
(Foto: SBB)
Wie hier auf schweizweit.net bereits angekündigt, will die SBB bis 2014 die integrale Doppelbegleitung auf fast allen Fernverkehrszügen einführen. Es soll in fünf Jahren also fast keine Züge mehr geben, die nur von einem Kondukteur begleitet werden. Gesucht werden Mitarbeiter für die Depots in Basel, Bern, Biel, Brig, Chur, Délémont, Genf, Lausanne, Luzern, Olten, Romanshorn, Schaffhausen, St. Gallen und Zürich HB. Gestern nun ging das offizielle Communiqué aus Bern an die Medien.
In diesem Artikel könnt ihr die offizielle SBB-Pressemitteilung lesen, etwas über die Anforderungen erfahren, die ein Zugbegleiter erfüllen muss und ihr werdet sehen, warum nicht alle Fernverkehrszüge ab 2014 doppelt begleitet sein werden.
Nachfolgend könnt ihr die gesamte Pressemitteilung in der Original-Länge lesen. Zuvor eine kurze Zusammenfassung:
- Aufstockung um 125 Stellen bis 2014
- Rekrutierung startet sofort
- Ausbildung dauert 1 Jahr (bei vollem Lohn)
- Zugpersonal immer wieder mit Aggressionen konfrontiert
- Personalvertreter und Sozialpartner eng in die Umsetzung der Massnahmen einbezogen
Und nun die ausführliche Pressemitteilung:
Mehr Kundenservice und Sicherheit
SBB schafft 125 neue Stellen beim Zugpersonal
Die SBB erweitert den Personalbestand bei der Zugbegleitung um 125 Stellen. Damit können bis ins Jahr 2014 alle Fernverkehrszüge mit zwei Zugbegleitern verkehren. Die Rekrutierung startet ab sofort. Gesucht werden verantwortungsbewusste, kundenorientierte Personen mit abgeschlossener Berufslehre, die bei vollem Lohn die einjährige Ausbildung zum Reisezugbegleiter oder zur Reisezugbegleiterin absolvieren wollen.
Die SBB sucht Reisezugbegleiterinnen und Reisezugbegleiter. Sie erhöht den Personalbestand beim Zugpersonal in den nächsten fünf Jahren um 125 Mitarbeitende. Damit wird es möglich sein, alle Züge im Fernverkehr – Intercity- und InterRegio-Züge – künftig mit zwei Zugbegleitern verkehren zu lassen. So lässt sich einerseits der Kundenservice an Bord der Züge verbessern. Andererseits entspricht die SBB damit dem Wunsch ihres Zugpersonals nach erhöhter Sicherheit auch auf Zügen zu Randzeiten, in denen weniger Passagiere mitfahren. Bisher verkehrten grundsätzlich Züge mit über 400 Passagieren sowie alle Züge ab 22 Uhr mit doppelter Zugbegleitung. Je nach Situation in den Regionen wird dies mittelfristig zur Umwandlung einiger InterRegio- zu RegioExpress-Verbindungen führen.
Die Personalrekrutierung, die unverzüglich startet, ist eine grosse Herausforderung. Die vielseitige Zweitausbildung zum Reisezugbegleiter dauert – bei vollem Lohn – ein Jahr. Sie erfordert eine abgeschlossene Berufslehre und gute Sprachkenntnisse sowie eine ausgeprägte Kundenorientierung. Das Aufgabengebiet umfasst die Kontrolle der Fahrausweise, das Erteilen verschiedenster Auskünfte für die Kunden, die Überwachung der technischen Einrichtungen im Zug sowie fahrdienstliche Aufgaben. Weitere Informationen zum Stellen- und Ausbildungsprofil «Reisezugbegleiter/in» sind im Internet unter www.sbb.ch/jobs erhältlich.
Leider sieht sich das Zugpersonal immer wieder mit Aggressionen konfrontiert, namentlich an den Wochenenden und in den Randstunden. Die Zahl der Übergriffe konnte in den letzten Jahren bei jährlich rund 220 Tätlichkeiten stabilisiert, jedoch leider nicht reduziert werden. Die SBB duldet solche Übergriffe gegen ihre Mitarbeiter nicht. Sie hat in den vergangenen Jahren bereits viel investiert für mehr Sicherheit des Zugpersonals etwa mit einer intensiveren Ausbildung im Umgang mit heiklen Situationen, erhöhter Präsenz und verbesserter Zusammenarbeit mit der Polizei und Bahnpolizei oder der professionellen Nachbetreuung. Auch werden Übergriffe gegen das Bahnpersonal durch die Behörden als Offizialdelikt geahndet. Die SBB wird überdies ab sofort die Begleitung des Zugpersonals durch die Bahnpolizei und die Securitas, die der Einsatzleitung der Bahnpolizei untersteht, auf kritischen Frühzügen ausbauen.
Die Personalvertreter und Sozialpartner sind eng in die Umsetzung der Massnahmen einbezogen. Sie arbeiten aktiv im Begleitausschuss mit, der bei der Umsetzung der integralen Zweierbegleitung fachlich mitwirkt.
Das Communiqué tönt auf den ersten Blick viel versprechend und macht Hoffnungen. Trotzdem gibt es da etwas, das mich stutzig macht. Ich zitiere: “Damit wird es möglich sein, alle Züge im Fernverkehr – Intercity- und InterRegio-Züge – künftig mit zwei Zugbegleitern verkehren zu lassen. (…) Je nach Situation in den Regionen wird dies mittelfristig zur Umwandlung einiger InterRegio- zu RegioExpress-Verbindungen führen.”
Doppelt begleitet werden also nicht alle Fernverkehrszüge, sondern ausschliesslich die Intercity und Interregio. (Die Mehrheit der Fernverkehrszüge bestehen aus IC und IR.) Einige dieser IC und IR jedoch werden bis 2014 zu RegioExpress-Zügen “degradiert”, damit diese auch weiterhin nur durch eine/n Zugbegleiter/in begleitet werden müssen. (RegioExpress-Züge: Nicht zu verwechseln mit Regionalzügen! Ein RegioExpress ist zum Beispiel der Fernverkehrszug von Chur nach St. Gallen.)
Ich hoffe, dass die Personalvertreter und Sozialpartner bei diesem Punkt noch ein wenig Druck machen, so dass sich diese “Degradierungen” in Grenzen halten werden.
Weiters bin ich davon überzeugt, dass die SBB sich bewusst ist, dass sie nicht nur 125 neue Zugbegleiter/innen einstellen, sondern auch Abgänge und Pensionierungen ersetzen muss. Es gibt ein paar Jahrgänge, die beim Zugpersonal sehr stark vertreten sind und demnächst ihr Pensionsalter erreichen. Diese Leute müssen natürlich auch ersetzt werden. Ich hoffe, dass dies der SBB keine Probleme bereiten wird.
Alles in allem bin ich überzeugt: Wenn die SBB sagt, ab 2014 werden fast alle Fernverkehrszüge doppelt begleitet, dann glaube ich ihr das. Hoffentlich muss ich mich dann in fünf Jahren nicht eines Besseren belehren lassen. Im Gegensatz zu mir gibt es beim SBB-Zugpersonal jedoch einige Stimmen, die der Sache nicht so ganz trauen und zuerst einmal abwarten wollen. Dies ist auch verständlich, denn anfangs wurde der Eindruck erweckt, dass bereits ab 2009 / 2010 eine Doppelbegleitung eingeführt werde, dann wurde dies auf 2014 verschoben und nun wurden die RegioExpress-Züge von der Doppelbegleitung ausgeschlossen. Gut möglich, dass in den nächsten fünf Jahren nochmals der eine oder andere Rückzieher seitens der SBB kommt.
Ganz klar festhalten möchte ich an dieser Stelle: Trotz dem einen oder anderen leeren Versprechen gefällt es mir beim Zugpersonal der SBB nach wie vor sehr gut! Wie sonst wäre es zu erklären, dass ich trotz Berufsmaturität, diversen Diplomen und Zertifikaten nach wie vor in einem Beruf arbeite, zu welchem man auch ohne diese Papiere kommt. :) Die Arbeit beim Zugpersonal ist äusserst abwechslungsreich, manchmal herausfordernd, man kommt mit Menschen aus allen Ländern und Bevölkerungsschichten in Kontakt und sieht etwas von der Welt Schweiz.
Ausserdem ist der Zusammenhalt unter den Zugbegleitern sehr stark und man verhält sich sehr kollegial. Mobbing oder ähnliche Dinge, die man aus anderen Firmen kennt, gibt es hier fast nicht. Über fehlende Sozialleistungen seitens der SBB kann man sich im Übrigen auch nicht beklagen. Alles in allem kann ich meinen Beruf und meine Arbeitgeberin also jedem und jeder empfehlen, welche/r die Anforderungen erfüllt.
Interesse geweckt? Hier ein kleines Stellenprofil:
Reisezugbegleiter/in National (RZBN).
Ihre Herausforderung.
Als Gastgeber/in im Zug sorgen Sie mit Ihrem hervorragenden Kundenservice dafür, dass unsere Gäste gerne und oft Bahn fahren. Ihr Aufgabengebiet umfasst die Kontrolle der Fahrausweise, das Erteilen verschiedenster Auskünfte, die Überwachung der technischen Einrichtungen im Zug sowie fahrdienstliche Verrichtungen.
Ihre Qualitäten.
Wir suchen verantwortungsbewusste, aufgeschlossene, initiative Persönlichkeiten mit einer ausgeprägten Kundenorientierung. Sie bringen eine abgeschlossene Berufslehre mit und haben bereits Erfahrung im Umgang mit Kunden. Unsere Gäste überzeugen Sie mit einem freundlichen, gepflegten Auftreten und Sie können sich rasch auf immer neue Situationen einstellen. Unregelmässige Arbeitszeiten und Wochenendeinsätze betrachten Sie als Chance für eine flexible Freizeitgestaltung. Wichtige Voraussetzungen sind zudem eine gute Gesundheit und PC-Grundkenntnisse. Wenn Sie ausser Deutsch auch Französisch sprechen und bereit sind eine weitere Sprache – Englisch oder Italienisch – zu erlernen, sollten wir uns unbedingt kennen lernen.
Unser Angebot.
Mit uns fahren Sie gut! Wir bieten Ihnen in eine zwölfmonatige, praxisorientierte und sehr vielfältige Ausbildung bei vollem Lohn. Attraktive Anstellungsbedingungen sowie interessante berufliche Perspektiven sind für uns selbstverständlich.
Fühlen Sie sich angesprochen? Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen, mit Angabe des von Ihnen gewünschten Arbeitsortes senden Sie bitte unter Angabe der Referenznummer 41826 an:
SBB AG
Personenverkehr
Kundenbeziehungen & Services
Personal
Wylerstrasse 123/125
3000 Bern 65
Wenn ihr noch Fragen habt zu der Stellenausschreibung, wendet euch ebenfalls an die oben stehende Adresse. Bei allgemeinen Fragen zum Beruf des Reisezugbegleiters dürft ihr euch gerne auch an mich wenden; entweder unten in den Kommentaren oder per Kontaktformular.
{ 22 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }
wow. wäre ja cool. Ob die mich nehmen ^^
Da müsste ich noch 3 Jahre warten, aber Lust hätte ich trotzdem irgendwie. Obwohl man ja mehrheitlich negatives hört.
Diese Personalaufstockung ist natürlich zu begrüssen, ich frage mich aber, ob es der SBB möglich sein wird, innert dieser Frist genügend Bewerber zu finden, um die 125 Mehrstellen abzudecken. Die Vorfälle in letzter Zeit wirken doch etwas abschreckend.
Frage: Wie lösst man das eigentlich beim ICN, welcher ja oft aus zwei zusammenhängenden Zügen besteht. Sind da in Zukunft pro Triebzug zwei Zugbegleiter (also total 4), oder wie bisher pro ICN-Einheit einer?
Soeben erreichte mich eine Frage per Kontaktformular. Leider ist die angegebene Email-Adresse nicht (mehr) gültig, deshalb stelle ich die Frage und meine Antwort einfach hier in die Kommentare. (Dies, obwohl die Antwort eigentlich auch in meinem Artikel zu finden ist…)
Frage:
Sehr geehrter Herr Hobi,gibt es in Bern auch eine
Ausbildungsstelle für Zugbegleiter/innen?Danke für Ihre Antwort.
Antwort:
Grüezi Frau S.
Ja, auch in Bern gibt es offene Stellen. Hier nochmals der Link zu der Ausschreibung: http://mct.sbb.ch/mct/konzern_dienstleistungen/konzern_jobs/konzern_stellen-fuer-quereinsteiger/konzern_ausschreibung_rzb.htm
Beste Grüsse
Andreas Hobi
@ Mike:
Nein, so wie ich das verstehe, werden es pro Zug zwei Zugbegleiter sein und nicht pro Zugseinheit.
Ich habe mich Beworben um diese Stelle, ich bin ja sehr sehr gespannt ob ich angenommen werden.
Drückt mir die Daumen es wäre ein schöner Job.
@ Vitalini:
*daumendrück* ;-)
Das hört sich doch mal gar nicht so schlecht an. Da muss ich wirklich sagen, dass man auch mal was positives von denen hört ist doch wirklich gut. In letzter Zeit kam ja wirklich nur schlechtes und ich glaube, dass dies gar nicht so übel ist für die Bahn. Es ist zumindest ein Anfang und ich hoffe, dass nicht gleich wieder so ein haufen Leute ausgestellt werden. Denn das wäre wieder sehr schlecht für das Image der Bahn. Ich hoffe, sie haben endlich etwas dazu gelernt.
da hat sich in der teppichetage doch noch was zum guten bewegt….ich finde es nötig das pro zug 2 zugbegleiter anwesend sind!!
juhuuu..äntlich! *freud*
Klingt wirklich gut, ich hoffe nur, dass die Pläne auch wirklich so umgesetzt werden können. Denn gerade durch die Gefahren in den Randstunden und wenig besetzten Zügen werden viele Bewerber sicherlich abgeschreckt. Von daher wird es gar nicht so einfach 125 neue Stellen mit den passenden Bewerbern zu besetzen und auch die Leute, die in Pension gehen noch durch neue Bewerber zu ersetzen.
Wenn ich mal wieder Probleme mit Verspätungen und fehlendem Personal habe, denke ich an meine vielen Erlebnisse mit der VR (Valtionrautatiet) von Finnland. Die schaffen Pünktlichkeit, Freundlichkeit und bequeme Züge auch bei härtesten Winterbedingungen, wo die DB flach liegt.
Hm, also ich weiß nicht, die Arbeitslosenzahlen sind eigentlich hoch genug, da sollten schon ausreichend Leute gefunden werden können. Dass sich das Ganze durch die einjährige Ausbildung verzögert, kann ich ja noch verstehen, aber ich glaube nicht, dass es so problematisch sein sollte, die 125 Stellen zu besetzen und für Nachschub bei den Mitarbeitern zu sorgen, die in Pension gehen.
Hallo Leute
Hab mich auch beworben. :-) Nehmen die eigentlich auch Grenzgänger aus Deutschland? Will endlich weg von meinem langweiligen Bürojob. Drückt mir die Daumen.
Grüssle
@ Lee-H:
Beim Zugpersonal der SBB arbeiten Leute aus vielen verschiedenen Nationen; natürlich auch welche aus Deutschland. :)
Selbstverständlich drücke ich dir beide Daumen!
Hi,
nimmt die SBB auch Leute die noch keine Ausbildung abgeschlossen, dafür jedoch ein deutsches Fachabitur haben?
Danke schonmal für die Antwort.
@ Miriam:
Versuch es doch einfach! ;-)
haja… ich mag keine Absagen ^^
“haja… ich mag keine Absagen”
Dann am besten nichts machen und Hartz4 beantragen;-)
Ich glaub ich werd mich da mal nach meinem Studium bewerben. Nen Bachelorabschluss gilt schließlich auch als berufsqualifizierender Abschluss. Außerdem frische ich gerade mein französisch auf u. will dann passend dazu noch italienisch erlernen.
Mal schauen. Vielleicht wirds ja was.
Die Tätigkeit des Reisezugbegleiter klingt sehr interessant und aufgrund der Ausschreibung wird auch einiges verlangt. Auf alle Fälle hat es mein Interesse geweckt. Wie sieht eigentlich die Entlöhnung aus? Ich wäre dankbar für eine kurz Mitteilung.
Gruss
Stefan
@ Stefan:
Wie es mit den aktuellen Einstiegslöhnen ausschaut, das fragst du am besten bei der angegebenen Adresse nach. (Ist ja schon eine Weile her, seit ich beim Zugpersonal angefangen habe… ;-)