Vier Personen unter SBB-Züge gefallen

von Andreas Hobi am 15. Juli 2009 · 16 Kommentare

Samstag, 27. Juni 2009: Stadelhofen
19-Jähriger von Züg überrollt – tot

Dienstag, 7. Juli 2009: Landquart
70-Jähriger auf Perron schwer gestürzt – Zunge kaputt

Mittwoch, 8. Juli 2009: St. Gallen
Mann stürzt zwischen Bahnsteig und Gleis

Donnerstag, 9. Juli 2009: Nyon
17-Jähriger verliert bei Bahnunfall beide Beine

Freitag, 10. Juli 2009: Müntschemier
Mann (22) wird von Güterzug erfasst und stirbt

Fünf Unglücke, die sich alle innert weniger Tage ereignet haben. Fünf Unglücke, die nicht hätten sein müssen.

Amor hat aufgerüstet! Bannerwerbung im HB l:Zürich
Bild © (cc) gisiger (flickr.com)

In Stadelhofen versucht ein Jugendlicher, bei einem bereits fahrenden Zug die Türen zu öffnen. Dabei stürzte er und der Jugendliche wurde vom Zug erfasst. Er war sofort tot.

In Landquart stürzt ein rund 70-Jähriger Tourist, der wenige Sekunden vor Abfahrtszeit entlang dem Zug läuft, auf der Suche nach der Ersten Klasse. Beim Sturz beisst er sich so fest auf die Zunge, dass er danach in ärztliche Behandlung muss.

In St. Gallen versucht ein 41-Jähriger Mann, auf einen abfahrenden Zug aufzuspringen. Er verliert das Gleichgewicht und fällt unter den Zug.

In Nyon verliert ein 17-Jähriger beide Beine, weil er sich – um bei seinen Kollegen als “geiler Siech” zu gelten – an das offene Fenster eines abfahrenden Zuges hängt. Er schafft den Absprung nicht und landet unter dem Zug. Nun hat er zwei Beine weniger.

In Müntschemier will ein 22-Jähriger Mann die Gleise überschreiten. Dabei wird er von einem abfahrenden Güterzug erfasst. Er stirbt noch auf der Unfallstelle.

Über das Thema habe ich bereits mehrere Male geschrieben, so zum Beispiel im Artikel Beinahe-Personenunfall in Zürich HB. Dort erwähnte ich auch den Begriff, welche ich für solche Aktionen habe: Termin mit Gott

Auszüge aus meinem damaligen Artikel:

Den Begriff “Termin mit Gott” benutze ich für jene Leute, die sogar ihr Leben riskieren, um nicht zu spät zu kommen. Denn meiner Meinung nach ist nicht einmal eine Audienz beim Papst es wert, sein Leben zu riskieren und auf einen abfahrenden Zug aufzuspringen. Wer dies trotzdem tut, muss folglicherweise einen noch wichtigeren Termin haben. Eben einen “Termin mit Gott”.

Verstehen tue ich es nach wie vor nicht. Wie kann man nur auf die absolut hirnrissige Idee kommen, auf einen FAHRENDEN Zug aufzuspringen? Das ist wie russisches Roulett: Wenn man Glück hat, überlebt man.

Ich hoffe, die in den oben stehenden Artikeln genannten Personen haben nun etwas aus ihren Erlebnissen gelernt und verhalten sich in Zukunft zivilisierter. Naja, immerhin bei einem bin ich mir ganz sicher, dass er Ähnliches in Zukunft nicht mehr machen wird. Damit meine ich den “geilen Siech” aus Nyon, der sich seinen Freunden nun im Rollstuhl beweisen darf.


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Piero Juli 15, 2009 um 15:42

Naja, die verstorbenen haben sicher fürs “Leben” gelernt…

Wie viele Unfälle geschehen, weil Menschen einfach keinen Spur von Verstand haben (oder nicht benützen?)

Was du Termin mit Gott bezeichnest, dem sage ich gerne: Lebens-Abkürzung. Hört sich vielleicht hart an, aber für diese Leute tut es mir nicht leid, sondern nur jenen, die das mit ansehen mussten oder wegen solchen Menschen Schuldgefühle erfahren.

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Rasmus99 Juli 15, 2009 um 16:21

Ich hoffe doch auch, dass die das nie mehr machen! Einfach so unter den Zug kommen, das tut man doch nicht.

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Michi Juli 15, 2009 um 17:27

Der Termindruck scheint heutzutage enorm zu sein. Letzte Woche hatte ich ein Erlebnis. Der IC von Brig nach Romanshorn hatte Verspätung weswegen die Anschlüsse in Weinfelden brachen. Ich wollte mir am Schalter gerade ein internationales Ticket kaufen als eine Frau total aufgelöst in die Schalterhalle kam. Als man ihr erklärte dass der Zug nach Konstanz nicht gewartet hätte, erlitt sie einen Nervenzusammenbruch und weinte nur noch. Sie hätte einen wichtigen Termin gehabt habe ich noch mitbekommen.
Wenn der Termin so wichtig war, warum hat sie dann nicht den Zug eine halbe Stunde früher genommen um noch etwas Reserve zu haben, frage ich mich. Der nächste Zug ging 26 Minuten später nach Konstanz, ob sie da drin sass weiss ich nicht.
Ein witziges Erlebnis hatte ich auch vor etwa 4 Wochen. Ich fuhr mit dem Regio von Weinfelden nach Wil. In Bronschhofen latschte ein etwa 20 jähriger vor dem (wartenden) Zug über die Gleise um den Zug noch zu erwischen. Der Lokführer kam stocksauer aus dem Cockpit des GTW und hat ihn aus dem Zug geschmissen (wörtlich). Ich fand das sehr richtig so. Da in Bronschhofen Bedarfshalt ist, können die Züge dort ziemlich schnell durchfahren wenn niemand ein oder aussteigen will.

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Andreas Hobi Juli 15, 2009 um 22:37

@ Michi:
Das gibt es immer wieder, dass Reisende der SBB die Schuld geben, wenn sie einen Termin verpassen. Hier kann ich wirklich nur betonen: Plant genügend Zeit ein! Egal ob man mit dem ÖV oder dem Individualverkehr reist, es kann immer etwas dazwischenkommen.

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giabez Juli 16, 2009 um 01:00

ich habe beim letzten “aufspringer”die notbremse gezogen… daten aufgenommen, ihn zünftig zusammengeschissen (eine frau in der mitte des wagens fragte mich danach ganz erschrocken, ob ich unter schock stehe…) und die angaben aufgenommen… das schlimme war, eine halbe stunde später hätte er einen zug gehabt, der zur gleichen zeit in basel angekommen wäre… er bekam dann post…
hab mittlerweile gar kein mittleid mehr mit diesen leuten, ist mir sogar auch schon egal, wenn ich direkt involviert bin… (ausn. kinder)…

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Andreas Hobi Juli 16, 2009 um 01:04

@ Giabez:
“Ausnahme Kinder”: Ja, das kannst du laut sagen. Da spielen sich teilweise Stories ab, die echt haarsträubend sind…

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Sandra-Lia Juli 16, 2009 um 09:49

haja, wenigstens wo, wo die dummheit der Menschen sofort bestraft wird. Vielen anderen Orts ist das ja leider nicht so! Schade eigentlich, weil vllt. würden dann die Menschen mal ihr Gehirn und ihren Verstand und ihre Vernunft nutzen!

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Gumbo Juli 22, 2009 um 11:30

Noch schlimmer ist Zugsurfen, ist aber wieder ausser Mode gekommen. Die Kids fühlten sich besonders geil, wenn sie vor ihren Kollegen damit prahlen konnten. Dummerweise passten sie manchmal nicht ins Profil und wurden z.B. von Zwergsignalen runtergewischt.
MICHI
Der GTW-Fahrer hat recht gehabt. Leider wird vermehrt straflos über die Gleise gehühnert, weil nirgends mehr Personal auf den Bahnhöfen ist, das die Selbstmordkandidaten zusammenscheissen kann. Besser wären noch ein paar Ohrfeigen…
Im Amerika, wo die Leute, vor allem die Autofahrer, noch mehr gedankenlos sind, machen die Bahnen Aktionen, um sich und die Gefahren dem Publikum in Erinnerung zu rufen. “Any time is train time”.
Manchmal hat man das Gefühl, bei uns gebe es immer mehr Deppen oder Kindsköpfe unter den Jungen. Wie Günter Grünwald sagte: “Die Welt verplemplemt.”

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Alain Juli 26, 2009 um 23:29

“” Andreas Hobi: Das gibt es immer wieder, dass Reisende der SBB die Schuld geben, wenn sie einen Termin verpassen. Hier kann ich wirklich nur betonen: Plant genügend Zeit ein! Egal ob man mit dem ÖV oder dem Individualverkehr reist, es kann immer etwas dazwischenkommen..”"

Da kann ich dir nur recht geben mit dem Individualverkehr…. Es gibt zurzeit massive Staus am Gotthard. Leider berichtet das SR DRS dann, dass man via Simplon fahren soll, was niemand aber meldet ist, dass es auch in Visp 3 Stunden Stau herrscht…. Ein ATZ Brig-Visp einrichten:D:D:D

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Sandra-Lia Juli 28, 2009 um 08:34

Tja, was erwartet man auch? Die 68er haben uns den meisten Mist eingebrockt, den wir auslöffeln müssen. Auch das antiautoritäre “Erziehen” von Kinder.

Dabei kann man auch einfach sagen: Verwaltete Verantwortungslosigkeit!

Ich muss ehrlich sagen, wenn ich jugentlich wär, und die Welt sähe, die nur noch Schrott ist, nichts mehr bietet, auf der ich kaum eine anständige Stelle mehr bekomme, auf der es weder Moral noch echte Regeln gibt, wo soll ich da meine Grenzen finden? DA muss ich ja doch überborden!

Aber eben, Gesetzestexte gibts unnötig viele. Ich wäre dafür, dass man nur noch Gesetze macht, die man auch umsetzen mag!

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mousseman August 23, 2009 um 18:48

Lasst die Leute, die zu Gott wollen, zu Gott gehen.

Ansonsten, für Herr Darwin gelten keine Arbeitszeitbeschränkungen, und auch er wirkt kräftig bei SBB-Unfällen mit, wenn’s mal Nacht oder Sonntag ist. Man sollte eigentlich vorne auf der Lock “Kill-Marker” haben, die angeben, wieviele Idioten von der Lok bereits zu Mus gefahren wurden.

Die Leute nehmen wohl an, dass ein vollbeladener Doppelstock-IC genauso wie ein Pkw bremsen kann.

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Gumbo September 2, 2009 um 09:32

GAIBEZ¨
Richtig! Wer aufspringt oder über die Gleise hühnert, gehört nur noch zusammengeschissen. Solche Lebensmüden brauchen einen Schock, und wenn es nur der Anschiss ist. Ich habe mal einen schottischen Bähnler gehört, als ein Depp den (dort sehr hohen) Bahnsteig auf die Gleise vor einem stehenden Zug kletterte. Solch kräftiges Fluchen auf Englisch habe ich selten gehört!!!
Wenn man die Person stellen kann: Sofort Anzeigen.

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Brummbaer September 2, 2009 um 11:09

Ich habe mal einem einen Buchtipp also eg. zweig gegeben, falls er beabsichtige weiter auf die Züge aufzuspringen (er war einer der uneinsichtigen Sorte). Ich habe ihm gesagt wenn er unter den Zug kommt und glück hat dann wäre dann das Buch “Wie bewege ich mich durch die Schweiz im Rollstuhl das richtige”, für den falle das er kein Glück haben soll, hätte ich noch folgenden tipp “machen sie einen Termin mit einem Bestatter ihres Vertrauens und verlangen sie dort, mein zweiter Buchtipp, den Sarg Katalog, dann können sie sich den richtigen schon mal aussuchen”. Seine antwort dann nur “das find ich nicht lustig” und ich dann nur “ja ich finde es auch nicht lustig wenn man auf den Zug aufspring, adieu”

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Tom Oktober 25, 2009 um 17:14
Andreas Hobi Oktober 25, 2009 um 23:01

@ Tom:
Ja, davon habe ich gehört. Tragisch. Nun dürfen sich auch seine Eltern an der Nase nehmen, da sie ihn anscheinend nicht genügend erzogen haben. In meinen Augen sind sie mitschuldig.

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Olivier Januar 16, 2010 um 21:26

Ich habe mal in Waldibrücke einen Jugendlichen gesehen, welcher aus Faulheit quer übers Gleis und über den Zaun (Waldibrücke: Perron-Gleis-Zaun-Perron-Gleis) sprang. Der dort ankommende hatte Zugbegleiter eine Stichprobe dabei. Diese sahen den Jungen, pfiffen ihn zu ihnen und gaben im eine Busse. Denn Zug hatte er dann übrigens auch verpasst…

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