
Bild © (cc) Kecko (flickr.com)
Kann es wirklich sein, dass man als Kondukteur 75% seiner Tour keinen einzigen Problem-Fahrgast hat und dann im letzten Viertel, auf der letzten Strecke, innerhalb der letzten eineinhalb Stunden des Arbeitstages gleich einen nach dem anderen?
Genau dies ist mir passiert. Zeitweise glaubte ich fast daran, Hauptperson in einer neuen Episode der versteckten Kamera zu sein, doch es war alles ganz real und echt war.
Der 4. April 2009. Ein Samstag wie jeder andere auch. Meine Tour führte mich zuerst von Chur nach Zürich. Soweit ich mich erinnern kann, verkaufte ich auf dieser Strecke nicht ein einziges Billett. Alle Fahrgäste stiegen mit gültigen Fahrausweisen ein. Auf der Rückfahrt nach Chur sah es nicht viel anders aus. Ein paar wenige Billette konnte ich an den Mann und an die Frau bringen, doch die Einnahmen deckten nicht die Kosten, welche der SBB durch meine Anwesenheit entstanden.
Nach der Pause ging es auf die “berühmt-berüchtigte” St. Galler-Linie durchs Rheintal. Während andere Zugbegleiter diese Route gerne fahren und selten Probleme haben, sitzt bei mir doch verhältnismässig häufig mindestens jemand im Zug, der nicht so will, wie ich es gerne hätte. Vor allem rund um Altstätten SG kommt es ab und an zu Problemen mit den dort in einem Zentrum einquartierten Bewohnern.
Doch von Chur bis St. Gallen verlief es an diesem Tag sehr ruhig. Kumuliert betrugen meine Einnahmen von Chur – Zürich – Chur – St. Gallen vielleicht gerade einmal mickrige 50 Franken.
Wenige Minuten nach dem es 20 Uhr geschlagen hat, fuhr mein Zug von St. Gallen zurück in die Alpenstadt Chur. Ich erwarte nicht viel spektakuläres und ging davon aus, eine ruhige Kugel schieben zu können, merkte dann aber rasch, dass ich mich in dieser Hinsicht schwer getäuscht habe.
Zwischen Rheineck und St. Margrethen. Ich stehe vor einer verschlossenen Toilette. Ein Passagier – der auf der Plattform steht, weil er gleich aussteigen möchte – teilt mir mit, dass die Toilette schon länger verschlossen sei. Ich klopfe an, ohne eine Antwort zu erhalten. Gleichzeitig fahren wir in St. Margrethen ein.
Auf dem Perron postiere ich mich so, dass ich die Toilette im Blick habe. Lange brauche ich aber auch gar nicht zu warten, schon geht die Tür auf. Heraus stolpert eine Dame mittleren Alters, welche vom Gewicht her locker das doppelte meiner bescheidenen 80 kg auf die Wage bringen dürfte. Sie steigt aus und ich verlange das Billett.
“Aber jetzt bin ich schon ausgestiegen!”
“Ich möchte trotzdem gerne mal noch Ihr Billett sehen.”
Sie streckt mir widerwillig ein Billett St. Gallen – Rorschach entgegen. Damit hätte sie vor zwei Stationen aussteigen müssen.
“Haben Sie auch noch ein Billett für die Strecke von Rorschach nach St. Margrethen?”
“Tüpflischiiser! Dann schreiben Sie mich halt auf.”
Unangemeldete Weiterfahrt. 100.- + 30.- + 2.40. Insgesamt 132.40 Franken für zwei Stationen. Bei der Erfassung der Personalien stellte ich dann fest, dass da eine Wiederholungstäterin vor mir steht, da in der Datenbank bereits erfasst.
Die Fahrt geht weiter und zwischen Altstätten und Buchs SG erlebe ich eine Begegnung mit einem sehr “gspässigen” Fahrgast. Sehr gepflegte Erscheinung. Macht einen seriösen Eindruck. Ist sehr höflich und brilliert mit einem sehr gutem Wortschatz. Sitzt mit dem Zweitklass-GA in der ersten Klasse und ist nicht bereit, den Klassenwechsel zu bezahlen.
Neugierig wie ich bin, wollte ich den Grund für seine fehlende Zahlungsbereitschaft in Erfahrung bringen. Seine Antwort zaubert mir einige Runzeln auf meine Stirn. Die Luzerner Zeitung habe geschrieben, dass man mit dem Zweitklass-GA keinen Aufpreis für die erste Klasse mehr bezahlen müsse, teilte er mir mit.
Nun, zu jener Zeit lief gerade die Geschichte mit dem Schwarzfahrer Jayanetti. Gut möglich, dass er da etwas falsch verstanden hat.
Ich kläre ihn darüber auf, dass nach wie vor die SBB die Regeln mache und nicht irgendein Luzerner Schundblatt. Er ist sich jedoch sicher, rein gar nichts falsch verstanden zu haben. Wir einigen uns darauf, dass ich seine Personalien erfasse und er die Rechnung per Post erhalte. Notabene mit einem Zuschlag von 30 Franken, womit er zu meinem Erstaunen einverstanden ist. Noch mehr erstaunt es mich dann, dass es sich bei ihm anscheinend NICHT um einen Wiederholungstäter handelt. In der Datenbank ist er nicht erfasst. Komische Geschichte. Komischer Mensch. Mit dem Blick, den er drauf hat, würde er gut in eine Geisterbahn passen. Die Mitarbeiter im Hollywood Tower of Terror im Disneyland Paris haben genau den gleichen Blick drauf.
Anyway, die Sache war geklärt und mein Geisterzug fuhr die Fahrt ging weiter. Sargans. Nicht ganz zwei Minuten vor Abfahrtszeit. Aus dem Augenwinkel sehe ich einen grell leuchtenden gelben Regenmantel durch die erste Klasse huschen. Schenke dem jedoch keine allzu grosse Aufmerksamkeit. Drei Stationen und eine Viertelstunde weiter, zwischen Landquart und Chur betrete ich einen Wagen, den ich seit Buchs nicht mehr kontrolliert habe.
In diesem Wagen sitzt der grell leuchtende gelbe Regenmantel. Er umhüllt eine zierliche Dame um die 40 Jahre.
“Ich muss noch ein Billett lösen.”
“Sehr gerne. Von wo nach wo geht die Fahrt?”
“Landquart Chur Halbtax einfach.”
“Landquart? Ganz sicher?”
“Ja! Wieso?”
“Sie sind sich also ganz sicher, dass sie in Landquart eingestiegen sind?”
“Was soll denn diese Frage?! Natürlich weiss ich, wo ich eingestiegen bin! Na hör mal!”
Danach verlange ich ihren Ausweis und beginne damit, die Personalien zu erfassen. Anfangs scheint es sie gar nicht gross zu kümmern, doch dann merkt sie doch, dass hier irgendwas komisch ist. Sie fragt mich, was ich da tue.
“Sie haben mir doch gesagt, Sie seien in Landquart zugestiegen, richtig?”
“Ja, bin ich auch.”
“Nur dumm, dass ich Sie bereits in Sargans habe einsteigen sehen.”
“Ach, Sargans, Landquart, da habe ich wohl etwas verwechselt. Kann ja mal passieren.”
“Sie sassen also noch nie ohne gültiges Billett in einem Zug?”
“Nein, NIE!”
“Mein Gerät sagt da etwas anderes. Sie sind in unserer Datenbank bereits erfasst. Stammkundin, könnte man da so sagen. Stammkundin der negativen Art, leider. Zweimal lügen kommt extrem schlecht. Habe ich gar nicht gerne.”
“Wie viele Millionen nehmt ihr von der Scheiss SBB jeden Tag ein??! Häää?! Und jetzt tun Sie so blöd wegen den paar Fränkli für die Fahrt von Sargans nach Landquart! Bestimmt finden Sie das auch noch geil, oder!? Gäll, Sie geilen sich jetzt gerade richtig an mir auf, geben Sie’s doch zu! Vermutlich sind Sie noch stolz auf Ihre Leistung! Wow, guuuuut gemacht, lieber Kondukteur, gaaanz gut! Jetzt hat der Chef sicher Freude!”
“So, dann müssten Sie hier unten bitte noch rasch unterschreiben.”
“Arschlöcher seid ihr! Hirnlose Arschlöcher!”
“Besten Dank und einen angenehmen Abend noch.”
Nicht unerwähnt lassen möchte ich an dieser Stelle, dass ich nebst diesen drei etwas speziellen Gestalten auch noch diverse Billette verkaufte. Alles in allem machte ich einen Umsatz im hohen dreistelligen Frankenbereich, der in etwa dem doppelten meiner “Tagesgage” entspricht. Und dass hauptsächlich innerhalb der letzten eineinhalb Stunden der Tour. Nun habe ich für die SBB doch noch rentiert. :)

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Wenn man es bedenkt ist es schon schade dass du dich für deinen Arbeitgeber rentiert hast.
Nicht das ich dich Arbeitslos machen möchte. Solange es Leute gibt die sich nicht an die Regeln halten können muss kontrolliert werden.
Aber man sollte es doch eigentlich besser wissen…
Kann es sein, dass aufgrund der aktuellen Wirtschaftskrise – wenn es sie dann wirklich gibt – es mehr Schwarzfahrer gibt und die Ausreden immer gewiefter werden?
Mh. Wäre aber peinlich geworden, wenn es zwei grell leuchtende gelbe Regenschirme im Zug gegeben hätte… :)
@ Dani
Ich glaube nicht, dass die Zahl der Schwarzfahrer zu nimmt, weil jetzt in der Krise eher viele Leute vom Auto auf den öV wechseln und die Schwarzfahrer auch vorher schwarzgefahren sind. Ich glaube nicht, dass es einen riesen Zuwachs gibt! Was glaubst du Andreas?
“Regelmantel” war natürlich gemeint…
Naja etwas überspitzt formuliert ist es jetzt schon, dass du nicht rentierst, wenn keine Billette verkauft werden. Denn ich gehe davon aus, dass im umkehrten Fall ja mehr Leute auch kein Billett lösen würden und somit der Verlust noch grösser wäre.
@ Dani:
Wäre tatsächlich interessant, entsprechende Statistiken zu erstellen. Ich persönlich bezweifle jedoch, dass die Zahl der Schwarzfahrer deswegen spürbar zugenommen hat.
@ Tom:
Eher hätte ich im Lotto gewonnen, als dass es in einem Zug (mit 5 Waggons) gleich zwei SOO gelbe Mäntel gehabt hätte. (Und das, obwohl ich eigentlich gar nie Lotto spiele…) ;-)
@ Adrian Senn:
Natürlich ist es nicht so, dass ich nur dann rentiere, wenn ich meinen Lohn wieder rein hole. Die Tatsache, dass die Fahrgäste davon ausgehen müssen, im Fernverkehr meistens kontrolliert zu werden, sorgt natürlich für sehr viele Einnahmen. Hinzu kommt, dass wir im Zug auch Auskünfte geben, was ein Stück weit auch das Image der SBB positiv beeinflusst, was wiederum finanziell bei der SBB spürbar ist. :)
Das erinnert mich an meinen Fall von gestern Montag. Da musste ich 80.- Zuschlag zahlen weil mein Jahresabo für 500 Meter nicht mehr in die Zone gepasst hat. Der Kontrolleur ist sogar in der nächsten Station eingestiegen und hat mich dann gefragt ob ich hier oder schon vorher eingestiegen bin. Da ich zum aller ersten mal eine Station vorher eingestiegen bin hatte ich keine Ahnung dass mein Jahresabo erst 500 Meter später gültig ist.
Ging um die RBS-Strecke Boll – Stettlen – Bern….Ab Stettlen wäre mein Abo gültig gewesen. Boll – > Stettlen ca. 500m Luftlinie.
Findet das jemand fair??? Jeder normale Mensch wäre in dieser Situation ausgerastet, aber ich als Volldepp hab die 80.- stei gezahlt und mich erst später darüber geärgert. verdammt..was bin ich nur für ein Volltrottel.
Das Geld hol ich mir schon irgendwie wieder zurück. So geht man nicht mit einem Stammkunden inkl. teurem Jahresabo um!
ahja, zum Glück kommt Ende Monat mein X5…dann hat die Scheisse ein Ende!
@Antonios
Fahre blos nicht zu schnell mit Deinem X5, dann dürfte es teurer als die 80 Franken werden.
@ Antonios:
Im November 2008 aus Versehen mit einem Zweitklassbillett in der ersten Klasse gesessen (aber nicht erwischt; Link: http://schweizweit.net/2008/11/19/dreimal-aus-versehen-schwarz-gefahren/comment-page-1/#comment-17655 ), jetzt aus Versehen das Abo ausserhalb der Gültigkeit benutzt… An deiner Stelle würde ich ein wenig besser aufpassen, sonst wird das noch teuer. ;-)
@Antonios
Es ist für Sie vielleicht schon mühsam und Sie nerven sich darüber. Verständlich! Aber wo sollen wir eine Grenze setzten. Der andere fährt 1km zu weit und nervt sich vielleicht auch darüber!??!! Leider können grosse Unternehmungen nicht immer so kulant sein wie kleinere, vorallem ein Kondukteur bekam den Auftrag und muss diesen ausführen, ob jetzt 400 oder 500 Meter spielt keine Rolle. Es gibt ein Bahngesetz und an dieses hat man sich zu halten, ansonsten bekommt der Arbeitnehmer Probleme!
@Andreas
Dort hätte ich den Aufpreis sehr gerne gezahlt. “Leider” kam niemand vorbei…;-)
Wäre es aber gestern nicht angebracht und fair gewesen mich einfach das Billet nachträglich FÜR 1,80 lösen zu lassen? 500m für Regio-Verkehr 80.- ist jetzt gar übertrieben. Vor allen ist der liebe Herr erst bei der nächsten Station eingestiegen…hätte ich wenigstens nicht gesagt dass ich vorher eingestiegen bin…aber auch für das bin ich zu dumm…
@ Antonios:
Ich glaube dir gerne, dass dir das besser gefallen hätte. :) Schliesslich hätte ich mich auch geärgert über die 80 Franken. Wobei ich mich eher über mich geärgert hätte als über die Kontrolleure…
@ Antonios:
Kannst dich ja mal mit dem Kundendienst in Verbindung setzen und fragen, ob man dir da nicht ein wenig entgegenkommen könne… Klappt natürlich nur, falls man dich dort noch nicht kennt… ;-)
Hättest du den „gspässigen“ Fahrgast in der Ersten Klasse ohne Busse einfach in die Zweite geschickt und der Frau die in Sargans und nicht in Landquart eingestiegen ist einfach nur ein entsprechendes Billett verkauft ohne Busse oder Meldung, dann wäre, glaub mir, die Welt nicht stehen geblieben aber sie wäre ein kleines bisschen freundlicher geworden. So kulant könnte auch die grosse die SBB sein!
soory, da ist am Ende ein “die” zuviel
@ Raff:
Naja, wie ich im Artikel schon erwähnte, wollte der Herr ja gar nicht in die zweite Klasse. Er war einfach der Meinung, man könne auch mit einem 2. Klasse-GA die erste Klasse benutzen.
Was den zweiten Fall anbelangt: Ich denke, das wäre das absurdeste, das ich machen könnte. Welches Signal geben wir damit den übrigen Fahrgästen?
Auch wenn es dir nicht gefallen wird, mache ich den Vergleich mit der Migros: Der Herr vor dir in der Kassenschlange will genau die gleichen Dinge nach Hause nehmen wie du. Jedoch legt er sie nicht aufs Kassenband, sondern versteckt sie unter seiner Jacke, da er sie nicht bezahlen möchte. Die Kassiererin merkt dies aber und bittet ihn, die Sachen herauszunehmen. Er wird aber nicht zur Rechenschaft gezogen und bezahlt schlussendlich genau den gleichen Preis wie du. Wärst du damit einverstanden?
Wer versucht, zu betrügen, der muss auch mit allfälligen Konsequenzen leben können.
Klar ist auch “die grosse SBB” immer wieder kulant. Dies aber nicht bei Betrügern, sondern viel eher bei Fahrgästen, die offensichtlich aus Versehen etwas falsch gemacht haben.
@ Hobi zum deinem Migros Beispiel:
Ja, auch wenn Du nun staunst, mich hätte es nicht gestört!
Anreeas, wie merkt man, ob jemand aus Versehen was falsch gemacht hat?
Ich war an dem Wochenende auch unterwegs, aber leider nicht in den kontrollierten Zügen von dir, hätten wir ein paar Worte wechseln können :) – und sorry, ich steh auf keiner Liste, weder graue, noch schwarze *g*
@ Piero:
Wir können gerne mal ein paar Worte wechseln. :) Zu deiner Frage zwei Beispiele:
Mehrfahrtenkarte nicht entwertet:
Jemand sitzt im Zug und hat seine Mehrfahrtenkarte nicht entwertet. Kostet eigentlich fünf Franken. Wenn ich nun sehe, dass er die ersten vier Fahrten auf der Karte immer entwertete, dann kann ich von einem Versehen ausgehen. In solchen Fällen drücke ich ein Auge zu und verlange keinen Zuschlag. Anders sieht es aus, wenn bereits die letzten zwei Fahrten vom Zugpersonal entwertet wurden.
Billett nicht mehr gültig:
Das Billett ist vor einigen Tagen abgelaufen. Wenn der Reisende nun aber vom Flughafen her kommt und in den Ferien oder auf Geschäftsreise war, kann ich davon ausgehen, dass er einfach nicht beachtet hat, dass sein Retour-Billett nicht mehrere Tage lang gültig ist. Da drücke ich ein Auge zu. Anders sieht es aus, wenn er ein abgelaufenes Retour-Billett Burgdorf-Bern hat, da kann ich kein Auge zudrücken.
Schlussendlich ist es ein Stück weit auch einfach die Erfahrung. Aus den Reaktionen von Seiten der Kundschaft kann man auch schon viel herauslesen.
Antonios
Antonios
Also, ärgern darfst du dich erst, wenn du dich um eine Kulanz beim Kundendienst der RBS bemüht hast, und diese es abgelehnt haben.
Ansonsten – die Gültigkeit der Abonnemente im Libero ist ja klar und deutlich im Zonenplan ersichtlich – da kann man nicht über den RBS-Kontrolleur schimpfen, wenn man diese Zoneneinteilung nicht beachtet.
Andi
Ich fände es besser, du würdest den 5-Liber fürs Entwerten ohne Ausnahme immer kassieren, denn es handelt sich um einen kleinen Betrag. Sonst kommt der gleiche Kunde das nächste Mal wieder und bringt dann das altbekannte Argument: “Letztes Mal hat es auch nichts gekostet, jetzt tun sie doch nicht so blöd!”
Gumbo
@ Gumbo:
Ich sehe das so: Wir sind für die Einnahmensicherung verantwortlich. In meinen Augen müssen wir jedoch dafür sorgen, dass wir nicht kurzfristig, sondern langfristig möglichst viele Einnahmen haben.
Ich bin überzeugt, dass wir auf lange Sicht finanziell besser dastehen, wenn wir nicht stur nach Paragraphen arbeiten, sondern auch mal fünfe gerade sein lassen und so das Image der SBB positiv beeinflussen. Dies führt dazu, dass die betroffenen Fahrgäste eher wieder mit der SBB fahren und auch in ihrem Verwandten- und Bekanntenkreis positiv über die SBB reden.
andi
Nun haben wir zwei Ansichten, die beide begründet sind. Was sagt aber deine Abteilung, dh deine Weisung, darüber? Oder ist das wie im Lotto – je nach Kondi, den ich erwische, zahle ich die Gebühr oder nicht? Und wie wählst du deine Kunden aus, wer zahlen muss oder nicht?
@ Gumbo:
Von meinem Vorgesetzten habe ich ganz klar den Auftrag, “mit gesundem Menschenverstand” zu arbeiten.
Wir können mit unseren Geräten ja zum Beispiel auch Getränkegutscheine ausstellen, als Entschädigung für kleinere Dinge. Es wurden schon Mitarbeiter gerügt (nicht von meinem Chef, sondern in anderen Depots), weil sie diese Gutscheine ZU WENIG OFT verteilten. Die Vorgesetzten sind also ganz klar daran interessiert, dass wir eine gewisse Kulanz gewähren.
Klar ist aber, dass wir es den Kunden immer deutlich machen, wenn wir ein Auge zudrücken. Bei den Mehrfahrtenkarten zum Beispiel sage ich jeweils ganz deutlich, dass es grundsätzlich fünf Franken kosten würde, ich diesmal aber darauf verzichte.
Die Kafibons sind sicher eine gute Idee, wenn die Reisenden wegen Bahnproblemen Aerger haben. Wenn sie aber selber schuld sind, finde ich, darfst du auch problemlos 5 Fränkli verlangen. Der Kunde kann ja eh sich selber an der Nase nehmen für seine Vergesslichkeit.
Beispiel für gerechtfertigte Kulanz:
Ich komme aus einem deutschen Landbahnhof und konnte dort nur bis Grenze Schaffhausen lösen. Ich bin im direkten Zug. Ich muss also im Zug noch die Schweizer Strecke nachlösen. Obwohl ich nichts dafür kann, bleche ich den 5-Liber – weil halt der Tarif es so vorsieht. Der gesunde Menschenverstand spielte hier also auch nicht.
Fakt is, dass der Liberotarif so was von unübersichtlich ist, dass ich ihn ungern nutze. Fahre oftmals mit Tickets, die über den Tarif hinaus gelten, nur, damit ich den scheiss libero ned unterstützen muss. / zudem ist es oftmals sogar billiger!
Sandra-Lia
Kannst du machen, ist ja nicht verboten.
Leider ist die Unübersichtlichkeit von Tarifen schweizweit problematisch. Sei froh, nicht im TNW (Regio Basiliensis) zu wohnen, da kommen noch -zig Sondertarife für Deutschland und dem Elsass dazu. Aber auch im Ausland hat jede grössere Stadt einen Verbund. Und die Flugtarife – da wollen wir lieber nicht davon reden.
naja, geht nicht darum.
Libero ist einfach nur schlecht! Ich mag zb. TNW! Oder VBB. Die sind übersichtlich!
Zudem nicht so überteuert wie Libero!
Zum Thema Klassen hätte ich noch eine Frage.
Einmal bin ich in Zürich knapp an den Bahnhof gekommen, natürlich wollte ich auf den 18 Uhr IC nach Bern. Am Perron eingestiegen und der Zug fuhr schon los, der erste Zweitklasswagen war rappelvoll, da kam mir gerade ein kleiner Schock “Befinde ich mich im Modul?” weitergelaufen, kamen zwei Erstklasswagen und dann “Mist, ja ich bin im Modul gelandet!”
Gut dem Zugsbegleiter bin ich nicht begegnet und der Zug fährt ja ohne Halt bis Bern. Ich setzte mich mit meinem 2. Klass-GA in die 1. Klasse.
Nun wenn man mich kontrolliert hätte, wie viel hätte ich zahlen müssen? Gibt es Kulanz, wenn man wirklich keinen Platz der 2. Klasse bekommt und für 50 Minuten auch keinen in Aussicht hat? Oder hätte ich noch im ohnehin schon vollen Aussenbereich der 2. Klasse stehen müssen? Die erste Klasse war fast leer.
@ Gentux:
Du hättest (wie überall im Fernverkehr) einen normalen Klassenwechsel bezahlt.
Grundsätzlich darf man natürlich nicht mit einem 2. Klasse-Fahrschein in der ersten Klasse fahren, ausser eben man bezahlt den Klassenwechsel oder der Kondukteur erlaubt das Wechseln in die 1. Klasse, weil die zweite Klasse im ganzen Zug bis zum letzten Platz voll ist.
Wäre nur noch interessant gewesen, wie den der reagiert hätte, weil der “Zug” hatte aus meiner Perspektive keine freien Plätze mehr, ausser ich hätte eine Halsbrecherische Aktion gestartet aber das wäre auch keinem Recht gewesen, ich wüsste auch nicht, wie man während der Fahrt in einen DoSto “einbricht”. Ausbrechen aus einem EW IV sollte wiederum machbar sein. :D Natürlich nur ein Scherz, mein Leben ist mir natürlich wichtiger als die paar Franken für einen Klassenwechsel.
Gentux
Unter uns: Auf die Billettkontrolle warten, um aufzahlen zu können, ist auch im oft nicht kontrollierten Modul legal.
Ich würde es auch so machen.
Naja ich hätte dann wohl freundlich gefragt und wenn der Begleiter gesagt hätte ich könnte theoretisch in die 2. Klasse (weil es Platz hat) hätte ich gezahlt. Aber eben einen Aufstand hätte ich nicht gemacht, muss das Image der jungen Erwachsenen etwas aufbessern, besonders wenn ich mich in der 1. Klasse aufhalte.
Hier noch die Antwort des Kundencenter auf meine Anfrage:
“Ich kann Ihre Situation durchaus nachvollziehen. Wer bezahlt schon gerne Fr. 80.– für einen Irrtum oder eine Unachtsamkeit?
Im Bereich der Fahrausweiskontrolle wollen wir indes nach Möglichkeit alle unsere Fahrgäste gleich behandeln. Fehlt ein gültiger Fahrausweis, erheben wir konsequent einen Zuschlag von Fr. 80.-, oder im Fall von nachträglicher Rechnungsstellung Fr. 100.-. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir dem Fahrgast damit betrügerische Absichten unterstellen. Im Hinblick auf eine glaubwürdige Kontrolle müssen wir aber eine konsequente Linie verfolgen, auch wenn dies im einen oder andern Fall aus der Sicht des Fahrgastes hart erscheint. Die Verantwortung dafür, dass ein gültiger Fahrausweis vorliegt, liegt beim Fahrgast, das deuten auch Sie in Ihrem Schreiben an.
Die Kontrolle hat wohl erst ab Stettlen stattgefunden, der Kontrolleur hat aber eindeutig beobachtet, dass Sie bereits im Zug gesessen sind. Deshalb hat er Ihnen auch die Frage nach dem Einstiegsort gestellt.
Aufgrund der Sachlage können wir Ihnen den Zuschlag nicht erstatten und hoffen auf Ihr Verständnis.”
DIES SIND DIE BERICHTE WESHALB ICH SCHWEIZWEIT MAG!
@ Patrick:
Danke für das Lob! ;-) Höre ich natürlich immer wieder gerne.
Antonios
Das war wohl die BLS?
Hallo Andreas
Nun, ich war ziemlich erstaund, dass du damit rechnest, dass du soviel einnehmen musst wie es deinen Arbeitgeber kostet dich zu beschäftigen. Natürlich ist deine erste Aufgabe das kontrollieren der Fahrscheine, denn sonst werden wir zahlenden Kunden wieder für die Schwarzfahrer zur Kasse gebeten. Aber hast du nicht noch viele weitere Aufgaben? Du schreibst immer wieder welches Sicherheitsgefühl das Zugpersonal den Gästen gibt. Wenn jetzt alle Fahrgäste immer ihren Fahrschein lösen würden, braucht es euch nicht mehr? Was ist im Notfall? Wer würde bei einem Unfall schnell – mit den nötigen Orts- und Gegebenheitskenntnissen Hilfe organisieren? Und nicht zu vergessen: Die Schweiz ist ein Touristenland! Unsere Gäste können so gut wie in keinem anderen Land mit dem ÖV fahren und dies liegt sicherlich auch an der kompetenten Hilfe des Zugpersonals.
Ich denke, duch mein GA wird auch dein täglich Brot finanziert, dafür musst du nicht auf Schwarzfahrerjagd gehen.
Lukas
LUKAS
Stimme zu. Die Schwarzfahrer müssen ja auch nicht gejagt werden. Sie kommen bei der Billettkontrolle von selbts zum Vorschein.
Ich glaube, Andi hatte diesen Satz auch nicht ganz so ernst gemeint. Es wird ja nicht auf Kommission gearbeitet.
Bei der Dienstleistung, die die SBB auf der Strecke St. Gallen-Chur anbietet, würde ich mich über Zechpreller nicht wundern.
Alte, total verdreckte Züge. Ewig lange Fahrzeit mit überlangen Halten in jeder Kleinstgemeinde und erst noch viel zu hoher Preis.
Auf dieser Strecke stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht, darum wird es dort immer Probleme geben.
Diese Strecke wird erst attraktiv, wenn man von St. Gallen ins Tessin schneller (weil weniger km) und billiger als über den Gotthard kommt.
Scheinbar musst du die Verkehrspolitik der SBB ausbaden.
@ Karlo:
Du beschwerst Dich über den Preis. Mit was vergleichst Du die SBB-Preise dabei?
Die vielen Halte im Kanton St. Gallen sind vom Kanton so gewünscht. Jeder, der sich daran stört kann sich dort beim zuständigen Sachbearbeiter beschweren. Siehe auch fahrplanentwurf.ch.
@Karlo
Andreas hatt da schon recht der Kanton bezahlt für die halte des REX. doch und da stimme ich dir zu die Fahrt dauert ewig. Leider ist es Technisch nicht möglich die Fahrzeit mit erhöhung der Reisegeschwindigkeit zu verkürzen da auf der Boden im Reihntal zu weich ist um die Kurven zu überhöhen. somit ist es Technisch nicht machbar die Geschwindigkeit auf über 80km/h zu erhöhen.
@Hermi
Meines Wissens wäre es technisch sehr wohl möglich, eine Schnellbahn im Rheintal zu erstellen gemäss eines Ingenieurbüros, das mit der Projektierung vor x Jahren mal beauftragt wurde (die NEAT wurde einst den Ostschweizern versprochen).
Was wir jetzt bauen sind Überkapazitäten am Gotthard (drüber und drunter; drüber wird wohl stillgelegt wie auch die 4-spurige Gotthardpassstrasse nicht zur Entlastung des Autostrassentunnels benutzt wird, sogar trotz minimen Mehrzeiten statt im Stau) und einen milliardenteuren kaum effizienzsteigernden Ausbau am Ceneri.
Die Anschlüsse in Norditalien sind wegen der überaus hohen Bevölkerungsdichte dort(jeder fünfte Italiener wohnt in der Lombardei=11 Mio. Einwohner auf fast halb so grosser Fläche wie die Schweiz) nicht ausbaubar.
Oder ist die einzige Effizienzsteigerung, dass man dann im Tessin wohnen kann und jeden Tag schnell nach Zürich zum Arbeitsplatz pendeln kann?
Ceneriausbau stoppen (wie auch NEAT-Gotthard-Linie) und dafür Rheintal ausbauen mit Tunnelverbindung von Thusis nach Chiavenna.
Von diesem Ausbau würde nicht nur die Ostschweiz profitieren, sondern auch Vorarlberg und ein grosser Teil des süddeutschen Gebietes (zusammen weit mehr als 1 Mio. Einwohner resp. zusammen die stärkste Wirtschaftsregion in Europa).
Zudem wäre dort auf italienischer Seite noch Kapazitätsausbauten möglich, um den immer grösser werdenden Verkehr aus Südosteuropa und nahostarabischen Staaten zu schlucken.
Während von der jetzig gebauten NEAT fast nur die italienische Volkswirtschaft alleine profitiert.
Die verkehrstechnische Fehlplanung der NEAT zeigt sich beim Lötschberg: führte nur zu höherer Mobilitätsnachfrage des Binnenpersonenverkehrs und zu keiner Effizienzsteigerung (darum jetzt 2. Röhre?) und zudem zu kaum einer Verlagerung des Güterverkehrs, weil nach Bern und Zürich in den Ausgang gehende walliser Teenies und zu ihrem Ferienhaus im Wallis fahrende Mittelländer die Bahninfrastruktur dort übermässig belasten.
Solange Bahnfahren von Nationalstaatendenken geprägt ist, wird sie immer mehr Marktanteile verlieren.
Wieso ist es zB nicht möglich, dass Österreich, Schweiz, Italien und Frankreich zusammen die öV-Überquerung der Alpen (Nadelöhr) zum Wohle des ganzen europäischen Kontinents koordinieren.
Lieber kocht jeder Staat sein eigenes Süppchen, statt sich zusammen als öV-Anbieter im internationalen Verkehrswegemarkt stark zu positionieren.
Der grenzüberschreitende Bahnverkehr war noch nie so mühsam wie heute. Vor hundert Jahren gabs mal Direktverbindungen zwischen London und Istanbul, zwischen Palermo und Oslo, zwischen St. Gallen und Paris. In den 50ern und 60ern europaweite TEE-Verbindungen. Davon sind wir heute weit entfernt resp. mühsam am Wiederaufbauen.
Eine Woche Zugbegleiter in einem Zug von Peking nach Moskau zu sein, statt alle paar Stunden den Zug zu wechseln, dh in einem Zug leben statt nur zu arbeiten, würde auch für Schweizer SBB-Angestellte eine neue Lebenserfahrung bedeuten und ihren Berufsstand um so viel Lebenserfahrungen reicher machen (mit den Kunden reisen statt nur zur Kontrolle der Kunden), wenn sie fähig wären endlich ihre Nationalstaatenbrille abzulegen (dies gilt für öV-Angestellte anderer Länder genauso).
@andreas
Ich vergleiche die Strecke über den San Bernadino ins Tessin statt über den Gotthard.
Es wäre doch möglich von St. Gallen in einer Stunde in Chur und von dort in 1.5 Stunden mit dem Postauto in Bellinzona zu sein.
Das wäre fast eine Stunde Zeitersparnis.
Profitieren würden nicht nur Ostschweizer, sondern auch 350’000 potentielle Kunden aus Vorarlberg und mind. 500’000 aus Süddeutschland.
Abgestimmt jedoch ist der sogenannte San-Bernadino-Express nur für Touristen aus dem ZH-Raum. Und hat noch zusätzlich die Aufgabe, den selbst gewählten Wohnort von Randregiönler zu erschliessen.
Zudem ist die Fahrt über den San Bernadino trotz deutlich weniger km um ca. 1/4 teurer. Problem der Postautos und nicht der SBB, obwohl beides Staatsbetriebe.
Mit Eröffnung der NEAT und deutlicher Verkürzung der Fahrzeit nach Zürich wird diese Variante sowieso nicht mehr gewählt werden. Auch die Strecke St. Gallen-Arth/Goldau der SOB wird zur Randregionenbahn verkommen.
Muss ich immer mehr km zurücklegen, dh auch immer mehr Energie verbrauchen und immer mehr Verkehrskapazitäten beanspruchen, weil es schneller ist und damit auch immer mehr zusätzliche Verkehrsinfrastruktur nachfragen?
Niemand rechnet nach Anzahl km sondern nur nach Fahrzeit.
Ob öV oder MIV: Ausbau der Verkehrsinfrastruktur zur Zeitgewinnung führt nicht zu Effizienzsteigerungen sondern zu immer mehr gefahrenen km und damit zu immer mehr Nachfrage nach zusätzlicher Verkehrsinfrastruktur.