner auf dem internet gespeichert und mit deinen Daten abgeglichen werden können. :D
Was mich persönlich immer wieder erstaunt, ist, dass ich in Intercity Zügen oftmals nicht kontrolliert werde. Klar lasse ich es darauf ankommen und tue nichts der gleichen wenn der Zugchef/Kondukteur kommt, ist schliesslich ein wenig Volkssport. Gefühlte 30% der Kontrollen fragen dann jeweils nicht nach dem Billet.
Sehe ich so unauffällig aus, dass alle Mitreisenden welche mit mir eingestiegen sind das Billet zeigen und ich nicht danach gefragt werde?
Dabei habe ich beobachet das Frauen dies schneller durchschauen als Männer. Zufall?
Wie auch immer. Als GA Nutzer kann ich mir solche Spässe erlauben, denke ich.
@ Chliitierchnübler:
Keine Ahnung, woran es liegt, dass deine Kommentare nicht sofort frei geschaltet werden. Bei allen anderen funktionierts. Hat Wordpress oder Akismet irgendwas gegen dich? ;-)
@ Camma:
Ich behaupte ja: Es gibt zu wenig Kondukteure. Nur streitet das die SBB vehement ab und verweist darauf, dass ja jetzt 125 neue ausgebildet werden bis 2012. Ich hingegen bin mir sicher: Gäbe es mehr Zugbegleiter, könnten wir auch die Kontrollen sauberer durchführen, ohne dass es zu solchen Erlebnissen kommt, wie du beschreibst.
Nun ja, ohne irgenwelche Details zu kennen, nehme ich mal an, dass auf den Abos noch weitere Kontrollnummern etc. zu finden sind, die irgendwie auf den “Original-Monat” hinweisen. Einfach aus einer 3 eine 8 machen, und seis noch so professionell, wird da wohl nicht reichen.
Aber einen Kondukteur zu fragen, wie er nun billiger wegkommt, ist ja eh doof. Da er eh erwischt wurde, würde wohl auch ein Kondukteur nix mehr richten können. Das Zeugs liegt ja eh bei irgendeiner “Bussenstelle” in Zürich, Bern oder was weiss ich wo…
@ Bloggingtom:
Auf den Papierabos sieht man, wann sie gekauft wurden und auf den Kreditkartenformat-Abos gibt es das UV-Sicherheitsmerkmal. Sonst weisst nichts auf den Gültigkeitsmonat hin. (Wobei es theoretisch natürlich auch möglich wäre, dass jemand im März ein Abo für den August kauft…)
Glücklicherweise funktioniert der oben beschriebene Trick nur bei Abos, welche exakt den ganzen Monat lang gültig sind (Bsp: 01.08. – 31.08.), nicht aber mit anderen Daten (Bsp: 15.08. – 14.09.). ;-)
Mir fehlt im Artikel noch das Zitat aus dem Mail des Kunden, wo er nach der billigsten Lösung sucht – wenn der Artikel schon so titelt…
@ Sam:
Ich will hier im Blog auch keine Anleitung liefern, wie man vorgehen könnte, um vor der SBB möglichst gut dazustehen. (Zumal seine Gedanken gar nicht so abwegig waren, was das Vorgehen betrifft.) ;-)
@Andreas
Es tönt immer gut wenn man 125 neue Kondukteure einstellt. Nur müsste man zu dieser Zahl noch die Fluktuation haben. Dann wüssten wir wohl, dass es nur xy Personen mehr sind unter dem Stich. Das selber auch bei den Lokführern.
@ Camma:
Leider liegst du damit nicht mal so falsch…
Lol genau.. 125 Personen mehr, aber weil immer mehr Züge fahren bzw. auch mehr Fahrgäste kontrolliert werden müssen bräuchte es alleine 150 Personen,um den Mehrbedarf abzudecken? :D
Zitat eines Comedian, wo ich den Namen vergessen hab:
Ich lass mich gerne verarschen, aber ich möcht, dass man sich wenigstens Mühe dabei gibt.
Irgendwo, ich glaube es war in der SBB-Zeitung habe mal gelesen dass die SBB bis 2013 ca. 1000 Zugbegleitersucht. Inkl. Fluktuation. dies war aber noch bevor unse “CEO” seine finger im spiel hatte.
@ Hermi:
Du weisst aber nicht zufällig, in welcher Ausgabe das drin war? Gäbe eine interessante Story! ;-)
Ne sorry. wie gesagt war bevor unser super Chief Executive Officer Meyer seine finger im Spiel hatte. :)
Es liegt in der Natur der Dinge, das man niemals ALLE Fahrgäste kontrollieren kann. Dafür halten die Züge einfach so oft. Als ich noch in Good old Germany bei der Bahn war, hatten wir 8-Dostos alleine zu betreuen und das in der Rush Hour zwischen Hamburg und Bremen. Da hast du vielleicht, wenns ganz gut ging, bis Bremen den halben Zug geschafft. Schliesslich wollen die Durchsagen auch noch gemacht werden (Sänk ju for träwelling…) und der Zug wollte an den Unterwegshalten auch noch abgefertigt werden. Also: Alleine keine Chance.
Hier bei der SBB im Regionalverkehr sind wir ja immer mindestens zu zweit, da geht das schon besser, aber auch hier schaffen wir selten eine 100%ige Kontrolle.
Das die SBB 125 neue Stellen beim ZP schafft, ist klasse. Mir drängt sich in diesem Zusammenhang noch die Frage auf, ob in diesen 125 Stellen auch der Ersatz derjenigen Kollegen dabei ist, die in den nächsten zwei Jahren pensioniert werden. Weil dann sieht das Ganze schon wieder ganz anders aus.
@ Sven Jackisch:
Entscheident ist, ob der BESTAND an Zugbegleitern um 125 aufgestockt wird, oder ob einfach 125 ZUSÄTZLICH ausgebildet werden.
Bei ersterem wären die 125 unabhängig von der Fluktuation, bei letzterem hingegen verspricht die SBB einfach, mal 125 Leute zu Zugbegleitern auszubilden.
Fragt sich natürlich auch, was geschieht, wenn einer der 125 Personen die Ausbildung abbricht… :)
Bei Meyer glaube ich eher, dass der absichtlich zu wenig Personal will. Dann kann er rumjammern… und einen Saustall zurücklassen, wie bei der SBahn Berlin GMBH, am schluss kommen dann so leute wie ich zum Lokführerjob, weil sie niemand anders mehr finden. Gut für mich, aber wenn ich bedenke, dass andere vllt. ned so zuverlässig sind.. schlecht für die sicherheit!
der S-Bahn berlin gehts ja im eigentlichen nur so schlecht weil das rollmaterial in einem zugrossen intervall, oder garnicht gewartet wurde. Leider steueren wir momentan genau in die richtung. Ab dem neune Fahrplan z.b. soll ,laut enwurf, ein zusätzlicher früh IC von chur nach zürich fahren. ja woher kommt denn dieser zug? und woher die wagen nehmen? wir haben ja jetzt schon zuwenig rollmateriall, vorallem zuwenig Loks!! weshalb das ganze? weil man mal wieder bis zum letzten moment mit der neubeschaffung gewartet hatt! ganz nach dem motto: jo goht denn scho irgendwie.
Der Typ ist doch geil oder? die chancen dass er nicht erwischt wird, waren schliesslich auch nicht schlecht und je nach dem wie oft er das schon machte, hat es ganz klar rendiert, nicht? Vorausgesetzt, es war die Erste Busse!