Kondukteur und junge Frau von Männern bedroht

von Andreas Hobi am 18. Februar 2009

In seiner aktuellen Episode von BiZ (schweizweit.net schrieb gestern über diesen Podcast) berichtet Jeremy Kunz über einen Vorfall, den er gestern im Bahnhof Bern miterlebte. Dabei wurde eine junge Frau von einem älteren Herrn laut rufend verfolgt. Jeremy und ein Jugendlicher stellten den Typ dann zur Rede, kurz bevor auch die Polizei zur Stelle war und denn Mann mitnahm. Wenn ihr die ganze Geschichte hören wollt, abonniert ihr am besten den Videocast “BloggerimZug”.

An dieser Stelle auch gleich ein herzliches Dankeschön an Jeremy für die nette Erwähnung in der letzten Folge und den Hinweis, in nächster Zeit mal noch über meinen Blog zu berichten: ;-)

Jeremy Kunz

Doch eigentlich wollte ich heute gar nicht nochmals über diesen Podcast schreiben; es passte nur gerade sehr gut zu einem Erlebnis, das ich gestern hatte:

Zwischen Ziegelbrücke und Sargans stiess ich nämlich auf einen Reisenden, der ohne Billett unterwegs war. Hier der ungefähre Dialog, wie er gestern statt gefunden hat. Einzelne Passagen habe ich entschärft, da die Bedrohungen seitens des Fahrgastes gegenüber mir doch recht heftig waren.

Gast: Ich habe kein Billett.

Ich: Kein Problem, dann lösen wir eines.

Gast: Ich habe auch kein Geld.

Ich: Haben Sie einen Ausweis dabei?

Gast: Ich habe GAR NICHTS dabei, gopfertami!

Ich: Sie können doch nicht einfach “ohne nichts” in den Zug einsteigen.

Gast: Das wäre ja noch, dass ich mir von DIR vorschreiben lasse, was ich zu tun und zu lassen habe.

Ich: (Nehme den Personalienblock hervor.) Füllen Sie bitte dieses Formular rasch aus.

Gast: (Nachdem er die Personalien ausgefüllt hat.) So, z’friede?!?

Ich: Wären Sie so gut, und würden Sie bitte noch das Feld “Telefonnummer” mit der zur angegebenen Adresse passenden Nummer ergänzen?

Gast: Ich habe kein SCHEISS FESTNETZ!!!

Ich: Ich brauche diese Nummer, um Ihre Personalien überprüfen zu können.

Gast: Hey man, jetzt los mal zue. Wenn du Probleme machen willst, dann du das. Aber dann kommst du heute nicht in ganzen Stücken nach Hause, verstanden?!

Ich: (Nehme mein Diensthandy hervor und rufe sicherheitshalber den zweiten Zugbegleiter dazu. Danach wende ich mich wieder dem Fahrgast zu.) Schauen Sie, wenn Sie nicht bereit sind zu kooperieren, dann müssen wir die Polizei hinzuziehen. Eigentlich müsste ich dies bereits jetzt tun, nachdem Sie mich bedroht haben. Ich bin mir aber sicher, dass diese Worte ein Ausrutscher waren und Sie dies nicht so gemeint haben. Ich frage Sie einfach nochmals: Haben Sie eine Festnetz-Nummer oder nicht?

Gast: Nein, nur ein Handy.

Ich: Das Handy haben Sie dabei?

Gast: Ja, aber es ist defekt. Es nützt also nichts, wenn Du zur Kontrolle auf diese Nummer anrufst.

Ich: Damit machen Sie Ihre Geschichte auch nicht glaubwürdiger… (Inzwischen ist der zweite Kollege hinzugekommen und der Fahrgast ist plötzlich ganz nett und droht nicht mehr.)

Dieser Artikel würde zu lange werden, wenn ich noch die ganze restliche Kommunikation aufführen würde. Kurz zusammengefasst: Nachdem der Herr weder über einen Ausweis, noch über eine Telefonnummer überprüft werden konnte und auch über die Zentrale die Meldung kam, dass an der angegebenen Adresse gemäss Verzeichnis kein Herr XY wohne, versuchten wir, die Plausibilität der Angaben auf andere, eher unkonventionelle Art und Weise zu überprüfen. Da er sein (angebliches) Geburtsdatum angegeben hatte, fragte ich ihn nach dem dazu passenden Sternzeichen. Ohne Erfolg. Ich fragte ihn, ob er mir den Nachnamen eines ebenfalls an dieser Adresse wohnenden Nachbarn angeben konnte (Wohnblock). Ohne Erfolg. Da er behauptete, seine kranke Mutter in Bad Ragaz besuchen zu wollen, fragte ich nach deren Telefonnummer und Adresse. Ohne Erfolg.

Leider reichte die Zeit nicht, um die Polizei zu verständigen. So blieb uns nichts anderes übrig, als den Herrn in Sargans aus dem Zug zu schmeissen. Eine blöde Situation, vorallem, weil damit alle Mitreisenden sahen, wie man gratis Zug fahren kann.

In solchen Situationen wäre ich froh, wenn die Bahnpolizei bereits schon zum Zeitpunkt des Vorfalls auf dem Zug wäre. Damit liesse sich die Zahl solcher “Leistungserschleicher” beträchtlich reduzieren.

Offtopic-PS: Heute wollte ich auch noch über den neuen “SBB MobileTicket Shop” schreiben. Aus Zeitmangel klappt dies nicht mehr, aber besser als Christian Hauser hätte ich es sowieso nicht gekonnt, deshalb verlinke ich einfach rasch auf seinen Artikel “Der SBB MobileTicket Shop”. ;-)

{ 13 Kommentare… lies sie gleich hier unten oder schreibe einen }

gentux 18. Februar 2009 um 14:48

Solange er nicht dort ankommt wo er hin wollte ist es mir als zahlender Fahrgast egal.

Schliesslich hätte er auch Autostopp machen oder einen Bus entführen können oder einen Taxifahrer übers Ohr hauen, wobei bei letzterem er wohl schon am Ziel angekommen wäre…

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Chrigu 18. Februar 2009 um 18:33

Danke für die Verlinkung!

Wäre es denn nicht möglich gewesen, ihn im Zug zu behalten und dann ich Chur der (Bahn-)Polizei zu übergeben? Klar, er wäre dann noch weiter gekommen, wäre aber auch nicht einfach so davongekommen!

P.S. Die Usercloud vom Leu ist zwar super, sieht aber bei deiner Sidebar etwas unvorteilhaft aus, weil die Links schön brav hervorgehoben werden und es so keine richtige Wolke gibt… (oder ist das extra?)

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michi 18. Februar 2009 um 20:55

Vielleicht müssten diese Schwarzfahrer fotografiert werden, und wenn sich rausstellt, dass die Personalien nicht stimmten, ein Fandungsfoto rausgegeben werden.

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Andreas Hobi 19. Februar 2009 um 05:41

@ Chrigu:
Ja, bei der Usercloud muss ich mir noch etwas überlegen…

Ich bezweifle, dass er sich bis Chur im Zug hätte behalten lassen, mal ganz abgesehen davon, dass wir nicht einfach so jemanden zum Weiterfahren zwingen dürfen. Aber ich habe ein eher gutes Gesichtsgedächtnis, irgendwann läuft er mir wieder vor die Nase, mit oder ohne gültiges Billett; und dann werden wir die Sache klären. :)

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Andreas Hobi 21. Februar 2009 um 11:38

@ Michi:
Das wäre natürlich eine tolle Idee! Nur hätte da unser Schweizer Täterschützer Datenschützer ein paar Probleme damit… ;-)

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Gumbo 23. Februar 2009 um 17:19

Bei solchen stinkfrechen Betrügern sollte man viel rascher die Polizei aufbieten können. Rechnungen nach Hause zu senden, ist Wischi-Waschi-Vorgehen. Die wird er dann vielleicht eh in den Papierkorb werfen.
Im Ausland kommt bei mittellosen Schwarzfahrern die Polizei (z.B. Deutscher BGS).

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Andreas Hobi 23. Februar 2009 um 18:09

@ Gumbo:
Der Meinung bin ich genau auch! Nur leider leben wir in einer Gesellschaft, in der zuviel Repression und Polizei nicht gerne gesehen wird. Oftmals werden dabei die Täter auch noch zu Opfern gemacht.

Ich will jetzt aber nicht wieder anfangen zu politisieren und mit den Parteien kommen…

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gentux 23. Februar 2009 um 18:26

Das liegt unter Anderem auch daran, dass sich Polizisten gerne aufspielen und sich wahnsinnig wichtig vorkommen…

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BahnFahrer 23. Februar 2009 um 22:34

Ich bin ja nicht gerade SBB-Fan (Stichwort Cisalpino etc.), aber wenn ich sowas lese, dann ärgere ich mich doch schon sehr! Kann man da nichts unternehmen? Wird das vom Management einfach so toleriert? Solche Szenen (mit aus dem Zug werfen) hab ich vor 15 Jahren in Südfrankreich erlebt und gedacht, dass sowas hier nicht möglich wäre…

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Alain 25. Februar 2009 um 06:16

Es ist zwar nicht gut, wenn diese Leute dann aussteigen ohne zu zahlen, aber wiederum besteht dann keine Gefahr mehr für Reisende und Personal, weil solche Leute, die dann vielleicht sogar später noch unter Angst stehen beim Wort Polizei oder so, auf einmal handgreiflich werden könnten.!

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Andreas Hobi 25. Februar 2009 um 16:37

@ Alain:
Genau. Die Sicherheit steht natürlich immer vor der Einnahmensicherung.

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Heike 26. Februar 2009 um 10:53

Es ist immer schwer zu sagen, wie man hier entscheiden soll. Also wenn ich mich mal einmischen darf. Auf der einen Seite sagt man schon, der hätte nicht so leicht davon kommen dürfen, aber man kann halt nicht immer alles genau so machen wie es gerne gewünscht ist. Ich glaube, dass man hier noch einiges machen müsste um solche Sachen zu verhindern. Die müssten echt schon im Keim erstickt werden bevor sie entstehen. Dann müsste man sich über so was keine Gedanken machen.

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Fabi 26. Februar 2009 um 20:11

In unserem westlichen Nachbarland werden derartige Situationen für den Reisenden ohne Billett schnell etwas ungemütlicher:

http://www.youtube.com/watch?v=9gKmRQFMpSg

Wohlgemerkt ist dies ein offizielles Video der SNCF!

Und in Deutschland werden, wie man hört, auch gerne mal zwölfjährige Mädchen, wo lediglich ihr Abo daheim vergassen, bei Nacht und Nebel an winzigen Provinzbahnhöfen ausgesetzt.

Auch wenn ich letztlich den Betrügern Monat für Monat ihr Billett mitbezahle, bin ich doch froh, dass wir hierzulande in solchen Situationen einen gewissen Grad von Zivilisation beibehalten.

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