1’000 Schwarzfahrer täglich – So werden sie erwischt

von Andreas Hobi am 26. März 2009 · 34 Kommentare

Bild © (cc) jenpilot (flickr.com). Bearbeitung durch Andreas Hobi / schweizweit.net

Schwarzfahrer sind jung, gebildet und Schweizer. Zumindest in den Augen des Instituts für Erziehungswissenschaften der Uni Bern, zumindest in der Theorie. Meine Praxis als Zugbegleiter zeigt jedoch ein leicht anderes Bild.

Ausserdem in diesem Artikel:

  • “So werden Schwarzfahrer gejagt” – Unterwegs mit einem Team der VBZ-Kontrolleure
  • “Kritik an den Kontrollen” – Kaum jemand mag die überraschenden Stichkontrollen in Bus, Bahn und Tram
  • “Schwarzfahrer erwischen, eine Wissenschaft für sich” – Wie die ÖV-Unternehmen versuchen, die Kontrollen zu optimieren

Jung? Ja, viele Schwarzfahrer sind jung. Das Verhältnis von jungen Schwarzfahrern zu den übrigen Schwarzfahrern ist grösser als jenes der jungen Gesamtbevölkerung gegenüber dem Rest der Bevölkerung. Das Gleiche gilt auch für die Aussage “Schwarzfahrer sind Schweizer”: Die Mehrheit der Schwarzfahrer sind Schweizerischer Nationalität. Dies erstaunt jedoch nicht, wenn man daran denkt, dass die Mehrheit der Bevölkerung in unserem Land einen Schweizer Pass besitzt…

Würde man nun eine Studie darüber machen, wie viele Prozent der Schwarzfahrer einen Migrationshintergrund haben und diese Zahl mit dem Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung vergleichen, ergibt sich ein anderes Bild. Aufgrund meiner täglichen Erfahrungen würde dies in einem Satz zusammengefasst heissen: “Leute mit Migrationshintergrund fahren eher schwarz als Schweizer.”

Gebildet? Mmh… Ich bin mir nicht so sicher darin, ob Schwarzfahren wirklich ein Delikt ist, welches vor allem von klugen Leuten begangen wird. Neee, keine Ahnung, wie das Institut auf diesen Schluss kam. Schwarzfahren, ein Delikt der Oberschicht? Da widerspreche ich!

Daten wurden falsch erhoben

Wie kam es zu der Behauptung, dass Schwarzfahrer mehrheitlich über einen überdurchschnittlich gute Bildung verfügen? Meiner Meinung hat das Institut für Erziehungswissenschaften der Uni Bern etwas falsch gemacht. Die Studie basiert nicht auf realen Fällen, sondern auf Fragebogen, die per Zufallsgenerator an 3’000 erwachsene Berner geschickt wurden. Dies hat das Ergebnis dann extrem verfälscht.

Ich behaupte jetzt mal, dass die Ausführungen und Fragen in diesem Uni-Fragebogen im von Behörden üblichen Amtsdeutsch geschrieben wurden. Dadurch fallen schon etliche Fragebogen-Empfänger weg, weil sie den Text schlicht und ergreifend nicht verstanden haben. Übrig bleiben dann – es erstaunt einem kaum – die Leute mit entsprechender Bildung. Diese haben den Fragebogen ausgefüllt und zurück gesendet. Die restlichen Fragebogen landeten im Altpapier.

Ergebnis führt zu Diskussionen

In einer sehr interessanten Diskussion auf tagesanzeiger.ch wird dann auch eifrig über diese Studie diskutiert. Gerne möchte ich hier ein paar Zitate aus Leser-Rückmeldungen bringen:

“Leider muss ich Zweifel an der Ernsthaftigkeit dieser Studie äussern.”

“Warum basiert die Studie denn nicht auf der Auswertung von Daten überführter Schwarzfahrer, das wären doch vielsagendere Informationen als die Aussagen von 3000 zufällig ausgewählten BernerInnen? Das Resultat lässt sich darum auch schwer glauben. Meine Meinung ist immer noch, dass aus finanziellen Gründen schwarzgefahren wird, alles andere wäre ein Skandal und weitere Untersuchungen wert!”

“Wer NZZ a.S. gelesen hat weiss, dass man 3000 angeblich zufällig ausgewählte BernerInnen mit 10 Fr. als Beilage und Belohnung angeschrieben hat. Fraglich, wie man z.B. Randständige und Bewohner der Reitschule erfasst hat. Falls überhaupt angeschrieben, haben die doch das Nötli kassiert und nicht geantwortet. Das ist unredliche Forschung.”

“Eine wirklich repräsantive Darstellung der Situation würde sich erst ergeben wenn man alle erwischent Schwarzfahrer nach ihrer Nationalität, Bildungschicht und Einkommen befragen würde.”

“Es ist bekannt, dass junge, gut gebildete Schweizer bei heiklen Fragen in Studien eher bereit sind, die Wahrheit zu sagen, da sie dem Versprechen nach Anonymität eher trauen. Es gibt Befragungsmethoden, die hierzu besser geeignet sind und mehr Anonymität versprechen. (Z.B. Randomized Response Technik)”

“Solche Interpretationen von Fragenbogen-Umfragen mit Selbstdeklaration sind mit allerhöchster Vorsicht zu geniessen. Eine andere Interpretation könnte ja sein, dass Personen mit einer höheren Berufausbildung, mit einem Hochschulabschluss oder/und einem Schweizer Pass einfach ehrlicher sind.”

“Diese Studie ist doch Quatsch!”

“Als Seltenfahrerin auf dem Verkehrsnetz der ZVV werde sozusagen auf jeder Fahrt kontrolliert. Fast jedes Mal wird im selben Wagon jemand beim Schwarzfahren erwischt. Bis jetzt sahen die aber seltenst nach Hochschulabschluss aus und klangen selten nach CH-Pass.”

“Haben die Ausländer auch an diese Umfrage teilgenommen?”

“Schwarzfahren ist kein Phänomen der Oberschicht. Das Sich-Erwischen-Lassen beim Schwarzfahren ist ein Phänomen der Oberschicht. Die Anderen fliehen nämlich erfolgreich, das erlebe ich jeden Tag im Tram und S-Bahn.”

“Das Resultat sieht wie ein ein klassischer Methodenfehler aus: Personen, welche gut deutsch sprechen und besser gebildet sind, füllen eher einen Fragebogen aus. Entsprechend erscheint diese Gruppe übervertreten bei den Delinquenten.”

“Dass angehende Akademiker Passanten über ihr Schwarzfahrverhalten befragen ist bezeichnend für das Niveau gewisser “Studien”, die mit Steuergeldern durchgeführt werden. Nächstes mal bitte die Statistik der BVB studieren oder die Kontrolleure befragen.”

So ganz einverstanden sind die Newsnetz-Leser also nicht mit dem Ergebnis der Studie. Und auch ich musste laut lachen, als ich den Titel des Tagi-Artikels las.

“So werden Schwarzfahrer gejagt”

Wir bleiben beim Newsnetz, wechseln aber von unserer Hauptstadt Bern (wo die Umfrage gemacht wurde) zur Wirtschaftsmetropole Zürich. Hier begleitete David Sarasin vom Tages Anzeiger ein Team der VBZ bei der Suche nach Schwarzfahrern.

Ich selber hätte für den Artikel einen anderen Titel gewählt als “So werden Schwarzfahrer gejagt”; zu sehr tönt diese Überschrift nach Menschenjagd. Aber jänu, liegt in der Entscheidung von Sarasin.

Nach einer Besprechung begann die Tour gleich mit einer Schwerpunktkontrolle. (Zuerst stand im Artikel noch “Sperrpunktkontrolle”, aber nach einem netten Hinweis hat sich der Journalist korrigiert.) Mit insgesamt zwölf Mann wurden Fahrzeuge der Verkehrsbetriebe Zürich kontrolliert.

Der Artikel bestätigte mir mal wieder, was ich schon von anderen VBZ-Kontrolleuren und auch von SBB-Regionalverkehr-Kontrolleuren hörte: Die Arbeit in Fahrzeugen mit Selbstkontrolle ist bedeutend härter als bei uns im Fernverkehr. Dies spürte ich auch vor rund vier Jahren, als wir Fernverkehr-Kontrolleure auch hin- und wieder im Regionalverkehr und als Nacht-S-Bahn-Begleiter zum Einsatz kamen. In den Selbstkontroll-Zügen sind die Schwarzfahrer deutlich aggressiver.

Im Artikel wurden aber auch Situationen geschildert, wie ich sie vom Zug kenne:

“Ein älterer Mann streckt einem Kundenberater das Ticket direkt ins Gesicht und schimpft. Der Kundenberater bleibt ruhig. Beschimpfungen müssten sie sich fast täglich anhören, wird er später sagen. «Man darf das nicht persönlich nehmen. Schliesslich sind nicht wir gemeint, sondern die VBZ.»”

Im mittleren Teil des Artikels erweckt der Autor dann wieder den Eindruck, dass es hier um eine Menschenjagd geht:

“Dann, der Schlachtruf der Kontrolleure: «Billette vorweisen, bitte!» Es wird unruhig in den Sitzreihen. (…) Schiegg und seine Kollegen wollen dem Jagdberichterstatter nun die rauere Seite des Kundenberater-Alltags zeigen. Wir fahren an die Langstrasse und steigen in einen 32er in Richtung Limmatplatz ein.”

Fazit der Tour: Schwarzfahrerquote 1.53 Prozent.

Da der Artikel wirklich gut geschrieben und sehr interessant ist, empfehle ich euch, ihn gleich mal zu lesen: So werden Schwarzfahrer gejagt

Kritik an den Kontrollen

Es ist immer ein wenig ärgerlich, wenn man in eine Stichkontrolle gerät. Das wissen auch die Kontrolleure und diese zeigen grundsätzlich Verständnis, wenn man einen Moment nach seinem Fahrausweis suchen muss. Jedoch bleiben sie hart – denn das ist schliesslich auch ihr Job – und gehen erst weiter, wenn sie das Billett gesehen haben.

Da die Zeit in den Bussen, Zügen und Trams bis zur nächsten Station eher knapp bemessen wird, kann es vorkommen, dass die Kontrolleure ein wenig harsch wirken. Dies ist jedoch nie böse gemeint sondern beruht, wie schon erwähnt, einfach auf dem Zeitdruck.

Trotzdem kommt es auch immer mal wieder zu Kritik an der Art und Weise der Kontrolle oder auch am Sinn der Kontrollen generell. So auch in den Kommentaren zum oben stehenden Artikel beim Tages Anzeiger.

“Das sind reine Kontrolleure/innen mit einem weit überrissenen Verdienst. Bezahltes herumstehen und miteinander plaudern, ins nächst liegende Café verschwinden und sich die eine und andere Pause gönnen, ich kriege bald Durchfall!”

Kontrolleure müssen einen Rapport ausfüllen, in welchem sie genau Buch führen über die Anzahl der kontrollierten Reisenden und die Anzahl der Schwarzfahrer. Oft führen sie auch eine Stempelkarte mit sich, die sie dann in den jeweiligen Aus- oder Umstiegsstationen entwerten müssen. So wird gewährleistet, dass sie auch wirklich arbeiten und nicht einfach “ins nächstliegende Café verschwinden und sich die eine oder andere Pause gönnen”.

“Die Schweiz ist voll von Kontrolleuren. Die Behörden behandeln uns, als wären wir im “offenen Strafvollzug”.”

So lange es Schwarzfahrer gibt, so lange wird es auch Kontrolleure geben. Und auch in anderen Bereichen unseres Lebens scheinen Kontrollen notwendig zu sein. Ich persönlich habe damit keine Mühe und wurde auch noch nie übertrieben lange oder übertrieben hart kontrolliert.

Ich regte mich auch damals nicht auf, als Abends ein Polizeiauto neben mir hielt, während ich in Chur gerade auf dem Weg zu einer Kollegin war, und die Polizisten sagten, dies sei eine “allgemeine Personenkontrolle”. Sie kontrollierten dann nur die Identitätskarte und liessen mich dann weiter des Weges gehen. Keine Ahnung, was das sollte, aber vermutlich suchten sie nach einer Person, deren Beschreibung auf mich passte… :)

Aber zurück zum Thema: In einem ordentlichen Staat gibt es Gesetze, Rechte und Pflichten und es braucht Leute, die diese Vorschriften kontrollieren. Wer sich daran hält, hat grundsätzlich auch keine Probleme.

Oft wird auch argumentiert, dass Billettkontrolleure auf Sozialhilfeempfängern herumtrampeln. Hier kann ich einfach sagen: Auch mir persönlich tun die Leute leid. Wenn ich einen Menschen im Zug antreffe, dessen Kleider bereits jahrealt und kaputt sind, weil er sich keine neuen Kleidungsstücke leisten kann, klar tut der mir leid. Und klar ist es unangenehm, ihm nun auch noch zu offenbaren, dass er nachzahlen muss – oftmals per Rechnung. Aber das ist nunmal unser Job! Wir wären am falschen Ort, würden wir aus Mitleid immer ein Auge zudrücken. Es gibt Situationen, da kann man dem Fahrgast entgegenkommen. Dies sind aber die Ausnahmen, welche die Regel bestätigen und nicht umgekehrt. (Beispiel: Touristen, Gelegenheitsfahrer, Stammkunden welche einmal vergessen haben das Abo zu erneuern.) Dort versucht man, eine Lösung zu finden, welche beide Seiten gleichermassen zufrieden stellt. Mindestens jedoch muss der ordentliche Fahrpreis bezahlt werden.

Schwarzfahrer erwischen, eine Wissenschaft für sich

Einen sehr ausführlichen und interessanten Artikel über Schwarzfahrer und deren “Jäger” (um bei der Wortwahl von David Sarasin zu bleiben) gibt es im NZZ Folio vom Oktober 2008. (Onlineversion des Artikels hier lesen)

Thomas Schenk – ein ehemaliger Tramführer und Kontrolleur – schreibt dort sehr umfassend über diese Thematik. In seinem Artikel erfährt man dann zum Beispiel, dass die Kontrollen der VBZ-Kontrolleure sehr stark auch auf der Informatik und deren Statistiken beruhen. Die Kontrolleure erfassen haargenau, wo, wann, wie viele Fahrgäste kontrolliert wurden und wie viele davon kein Billett hatten. Aufgrund dieser Daten weiss das Team dann, wo die Zahlungsmoral momentan am tiefsten ist und wo man vermehrt kontrollieren sollte.

Es gibt auch Leute, die sich von wissenschaftlicher Seite her mit Fahrausweiskontrollen beschäftigen. Zu diesen gehört Manfred Ritschel. Er entwickelte ein Modell, welches den Bedarf an Kontrolleuren auf die Person und die Stunde genau errechnet. Ich zitiere aus der NZZfolio:

“Ritschels Modell setzt sich aus mathematischen Funktionen zusammen, aus Exponentialgleichungen und anderen Gleichungssystemen. Diese hat er iterativ aus empirischen Daten entwickelt, das heisst, durch mehrmaliges Wiederholen an die reale Situation angepasst. Um die Wirklichkeit des Schwarzfahrens abzubilden, benötigt er bis zu fünfzehn verschiedene Faktoren, von den fixen und variablen Kosten der Kontrollen über die Gesamteinnahmen aus den Bussen bis zur Schwarzfahrerquote.”

Der Typ will es genau wissen! ;-) Mit seinem Modell ermittelt Ritschel den “optimalen Kontrollgrad”. Dieser liegt dort, wo “der gesamte Verlust aus Fahrgeldhinterziehung und die dazu notwendigen Prüfkosten am kleinsten sind”. Doch auch bei seinem Modell sind die Kosten grundsätzlich höher als die Busseneinnahmen. Die Kontrollen zahlen sich aber aus, weil sie die Schwarzfahrer zum Kauf eines Billettes bewegen.

Gemäss Ritschel muss – je nach Transportunternehmen – ein bis vier Prozent der Fahrgäste kontrolliert werden, um den optimalen Kontrollgrad zu erreichen. Zusätzlich zu diesem optimalen Kontrollgrad ermittelt Ritschel mit seinem Modell auch die optimale Verteilung der Kontrolleure auf dem Liniennetz, je nach Fahrgastaufkommen und Schwarzfahrerquote und den Zeitpunkt der Kontrolle.

Im Artikel des ehemaligen Kontrolleurs Schenk kommt auch der Leiter der Abteilung Einnahmensicherung der SBB zu Wort. Dieser steht einem Team aus 30 Mitarbeitern vor, welche die Bussen der Schwarzfahrer eintreiben und mit den Delinquenten Zahlungsvereinbarungen ausmachen. Auch er will “ein exaktes Modell”, mit welchem er seine Kontrolleure gezielt und optimal einsetzen kann.

Denn eines weiss der Bähnler ganz klar: “Unsere Kunden lösen das Billett nicht, weil sie davon ausgehen, dass es zum Zugfahren wirklich nötig sei. Sie kaufen es, damit sie es dem Kontrolleur zeigen können.” Niemand kauft also ein Billett, nur weil man der SBB einen Gefallen tun will.

Schlussendlich kommt im Artikel dann auch etwas zu Wort, auf welches ich jetzt nicht näher eingehen will, da es einen eigenen Beitrag auf schweizweit.net verdient hat: Die Schwarzfahrerversicherung. :)

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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tin März 26, 2009 um 12:07

Hat man eigentlich schon mal ausgerechnet, was diese Kontrollen unter dem Strich bringen? Wie hoch sind die Aufwendungen für Kontrollpersonal und wieviel sind die Einnahmen bei diesen Bussen? Kontrollen, wo Kontrolleure in Horden auftreten, sind einfach nur peinlich. Schon von weitem sieht man sie auf dem Perron rumlungern – so auffällig unauffällig. Ein hard-core Schwarzfahrer kennen diese Köpfe längst – bestraft werden allermeistens Leute, die aus Vergesslichkeit oder Unaufmerksamkeit kein oder das falsche Billet haben.

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Ralf März 26, 2009 um 14:25

Und welche praktischen Nutzen hatte diese Studie?

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Hui März 26, 2009 um 14:50

Nun ja, Unfreundlichkeit mit Zeitdruck zu begründen hat seine Grenzen. Im Tram/Bus nehm ich dir das noch ab, aber im Zug nicht.

- Vor einiger Zeit hatten die SBB ja gross angekündigt, Billettkontrollen künftig nur noch in Uniform durchzuführen. Ca. einen Monat danach wurde ich dann in der S12 von Zivilen kontrolliert. Die Ankündigung im Kopf fragte ich nach warum sie denn zivil unterwegs wären. Die recht launische und auch freche Antwort war dann “Glauben sie eigentlich alles was da drin steht?” (er meinte die Zeitung die ich las).

- Nach 8 Uhr abends müssen die S-Bahnen ja (eigentlich) begleitet sein. Wenn sie es denn sind, steigen deine Kollegen oft in Brugg ein, machen es sich im abgetrennten Viererabteil bei den Türen gemütlich und plaudern über privates Zeugs, und beginnen dann bestenfalls in Dietikon mal mit den Kontrollen. Es dürfte dann nicht weiter verwundern wenn ich dann gereizt reagiere wenn ich dann beim aussteigen eine Station nach Dietikon (Glanzenberg) noch unbedingt mein GA zeigen muss, obwohl sie dafür zuvor mehr als genug Zeit gehabt hätten.

- Auch die Reduzierung im Fernverkehr auf Billettkontrolleur statt Zugbegleiter empfinde ich als richtig, wenn die Türe aufgeht, dein Kollege reinkommt und in extrem mieser Laune schreit “Billettkontrolle” und sonst rein gar nix mehr.

Das hier geschilderte sind leider keine Einzelfälle.

Hui

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gentux März 26, 2009 um 16:47

Mit SBB Zugsbegleitern gab es schon viele positive Geschichten… viele Kontrolleure laufen an mir vorbei, vielleicht wisst ihr nun endlich alle, dass ich ein GA habe :D

Meine Kollegin hatte ihr GA mal in meinem Portemonnaie vergessen, sie fuhr nach Basel ich wollte nach Solothurn und als ich das bemerkte fuhr ich ihr halt nach, zum Glück hat der Zugsbegleiter alles akzeptiert und ich gab ihr in Basel ihr GA.

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tin März 26, 2009 um 16:51

1000 Schwarzfahrer à Fr. 80.00 – macht 80’000 Franken – das ist ja wirklich ein lächerlicher Betrag im Vergleich zum Aufwand für die Kontrollen und dem Frust der Kontrollierten. Warum sind die Kontrolleure immer so missmutig und barsch – den Reisenden wird grundsätzlich misstraut. Nein, man sollte endlich wieder normale Zugbegleiter einführen, die auch Berater der Kunden sind, die vergessene Billete verkaufen und Hilfe anbieten – aber dieses Rambozeugs ist nur widerlich und schadet schlicht dem Ansehen des ÖV.

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Piero März 26, 2009 um 18:41

Kontrollen sind wichtig. Es kommt aber darauf an, wie und warum kontrolliert wird. Wie tin bereits erkannt hat, hat man oft das Gefühl, dass nicht nach den wirklichen bösen Schwarzfahrern gesucht wird, sondern alle Fahrgäste sind in erster Linie einmal gefährliche, verbrecherische Schwarzfahrer. Vorallem bei den Zügen der Selbstkontrolle.

Hui stimme ich vorallem in dem Punkt zu, dass die Kontrolleure meist kurz vor dem Aussteige-Bahnhof aufkreuzen – also dann, wenn man seine Taschen grad am einpacken ist.

Die Studie ist Müll, aber das muss man hier nicht extra erwähnen :).

was diese “auffällig unauffälligen” Massenkontrolleure angeht: die kennt man doch eh alle – und das die Kontrollen nicht immer ganz systemathisch und geordnet gemacht werden konnte ich mal in einem Fall erleben, wo ich auf der Strecke gleich in zwei Stichproben geraten bin (natürlich immer mit gültigem Fahrausweis). Ich hab dann den Kommentar verlauten lassen, dass mein Ticket verblassen würde, wenns noch öfters angeschaut wird :) (immer ein blöder Spruch auf der Zunge)

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Lukas März 26, 2009 um 20:25

Grundsätzlich habe ich Verständnis für die Kontrollen und auch für die Kontrolleure, doch zwei Fragen oder Feststellungen kreisen die letzten Tage des öffteren durch meinen Kopf:

-Auf der Strecke S1 Basel SBB – Laufenburg kommen die Kontrollen immer zwischen Rheinfelden und Stein-Säkingen. Mir ist bewusst, dass diese zwei Orte Knotenpunkte sind, wo die Kontrolleure gleich weiterfahren können, aber die S1 ist da auch schon fast leer. Es sollte doch möglich sein, dass es einmal im Monat eine “Grosskontrolle” zB. zwischen Muttenz und Kaiseraugst gibt.

-In der besagten S1 werden die Kontrollen oft von ungepflegten, jungen – ja ich will es sagen – Leuten gemacht, welche sich verhalten als ob sie das Kontrollieren in einem Wochenendseminar gelernt haben um wenigstens eine 50% Stelle zu haben. Auf Strecken in der Ostschweiz ist mir das noch nie so aufgefallen.

Meine Rekorde im “Schwarzfahren” waren von Koblen (DE) nach Basel SBB. Ich habe das Zugpersonal mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass ich gerne ein Ticket hätte und mir wurde immer gesagt, dass sich gleich jemand um mich kümmern würde, naja, ich irgendwann war ich in Basel und den Papierkram der DB wollte ich mir auch nicht antun (ich sah es eher als Gutschein ;) ).

Den nationalen Rekord konnte ich letzten Sonntag hinlegen! Ich bin besitzer eines 2. Klass GAs und habe mir aus einer Laune heraus ein Eintagesupgrade in die erste Klasse gegönnt. ich wurde von Laufenburg über Frick, Zürich HB, Rapperswil, Wattwil nach Nesslau kein einziges mal kontrolliert. (Pssst, an alle Schwarzfahrer, fahrt erste Klasse ;) ).

Lukas

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Schneeflocke März 27, 2009 um 00:58

@ Tin: Die Kontrollen haben ja v.a. einen indirekten finanziellen Nutzen, indem vom Schwarzfahren abgeschreckt wird.
Ich sehe es aber auch so, dass häufig die “Falschen” erwischt werden. – Bsp. S12 Winterthur-Zürich abends. Da finden bei einzelnen Kursen so gut wie jedes Mal Kontrollen mit mindestens 3 Kontrolleuren statt, und stets kommen sie nicht weiter als 1 Wagen. Die notorischen oder kleveren Schwarzfahrer sieht man dann die Wagen wechseln, und es trifft die Leute, die unwissentlich ohne Billet unterwegs sind.
Bedrängt habe ich mich noch nie gefühlt, denn ohne Bestimmtheit kann man diesen Job ja gar nicht ausführen, oder?

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Andreas Hobi März 27, 2009 um 03:41

@ Tin:
Die Kontrollen sind nötig. Wie im Artikel schon erwähnt, kaufen die wenigsten Fahrgäste ein Billett, nur um dem Unternehmen einen Gefallen zu tun. Viel eher liegt die Motivation des Kaufes darin, nicht beim Schwarzfahren erwischt zu werden. Das präventive Element der Kontrollen darf deshalb nicht unterschätzt werden.

@ Hui:
Grundsätzlich finden die Kontrollen in Uniform statt. Weil die Kontrolleure deshalb aber von weitem erkennbar sind, kommt es ab und zu vor, dass sie wieder in zivil eingesetzt werden. Dabei handelt es sich aber um Ausnahmen. Siehe dazu auch diesen Artikel:
http://schweizweit.net/2007/08/17/hilfe-uns-rennen-die-schwarzfahrer-davon/

@ Piero:
Wenn ich zwischen zwei Stationen die Fahrgäste kontrolliere, gibt es natürlich immer Leute, die ich erst kurz vor der Ankunft im nächsten Bahnhof sehe. Dass sich diese darüber ärgern, dass ich “erst jetzt komme”, ist verständlich. Aber eben: Irgend jemanden trifft es immer kurz bevor er aussteigen muss.

@ Schneeflocke:
Klar, ein selbstbewusstes Auftreten gehört zu unserem Job. Jedoch sollten wir trotzdem auch immer freundlich wirken.

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tin März 27, 2009 um 06:48

@andreas
Die Unterstellung an den Kunden, von dem du letztlich deinen Lohn hast (wenn niemand mehr Zug fährt, musst du dir einen anderen Job suchen) finde ich schlicht skandalös – und zeigt genau auf, was ich schon sagte: Der Bahnfahrer wird nicht als Kunde wahrgenommen, sondern wird als potentieller Betrüger diffamiert. Diese Haltung (die hier leider schon öfters sichtbar wurde), Andreas, erschreckt mich.

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Piero März 27, 2009 um 07:51

äähm.. sorry, aber ich hab ein Ticket, weil ich ein ehrlicher Typ bin und für Dienstleistungen bezahle – ich raube auch keinen Laden aus, nur weil die Verkäuferin grad hinten was am holen ist.

Es gibt auch ehrliche Kunden, die bei zuvielen Kontrollen die Idee bekommen, sie würden grundlos auf der Anklagebank sitzen.

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jules März 27, 2009 um 07:51

“Da die Zeit in den Bussen, Zügen und Trams bis zur nächsten Station eher knapp bemessen wird, kann es vorkommen, dass die Kontrolleure ein wenig harsch wirken. Dies ist jedoch nie böse gemeint sondern beruht, wie schon erwähnt, einfach auf dem Zeitdruck.”

Bernmobil hat da eine andere Vorgehensweise und lässt den Bus- / Tramchauffeur während der Kontrolle langsam fahren, damit es für alle Fahrgäste reicht. Ich bin dem öV sehr positiv eingestellt und begrüsse auch die Kontrollen, wenn aber Leute, die ihr Ticket bezahlt haben, wegen einer Kontrolle und dem damit verbundenen Zeitverlust den nächsten Zug verpassen, ist dies nur noch ärgerlich. Habe dieses Vorgehen bezüglich langsam fahren mehrere Male beobachtet und werde mich beim nächsten Mal an den Kundendienst wenden.

Wenn schon komplette Kontrollen, dann bitte Schwerpunktkontrollen wie beim ZVV, wo der Zeitverlust einigermassen überschaubar bleibt.

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Hui März 27, 2009 um 07:54

Andreas: Ich kenne die Begründung inzwischen und ehrlich gesagt ist es mir auch egal ob die Kontrollen in Uniform oder zivil gemacht werden. Es geht mir um die Art des Auftretens, die rotzfreche Antwort des angesprochenen, und der in den anderen Feedbacks bereits angesprochene Pauschalverdacht.
Ausserdem zählt die S12 am Morgen ja wohl kaum zu den Problemstrecken, sonst würde ich da öfter als ein bis zwei Mal pro Jahr kontrolliert.

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gentux März 27, 2009 um 10:22

Also in Biel sind die Automaten fast ausschliesslich im Fahrzeug. Wenn es Kontrollen gibt, wird der Bus mit 5 Kontrolleuren gefüttert, die dann alle durchkontrollieren können, dann an der nächsten Haltestelle sind sie weg.

Klar es sieht aus wie eine Razzia aber wer ein Ticket hat muss sich durch diese gefühlte einmal jährliche stattfindende Veranstaltung nicht beängstigen lassen… Zumal etwa kein BBZ Schüler ein Ticket löst.

Kurz bevor die Kontrolleure einsteigen werden die Automaten deaktiviert.

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tin März 27, 2009 um 10:30

@HUI
Ich kann dir da nur zustimmen. Vielleicht sollte in der Kontrolleurausbildung mal das folgende Sprichwort etwas genauer betrachtet werden:

“Man gewinnt nicht an eigener Grösse, indem man andere herabsetzt”.

Oder auch:

“C’est le ton qui fait la musique”.

Andreas wird wahrscheinlich entgegnen, die unfreundlichen Kontrolleure seien in der totalen Minderheit. Meine Erfahrung sagt aber genau das Gegenteil. Und auch die Beobachtung von Lukas über die ungepflegte Erscheinung der Kontrolleure muss ich leider zustimmen. Aber vielleicht gehört das ja zur “Verkleidung”… Gegenüber Touristen ist aber dieses “Erscheinungsbild” mehr als nur peinlich.

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gumbo März 27, 2009 um 11:54

TIN
Ich werde ab und zu in der S-Bahn kontrolliert. Immer waren alle freundlich. Ich frage mich, wo du die stets “barschen” beobachtet hast.
Gumbo

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Bernard April 7, 2009 um 17:26

Raubritter und Wegelagerer….
… nannte man sie frueher, heute haben wir dafuer den Verkehrsverbund Basel.

Die Menuefuehrung der Billettautomaten ist fuer einen Fremden so verwirrend, ich habe dazu mehrere Anlaeufe benoetigt, und wenn ich dann den Automaten dazu bringe, ein Billett von Basel nach Zwingen auszudrucken, dann wird das Billett vom Schaffner nicht akzeptiert und ich muss 80 SFr. als Strafe dafuer bezahlen dass ich die unverstaendliche Menuefuehrung des Automaten nicht verstehe und mir der Automat ein Billett gegeben hat, von dem ich immer noch nicht verstehe was daran ungueltig sein soll.

So produziert die SBB ihre “Schwarzfahrer” selbst.

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tin April 7, 2009 um 18:06

Darum ist die Initiative des Bundesamtes auch richtig, dass unterschieden werden muss – Leute die gar keine Billet (Schwarzfahrer) haben und solche, die ein falsches haben.

Antworten

gumbo April 15, 2009 um 15:11

TIN
Die Initiative ist erst dann glaubhaft, wenn die sich genau äusser dazu, was sie unter “falsches” Billett genau verstehen, und wie der Preisunterschied dann lauten sollte.
Bernard
Der TNW ist völlig unbrauchbar. Aber – ich würde halt ein Umweltabi lösen, das ist so billig

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tin April 15, 2009 um 15:20

Ganz klar, ist es schwieriger, die Unterscheidung zu machen. Aber es kann ja nicht sein, dass man alle gleich büsst – pardon, Zuschlag bezahlen lässt, nur weil es halt einfacher ist. Und es wird auch dort wieder Grenzfälle geben. Null-Toleranz-Manier mag einfach sein, aber es ist keine Reklame und ist letztlich kontraproduktiv. Manchmal aber könnte man meinen, einem Teil des ÖVs seinen die Kunden eigentlich lästig, sie würden wohl lieber leer rumfahren und die Subventionen des Bundes und der Kantone einziehen.

Antworten

gumbo April 29, 2009 um 11:32

TIN
Ich glaube nicht, dass es bei den “Bussen” noch um Reklame geht. Der öffentliche Verkehr ist eine Dienstleistung am Volk wie der STrassenbau, welcher auch keine Reklame braucht.
Wenn es einmal zu abgestuften Zuschlägen kommt (wenn ein Weg gefunden wird, die Unterscheidung überhaupt zu machen), wird es vermutlich so aussehen: Teilweise gültig = Fr. 80.-, ganz ohne Billett = Fr. 120.-.

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karlo Mai 27, 2009 um 23:35

Hab ich auch einen Migrationshintergrund, weil ich einen südländischen Namen habe, da mein Urgrossvater vor 107 Jahren in die Schweiz kam, um seinen emigrierten Staatsanghörigen, die bei der SBB als Tunnelbauer einen Job gefunden haben, die geschundenen Arbeitsschuhe zu flicken?

Gabs zu wenig Schweizer für diesen Job?
War dieser Job für Schweizer zu minderwertig, zu schlecht bezahlt wie heute importierte Gemüseernter aus Ostdeutschland oder südafrikanische NEAT-Arbeiter, obwohl es genügend Schweizer Arbeitslose und gesunde Sozialhilfeempfänger gäbe?

Ist nicht jeder Schweizer ein Papierlischweizer?
Oder wurde der papierene Bundesbrief von 1291 mittels Gentechnologie und Bluttransfusion in zukünftige Schweizer eingepflanzt?

Wir sind eine Willensnation keine Blutnation.
Das ist (oder war) eine der Überlegenheit der Schweiz gegenüber anderen Nationen.

Antworten

Andreas Hobi Mai 28, 2009 um 06:45

@ Karlo:
Mit Deiner Definition kann man jeden Bürger jeden Landes als “Papierlibürger” bezeichnen. Das bringt uns nicht weiter.

Antworten

tin Mai 28, 2009 um 07:01

Wie kommen wir weiter? Ab welcher Generation ist man ein “richtiger” Schweizer? Der Grossvater von Christoph Blocher kaufte sich als Deutscher auch in der Schweiz ein…

Antworten

Sandra-Lia Mai 28, 2009 um 10:53

naja, meine Vorfahren waren bei der Gründung der Schweiz dabei. Das sollte genügen ^^

Antworten

karlo Mai 28, 2009 um 22:40

@andreas
Deine Definition von “richtigen” Schweizern bringt uns genauso wenig weiter. Im Gegenteil. Versuchst du mangels Menschenkenntnis deine Mitmenschen in standartisierte Schubladen abzuschieben?
Sind für dich alle Schwarzafrikaner und Leute mit Balkanaussehen potentielle Schwarzfahrer?
Wenn die schwarz fahren, dann sicher nicht weil sie ein Wagenpark zu hause haben, sondern weil sie sich die zur sozialen Integration nötige Mobilität nicht leisten können, weil ihre ausländische Ausbildung nicht ins Schweizerische Berufsbildungsschema passt.

Alle Schweizer sind Papierlischwizer, ansonst brauchst du dringend ein paar Nachhilfestunde in Staatskunde bevor du auf zahlende Kunden (inkl. Touristen) losgelassen wirst.
Dir ist scheinbar ein bonigeiler Manager im Zweireiher als Bahnkunde in der meist leeren 1. Klasse lieber (obwohl die kaum Zug fahren, höchstens wenn er zur Beruhigung seines Gewissens grün wählt) als ein hartarbeitender, fremdsprachiger Hilfsarbeiter und Familienvater vom Bau oder seine Kinder ohne Taschengeld.
Insbesondere die SBB hat auch die soziale Aufgabe, preisgünstige Mobilität auch für Minderbemittelte zu ermöglichen.

Wenn man den Unterschied zwischen auf dem Papier bezeugten Willen zu dieser Nation gehören zu wollen und einer gemäss Genetik alle miteinander verwandten Bürger einer Nation nicht kennt, dann sollte man sich schämen, sich als richtigen Schweizer zu bezeichnen.

Wir sind doch Stolz auf unsere Integrationsfähigkeit mit 4 verschiedenen Kulturen sprich Rassen sprich Ex-Ausländern. Wieso wird diese den anderen Staaten überlegene Fähigkeit der Schweizer plötzlich in Frage gestellt?
Das empfinde ich in höchstem Mass als unschweizerisch.

Was interessierts dich. Das Defizit der SBB zahlt ja der Staat und nicht die zahlenden Klienten.
Schau doch dieses Defizit als Sozialhilfeausgaben an wegen der immer grösser werdenden Einkommensschere.

Niemand verlässt seine Familie, Freunde und Heimat, weil man in der Schweiz besser schwarzfahren resp. schmarotzen kann.
Oder sind alle Schweizer Schmarotzer, weil sie sich ihren hohen Lebensstandart nur durch Ausbeutung armer Länder leisten können (die global verträgliche Nachhaltigkeit ist auf dem Niveau eines Durchschnittsinders).

Ich hoffe, dass ich bei meinen seltenen Zugfahrten, ich investiere lieber 3x so viel Zeit und benutze das Velo, dir niemals mein Billet vorweisen muss.
Vielleicht sollte man solche Leute mal zur Ausbildung nach Österreich, Kanada, Russland, USA schicken. Da merkt man noch, was man dem Unternehmen als Kunden wert ist. Wer dort keinen Fahrschein vorweisen kann, dem ist das Personal mit allen Mitteln behilflich, seine Zeche zu bezahlen oder lässt ihn halt schwarz fahren, weil man selbst eine soziale Mitverantwortung mittragen will.

In der Schweiz benutzt man die Bahn nur noch aus ideologlischen Gründen oder weil man sich die Fahrt im Auto nicht leisten kann.

Antworten

Andreas Hobi Mai 28, 2009 um 23:01

@ karlo:
Ich denke, Du hast da einiges ein wenig falsch verstanden. Sowohl was mich und meine Äusserungen anbelangt, als auch was die SBB betrifft. Gerne darfst Du die entsprechenden Aussagen nochmals durchgehen, Dir kluge Gedanken machen und dann – nachdem Du Deinen Kopf eingeschaltet hast – Dich nochmals dazu äussern.

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karlo Mai 29, 2009 um 01:57

Mein Hirn war schon eingeschaltet, aber mein Betrag etwas zu offtopic. Bin halt manchmal etwas zu ausschweifend.

Bitte nicht persönlich nehmen.

Trotzdem finde ich deine Aussage “Leute mit Migrationshintergrund fahren eher schwarz als Schweizer” extrem unpassend und eines Zugbegleiters unwürdig.

Vielleicht liegts nicht am Migrationshintergrund sondern daran, dass diese Menschen gezwungen werden, in der sozial untersten Schicht leben zu müssen, wo seit es Menschen mit unterschiedlichen materiellen Möglichkeiten gibt, schon immer die höchste Kriminalitätsrate gibt.

Wenn du in St. Gallen wohnst und deine sterbende Grossmutter im Pflegeheim in Olten besuchen willst, aber nicht das Geld für das Bahnbillet hast, dann versuchst dus halt mit schwarzfahren.
Du würdest so einen Schwarzfahrer wahrscheinlich beim nächsten Halt rauswerfen und der Bahnpolizei übergeben. Egal ob seine Grossmutter noch Freude hätte in ihren letzten Lebenstagen nochmals ihren Enkel zu sehen. Das interessiert dich nicht, obwohl genau das das Interessante an deiner Arbeit wäre.
In dem konkreten Fall habe ich halt das Velo genommen statt schwarz zu fahren. Als ich in Olten ankam, war aber meine Grossmutter schon tot.

Darum stoppt endlich die Billetkontrollierei und beginnt endlich Kunden auf ihrer Reise zu begleiten.
Zugfahren im Gegensatz zu Autofahren ermöglicht doch die Knüpfung von sozialen Kontakten.
Das wäre mir als “Zugbegleiter” immens wichtiger als Polizist zu spielen resp. am längeren Hebel sein zu können. Oder interessierts dich, wieso jemand schwarz fährt? Das wäre sicher interessanter und wahrscheinlich für den Schwarzfahrer ein nachhaltigeres Erlebnis als anonymes Abkassieren für Fehlverhalten.
Was nützen die paar tausend Franken Mehreinnahmen durch Kontrollen, während der Staat täglich Millionen unnötig zum Fenster herauswirft.

Schlimmer finde ich, dass es Menschen in der Schweiz gibt, die sowenige finanzielle Mittel haben, dass sie versuchen schwarz zu fahren, obwohl die Schweiz ein reiches Land sein sollte.

Lieber mach ich den Unterschied zwischen eigenverantwortlich handelnden Menschen und solchen, die sich im staatlichen Netz gerne bequem machen resp. bei jedem persönlichen Problem gleich nach dem Staat rufen. Das betrifft Sozialhilfebetrüger genauso wie staatlich finanzierte Bonibanker, Rentner mit Millionenvermögen, die trotzdem Antrag auf AHV stellen, obwohl sie wissen, dass ein unterbezahlter Familienvater statt AHV-Lohnabzüge zu bezahlen lieber das Bahnbillet seines Teenies finanziert, damit er nicht aufs aufgemotzte Raserauto des Kollegen angewiesen ist, um in den Ausgang zu gehen.

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tin Mai 29, 2009 um 07:13

@karlo
Wie man lesen konnte, ist die 1. Klasse nicht leer – sondern in den Stosszeiten gefüllt mit Bähnlern, die wohl gratis fahren…

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Andreas Hobi Mai 29, 2009 um 07:57

@ Tin:
Es ist mal wieder Sommerloch und die Medien finden keine anderen Themen. Aber um die ganze Sache aufzuklären, werde ich in den nächsten Tagen mal noch einen Artikel zu diesem Thema schreiben. ;-)

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gentux Mai 29, 2009 um 08:46

@karlo

Wer bezahlt das denn? Der Steuerzahler? Sollen wir also den gesamten öffentlichen Verkehr von den Steuern bezahlen? Damit ich nächstes Jahr noch mehr zahlen muss, diesmal zahle ich einen Drittel meines Ersparten nur für Steuern…

Gut vielleicht spare ich dann die 2’200 fürs GA aber was ist mit all’ den Autofahrern? Bezahlen etwas was sie nicht brauchen können. Nicht für alle ist der öV eine Alternative!

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karlo Mai 30, 2009 um 23:22

Ich bin halt weniger für Abschreckung (Busse) sondern für Eigenverantwortung. Wenn ich eine Leistung beziehe muss ich auch dafür bezahlen.

Auch ohne Kontrollen werden IMO über 95% ein Billet lösen.
Ich glaube nicht, dass die Kosten der Kontrollen mit den Bussen gedeckt sind.

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Domi Juli 23, 2009 um 20:32

Da ich nicht als Schwarzfahrer gelten will, folgende Frage: Habe vor ca. 2 Wochen ein Halbtax+Gl.7 bestellt, das bisher noch nicht eingetroffen ist. Da ich das HT ab Montag brauche, würd mich interessieren, ob man sich auch nachträglich ein provisorisches HT ausstellen lassen kann, für den Fall, dass es bis Samstag nicht bei mir ist?

Grüßle
Domi

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brummbaer Juli 23, 2009 um 22:16

Ja. Kann man. Einfach am nächsten Schalter vorbei gehen und dein Problem schildern. Solange du bis jetzt noch kein Provisorisesch hattes ist das kein Problem. Ansonsten kann man dir am Schalter weiterhelfen

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