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“SBB: Lohnabzug bei Verspätungen!” prangt mir in grossen Lettern entgegen, als ich die Churer Bahnhofsunterführung durchquere und am Kiosk vorbei laufe. Ich bin auf dem Weg zur Arbeit und habe keine Zeit, mir die Sache genauer anzuschauen und ein Exemplar der SonntagsZeitung zu holen. “Das tönt noch interessant”, denke ich mir und nehme mir vor, in Zürich die SonntagsZeitung holen zu gehen.
Danach begleite ich einen Intercity von Chur bis Zürich. Zwei mal werde ich von Fahrgästen darauf angesprochen; sie wollen wissen, wie ich zu der Sache stehe. Leider kann ich nicht mehr sagen, als dass ich bisher nur die Schlagzeile gesehen habe, den Artikel jedoch noch nicht kenne. Beide Fahrgäste jedoch finden die Sache eine Sauerei. Jetzt bin ich erst recht gespannt auf den Artikel.
Der Artikel in der SonntagsZeitung
In Zürich HB angekommen klemme ich mir eine SonntagZeitung unter den Arm und begebe mich in die Personalräume. Dort sprechen mit Bestimmtheit 3/4 aller Anwesenden über das eine Thema. Wann war es zum letzten Mal der Fall, dass im Aufenthaltsraum so einhellig über ein ganz bestimmtes Thema diskutiert wurde? Ich weiss es nicht. Aber es scheint die Leute zu bewegen.
Jemand verteilt Kopien des Artikels. Überall wird er aufgehängt. Viele fluchen über Meyer. Ich lesen den Artikel, um mir selber ein Bild zu machen.
Hier der Ausschnitt aus dem Interview, welches alle so bewegt:
SZ: Wer teurer wird, muss gute Argumente haben. Sind die SBB pünktlicher geworden?
Meyer: In den letzten Monaten haben wir uns verbessert. (…) Langfristig ist es mein Ziel, jede Verspätungsminute betriebsintern dem Verursacher zuordnen zu können. So können wir Druck erzeugen, um die Verspätungsminuten weiter zu reduzieren.
SZ: Wohl nur, wenn der Verursacher das am Lohn spürt?
Meyer: Jeder Mitarbeiter soll wissen, welche seiner Handlungen zu einer Verspätung geführt hat und wie viele Kunden davon betroffen waren. Das ist ein Bestandteil der Leistung und sollte eigentlich lohnwirksam sein.
Ich kann es nicht glauben. Hat Andreas Meyer wirklich DAS gesagt? Hoffentlich nicht! Denn aus der Diskussion der anderen Zugbegleiter höre ich, wie das enden wird:
“Und wenn wir einfach früher abfahren? Kriegen wir dann einen Bonus??”
“Ok, wenn der Boss das so will. Bitteschön! Dann fertige ich halt auf die Sekunde ab, ganz scheissegal, was rund um den Zug geschieht! Und wenn sie noch am einsteigen sind, ich bin nicht bereits, für die Verspätung zu bezahlen! Es wird abgefertigt und die Türen geschlossen. Müssen sie halt pünktlich einsteigen.”
Ja, oft kommt es vor, dass wir nicht ganz pünktlich abfahren können, weil eine Gruppe noch am einsteigen ist oder weil ein Kinderwagen / Rollstuhl eingeladen wird. Wenn die Mitarbeiter nun bezahlen müssen für die Verspätungen, dann ist klar: Es wird pünktlich abgefahren. Wer dann nicht im Zug ist, bleibt draussen. Doch es könnte zu gefährlichen Situationen kommen, wenn wir nun einfach auf die Sekunde genau abfertigen, unabhängig davon, was rund um den Zug gerade noch geschieht. Unabhängig davon, dass erst die eine Hälfte einer Gruppe eingestiegen ist.
Die Aussagen Meyers könnten im Fiasko enden, das sehe ich vor meinem inneren Auge.
Das Mail aus Bern
Doch dann sehe ich in der Inbox meines iPhones ein Mail von Reto Kormann, Mediensprecher der SBB, versendet an “ausgewählt Medien”, darunter schweizweit.net:
“Diese Zuspitzung ist falsch. Selbstverständlich soll den Mitarbeitenden nicht individuell der Lohn gekürzt werden bei Verspätungen. Die SBB arbeitet derzeit daran, die Pünktlichkeit weiter zu verbessern. Eine der Massnahmen ist eine noch genauere Zuscheidung der Ursache, die zur Verspätung führte, an die verschiedenen Organisationseinheiten der SBB.
Längerfristig sollen die Löhne der SBB-Mitarbeiter auch eine leistungsabhängige Komponente umfassen. Eines der Ziele, um die Leistung zu bemessen, könnte die Pünktlichkeit sein. Dies würde indes sicher nicht auf individueller, persönlicher Ebene beurteilt, sondern auf der Ebene der einzelnen Organisationseinheiten.
Bei einer solchen Leistungskomponente geht es auch nicht primär um Lohnabzug. Vielmehr sollen – so SBB-Chef Andreas Meyer – “die Mitarbeiter spüren, wenn es der SBB gut geht.”
Na, das tönt doch schon viel besser! ;-) Kein Lohnabzug bei Verspätungen, sondern eher ein “Bonus” bei pünktlichen Zügen! Mal schauen, was daraus wird.
Fazit
Wenn die SBB beginnen würde, Mitarbeiter einzeln für Verspätungen haftbar zu machen, dann hätte das fatale Folgen. Die Züge würden vielleicht leicht pünktlicher, doch es käme vermehrt zu gefährlichen Situationen in den Bahnhöfen. Kaum ein Zugbegleiter hätte dann noch Lust, auf den hinterletzten Fahrgast zu warten. Er würde schlicht und ergreifend pünktlich abfertigen, unabhängig davon, ob noch Leute einsteigen wollen oder nicht.
Bei Doppelstock-Zügen, ICN und einigen EW IV-Pendeln ist dies auch kein Problem. Dort lassen sich die Türen nach dem Schliessen nicht mehr öffnen und der Zug fährt erst ab, wenn alle Türen geschlossen sind. Dort kann man also guten Gewissens “abklemmen”. Doch bei anderen Wagen lassen sich die Türen auch dann noch öffnen, wenn der Zugbegleiter die Türschliessung betätigt hat und der Zug kann abfahren, auch wenn (ausserhalb des Blickfeldes des Lokführers) eine Türe noch offen ist oder wieder geöffnet wurde. So zum Beispiel bei allen Zügen auf der Linie Chur – St. Gallen.
Was geschehen kann, wenn jemand auf einen abfahrenden Zug auf- oder aus ihm abspringt, das können wir uns alle vorstellen… Es kann gut enden, muss aber nicht.
Wie dem auch sei, Fakt ist anscheinend: SBB-Chef Andreas Meyer wurde in der SonntagsZeitung falsch zitiert und niemand konnte verhindern, dass das Interview so raus ging. Es wird vermutlich eine Weile dauern, bis sich die Gemüter beruhigt haben und bis auch der Letzte weiss, dass es ein Missverständnis war.
Ob die beiden SZ-Journis Christoph Lauener und Matthias Halbeis hier absichtlich eine Aussage von Andreas Meyer falsch wiedergaben beziehungsweise auf eine gute Schlagzeile zuspitzten, oder ob sie einfach etwas falsch verstanden haben, das wissen wir nicht. Es ist aber bekannt, dass momentan sehr viele Jobs bei den Printzeitungen auf der Kippe stehen und dass somit jeder Journi auf der Suche nach DER Schlagzeile ist, so dass er dann vor seinem Chef(redaktor) gut dasteht und die nächste Entlassungsrunde übersteht. Wir müssen also damit rechnen, dass solche Geschichten in Zukunft öfters in den Zeitungen erscheinen werden. Diesmal musste die SBB darunter leiden, nächstes Mal wird es ein anderes Unternehmen sein, welches falsch zitiert wird. Ob dies der Glaubwürdigkeit der bereits angeschlagenen Printmedien hilft, sei dahingestellt.
Sehr lesenswerter Artikel
Zum Thema Verspätungen hat auch “bizfreak” vom Nachdenkmal Blog geschrieben: “Lohnwirksame Zugverspätungen?” Diesen Artikel möchte ich euch wärmstens ans Herz legen; er ist wirklich SEHR lesenswert, extrem gut geschrieben und interessant. Ich bitte euch, mal einen Blick auf diesen Artikel zu werfen. Er legt darin sehr gut dar, wie absurd eine “Zuordnung der Verspätungen” auf einzelne Mitarbeiter wäre.
{ 22 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }
Ich finde das nicht gut, das führt nur dazu das die Mitarbeiter dann nur darauf aus sind, jede verspätungsminute auf eine andere Stelle abzuwälzen. Und was ist wenn wie so oft Fahrgäste schuld sind? muss dann dieser Fahrgast mehr fürs Billet zahlen?…
Hätte der CEO Andreas Meyer dann überhaupt noch Lohn?
Ich würde das auch nicht gut finden, weil die SBB ja nicht absichtlich unpünktlich ist. Weil wenn Züge unpünktlich sind, braucht es: mehr Freitage, wegen Überstundenabbau, mehr Personal auf dem Bahnhof für Fragen und Organisation, mehr Leute in der Betriebsführung und auch mehr Leute beim Kundendienst. Und ich glaube, (fast) jeder Arbeit möchte sein Dienstende pünktlich beginnen. Einen Bonus finde ich aber wiederum besser. Und Fakt ist ja wirklich, dass viele Verspätungen nicht von der SBB verursacht wird…
Andreas, zum Thema Medien muss ich dir vollkommen recht geben. Zurzeit wird so viel Mist verzapft, schau nur mal Blick an, jeder Tag steht da etwas zur SBB, z.B. Elventino (SBB Minibar) hat nicht genügend Akku für Kaffee, etc. Das interessiert doch niemand!
Auch bei mir auf der Arbeit war dieser Artikel Thema Nummer 1. So ziemlich alle waren wütend. Wenn Lohnabzüge bei Verspätungen umgesetzt würde, dann würden alle Divisionen der SBB gegeneinander kämpfen um die Verspätungminuten loszuwerden, statt miteinander zu arbeiten. Wenn einem etwas auffallen würde das repariert werden müsste, würde man lieber wegschauen. Denn während der Reparatur könnte es vielleicht ein Problem geben und ein Zug müsste 5 min warten. Da liesse man lieber zu dass es eine Störung gibt denn daran ist man ja nicht schuld, auch wenn die dann viel mehr Züge verspätet. In meinem Bereich würden dann bestimmt auch Die Zugverkehrsleiter und die Stellwerkstechniker Krieg gegeneinander führen wer denn nun schuld ist, dass ein Signal nicht grün wurde.
Eine sehr schlechte Idee von Herrn Meyer.
Abzüge dürfte es nicht geben, aber für bsonders gut arbeitende Abteilungen wäre ein Bonus schon etwas schönes.
Und wieder einmal wird von den Zeitungen mit einem reisserischen Artikel, der bei genauem Hinschauen mehr heisse Luft, als was anderes enthält, auf die SBB eingedroschen. Es ist in der heutigen Zeit offensichtlich zuviel verlangt, bei den Fakten zu bleiben, nein, man muss sich selber was zusammenreimen, die Meinung der Zeitung muss schliesslich auch noch rein, man braucht ja noch ne Schlagzeile fürs Titelblatt. ;)
Tatsache ist, dass es in letzter Zeit geradezu ein Hobby der Zeitungen geworden ist, auf den öV, und vor allem auf die SBB einzudreschen. Es entsteht der Eindruck, egal was die SBB macht, man hat immer etwas zu mäkeln. Ist schliesslich ein dankbares Thema.
Was beim Blick gang und gäbe ist, erfasst leider zunehmend auch “seriösere” Zeitungen wie Tagi, Sonntagszeitung und Co. Es geht nicht mehr darum, ein Thema sauber zu recherchieren und einen seriöseren Artikel zu verfassen, sondern nur noch darum aus umfassenden Mitteilungem und Interviews einen möglichst reisserischen Titel zu verfassen, der aber natürlich komplett aus dem Kontext gerissen worden ist.
Das Problem dabei ist, dass die Leute sowas natürlich glauben und die SBB mit viel Aufwand Korrekturmeldungen verfassen müssen.
Das noch viel grössere Problem ist, dass die Verkaufszahlen von “seriöseren” Zeitungen wie Tagi, NZZ und Co. zurückgehen, reisserische Boulevardzeitungen wie der Blick sich hingegen wie geschnitten Brot verkaufen. Dem Gross der Bevölkerung ist also dieser Polteri-Journalismus lieber als sachliche Artikel. Wollen also Tagi un^d Co. überleben müssen sie ebenfalls auf den Boulevardzug aufspringen, sie habe gar keine andere Wahl mehr. Eine sehr bedenkliche Entwicklung.
Auf der anderen Seite hat die SBB meines Errachtens bei der Kommunikation nach aussen in letzter Zeit einige Male ins Fettnäpfchen getretten. Als Beispiel sei eine Aussage in Zusammenhang mit dem Verzicht auf Abfallkübeln in den neuen DOSTOS in der S-Bahn Zürich genannt: “Wir haben festgestellt, dass es in diesem Bereich ökonomischer ist, einfach den Boden zu säubern», von Ruedi Beutler, Leiter Flottenmanagement Regionalverkehr.
Soll der Fahrgast also den “Güsel” in Zukunft auf dem Boden schmeissen, weil einfacher zu reinigen?
Gerade weil die Boulevardpresse einem das Wort regelrecht im Mund umdreht, sollten die Presseverantwortlichen der Unternehmen vermehrt auf die Komunikation achten. Gibt die SBB also einer Zeitung ein Interview, dann sollte das nicht ohne eine Gegenlesung des kompletten Artikels veröffentlicht werden dürfen.
Ausserdem darf es doch nicht sein, dass die SBB-MA erst aus den Medien von solchen Ideen der Geschäftsleitung erfahren.
Zum Thema selbst, “Bestrafungen” von MA bei Verspätungen ist Gugus, da zuviele Faktoren hineinspielen, die man eben nicht eindeutig zuordnen kann, zudem vergiftet man mit solchen ideen massiv das Betriebsklima.
Wenn man mit Bonus/Malus arbeiten will, dann eher mit Bonuszahlungen bei guten Leistungen oder guten Geschäftsabschlüssen. Wie man ein solches System allerdings bei einem staatlichen Eisenbahnbetrieb einsetzen will, ist mir noch nicht so ganz klar.
Hmm.. ob falsch oder richtig zitiert:
Herr Meyer denkt nicht nach, bevor er – vorallem der Presse – etwas sagt. Oder schon mal was von Gegenlesen gehört?
Ich würde dringendst den Lohn von Herrn Meyer kürzen. Anscheinend hat er zuviel Zeit, auf dumme Ideen zu kommen.
Im verlinkten Blog steht es richtig: Informieren, das ist das Zauberwort.
Und soweit ich weiss, ist es ja langsam möglich, von der Betriebsleitzentralen gezielt Informationen an die Fahrgäste weiterzugeben. Nichts ist beruhigender bei einer Verspätung, wenn man die ev. Dauer und den Grund weiss.
Mal wieder ein schönes Beispiel wie mediengläubig manche Menschen (die meisten?) sind. Man muss sich immer fragen, wieso eine Zeitung so etwas schreibt: Klar, man will verkauft werden, mal will, dass die Leute drüber reden. Da wird schnell mal etwas hinzugereimt und übertrieben und manchmal auch wild erfunden. Das ist nicht nur bei den Eisenbahner-Themen so. Auch in anderen Bereichen geht es zuerst um die Schlagzeile und dann erst um die Wahrheit.
Meine persönliche Konsequenz ist, dass ich seit gut einem Jahr keine Gratiszeitungen mehr lese, da diese am schlimmsten sind. Obwohl ich früher förmlich 20min-süchtig war, habe ich gemerkt, dass es sich ohne diese Märchenblätter auch gut leben lässt. Mein Tipp also an alle: Diese Zeitungen nicht mehr anfassen.
haja, wenn man die Sauberkeit der Züge anschaut, und wie viel % der Toiletten nicht funktionieren, und wie viele Türen kaputt sind, fragt man sich doch, warum man überhaupt noch zahlen soll, als kunde. Meyer hat wohl wirklich zu lange mit Blöddorn gearbeitet. Hoffentlich muss Meyer bald weg, wegen irgend einem DATENSKANDAL oder sonst was!
PS: Wie kann es sein, dass ich mein “GA”, obwohl inzwischen 1800km gefahren, erst 1mal zeigen musste, obwohl wir nicht nur Regio gefahren sind?
Heut ned einmal gezeigt, von Solothurn nach Basel und zurück das selbe. Dafür kaputte klos, saugrusige Sitze und defekte Türen…. mehr als 200fr ist das jedenfalls ned wert ‘^^
Zurück zum Thema: ich bin auch dagegen. Die SBB ist schon sehr pünktlich, viel pünktlicher ginge nur mit anderem Rollmatrial, was einen schnelleren Fahrgastwechsel zuliese (dreitüren auf einer Seite, statt zwei, und breite Ausstiege!)
@sandra
du scheinst wohl gar nichts begriffen zu haben (einmal mehr)
lese den verlinkten Blogbeitrag im Artikel und dann kappierst du vielleicht warum es auch zu Verspätungen kommen kann.
Als ich den Artikel las, dachte ich zuerst:
Der 1. April ist schon lange vorbei.
Aber es sieht doch nach falscher Interpretation aus. Fahndung nache einer an der Verspätung schuldigen Person wäre praktisch nicht durchführbar.
Die Verspätungen werden ja durch viele Faktoren ausgelöst, aber höchst selten, weil ein Mitarbeiter geschlampt hat.
Am ehesten würde eine Rückverfolgung jeweils zu Herr Meyer oder seinem Chef Personenverkehr oder Infrastruktur selbst führen. Aber so eine halbe Million seines Salärs könnte er ja eh opfern…
ja, is klar, mister besserwisser… ich hab sehr wohl kapiert! Nur du liest offenbar au nur, was du lesen willst! Und jetzt genug der persönlichen Angriffe deinerseits!
Sandra-Lia
Du bist ja so unzufrieden mit der Bahn, dass es überhaupt erstaunt, dass du trotzdem noch fährst.
Du lässt keinen guten Faden an der SBB.
Zur Unsauberkeit und Sprayereien tragen VOR ALLEM die “Kunden” bei, weil heute unter der Jugend Anstand ein Fremdwort ist.
Gumbo, dem stimme ich zu. Dennoch erstaunt es, dass grad die ICNs nie so sauber sind, wie die ICEs. Es stimmt nicht, dass ich kein Gutes Haar an der SBB lasse, ich krittisiere nur Mayer, und das werd ich so lang tun, bis er geht. Der alte Chef fand ich sehr gut. Zudem, was der Defekt der Toiletten, türen etc. angeht.. vlt. fällts mir jetzt mit “Ga” wieder mehr auf, aber es kann doch nicht angehen, dass in einem IR KEINE einzige Toilette geht, nur weil sie 100% voll sind? Da is doch wirklich was mangelhaft beim Service!
Zudem, ich krittisiere nur, was zu krittisieren ist. Zb. wenn heut in Olten halt Stellwerk ausfällt, is das halt so. Was solls. (war ja au so).
Obwohl die SBB auf ihrer Seite das ganze dementiert haben, habe ich grad folgenden Artikel gefunden,
http://bazonline.ch/schweiz/standard/SBB-beschaeftigen-zu-viele-Kader-zu-Sonderloehnen/story/16947701
wo auch wieder darauf aufgebaut und rumgehackt wird.
Ich verkneif mir mal jeden Kommentar über gewisse Medien.
@ Piero:
Ich kenne einige Leute, die nicht nach GAV angestellt sind. So gesehen kann es gut sein, dass die im Artikel genannten Zahlen (über 2 Prozent) stimmen. Es liegt nun am SEV, in dieser Sache entsprechend Druck zu machen.
Um den Bereich im Artikel geht es mir gar nicht, sondern um den Eindruck, dass die SBB wirklich persönliche Lohnkürzungen vornehmen, wenn jemand für Verspätung verantwortlich ist. Dieser Eindruck entsteht einfach – wie auch aus den ersten Kommentaren zu erkennen ist.
Piero
Wir sind uns sicher einig, dass die Kürzungen wohl am ehesten bei den oberen (nicht-GAV) Lohnstufen wirksam werden müssen, wenn sich herausstellt, dass es ja sie sind, die meistens schuld sind.
Schauen wir nur mal die typischen Verspätungen an:
- Fahrleitungsstörung
- Stellwerkstörung
- Anschluss abwarten
- Lokdefekt
- Einladen Rollstuhl
- Grosser Andrang Reisende, teils mit Velos
- Reisende, die beim Ein-/Aussteigen bummeln
- etc.
Wo kann man hier von persönlicher Schuld reden?
Leider kann man es immer so drehen, dass der arme Arbeiter schuld ist – er ist auch der Arbeiter, also die Chance auf Fehler mit weitreichenden Konsequenzen auch höher.
Ich denke nicht, dass Herr Meyer auf Teile seines total unterbezahlten Lohnes verzichten möchte. Er und andere verdienen ja nur knapp mehr als das Existenzminimum. (Ironie)
haja, so is das halt.
würde dies so eingeführt wie es in der Soonntags Zeitung geschrieben wurde gibt es bald Prügeleien unter den SBB mitarbeitern, denn diese würden sich gegenseitig die schuld zuschieben. dies könnte solange dauern bis irgenwnn mal einer zuschlägt. Denn ich bin nicht bereit mir meinen Lohn kürzen zulassen wenn jemand anderes für die verspätung verantwortlich ist. So dachte ich zumindest bis am Dienstag
nun habe ich aber an diesem Tag eine E-Mail von hern Meyer persönlich (weitergeleitet durch unseren Teamleiter) erhalten in welchem mitgeteilt wird dass es sich eher um ein Bonus-, Malussystem handelt als ein reines Malussytem. So sollen, so habe ich die Mail zumindest verstanden, eher die verschiedenen Abteilungen “Bestraft” oder “Belohnt” werden. was schlussendlich bedeutet das z.b. ein Rangierarbeiter nur noch eine gewisse Anzahl Handschuhe Verbrauchen darf. sprich er muss vorsichtiger damit umgehen, oder er erhält weniger Punkte für die alljährliche Kleiderbestellung. so habe ich es zumindest verstanden.
Zum Teil hat es hier gute Beiträge. Es ist aber so, dass grundsätzlich jede Verspätung auf eine menschliche Fehlleistung zurückzuführen ist. Nur ist sehr schwierig den Schuldigen zu finden, wie z.B. Beitrag 4 schön beschreibt. Man sollte die Sache so angehen wie bei Airlines: Gut qualifizierte Mitarbeiter im operativen Bereich (administratives Personal ist weniger wichtig) anstellen, diese sehr gut Ausbilden und zu höchstleistungen Motivieren, somit hätte man auf einem Streich eine sichere, pünktliche und qualitativ hochwertige Bahn. Leider läuft es zur Zeit genau in die entgegengesetzte Richtung, was daran liegt, dass das Büropersonal die Macht im Betrieb übernomen hat und das ist keine gute Entwicklung für den Fahrgast. Was passiert wen man den Lokführer unter Druck setzt sieht man hier: http://www.msnbc.msn.com/id/7624164/
Das mit der Pünktlichkeit ist so eine Sache… es wird sicher nicht besser, wenn sich die SBB mit unseren Nachbarstaaten vergleicht (die Bahn hat dort einen ganz anderen Stellenwert!) und sich mit einem “wir sind ja immer noch besser als die” zufrieden gibt. Japan ist ebenfalls ein Land der Bahnfahrer, dies sogar mit höherem Anspruch an Qualität und Pünktlichkeit… aber ist wohl einfach zu weit weg ;)
Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass S-Bahnen jeweils einige Minuten verspätet sind. Aber auch Nonstop-IC-Verbindungen sind z.T. chronisch verspätet (an 4 von 5 Tagen > 3 Minuten), dies bei relativ pünktlicher Abfahrt. Ist der Fahrplan zu ambitiös?
Mir wär es als Kunde lieber, wenn die Ankunftszeiten realistisch sind, statt ein :59 auf dem Fahrplan und in der Realität ist es dann jeweils :03. Dann kann man den Fahrplan gleich im 5-Min-Raster veröffentlichen ;)
Wer nun als Gelegenheitsbahnfahrer mit dem Argument “was sind schon 3-4 Minuten?” kommt: Bitte an Anschlüsse denken, das kann sich dann schnell raufschaukeln… und als Stammkunde (oder eben “Pendler”) summiert sich die Zeit im Jahr dann schnell mal auf viele Stunden. Kominiert mit kaputten Klimaanlagen, blockierten WCs, unsauberen Wagen usw. kommen einem die 4’850 Franken im Jahr dann schnell einmal sehr, sehr teuer vor.
Das Problem ist aber weniger bei den Mitarbeitern zu suchen, sondern vielmehr beim Management, welche in einer relativ “geschützen Werkstatt” basteln können. Die Kunden haben, anders als z.B. bei den Airlines, keine andere Wahl, ausser dem Automobil.