Billettfälschern auf der Spur

von Andreas Hobi am 8. April 2009 · 16 Kommentare

Lake of Lucerne
Bild © (cc) iwouldstay (flickr.com)

Daniel Fankhauser ist bei der SBB der Spezialist für Fälschungen, und für das Zugpersonal der Ansprechpartner, wenn bei einem Billett eine Fälschung oder mindestens eine Manipulation vermutet wird.

Bereit im November 2008 hat 20min.ch unter dem Titel Billettblüten – SBB haben Ticketfälscher im Visier über ihn berichtet. In den letzten Tagen kamen noch Artikel im Blick am Abend sowie TagesAnzeiger hinzu.

Im Artikel Der Mann, der Billettfälschern das Handwerk legt erfährt der geneigte Leser zum Beispiel, dass geschätzte 10% (!) der internationalen Interrail-Abos gefälscht sind. Und man hört von Reisenden, welche ihre Abos gleich selber “erneuern”, in dem sie das Datum manipulieren.

Der SBB entgehen durch solche Fälschungen und Manipulationen jährlich Millionen Franken an Einnahmen. Aus Sicht der SBB sind solche Vergehen keine Bagatelldelikte – auch wenn manche Fälscher dies so sehen. Schnell einmal drohen bei Fälschungen nämlich ein Eintrag ins Strafregister und Bussen in vierstelliger Höhe, wie Fankhauser mitteilt.

An dieser Stelle möchte ich auch gerne mal wieder einen Hinweis anbringen, welchen ich schon letztes Jahr in einem Artikel brachte:

Wenn euch jemand auf der Strasse ein unpersönliches Abo oder ein Billett anbietet, seid vorsichtig! Es könnte sich um eine Fälschung handeln, die euch in Schwierigkeiten bringt.

Kauf also bitte nie einem “Händler” ein Billett ab, welches er “aus Versehen am Automat gelöst” hat. Auch bei zeitlich beschränkten Verbundfahrausweisen (ZVV, TNW, Ostwind, Libero, etc.) kommt es immer mal wieder vor, dass Leute vorgeben, damit gefahren zu sein und es nun weiter zu verkaufen “da es ja noch ein paar Stunden gültig ist”. Bitte fallt nicht drauf rein.

Um die Billette und Abos gut auf ihre Echtheit überprüfen zu können, ist es meist unabdingbar, dass wir sie in den Händen halten. Leider aber “verstecken” viele Reisende ihre Fahrausweise hinter Plastikfolien (oder noch schlimmer: Hinter feinen Netzen im Portemonnaie).

Dies bestätigt auch Fankhauser im erwähnten Tagi-Artikel:

«Die Hälfte der Fälschung ist die Verpackung», weiss Fankhauser. Er hält die Zugbegleiter daher an, die Abos vermehrt in die Hand zu nehmen. Das könne für die Kunden etwas mühsam sein. Aber letztlich seien die Kontrollen in ihrem Interesse. «Wer ein Generalabonnement kauft, soll sicher sein, dass ein anderer es nicht fälschen kann», findet Fankhauser.

Ich sehe dies genau so.

Und wie denkt ihr als ÖV-Benutzer darüber, dass ihr euer Billett oder GA aus dem Portemonnaie nehmen und dem Zugbegleiter geben sollt? Ärgert ihr euch darüber oder seit ihr froh, dass das Zugpersonal so genau schaut, um schlussendlich jene zu erwischen, welche von euch “querfinanziert” werden?

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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Marco-san April 8, 2009 um 11:34

Ticket und Halbtax hab ich meistens zusammen in einem Mäppchen für die Mehrfartenkarten. Da habe ich alles zusammen was ich brauche und bei einer Kontrolle streck ich gleich das ganze Mäppchen hin.

Gestört hats mich bisher noch nie. Vor allem wenn ich 1. Klasse unterwegs bin soll man schliesslich auch für den Service bezahlen den man bekommt.

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Schneeflocke April 8, 2009 um 12:54

Wenn die Zugbegleiter jedes Abo in die Hand nehmen dauert die Kontrolle natürlich länger und es wird noch mehr Zeit benötigt, um einen ganzen Zug abzufertigen.
Ich persönlich gebe das Abo/Billett immer direkt in die Hand, man hat ja nichts zu verbergen.

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John April 8, 2009 um 15:13

Also mich stört das nicht wen der Zugbegleiter mein Abo in die Hand nehmen will, wen dann mal überhaupt einer kommt was zwischen Olten und Basel einfach immer weniger der Fall ist bzw zwischen Liestal und Basel schon eher die Ausnahme ist.

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Ronco April 8, 2009 um 16:16

Sehe auf beiden Seiten das Problem. Das Herausnehmen ist je nach Aufbewahrungsmethode sehr mühsam. Die besagten “schlimmen Netzli” hinter welchen sich die Abos befinden sind “leider” zum Standard geworden. Dies wäre eigentlich noch eine kleine Marktlücke für die SBB. Zugbegleiter freundliche Portemonnaie, welche auch für den Kunden praktisch sind. (Oder gibt es solche schon? Quellen gesucht!!!) Wäre eigentlich ein eigenes Thema….

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Dänu April 8, 2009 um 16:20

Die Zugbegleiter sieht man sehr selten in den IC`s am morgen, vor allem auf der Linie Olten Bern,da ich das FVP habe stört es mich nicht den Fahrausweis zu zeigen

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Piero April 8, 2009 um 18:31

Nun, an für sich stört es mich nicht, nur unter folgenden Umständen kanns etwas nervig werden:

a) Kontrolleur kommt 10 Sekunden (ja ist leicht übertrieben, aber ich denke, ihr versteht, welche Situation gemeint ist) vor Bahnhofeinfahrt, nachdem man bereits am einpacken/aufstehen ist

b) Auch sehr nervig ist, wenn man den Kontrolleur kommen sieht (Also er betritt den Wagen) und hört ohne sichtlichen Grund auf, stehts nachdem man alles hervorgekramt hat.

c) Zu oft vorkommende Kontrolle im selben Zug

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Andreas Hobi April 9, 2009 um 08:20

@ John:
Naja, jetzt wird das Zugpersonal ja aufgestockt und dann wirst du wieder öfters kontrolliert. ;-)

@ Ronco:
Es gibt ja die Plastikabos, die Marco-San in Kommentar 1 erwähnte. Spezielle, von der SBB hergestellte Portemonnaies, sind eher unwahrscheinlich. :)

@ Piero:
Mögliche Erklärungen zu deinen drei beschriebenen Situationen:

a) Irgendjemanden trifft es immer kurz vor der nächsten Station. Ärgerlich, wenn das immer du bist. :)

b) Manchmal läutet das Geschäftshandy, dann müssen wir noch die Durchsage für die nächste Station machen, das Billettpapier geht aus, das Zugpersonalgerät stürzt ab… Es gibt immer Gründe, die Kontrolle abzubrechen.

c) Nach jedem Personalwechsel findet wieder eine “Hauptkontrolle” statt, in welcher alle Fahrgäste kontrolliert werden. Gestern beschwerte sich bei mir eine Deutsche, weil sie seit Köln insgesamt drei mal kontrolliert wurde…

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Hui April 9, 2009 um 20:38

Ich habe das GA jeweils in der Hand, und ich denke das sollte langen.
Es gibt genügend Zugbegleiter die nicht mal auf das Datum achten – ich habe vor ein oder zwei Jahren noch gut zwei Monate nach Ablaufdatum das alte GA gezeigt, bis mich jemand darauf angesprochen hat (das neue war natürlich dabei, einfach weiter hinten da es ja zum Glück nicht genau am Wechseltag kommt).
Auch lustig: Abgelaufenes GA und und zerbrochenes GA von zwei Jugendlichen die mir gegenübersassen. Gültig, ohne jeden Kommentar.

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Retro April 10, 2009 um 13:01

Nette Methode eines deutschen Zugbegleiters, neulich erlebt: Er bittet einfach darum, nachsehen zu dürfen, ob die BahnCard auch unterschrieben ist — Die Unterschrift ist ja auf der Rückseite, also muss die Karte zwangsläufig aus der Hülle genommen werden. Resultat: Pflicht erfüllt, Karte geprüft, und der Fahrgast hat nicht das Stigma “Oh, kuck mal, bei dem stimmt was mit dem Bilett nicht, der Kondukteur will’s genau sehen.”

Idee zum Nachahmen? :-)

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Andreas Hobi April 11, 2009 um 06:16

@ Retro:
In der Schweiz ist das Feld für die Unterschrift auf der vorderen Seite der Abos. Ansonsten wäre die Idee auf alle Fälle gar nicht mal so übel! ;-)

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Piero April 11, 2009 um 16:01

Bei der heutigen Pflichterfüllung als Schweizer (Zugfahren natürlich) ist mir folgende Idee gekommen:

Warum entwickelt man kein Belohnungssystem für jene, die stehts mit korrektem Ticket kontrolliert werden?

Kurzfristig umsetzbar:

Bon verteilen – wer eine gewisse Anzahl hat, kann sie gegen eine Tageskarte (gültig auch ohne Halbtax) einlösen gehen

Längerfristig umsetzbar:

Karte, deren “Bon-Guthaben” analog der Karten von Migros und Coop vom Kontrolleur “aufgeladen” werden können. Gewisse Punktzahl kann als Guthaben oder wie oben für eine Tageskarte umgetauscht werden. (Funktioniert vorallem für GA und Halbtax-Besitzer)

Und dann wäre mir egal, wie oft und wann ich kontrolliert werde ;)

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Peter April 12, 2009 um 16:15

Das Thema erinnert mich an die Werbekampagne in den späten 90er Jahre von NJTransit, eine New Yorker Vorortsbahn. Die Kampagne wies ausdrücklich daraufhin, dass die Monatskarten etc. nicht laminiert werden dürfen wegen Fälschungen. Unterdessen scheint das Problem auch bei uns zu sein …

Ich finde es eigentlich selbstverständlich, dass ich das Billett aus allfälligen Hüllen etc. herausnehme und offen dem Kontrollpersonal zeige. Ich gebe es dem Kontrollpersonal aber nur in die Hand, wenn es mich dazu auffordert.

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Manuel April 13, 2009 um 13:16

Zu meiner Zeit an der Uni hat man ein ausgedrucktes Pappstück bekommen, was als Semesterticket für die öffentlichen Verkehsmittel galt.
Dieses wurde aus verständlichen “abnutzungs”-Gründen laminiert. Nun war es natürlich kein Problem diese Tickets zu fälschen, selbst für Laien…
Ich denke immer in Zahlen, wieviel Aufwand, finanziell, rechtfertigt, die Verluste die durch fälschen entstehen, zu bekämpfen… Wenn es am Ende teurer ist z.b. fälschungssicherere Tickets zu drucken als die dadurch zusätzlich generierten Einnahmen, dann lohnt es sich eben nicht…

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gumbo April 15, 2009 um 15:30

Peter
Alle sozialen Probleme der USA kommen eh immer mit ein paar Jahren Verzögerung zu uns. Je mehr beschissen wird auf der Welt, desto mehr muss zur Prävention aufgewendet werden.

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Christoph Mai 9, 2009 um 17:32

Naja das Abo aus dem Geldbeutel nehmen musste ich bis jetzt erst einmal in etlichen Jahren mit GA. Es ist mir aber eigentlich egal.

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Andreas Hobi Mai 9, 2009 um 17:40

@ Christoph:
Das ist bei vielen so. Ich höre von den Fahrgästen oft: “Ja, aber bis jetzt musste ich es nie aus der Hülle nehmen!”

Auf die Frage, ob ich denn denke, sie würden mit einem gefälschen Abo herumfahren, antworte ich manchmal: “Wissen Sie, man muss das Original kennen, um die Fälschungen erkennen zu können. Deshalb würde ich eben gerne ihr ungefälschtes GA sehen.” Danach nehmen es die meisten mit Humor. ;-)

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