Jeremy Kunz – Der Blogger im Zug (BiZ)

von Andreas Hobi am 17. Februar 2009

Seit dem 5. Februar 2009 gibt es in der Schweizer Blogosphäre ein neues “Produkt” für ÖV-Interessierte. Jeremy Kunz berichtet dort in fast täglichen Episoden mit Videocasts direkt aus dem Zug. In diesem Artikel erfahrt ihr mehr über diesen speziellen Podcast. Ausserdem durfte ich ein kleines Interview mit Jeremy Kunz führen.


In den letzten Wochen stiess ich immer mal wieder auf Blogs, Podcasts und andere Web 2.0-Publikationen, die – zumindest teilweise – mit dem öffentlichen Verkehr zu tun haben. Normalerweise warte ich dann jeweils ein paar Wochen oder Monate, bevor ich darüber berichte, weil die Erfahrung mir zeigte, dass viele das Interesse nach einer gewissen Zeit wieder verlieren. Bisher war es dann auch fast immer so, dass ich schlussendlich nicht darüber berichtete, weil die Autoren ihre Publikationen wieder eingestellt haben oder über andere Themen schrieben.

Bei Jeremy Kunz – dem “BloggerimZug” – jedoch kann man davon ausgehen, dass er sein Ding noch einige Zeit durchziehen wird, so wie er es mit anderen Publikationen auch schon getan hat.

Wer ist Jeremy Kunz?

Sich selber bezeichnet er als “immer vor Ideen strotzenden jungen Mann”. Ausgangspunkt der vielen Ideen des 23jährigen ist dabei sein Blog tkkg.ch, der Plattform, auf welcher er seine “Ideen umsetzen und den Leuten präsentieren kann”.

Interview

Gestern durfte ich per Mail ein kleines Interview mit Jeremy führen:

Was beurteilst Du positiv an der SBB?
Das ist neben der meistens eingehaltenen Pünktlichkeit sicherlich der Service des Bahnpersonals. Meist ist dies freundlich und hilfsbereit. Die SBB als Unternehmen kann ich eher schlecht einschätzen, da ich mit dem Hintergrund der SBB eher wenig zu tun habe.
Das dichte Schienennetz verbunden mit dem Taktfahrplan finde ich sehr gut. Ich komme in kurzer Zeit nach Genf, Zürich und Basel. Die Städte, in denen ich am meisten präsent bin. Von Bern aus, meinem Wohnort, komme ich in jede Stadt in wirklich kurzer Zeit.
Auch die Möglichkeit, das Zugsrestaurant zu nutzen finde ich sehr gut. Ich esse mindestens einmal die Woche in diesem. Dies hat mit meinen Arbeits- und Pendlerzeiten zu tun.

Und was nervt oder ärgert Dich?
Wenn die SBB Wochen wie die letzte hat, nerve ich mich masslos. In 3 Tagen 2.5 Stunden Verspätungen, 2 Zugsausfälle, davon einen mit der Folge, dass man einen halben Kilometer zurück zum Bahnhof laufen musste, ist einfach nervig. Auch das die SBB immer teurer werden und gleichzeitig mehr Geld vom Staat fordern ist für mich unverständlich. Es würde mich doch sehr erstaunen, wenn die SBB die Preise zu Pendlerzeiten anheben, Ihr Wachstum in diesem Masse weitergeht.
Was mich ausserdem nervt ist die Klassendisziplin. Ich bin Besitzer eines GA’s der ersten Klasse und sehe immer wieder wie Reisende in vollen Zügen einfach in die erste Klasse sitzen.
Auch ist der Komfortunterschied nicht mehr so gross zu unterscheiden. Dies wäre doch zu erwarten bei dem Preisunterschied.

Was würdest Du ändern, wenn Du Chef der SBB wärst?
Schwierige Frage die ich als solches nicht beantworten kann. Ich weiss nicht, welche finanziellen und personellen Mittel der SBB zur Verfügung stehen.
Was ich versuchen würde, wäre sicherlich die Zugsüberwachung zu fördern. Auch wenn ich grundsätzlich gegen die immer wachsende Überwachung bin, so sehe ich die Problematik von aggresiven Passagieren immer wieder selber.
Vor kurzem half ich einem Zugschef in dem ich einen aggresiven Passagier zu Fall brachte. Ich denke das solche “Überfälle” mit mehr Bahnpolizisten und Überwachungssystemen zu einem Teil verhindert werden könnten.
Leider gibt es den Coop-Wagen nicht mehr, so kann ich meine Einkäufe nicht mehr im Zug erledigen. Ein solches Angebot würde ich sehr schätzen.

Welche Note zwischen 1 und 6 gibst Du der SBB?
Ich denke ich gebe der SBB die Note 4.

Nachfolgend nun eine kurze Beschreibung der bisherigen Folgen von BloggerimZug:

BiZ – Episode 1: “Auf das Perron, fertig, los…”

Hier erklärt Jeremy Kunz sein neustes Projekt. Jedes Mal, wenn er eine leere Erste Klasse vorfindet (er ist im Besitz eines 1. Klass-Fahrausweises), will er eine neue Episode drehen.

Danach erzählt er eine kleine Episode, die er so schon öfters erlebt hat. Als 23jähriger werde er manchmal leicht schräg angeschaut, wenn er die Erste Klasse betrete. Dies sei vorallem bei der BLS der Fall, manchmal auch bei der SBB.

An diesem Punkt kann ich richtiggehend mit Jeremy mitfühlen. ;-) Im Fernverkehr fällt es mir nicht so sehr auf; aber im Regionalverkehr werde auch ich (mit immerhin bald 24 Lenzen) oft kritisch begutachtet, wenn ich in die Erste Klasse einsteige. So war dies auch am letzten Samstag wieder der Fall, als ich mit meiner Freundin (ebenfalls 1. Klass-GA) in Zürich HB die S-Bahn nach Zürich Hardbrücke bestieg… (Wir besuchten das Musical “Ewigi Liebi” – Sehr zu empfehlen!) Die Leute schauten uns an, als kämen wir von einem anderen Stern…

Ein Erlebnis, das in eine ähnliche Richtung ging, habe ich im Artikel “Ein Kondukteur wird belästigt” mal beschrieben. Einer der Beststeller-Artikel in diesem Blog. ;-)

BiZ – Episode 2: “Wettbewerb”

Hier konnten die Zuschauer von Jeremy Kunz einen Poken gewinnen, wenn sie ihm einen Namen für den ÖV-Videocast suchten. Schlussendlich hat er sich dann aber doch für einen seiner eigenen Vorschläge – BloggerimZug – entschieden.

BiZ – Episode 3: “Pendelblogger im Tagestakt…”

Diesmal “berichtet” Jeremy Kunz aus einem ICE und beschwert sich im Namen einer Zuschauerin über die SBB. Ich vermute mal, ich weiss, was in der beschriebenen Geschichte schief lief und versuche deshalb kurz, ein wenig Licht in die Sache zu bringen:

Wer im Besitz eines Zweitklass-GAs ist, kann dieses GA grundsätzlich jederzeit auf ein Erstklass-GA upgraden. Dies ist problemlos an jedem SBB-Schalter möglich.

Die BloggerimZug-Zuschauerin jedoch hatte ein abonnierbares GA. Diese speziellen GAs werden nicht über den Schalter verkauft sondern ausschliesslich über das RailService-Center in Brig. Demzufolge kann dieses GA auch nicht an einem Bahnschalter umgetauscht werden.

Nun muss sie einfach den Monat ablaufen lassen (ich setze mal voraus, dass sie die Mindest-Abodauer von vier Monaten bereits hinter sich hat) und kann dann jederzeit ein Erstklass-GA abonnieren.

BTW: Wenn die Dame nur einen Monat lang Erste Klassen fahren möchte, kann sie natürlich auch einen Monatsklassenwechsel zum GA lösen. Erhältlich an jedem Bahnschalter.

BiZ – Episode 4: “Ein Sonntag im SAT”

“SAT” steht hier für “Swiss Aviation Training”. In diesem Trainingscenter unweit des Zürcher Flughafens steht unter anderem ein 15.5 Millionen Franken teurer Flugsimulator der Swiss, den Jeremy zusammen mit zwei Freunden besuchen durfte (Geburtstagsgeschenk).

Jeremy überträgt also zur Abwechslung mal nicht aus dem Zug, sondern direkt aus einem A330-Cockpit.

Mit Zügen oder ÖV hat diese Episode ansonsten nicht wirklich viel zu tun.

BiZ – Episode 5: “Die Geschichte des GA’s”

Kurz zusammengefasst: Damals hatte Jeremy noch ein Halbtax und eine Monatskarte für die Erste Klasse. Diese hatte er jedoch vergessen und liess dies am Morgen – auf dem Weg zur Arbeit – vom Zugpersonal überprüfen. Aus Versehen wurde die Bestätigung dann jedoch nur für die Zweite Klasse ausgedruckt, was dann am Abend auf der Heimreise von der Zugbegleiterin bemerkt wurde. Diese überprüfte die Sache nochmals und druckte dann eine neue Bestätigung aus. (Wobei sie zuerst sagte, dies sei nicht möglich…)

BiZ – Episode 6: “Die Verspätungsbahn”

Am Samstag schien Jeremy wirklich Pech gehabt zu haben. Wegen Fahrleitungsstörungen und einem technischen Defekt am Zug hatten seine Züge immer wieder Verspätungen. Dementsprechend genervt beschwert er sich.

Fazit

ÖV-Interessierten Personen (und ich nehme mal an, dass die meisten schweizweit.net-Leser dazu zählen) kann ich diesen Podcast wärmstens empfehlen. Die Folgen haben meistens eine Länge zwischen 2 und 5 Minuten, gesprochen wird auf schweizerdeutsch. (Ausser in der ersten Folge.)

Nun bin ich gespannt auf die nächsten Ausgaben und hoffe, dass wir noch einige interessante Episoden vom BloggerimZug sehen werden. :)

Hier noch die Links zu meinem Artikel:

{ 7 Kommentare… lies sie gleich hier unten oder schreibe einen }

Chrigu 17. Februar 2009 um 14:50

Und ich hab vergessen, Jeremys Blog zu abonieren! Das muss ich natürlich gleich nachholen und BiK muss ich auch noch abonieren… Heieiei, dä Stress hüt.. ;)
Bin sehr gespannt auf BiK..!

Antworten

Johannes Düring 17. Februar 2009 um 16:00

Ich (U20) wurde sogar schon von einem Zugbegleiter blöd angemeckert, ich solle bitte in die Zweite Klasse gehen, ohne dass er meine Fahrkarte gesehen hat…

Antworten

markus 20. Februar 2009 um 19:53

Kann man den Podcast ohne iTunes nicht abonnieren?

Antworten

Andreas Hobi 21. Februar 2009 um 11:44

@ Markus:
Meines Wissens nicht… :-/ Das Programm iTunes jedoch ist kostenlos und läuft (zumindest auf dem Mac) einwandfrei.

Antworten

markus 21. Februar 2009 um 15:50

Schade… Auf iTunes verzichte ich gerne!

Antworten

Jeremy 25. Februar 2009 um 09:58

@Markus, du hast ne Mail via deinem Kontaktformular erhalten.

Beste Grüsse,

Jeremy

Antworten

Sandra-Lia 30. April 2009 um 00:16

klar kann man podcast auch ohne itunes abonieren. aber nicht mit irgendwelchem ms schrott. dafür gibts tausend guute tools. insb. für unix, linuggs^^ und mac. für wc-pindows gibts sicher auch was.

Wer Altavistatet, weiss mehr.. oder halt göööglet

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