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Gestern veröffentlichte die HandelszeitungOnline ein interessantes Interview mit SBB-Konzernchef Andreas Meyer.
Unter anderem spricht er folgende Punkte an:
- Finanzkrise als Chance
- Kollaps muss verhindert werden
- Preisanpassungen unumgänglich
- Problemkind Pensionskasse
Finanzkrise als Chance
Meyer sieht in der momentanen Finanzkrise nicht nur negatives und hofft, Investitionen in die weitere Effizienzsteigerung und in den präventiven Unterhalt des Netzes dank des Konjunkturpaketes des Bundes rascher realisieren zu können.
Er ist sich aber auch bewusst, dass die fehlenden Steuereinnahmen des Bundes dessen Ausgabefreudigkeit etwas dämpfen werden.
Ausserdem rechnet Meyer damit, dass der eine oder andere, der heute noch mit dem Auto unterwegs ist, sich überlegen wird, ob nicht die Bahn wirtschaftlicher ist. Dieser Punkt dürfte meiner Meinung nach aber erst dann zum Tragen kommen, wenn der Spritpreis wieder steigt.
BTW: Eine Aufschlüsselung der Kosten eines Durchschnittsautos findet ihr auf der Homepage des TCS: Kosten eines Musterautos
Gemäss dieser Auflistung kostet ein Auto pro Kilometer durchschnittlich 77 Rappen. Beim ÖV liegt der Preis pro Kilometer deutlich tiefer.
Kollaps muss verhindert werden
Nach der Verkehrsangebotserhöhung von 5.5 Prozent im Fahrplan 2009/2010 lasse sich das Verkehrsvolumen mit Fahrplanoptimierungen bis 2014 nur noch um einige Prozent erweitern, schreibt die Handelszeitung. Meyer bestätigt: “Ein Angebotssprung von 5.5% mehr Zugkilometer liegt ohne Netzausbau kaum mehr drin.” Den dadurch eventuell drohenden Kollaps will SBB-Chef Andreas Meyer verhindern.
Einerseits werde dies durch die Ausschreibung der doppelstöckigen Fernverkehrszüge für die Schweiz geschehen; die grösste Rollmaterialbestellung in der Geschichte der SBB. Dabei werden über 2 Milliarden Schweizer Franken investiert. Mit dieser Ausschreibung wolle er die Kapazität steigern, bis neue Infrastruktur zur Verfügung stehe.
Gleichzeitig mahnt Meyer, dass die dringlichsten Projekte (viertes Gleis Lausanne – Renens, Durchmesserlinie Zürich, etc.) vorfinanziert werden müssen, damit sie rechtzeitig zur Verfügung stehen. Diese Projekte würden aus dem Finöv-Fonds finanziert, doch der sprudle nicht so schnell, wie für den Ausbau nötig. Deshalb bestehe eine Finanzierungslücke.
Es bestehe nun am Bund und an den Kantonen, für die Vorfinanzierung aufzukommen. Sollte die Finanzierung nicht klappen, riskiere die SBB, “nicht mehr alle Kunden so transportieren zu können, wie sie es gerne täte”.
Preisanpassungen unumgänglich
Die SBB muss das Rollmaterial aus dem eigenen Sack bezahlen. Bis 2030 braucht sie dafür über 20 Milliarden Franken. Da die SBB nicht selber Geld drucken kann, müssen diese finanziellen Mittel irgendwoher kommen. Die ordentlichen Einnahmen reichen dafür nicht. So werde die SBB nicht um generelle Preiserhöhungen herumkommen. Meyer erwartet deshalb Rahmenbedingungen, die es der SBB ermöglichen, dieses Geld zu erwirtschaften.
Neben einer generellen Preiserhöhung will die SBB nach wie vor versuchen, die Tagesspitzen zu glätten. Diese Spitzen kosten enorm viel, während die Durchschnittsauslastung im Tagesverlauf bei nur 29 Prozent liege. Die SBB hat grosses Interesse daran, Kunden, die nicht zu den Hauptverkehrszeiten reisen müssen, mit günstigen Angeboten zu motivieren, ausserhalb der Spitzenzeit zu reisen.
Gleich darauf bringt Meyer einen äusserst interessanten Vorschlag, den ich so bis anhin noch nicht gehört habe:
“Zu diskutieren ist, ob man beispielsweise die Schulbeginnzeiten ein wenig staffeln könnte, damit sie weniger mit den Hauptverkehrszeiten zusammen fallen. Da gibt es meines Wissens Beispiele in diese Richtung. Da haben wir Potenzial. Umsetzen können das die öffentlichen Verkehrsunternehmen nicht alleine.”
Keine Ahnung, ob die von dieser Entscheidung betroffenen Berufs-, Gewerbe, Fachhoch- und andere Schulen mitspielen würden. Auf alle Fälle ein interessanter und aussergewöhnlicher Vorschlag!
Wie ich schon einmal hier im Blog erwähnte, gibt es ja auch noch Firmen, deren Mitarbeiter nicht zwingend zu bestimmten Zeiten anwesend sein müssten, es aber trotzdem sind. Vielleicht gibt es auch hier noch Möglichkeiten, wie man diese Leute dazu bringen könnte, zu anderen Zeiten zu pendeln.
Ein Beispiel, wie ich es von der RhB kenne: Einige Leute, welche am Churer Hauptsitz der Rhätischen Bahn arbeiten, müssen zwar zu bestimmten Blockzeiten anwesend sein (09:00 – 11:00 Uhr; 14:00 – 16:00 Uhr), können ansonsten aber frei entscheiden, zu welchen Zeiten sie arbeiten möchten.
Solche Beispiele sollten, ja MÜSSTEN Schule machen. Die Unternehmen profitieren dabei von entspannteren und weniger (durchs Pendeln) gestressten Mitarbeitern, die Mitarbeiter können ihren Arbeitsweg stärker geniessen und die öffentlichen Verkehrsmittel sind breiter ausgelastet. Eine Win-Win-Win-Situation, sozusagen.
Problemkind Pensionskasse
Die Pensionskasse der SBB hat ein Problem, weil sie beim Start (Ende der neunziger Jahre) vom Bund nicht vollständig ausfinanziert wurde. Deshalb geriet die Kasse bei der Börsenkrise anfangs dieses Jahrzehnts rasch in die Unterdeckung. Für dieses Problem erwartet die SBB (meiner Meinung nach zu Recht!), dass der Bund seine Verantwortung wahrnimmt.
Ausserdem wurde der Stiftungsrat der Pensionskasse vom Bundesamt für Sozialversicherung aufgefordert, bis Mitte 2009 Sanierungsmassnahmen vorzubereiten. Meyer erwartet nun, dass der Bund entsprechende Lücken schliesst. In dem Umfang, in dem der Bund die Lücke eben nicht schliesst, brauche es eine paritätische Sanierungslösung, die von Unternehmen und Mitarbeitern getragen werden muss.
Logischerweise kann der Bund jetzt aber nicht einfach sagen, die SBB müsse den Karren selber aus dem Dreck ziehen, ohne dass er die unternehmerischen Rahmenbedingungen der SBB so verbessert, dass sie dies auch leisten kann. (Hinweis: Die Wortwahl in diesem Absatz ist die meinige, nicht jene von Meyer. Inhaltlich stimmen wir aber überein.)
Nur wenn die SBB ausreichend Gewinne erzielt, kann sie mit diesem Geld das PK-Problem entschärfen. Hier ist vor allem auch der Preisüberwacher gefragt, welcher sich bis anhin stets der SBB in den Weg stellte. (Sachdienliche Hinweise, wie man diesen Typen liquidieren aus dem Weg räumen kann, bitte per Kontaktformular…)
Wer das gesamte Interview lesen möchte, kann dies unter “Es wird ein schwieriges Jahr werden” tun. Im Interview erfährt man dann auch, wie Meyer über die SBB Cargo-Thematik denkt und was die Ziele der SBB für das Jahr 2009 sind.
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Sehr interessant, auch der Vorschlag wegen den Schulen. stimmt eigentlich, warum müssen die um 7 Uhr anfangen? warum können die nicht erst um 9 starten und dafür in Blockzeiten (kürzere Mittagspause mit Mittagstischen) bis zb 15 Uhr? natürlich geht das nicht jeden Tag, aber ein Teil könnte so wirklich so aus dem grössten Pendlerverkehr genommen werden.
Bei der Erhöhung der Kapazitäten sehe ich das anders. Es ist klar, dass Herr Meyer da früh genug “jammern” muss, damit die Politik da aktiv wird.
Auch den Überlegungen (auch wenn ich anderorts hier andere Ansicht vertreten haben), dass einige Menschen in Zukunft auf das Auto verzichten könnten, kann ich zustimmen. Diese Möglichkeit besteht wohl sehr gut.
Neue Tickets: Wie wäre es zb mit einem Light-GA? Einem GA, das stark verbilligt ausserhalb der Pendlerzeiten gilt, zb 8 Uhr bis 16 Uhr und ab 20 Uhr für billige 1299 Fr.? Oder das Gleis7 auch für ältere Leute, um abendliche Kurse besser auszulasten?
Vor allem fördert ein späterer Unterrichtsstart (ab 09:00) die Konzentrationsfähigkeit der Schüler!
Ob die Schulen wohl darauf eingehen werden?? Ich bezweifle es
@Andy: Wie steht es eigentlich mit den neuen Doppelstock Fernverkehrszügen. Wann werden die ausgeschrieben? Sollte doch bereits der Fall sein es hiess doch mal Herbst
@ Pendler:
Sollte noch dieses Jahr der Fall sein. Stimmt, letzten Sommer hiess es noch “im Herbst”.
@ Piero @ Antonios:
Bekanntlich haben junge Menschen einen anderen Schlaf-Wach-Rhythmus als ältere Menschen. Sprich: Sie stehen später auf und gehen später zu Bett. Von dem her würde es auf alle Fälle Sinn machen, den Schulbeginn auf eine spätere Stunde zu verschieben.
Bin nun gespannt, wie die SBB dies den Schulen schmackhaft machen möchte. ;o)
BTW: Im gestrigen Blick am Abend stand auch kurz etwas zu diesem Thema. Siehe Seite 2-3: http://issuu.com/blickamabend/docs/04022009_zh/3
@ Piero:
Betreffend GA-Light: http://schweizweit.net/2008/09/04/gibt-es-bald-ein-ga-light/ ;o)
Meyer hat auch etwas erwähnt von “1. Klasse attraktiver machen.” /05.02.09 in der Zeitung gelesen.
Ich kann mir schwer vorstellen, wie dies geschehen soll. Ich würde mich ja wundern, wenn man in z.B. den unbeliebten 1.-Kl-Abteilen der Seetal-GTW plötzlich bequeme Sitze montieren würde, oder sogar eine Trenntüre installiert…
Bis jetzt war ja die Philosophie, dass man laufend weniger bequeme Sitze in den neueren Wagen hat. Oder mal sauberere WCs…
Oder bessere Kontrollen der Schmarotzer, die ohne Aufzahlung in der 1. Kl. sitzen und darauf spekulieren, dass keine Kontrolle kommt.
Oder 1. Kl.-Warteräume auf Bahnhöfen (wo doch immer weniger oder gar keine Warteräume mehr angeboten werden.) Ich nenne z.B. den Warteraum im Bahnhof Scuol mit seinen bequemen Sofas und seiner Sauberkeit, wobei beim derzeitigen Umbau des Bahnhofs zu befürchten ist, dass auch der weg muss…
@ Gumbo:
Es wird in Scuol nach dem Umbau zwei Warteräume geben.
„Ausserdem rechnet Meyer damit, dass der eine oder andere, der heute noch mit dem Auto unterwegs ist, sich überlegen wird, ob nicht die Bahn wirtschaftlicher ist. Dieser Punkt dürfte meiner Meinung nach aber erst dann zum Tragen kommen, wenn der Spritpreis wieder steigt.“
Das wird nicht mal zum Tragen kommen, wenn die Spritpreise steigen, denn ich denke, dass die Bahn so einen großen Imageschaden erlitten hat, dass es sehr viele Leute bis aufs Äußerste vermeiden werden mit der Bahn zu fahren. Und ich kann das auch nur zu gut verstehen, denn was die Bahn da so abgeliefert hat in letzter Zeit war nicht wirklich sehr gut.
Anmerkung des Administrators: Dieser Kommentar bezieht sich auf die Deutsche Bahn. Die DB ist image-mässig kaum mit der SBB zu vergleichen. Im Gegensatz zur Situation in Deutschland, geniesst die Eisenbahn in der Schweiz noch einen überdurchschnittlich guten Ruf.
Was die SBB bei ihren Seetal und anderen GTW
noch nicht angepackt haben, schaffte wenigstens
Turbo. Dort wurden aufgrund zahlreicher Kundenreaktionen endlich automatische Trenntüren
bei der 1.Klasse angebracht.
Es ist eine absolute Zumutung für 1.Klasse Reisende den ganzen Gesprächsquatsch der Schüler
welche zu gewissen Zeiten unterwegs sind, zuzuhören. Zudem hat die 2.Kl bessere und weichere
Sitze. Die 1.Klasse befindet sich auf den Achsen
was bei diesen leichten Fahrzeugen wohl der schlechteste Zugsteil betrifft.
Schaut mal bei BLS, die haben bei fast allen Zügen
(ausser Nina) noch eine richtige 1.Klasse mit viel
Komfort anzubieten.
Seppi
Die BLS hat dies nur noch, weil es sich um ältere Wagen handelt. Wette die bestellten Züge sind weniger bequem!
Apropos Meyer:
Im Krisenjahr könnte er ja mal auf 500000 Franken seines Salärs verzichten. Wie weiland sein Vorgänger, der mehr solidarisch eingestellt war.