
Bild © (cc) Esparta (flickr.com)
Auf der Welt leben 6’750’000’000 Menschen. Wenn nun innerhalb eines Monats zwölf (12!) dieser 6’750’000’000 Menschen an einer bestimmten Krankheit sterben, hättest du dann Angst vor dieser Krankeit?
Schweinegrippe. Eine Gefahr für uns oder nur ein Medienhype? Fakt ist: Tag für Tag sterben mehr Menschen an einer normalen Grippe, als an der Schweine-Influenza, Mexiko-Grippe, Mexikanischen Grippe, Nordamerikanischen Grippe, A/H1N1 oder wie auch immer man sie nennen möchte. Der Anteil der Menschen, welche an der Schweinegrippe starben, beträgt gegenüber der Weltbevölkerung gerade einmal 0.000000177777778 Prozent.
Trotzdem gibt es anscheinend eine Menge Leute, welche panische Angst vor einer Ansteckung haben. Zu Recht?
Es gibt Schlimmeres
Die Schweinegrippe verbreitet sich – wie auch die normale Grippe – sehr gut an Orten, an denen viele Leute zusammentreffen. Dazu gehören auch öffentliche Verkehrsmittel und deren Haltestellen. Als Kondukteur müsste ich dabei ja eigentlich tagtäglich mit einer Riesenangst zur Arbeit gehen. Tue ich aber nicht. Wieso? Weil ich den Hype absolut übertrieben finde.
Jeden Tag sterben Leute in der Schweiz. Verkehrsunfall. Hirnschlag. Herzproblem. Krebs. Haushaltsunfall. Mord. Aber Schweinegrippe? Bisher gibt es in der Schweiz noch keinen einzigen solchen Todesfall. Wer panische Angst vor diesem Virus hat, der müsste imho erst recht panische Angst haben, eine Strasse zu überqueren, sich aufs Velo zu setzen, die Treppe im eigenen Haus zu benutzen. Ja, er dürfte wohl nicht mehr vor das Haus treten.
Im letzten Monat starben weltweit:
- 132’000 Menschen an Tuberkulose
- 108’000 Menschen an Malaria
- 50’000 Menschen an Masern
- 21’000 Menschen an einer normalen Grippe
- 12 Menschen an der Schweinegrippe
So what?!
Doch nicht nur Menschen, sondern auch Firmen reagieren teilweise über. Laut Tagesanzeiger droht die SBB ihren Mitarbeitenden, die Quarantäne der Mexiko-Ferien von den Ferien abzuziehen. Von der SBB verordnete Zwangsferien, sozusagen. Laut Arbeitsrechtprofessor Thomas Geiser eine unverhältnismässige Sache.
Angst im öV?
Wie sieht es mit den Fahrgästen aus? Mich würde es dabei vor allem interessieren, wie die Reisenden auf Mitfahrende reagieren, welche niesen oder Grippesymptome zeigen.
Viele schweizweit.net-Leser sind regelmässig mit Bus, Tram und Zug unterwegs. Wie erlebt ihr eure Fahrten? Dazu habe ich eine kleine Umfrage gestartet und ich würde mich freuen, wenn ihr euch eine Minute Zeit dafür nehmt. In einigen Tagen könnt ihr dann die Ergebnisse hier auf schweizweit.net begutachten.
Sehr interessant war es auch, zu beobachten, wie die Personen im gestrigen Schweinegrippe-Beitrag des Boulevardmagazins “Explosiv” reagierten. Ein Schauspieler war dort – gefilmt von einer versteckten Kamera – niesend im Kaufhaus unterwegs. Etliche “Opfer” reagierten daraufhin sofort mit dem Verdacht auf Schweinegrippe. Irgendwie verrückt, finde ich.
Der Hype legt sich
Nun scheint es aber so, als beruhige sich die Lage langsam wieder. In Mexiko öffnen die Geschäfte, Firmen, Fabriken und Restaurants wieder ihre Tore und Mittel- sowie Hochschulen nehmen den Betrieb wieder auf.
Auch die Statistiken von Google Trends zeigen ein sinkendes Suchvolumen.

Das Thema wird wohl heisser gekocht, als es gegessen wird und in einigen wenigen Wochen ist es vom Tisch und niemand spricht mehr davon. Oder seht ihr das anders? Ich bin gespannt auf eure Meinungen in der Kommentarspalte dieses Artikels!
Video gefunden wie bernetblog.ch

{ 13 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }
Oh mann.. was für ein Thema. Da grad der neue Star Trek Film anläuft würde ich mal emotionslos wie Mr. Spock sagen: “Faszierend”. Oder als Klingone würde ich die Menschheit wegen so einer doofen Panik schallend auslachen.
Liebe Panikmacher, falls ihr es vergessen habt: Wir werden alle sterben!!!! Ohne Ausnahme!!!! Jeder – auch Du. Weil wir alle haben eine tödliche Krankheit, genannt Leben, welches noch kein Mensch überlebt hat.
(Damit habe ich meine Ansicht wohl übermittelt ;) )
“Weil wir alle haben eine tödliche Krankheit, genannt Leben, welches noch kein Mensch überlebt hat.”
Mein Satz der Woche! ;-)
Leider einer dieser populistischen “Otto Normalverbraucher weiss es besser als die zuständigen Fachbehörden”-Beiträge ohne fundiertes Fachwissen. Ich bin auch kein Biologe, aber dann kann man den zuständigen Fachpersonen Vertrauen schenken:
Im Gegensatz zu normalen Grippeviren ist der H1N1-Virus stark und schnell mutierend. Deshalb ist es gut möglich, dass er zu einem (für den Menschen) viel gefährlicheren Virus mutieren kann als er es bis jetzt ist. Und je stärker er verteilt ist, desto grösser wird diese Wahrscheinlichkeit. So ist es möglich, dass es dann schnell einmal mehr als die “paar wenigen” Todesfälle werden. Darum sind Vorsichtsmassnahmen mehr als angebracht.
Aber eben, ihr wisst es ja besser. (Die gleiche Besserwisserei trifft man ja auch in der Klimathematik an)
@ Schneeflocke:
Ich denke nicht, dass ich in dieser Hinsicht übertrieben habe. Schau mal, seit Ausbruch der Schweinegrippe sind mit Sicherheit einige hundert Menschen von Mexiko her kommend in die Schweiz gereist, welche das Virus auf sich trugen. (Nicht jeder, der ein Virus auf sich trägt, erkrankt auch automatisch daran.)
Und auch jene Person, welche in den Schlagzeilen war (weil fälschlicherweise infiziert nach Hause geschickt) hatte vermutlich mit mehr Menschen Kontakt, als sich nachher bei den Ärzten gemeldet haben.
Es befinden sich also mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit etliche Menschen in der Schweiz, welche den Virus – ohne es zu wissen – auf sich tragen. Diese Menschen gehen arbeiten, gehen in den Ausgang und bewegen sich.
Trotzdem dreht sich die Welt weiter. Man sollte die Gefährlichkeit dieses Virus also nicht überbewerten.
Dies ist meine Sicht der Dinge. Ich verstehe es, wenn du es anders siehst und dich vor dem Virus fürchtest.
Naja, vielleicht hatte ich es vorhin zu drastisch formuliert, sorry. Fürchten tu ich mich sicher nicht und gehe nach wie vor ohne Angst in den ÖV :).
Trotzdem bleibe ich dabei: Ohne die weltweiten Vorsichtsmassnahmen wäre es eher möglich, dass sich aus einem schnell mutierenden Virus ein richtig gefährlicher entwickeln kann. Im Nachhinein ist es natürlich einfach zu sagen, dass alles übertrieben war, ohne zu wissen, wie es ohne Vorsicht ausgegangen wäre.
Übertrieben finde ich dagegen auch, wenn ein Infizierter täglich mit Bild in vielen Zeitungen kommt und sich Tausende mit Tamiflu eindecken
Ich finde auch das die Vorsichtsmassnhamen gerrechtfertigt sind. Zumindest geben sie den einen Leuten das vertrauen das etwas gemacht wird. Klar der Virus kann mutieren und gefährlich werden…. nur das können andere Viren auch. Das Problem ist eher das sie Leute es übertreiben mit den Massnahmen… sie meine sich mit Kiloweise Tamiflu einzudecken und Mundschutz zu tragen das wär dann der Weisheit letzter Schluss, die meisten davon vergessen dabei die einfachsten und normalsten Vorkehrungen gegen Viren und sonstige Bakterien. Folgendes Beispiel….. man rennt mit Mundschutz umher aber Wäscht das Obst das man von der Offenauslage gekauft hat nicht vor dem Essen, man Wäscht sich die Hände nicht vor dem Essen…. nachdem man tausend Türgriffe angefasst hat etc. etc.
Schneeflocke
Ich bin mit dir einig. Besser vorsichtig sein, vielleicht lohnt es sich einmal. Wenn das Mexiko-Virus sich mal mit der Vogelgrippe zusammentut, kann’s schon bös werden. Wenn dann jeder den Zugang zu Tamiflu oder was Neuem hat, ist das auch nicht schlecht.
Nur muss man aufpassen. Wie Brummbaer schon angedeutet hat, besteht bei einer zu grossen “Panikmache” die Gefahr, dass die Leute unverhältnismässig viel Tamiflu einnehmen, möglicherweise schon beim kleinesten Verdacht. Und dann könnte es – meinem bescheidenen Wissensstand nach – passieren, dass irgendwann ein Virus gegen Tamiflu immun ist.
Richtig wäre es also schon, dass man – wie Gumbo schreib – zwar Zugang hat zu entsprechenden Medikamenten, diese aber wirklich auch erst dann einnimmt, wenn es der Arzt verordnet.
irgendwie hoffe ich ja noch immer, dass der Virus so ist, dass er nur die Abzocker und Reichen, so wie die Egoisten ausrottet. (Das die Welt dann von ihrem schlimmsten Virus, dem Menschen, befreit würde, wäre auch ein kleiner, nicht zu verachtender nebeneffekt) *sarkasmus ende*
Aber wie wärs, wenn die hälfte der Menschheit verschwinden würd, würde doch viele Probleme lösen.
Hier nun noch die Resultate der Umfrage:
Bisher haben 30 Personen teilgenommen. Davon antworteten 26 Personen auf die Frage “Hast du grundsätzlich Angst vor der Schweinegrippe” mit “Nein”. Vier haben ein bisschen Angst.
Mit der Schweinegrippe im öffentlichen Verkehr schaut es fast gleich aus: 28 mal nein, einmal ein bisschen und einmal Ja.
Wie reagieren die Umfrageteilnehmer auf jemanden, der im öV Anzeichen einer Grippe zeigt? 25 gar nicht, 4 wechseln den Platz, 3 gehen zum Arzt, sobald sie Symptome haben.
Bei der letzten Frage antworteten alle 30 Personen mit “Seit Ausbruch der Schweinegrippe benutze ich den öV genau gleich oft”. Lobenswert! ;-)
Ein gutes Interview, in welchem vor allem auch die Bennenung des Virus thematisiert wird: http://www.faz.net/s/Rub268AB64801534CF288DF93BB89F2D797/Doc~EC3478C331AAF496F9591FF1F83DED1C9~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell
Wir Berufs-Pendler sind jeder Krankheit vermehrt ausgesetzt, die sich durch Husten und Niesen verbreitet. Ich vermisse hierzulande die Beachtung einer einfachen und wirksamen Hygienemassnahme – Husten bzw. Niesen nur im Papiernastuch bzw. Tragen einer Gesichtsmaske wenn stark erkältet – egal, wie gefährlich der Erreger. Wer will schon das Wochenende krank im Bett verbringen? Warum muss es sich um eine evtl. tödliche Krankheit handeln, ehe diese grundlegende Regel landesweite Beachtung findet? In Asien bzw. UK und USA wird sie von jedem Schulkind gelernt und befolgt. SBB: Bitte unbedingt Merkblätter gut sichtbar in den Zügen auflegen, und Plakate aufhängen. Und evtl. sogar die Papiertaschentücher dazu …
@ Karen:
Ich weiss nicht, ob es wirklich Aufgabe der SBB ist, die Bevölkerung vor sich selbst zu schützen. Viel eher läge es am Bundesamt für Gesundheit und jedem einzelnen Bürger, für die Gesundheit und Aufklärung zu sorgen.