Zeitunglesen im öffentlichen Verkehr verboten!

von Andreas Hobi am 13. Mai 2009 · 10 Kommentare

Wie würdest du darüber denken, wenn es plötzlich hiesse, du dürfest im Tram und im Zug keine Zeitung mehr lesen? Bye bye 20 Minuten, tschüss Blick am Abend?

Tönt unrealistisch? Mitnichten! Die Tokio Metro hat genau dieses Verbot eingeführt. Dort ist es verboten, Zeitung zu lesen. “Please do it at home.” heisst es schlicht und ergreifend.

Auch wenn ich der Meinung bin, dass sich dieses Schild in einigen Dekaden eh erledigt haben wird (wer läuft dann noch mit Papier herum, auf welchem die News von gestern stehen?), bin ich doch erstaunt über dieses Vorgehen.

Bei uns wäre man froh, die Bevölkerung – und besonders die Jungen – würden mehr Zeitung lesen. Nicht nur 20 Minuten und Blick, sondern auch Tages Anzeiger, Basler und Berner Zeitung. Und die alte Tante NZZ, sofern genügend Zeit vorhanden. Zeitung lesen im ÖV verbieten? In der Schweiz gäbe das einen Aufstand!

Klar, ein bisschen verstehe ich das Verbot schon. Die Japaner haben Angst, dass die Zeitungsleser zu viel Platz brauchen. Aber da könnte man ja auch einfach ein grosses Schild aufhängen mit der Aufschrift “GESUNDER MENSCHENVERSTAND”. Dann wäre es den meisten klar, dass sie ihre Zeitungen auf die Seite legen sollen, sobald es in der Bahn zu voll wird. Genau so, wie man in der Metro Paris darauf hingewiesen wird, die Klappsitze nur dann zu benutzen, wenn es genügend Platz hat.

Das Zeitungslese-Verbot der Japaner. Unsinnig, wie ich finde. Und wie denkt ihr darüber?

Quelle: medienlese.com | Ole Reissmann

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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Andy Mai 13, 2009 um 14:40

Wer je zur Rush-Hour die Metro in Tokio (oder auch in anderen Städten, z.B. London) geniessen durfte, der würde nie auf den Gedanken kommen, Zeitung lesen zu wollen. Im Gegenteil, er ist froh, wenn er wieder heil am gewünschten Zielort aussteigen kann… ;-) Da aber der Egoismus wohl auch in Tokio stärker wird, sind solche Hinweistafeln vielleicht doch nötig…

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Dani Mai 13, 2009 um 15:07

Zug fahren ohne 20min unvorstellbar

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Marco-san Mai 13, 2009 um 16:49

Ich kenne die unterschiedlichen S und U Bahnen von Tokyo. Zur Rush-Hour ist Zeitung lesen unmöglich. Wer sie wie eine Sardine in der Dose vorkommt, der will nur eines, raus an der richtigen Station.
Zudem verbringen viele Japaner ihre Zugfahrt mehr schlafend als wach. Unglaublich wie die jeweils an der richtigen Station wach werden und aussteigen…

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Piero Mai 13, 2009 um 17:41

@Marco-San

Och,das mit dem Wachwerden hab ich auch immer geschafft. OK, mit zwei Ausnahmen innert 10 Jahren :D. Frag mich aber nicht, wie das geht, man wacht einfach rechtzeitig auf.

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roger Mai 13, 2009 um 19:09

keine zeitung im zug? nö, hinter was soll ich mich dann verstecken, wenn jemand kommt, den ich nicht sehen will, oder so ….

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zlak Mai 13, 2009 um 20:28

Meiner Meinung nach ist das Verbot auch nicht unsinniger als das Verbot, im Tram etwas zu essen oder zu trinken, wie es zur Zeit an verschiedenen Schweizer Orten eingeführt wird oder wurde.

Natürlich, wer seinen halben Kebab auf dem Sitz verschmiert benimmt sich daneben, genauso wie jemand, der eine Zeitung im FAZ-Format in der vollgestopften S-Bahn lesen will. In beiden Fällen ist gesunder Menschenverstand gefragt, keine Verbote.

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Sandra-Lia Mai 13, 2009 um 23:33

naja, in Berlin lesen viele im vollen Zug die Zeitung. Selbst im Stehen, kein Problem. Mit Formaten wie 20min und Blick am Abend / eqvl. in Berlin: Berliner Express, BZ Berlin und andere (nur kostenpflichtig). Die sind kompakt, so dass man sie eben überall lesen kann. Vllt. haben die in Japan ja noch nie was von so praktischen Formaten gehört.. ich mein, wenn alle NZZ lesen würden.. gäbs scho probleme

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Peter Mai 14, 2009 um 05:54

Das Verbot will nur sagen, dass man sich mit der Zeitung nicht breit machen soll.
Japanische Verhältnisse sind hier.

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Gumbo Mai 14, 2009 um 10:22

Auch der Tagi könnte sich mal ein besseres Format überlegen. Ich hasse das Blätterpuff jedesmal, nicht nur im Zug.
Die NZZ lese ich als Büezer nicht. Die ist für die Banker.

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Jeniffer Mai 15, 2009 um 20:19

Ich denke es geht hier wirklich um die Rücksicht mit den anderen Zugfahrern, denn in Tokio kann man wirklich froh sein nicht zerquetscht zu werden. Ich würde hier freiwillig auf das Zeitung lesen verzichten.

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