Swiss CargoTube: Die Swissmetro für Güter

von Andreas Hobi am 14. Mai 2009 · 15 Kommentare

Regelmässige Leser von schweizweit.net wissen, dass ich ein glühender Verfechter der Swissmetro-Idee bin. Die Swissmetro ist ein Projekt einer unterirdischen, im Teilvakuum verkehrenden Magnetschwebebahn für Personentransporte in der Schweiz. Lautlos, unsichtbar, umweltfreundlich. Sie verbindet die wichtigsten Agglomerationen unseres Landes mit einer Geschwindigkeit von 400 km/h.

Nun stellte der Verein PPP Schweiz gestern den Medien die Idee “Swiss CargoTube” vor. Dies ist ein in unterirdischen Röhren verlaufendes vollautomatisches Transportsystem für Güter und soll Strasse und Schiene von Verkehr entlasten.

Dieses Projekt gefällt mir genau so gut wie die Swissmetro.

In diesem Artikel gibt es alle Informationen zu dieser Swiss CargoTube. Und in bewährter schweizweit.net-Manier erfahrt ihr hier natürlich wieder ein bisschen mehr Details zum Thema als aus den Medien. ;-)

PPP Schweiz

Das “PPP” steht für Public Private Partnership. Der Verein setzt sich zusammen aus Vertretern der Eidgenossenschaft, der Kantone und Städte sowie der Wirtschaft und wurde am 19. Mai 2006 – also vor fast exakt drei Jahren – gegründet.

Die Mitglieder kommen dabei unter anderem von diesen Stellen:

  • VBS
  • PricewaterhouseCoopers AG
  • Kanton Neuenburg
  • Kanton Zürich
  • Kanton Schwyz
  • PostLogistics
  • Kompetenzzentrum für Publicmanagement der Universität Bern
  • gsi Bau- und Wirtschaftsingenieure AG
  • Institut für Bauplanung und Baubetrieb der ETH Zürich
  • UBS AG
  • Kanton Luzern
  • Université Lausanne, Institut de recherches économiques
  • Bratschi Wiederkehr & Buob
  • Kanton Aargau

Der Verein setzt sich allgemein für mehr Partnerschaften bei diversen Projekten zwischen Wirtschaft und Staat ein. Die Swiss CargoTube ist eines dieser Projekte.

Finanziert wird PPP Schweiz durch Mitgliederbeiträge, Veranstaltungsgebühren und Sponsoring.

Swiss CargoTube

Die Hauptverkehrsträger Strasse und Schiene stossen bekanntlich bereits heute an diversen Orten an ihre Kapazitätsgrenzen. Es ist fraglich, ob dieses enorme Wachstum auch in Zukunft verkraftet und bewältigt werden kann.

Die Swiss CargoTube soll nun das Verkehrsaufkommen im Bereich der Gütertransporte auf Strasse und Schiene reduzieren.

Die Röhre befindet sich dabei 20 bis 60 Meter tief im Boden und hat einen Durchmesser von vier Metern. Die selbstfahrenden Wagen würden in getrennter Richtung mit konstanter, mittlerer Geschwindigkeit verkehren.

Es gibt ein Gleis pro Fahrtrichtung plus jeweils noch ein drittes Gleis in den Terminals zum Auf- und Abladen der Güterbehälter.

Als leistungsfähige Verbindung der Logistik- und Verteilzentren in der Ostschweiz, im Raum Olten-Oensingen und in der Westschweiz stellt Swiss CargoTube das Rückgrat der gegenwärtigen Güterströme auf der Ost-West-Hauptachse dar. Um letztlich die ganze Fläche der Schweiz zu erschliessen, werden mittelfristig von der Hauptachse Querverbindungen (ebenfalls als unterirdische Tunnelröhren) in nordsüdlicher Richtung und von diesen wiederum Schächte in die Tiefe der Täler ausgehen müssen. Das so entstehende Netz soll in der Lage sein, die Güterlogistik zu revolutionieren.

CargoCap in Deutschland

In Deutschland gibt es bereits ein solches Projekt, welches sich mit einer 125 Meter langen Modellstrecke im Test befindet und sich als die 5. Transportalternative zu Strasse, Schiene, Wasser und Luft anpreist.

Bei CargoCap handelt es sich um ein Gütertransportsystem für Ballungsräume. Das System ist für Transporte im Nah- und Regionalverkehrsbereich bis 150 Kilometer konzipiert. Die Caps fahren 24 Stunden am Tag in einem unterirdisch weit verzweigten Fahrrohrleitungsnetz viele Stationen an. Am Ziel schleusen sich ein oder mehrere Caps selbständig in eine Station zum automatischen Be- und Entladen.

Die Vorteile von CargoCap liegen auf der Hand:

  • Autonom
  • Leistungsfähig
  • Flexibel
  • Zeitgenau
  • Witterungsunabhängig
  • Erweiterbar
  • Umweltgerecht
  • Flächensparend
  • Innovativ
  • Minimiertes Gefahrenpotential gegenüber Dritten

Swiss CargoTube: Pricing

Zurück zur Swiss CargoTube. Beat Fahrni sagte an der Medienorientierung ganz klar: “Mega-Projekte MÜSSEN sich Privat-Wirtschaftlich rechnen!” So gibt es für die unterirdische Güterbahn verschiedene Möglichkeiten, um Einnahmen zu machen:

  • Anschluss-Gebühren und -Optionen
  • Fracht-Tarife, Tarif-Optionen
  • Langfristige Transport-Dienstleistungs-Verträge
  • Staatsbeiträge (für die Entlastung Strasse & Schiene)
  • Lizenzerträge aus Patenten
  • etc.

Weshalb es die Swiss CargoTube braucht

Fakt ist: Das Handelsvolumen weltweit nimmt von Jahr zu Jahr zu. Auch jetzt, in der Wirtschaftskrise. Die Infrastrukturbereitstellung jedoch ist nicht immer im gleichen Umfang möglich wie das Wachstum des Transportvolumens. Es sind zunehmende Engpässe zu erwarten.

Die Swiss CargoTube bietet garantierte Transportzeiten, keine zeitlichen Einschränkungen (Nachtfahrverbot), einen kontinuierlichen Güterfluss und verhindert Stausituationen.

Der Schienengüterverkehr läuft oft über stark frequentierte Strecken, so zum Beispiel zwischen Zürich und Bern und auf der Nord-Süd-Achse. Dadurch gibt es tagsüber kaum freie Kapazitäten und der Transport ist fast ausschliesslich nachts möglich.

Konklusionen

Tolles Konzept! Die Menschen in der Schweiz werden auch in Zukunft mobil sein und der Verkehr wird zunehmen, sowohl auf Strasse und Schiene als auch in der Luft. Umso wichtiger sind solche Projekte. Nun wäre es imho an der Zeit, dass sich SBB, Post, Logistikfirmen, Bund, Kantone, Swissmetro, Swiss CargoTube und Co. zusammensetzen und die mobile Zukunft der Schweiz gestalten und koordinieren.

Wir brauchen neue Ideen und Technologien, um unser Land voranzubringen. Es kann und darf nicht sein, dass wir auf dem heutigen Stand stehen bleiben und einfach stur die bestehenden Infrastrukturen noch mehr und noch mehr vergrössern und erweitern. So verbauen wir schlussendlich unser ganzes schönes Land und es wird in etwa so aussehen:

An dieser Stelle und als Abschluss noch der Link zum neusten Artikel im Swissmetro-Blog: The Future Begins Today…

Bilder © PPP Schweiz / Swiss CargoTube / Swissmetro

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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Piero Mai 14, 2009 um 16:37

Genau, koordinieren und endlich anfangen, die zukünftige Generationen werden es uns danken. Vorher sollte man vielleicht den Tunnelbau technisch weiterentwickeln.. und aufpassen, dass die Schweiz nicht auf einmal “zusammenbricht”, wenn wir alles immer mehr durch- bzw unterlöchern.

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Sandra-Lia Mai 14, 2009 um 17:12

bin grundsätzlich auch dafür, aber nur unter der Bedinung, dass damit nicht wieder nur Arbeitspötze durch Computer und Roboter ersetzt werden. Wenn müssten die dinger von Menschen befahren werden. Denn irgendjemand muss ja sonst die ganzen Arbeitslosen zahlen!

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Peter Mai 14, 2009 um 17:14

Die Idee ist nicht wirklich neu, wenn ich an die Güter-U-Bahn von Chicago denke. Die bahn war bis 1956 in Betrieb und hatte in den besten Jahren eine Streckenlänge von 100 km, 150 Lokomotiven und 3000 Güterwagen. Siehe hier.

Ich denke aber, dass sich das System nur im urbanen Raum mit relativ kurzen Strecken lohnt, wie z.B. der Vorschlag CargoCap für das Ruhrgebiet.

Bei Güterbahnen sind die Anforderungen an die Sicherheit nicht so hoch wie bei Personenverkehr, aber wenn die Fahrzeuge unbemannt sind, stellt sich die Frage was das geschieht bei einer Störung. Müssen wir dann wie im Bergbau über der Störstelle ein Loch abteufen um an die gestörte Stelle überhaupt rann zu kommen?

Gefahrenguttransport in diesen Tunnels dürfte auch noch Fragen aufwerfen.

Untertagbau ist auf jeden Fall sehr teuer, deshalb lohnt er sich nur, wenn zwingend nötig, das heisst in Städten und unter Bergen. Eine oberirdische Lösung wäre sicher billiger, wirft aber umwelttechnische Fragen auf. Könnte man eventuell eine aufgeständertes Trasse über den Autobahnen führen?

Swiss Cargo Tub wirft etwas weniger Fragen auf als SwissMetro, aber es sind immer noch genügend.

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Ralf Mai 14, 2009 um 17:34

Swissmetro ist zwar eine nette Idee, es wird aber eine Idee bleiben. Das Problem sind nicht die Röhren sondern das Vakuum. Die Erzeugung und Aufrechterhaltung des Vakuums in dieser Größenordnung werden sehr hohe Betriebskosten generieren. Auch müssen die Züge Atemluft mitführen und in den Bahnhöfen durch Luftschleusen geführt werden. Die Röhren müssen für den Störungsfall über Anlagen zur Notflutung mit Atemluft verfügen. Auch das wird sich in den Betriebskosten niederschlagen.
Aber wie gesagt, die Idee ist gut.

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Piero Mai 14, 2009 um 19:26

Stimmt, das sind die Knackpunkte an der Swissmetro. Die Kosten für den Bau errachte ich nicht mal als hoch: alleine die Landkäufe etc über dem Boden würde wohl das selbe kosten, die vielen Einsprachen und vorallem der Platzmangel kommt noch hinzu.

Aber auch eine Swissmetro würde die Probleme im Verkehr nicht wirklich lösen, im Gegenteil: Wenn 90% der schweizer Bevölkerung innert einer Stunde 90% der Bevölkerung erreicht, dann wird einfach noch weiter gefahren – und noch mehr. Selbst Leute, die heute eher noch Auto fahren würden auf den ÖV umsteigen, weils einfach nichts schnelleres gebe. Was wiederum bedeutet, dass dann auch eine Swissmetro viel fahren muss und auch bald an die Grenze der Kapazität anbelangt.

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Sandra-Lia Mai 15, 2009 um 11:51

naja, wenn die zweispurig ist, kann sie theoretisch ja alle 5 Minuten fahren, und damit wären die Kapazitätsprobleme ja beseitigt. Denn die Ubahnen dieser Welt befördern mit sicherheit mehr leute, als das die Swissmetro tun wird.

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Andreas Hobi Mai 15, 2009 um 12:57

Die unterirdischen Bahnen sollen ja die bisherigen Verkehrsträger nicht ersetzen, sondern sie ergänzen. Deshalb ist es durchaus so, dass dank den neuen Bahnen (Swissmetro, Swiss CargoTube) mehr Personen und Güter transportiert werden können, als bisher.

Denn irgendwann werden wir um die unterirdische Infrastruktur froh sein, weil oberirdisch keine Kapazitäten mehr frei sind.

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Piero Mai 15, 2009 um 14:25

Werbespot für Swissmetro:

Es ist Montag, man sieht einen Typen im Stau, er regt sich auf.. Dienstag das selbe Bild.. Mittwoch.. bis wieder Montag ist, Montag nach dem Fahrplanwechsel.. wieder sieht man den Typen im Auto.. doch: er ist alleine, kein weiteres Auto auf der Autobahn. Über die Autobahn weht ein Strohstück, analog der verlassenen Städten in den Wildwestfilmen. Eingeblendet wird folgender Text:

Haben Sie nicht etwas verpasst?

Reisen Sie schnell und bequem mit der Swissmetro, so schnell, als würden Sie von Scotty gebeamt.

Jetzt Umsteigen, Ihre SBB und Swissmetro.

Autofahren ist für Leute von gestern…

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Peter Mai 15, 2009 um 15:12

>> .. die Probleme im Verkehr nicht wirklich lösen, im Gegenteil: Wenn 90% der schweizer Bevölkerung innert einer Stunde 90% der Bevölkerung erreicht, dann wird einfach noch weiter gefahren – und noch mehr.

Es gibt das Arbeitswegsgesetz: Der Arbeitsweg dauert für den Durchschnitt der Bevölkerung 45 Minuten … und das schon seit Jahrzehnten. Mehr öV oder mehr Strassen lockt Verkehr an und macht, dass die Leute weitere Wege zur Arbeit zurücklegen.

In der Schweiz kommt dazu, dass der grösste Anteil am Verkehr Freizeitverkehr ist.

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Tom Mai 16, 2009 um 18:53

Das gab es auch schon in London, und das ist noch gar nicht so lange her: http://de.wikipedia.org/wiki/London_Post_Office_Railway

Soooo einfach ist das mit der Wirtschaftlichkeit also auch wieder nicht.

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gentux Mai 18, 2009 um 08:52

Naja bis der 5-Minuten-Takt der Swissmetro voll ist, dauerts noch ein paar Jährchen.

Vielmehr würde ich sagen, es ist schön auch seine entfernt wohnenden Freunde am Wochenende zu besuchen, oder halt nach Feierabend.

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Rudolf Burgener Juni 20, 2009 um 22:08

So lange noch der Verkehrsminister Leuenberger SP im Amt bleibt und die Abgassteuer stets regelmässig erhebt, die Bahnpreise auch steigen trotz gleicher Leistung, muss man sich nicht wundern, dass die Bevölkerung wieder zum komfortablen Auto zurückgreift.
Die Strassen- und Autobahnen sind chronisch überlastet, die Nerven blank.
Daher ist eine Swissmetro, eine Swiss Transrapid-Express und eine Swiss Cargo Tube die sauberste Lösung. Swiss Cargo Tube wäre der Autobahnen entlang das idealste.

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Martina Keller August 9, 2011 um 08:35

gute Idee, aber seeehr unrealistisch

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Martina Keller August 9, 2011 um 08:35

gute Idee, aber seeehr unrealistisch

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