
Bild © (cc) ReclaBox (flickr.com)
Bei der SBB ist es gang und gäbe: Das “Nümmerli zieh” in den grossen Bahnhöfen. (Oder ähnliche “Wartesysteme”, wie zum Beispiel im Bahnhof Chur, wo alle Kunden in der gleichen Schlange stehen und an den nächsten freien Schalter gehen.) Auch bei der Post und in einigen Amtsstellen wird dieses Prinzip angewandt.
Die Deutsche Bahn kannte dieses System bisher noch nicht, will es nun aber auch einführen. Doch es gibt Widerstand! Und dieser kommt ausgerechnet vom Fahrgastverband ProBahn.
Der Fahrgastverband hält dieses neue System für “Aktionismus” und würde es lieber sehen, wenn mehr Personal eingestellt würde. Dies – so muss man dem Verband zustimmen – wäre natürlich auch eine Möglichkeit, die Wartezeiten zu senken; wenn auch nicht die günstigste…
Günstiger und langfristig sinnvoller hingegen wäre es, das komplizierte und schwer verständliche Tarifsystem der DB zu vereinfachen. Damit wären wohl alle Beteiligten zufrieden.
Ich persönlich mag solche fairen Systeme wie dasjenige mit dem Nummern ziehen. Sei es nun bei Post, Swisscom-Shop oder an anderen Orten: Mit diesem System garantiert man, dass die Kunden der Reihe nach bedient werden.
PS: Am wenigsten lang anstehen muss man, wenn man das Bahnbillett gleich via Internet oder Handy löst. Jedoch ist mir klar, dass nicht alle Reisenden diese Möglichkeit haben und dass nicht alle Fahrausweise auf diese Art gelöst werden können.
Weiterführender Artikel auf rp-online.de: Nummern ziehen fürs Bahnticket
(Danke für den Hinweis an Sven Jackisch.)
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{ 15 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }
Um die Wartezeiten zu senken gibt es exakt zwei Möglichkeiten: Die vorhandenen Mitarbeiter arbeiten schneller oder die Arbeit wird auf mehr Mitarbeiter verteilt.
Welches Wartesystem angewendet wird ist da eher zweitrangig.
LOL Nettes Bild vom Berliner Ostbahnhof :-) Aber gleich hier Werbung für anrüchige Geschäfte zu machen (man schwenke den Blick nach links) :D
Ansonsten halte ich Nummer ziehen für eine sehr sinnvolle Idee :-)
Ich stimme da Andreas zu: Das Tarifsystem der deutschen Bahn ist derart kompliziert, dass man alleine vom Gedanken daran schon massive Kopfschmerzen erhält.
Darum bin ich auch sehr gegen die Einführung zeitlich begrenzter Fahrkarten, denn der Effekt, eine Umlagerung zu erzielen, wird wegen Gründen, dass 90% aufgrund unserer wirtschaftlichen Lebensgewohnheiten gar nicht anders als in den Pendlerzeiten pendlen kann (darum heisst das auch Pendlerzeiten)
Zurück zum obigen Artikel: Dieses Nummernziehen ist natürlich so ehrlich, dass da das “man steht immer in der falschen Reihe” umgangen werden kann. Vielleicht wäre eine Einteilung in: Nur Ticket und Fragen für mögliche Ticket etc sinnvoll. Wenn jemand nur eine Fahrkarte von A nach B will – davor aber noch 10 Leute warten, die den Bahnangestellten zur Sichtung von 20 Mio möglichen Fahrkartenpreisen zwingt – ist das nun auch nicht wirklich “gefühlt” kundenfreundlich.
Fazit: Da der Bund ja auch fir die UBS Milliarden aufbringen kann, könnte man doch die DB (die ja an die Börse will) aufkaufen und den deutschen mal zeigen, wie mans richtig macht ;)
Also ich war ja schon länger nicht mehr im HBf Stuttgart, aber dort war es meines wissen zum Teil schon so, dass man sich wenigstens für 3 Schalter angestellt hat.
Zu den Online-Buchungen muss ich sagen, dass ich finde dass die DB gerade diese Angebote nutzt um Personal abzubauen. Weiter kann das Personal am Schalter einem doch irgendwo Tipps geben, was der günstigste Tarif ist, was der Automat oder die HP bei dieser Tarifpolitik nicht übersichtlich tun kann.
Ich bin mir nicht sicher, aber ich meinte mich erinnert zu haben aus DB-kreisen gehört zu haben, dass Sie die teureren Tarife anbieten sollen/müssen wenn der Kunde nicht von sich selber auf was günstigeres Hinweißt.
Das ist doch nichts neues – das System “Eine Warteschlange für alle Schalter” ist seit Jahren in diversen DB-Reisezentren (spontan fallen mit z.B. Ludwigsburg und Ulm ein) zu sehen.
Generell gibt es aber durchaus ein Argument gegen die “Sammelschlange”: Die Motivation des einzelnen Schalterangestellten/-beamten, einen Vorfall zügig abzuarbeiten, sinkt, denn es ist ja nicht mehr auf den ersten Blick zu erkennen, dass sich bei genau diesem Kollegen die Bearbeitung staut.
(Dass es intern möglich ist, Bearbeitungszahlen festzustellen, z.B. indem man auswertet, an welchem Terminal wie viele Transaktionen am Tag gelaufen sind, steht nochmal auf einem anderen Blatt.)
Wenn dann jeder Mitarbeiter so denkt, sinkt die Anzahl der Transaktionen im gesamten Reisezentrum, und die Wartezeit für die Kunden erhöht sich.
Hat man nur eine einzelne “Schnarchnase”, dann hält sich der Anstieg der Wartezeit zwar in Grenzen, aber die Kollegen, die eher in die Kategorie “Fleissige Bienchen” fallen, bekommen eine Mehrbelastung reingedrückt.
Die klassische Lösung, eine Schlange pro Schalter, führt dagegen relativ bald zu “gruppendynamischen Reaktionen” im Kollegenkreis, wenn ein Kollege regelmäßig lange Warteschlangen an seinem Schalter hat.
Pro Sammelschlange spricht natürlich aus Kundensicht, dass auch mal eine ausführlichere Beratung stattfinden kann, ohne dass von hinten gedrängelt und gemotzt wird.
Ich will hier keines der Systeme verteufeln – nur anmerken, es gibt bei beiden Vor- und Nachteile.
Gruß Retro
*G* Ja, die DB und ihr Tarifsystem. Vor ca. 2 JAhren musste ich Bonn Hbf – Düsseldorf Flughafen fahren.
Als Erstklass-FIP’ler natürlich in die kürzere Warteschlange bei der ersten Klasse angestellt. Ging dann auch recht schnell, bis ich bedient wurde. Aber die Odysee fing erst an. Für den armen DB angestellten, mit dem ich in den ersten zwei Minuten ein nettes Schwätzche hatte und der mir drum unbedingt den günstigsten Tarif raussuchen wollte.
Dumm nur, das die meisten seiner Versuche in die Hose gingen, weil das Buchungssystem den FIP bei eigentlich keinem von ihm versuchten Tarif (ausser dem vollen Tarif) akzeptiert hat. Und einfach so 50% konnte er eben auch nicht geben.
Fragt mich nicht, wie es genau ausgegangen ist. Er hat mir auf jeden Fall noch einen günstigen Tarif geben können, der mit dem FIP noch vergünstigt wurde.
Aber ich habe zwei Züge in Bonn verpasst. Zum Glück plant man ja Verspätungen und derartiges ein, wenn man zum Flughafen muss.
Halt! Es droht Vermischung von Verschiedenem. Es gibt aus meiner Sicht drei Anstehsysteme:
a) Einzelschlangen vor jedem Schalter
b) Eine Schlange für alle Schalter
c) Nummern ziehen
a) ist aus meiner Sicht veraltet. Ich wundere mich immer wieder, wie lange sich dieses System in der Schweiz gehalten hat. Der grösste Nachteil ist, dass ich mich bei grossem Kundenandrang nicht traue komplizierte Billette und/oder zusätzliche Auskünfte zu erfragen.
b) ist in Deutschland schon lange üblich.
Bei c) sehe ich in Deutschland eine ernsthafte Gefahr nach dem Motto “Es ist ja egal wenn der Kunde 30 Minuten warten muss bis er bedient wird. Er hat ja eine Nummer gezogen und kann zwischendurch einkaufen gehen.” Ich bin mir fast sicher, dass die Deutsche Bahn das obige ausnutzt und verstehe deshalb sehr gut, dass sich ProBahn wert!
btw: Die Deutsche Bahn hat mich als Kunde für kurzfristige Reisen von längerer Distanz faktisch verloren. Wenn ich zuerst eine halbe Stunde mich anstellen muss nur um raus zu finden, dass der Zug voll ist, dann fahre ich lieber gleich mit dem Auto.
Ich würde das auch ein gutes System finden. Bei meinem Arbeitsort gibt es eine Warteschlange, was ich persönlich aber nicht so gut finde, weil es immer Leute gibt, die meinen, sie können vom Ausgang her reinkommen und hinter die Leute stehen, die zurzeit am Schalter sind und somit allen Vordrängen, weil sie sonst den Zug verpassen würden. Vorteilhaft an dieser Sache ist, dass es fair vonstatten geht und nicht vorgedrängt wird(,) und auch wenn wir zwar am Schalter sind, aber zurzeit nicht bedienen, weil wir Dinge verbuchen oder sonstiges, wird nicht direkt am Schalter gestanden und von uns erwarten, das wir bedienen müssen. Nachteilhaft ist aber, dass wenn Leute z.b den ticketcorner brauchen, und der nicht an jedem schalter vorhanden ist, wieder Probleme mit den Zettelchen gibt. Und sicherlich darf dann der RailClean im Umfeld von 10 km alles sauber machen gehen. Der andere Nachteil ist auch, wenn es den Leuten dann doch zu lange geht um zu warten, dass sie wieder gehen und dann wieder Lücken gibt und es jedes Mal Diskussionen gibt, wer jetzt dran wäre… Und vorallem ist es noch schwierig, wenn man IPV, Change, RB und die Einnehmerei nebeneinander ^platziert hat, und somit bräuchte es 4 versch. Zettelchenmaschinen.
Ich kann Peter nur zustimmen, das Sytem mit einer Schlage für alle Schalter wie in Chur ist in Deutschland schon lange üblich – kann ich wirklich aus eigener Erfahrung bestätigen.
Was aber auch stimmt – ich hab eigentlich noch nie ein DB-Reisezentrum gesehen, wo mehr als 50% der Schalter vom Personal besetzt waren… aber vielleicht bin ich ja immer zu den falschen Zeiten unterwegs? ;-)
Zu den Schlangen: Sammelschlange oder es braucht in vielen DB-Reisezentren einfach deutlich mehr Platz.
Zur Komplexität des Tarifsystems: Das ist eigentlich überhaupt nicht so kompliziert, sondern für ein so grosses Land mit verschiedenen Zugsgattungen sher sinnvoll. Als Schweizer braucht man einfach erstmal ein wenig Zeit, bis man es begriffen hat. Grundsätzlich: Es gibt die verschiedenen Gattungen (Nahverkehr, IC/EC, ICE). Im Fernverekhr gibts dann die verschiedenen Sparpreise. Dumm dabei ist, dass viele Verkäufer der Bahn das System selbst nocht nicht verstanden haben und nicht wissen wo es nun eine Reservierung und wo einen Zuschlag braucht.
Tipp meinerseits: Automat verwenden. Das geht deutlich schneller, bringt eigentlich immer das, was man auch wirklich will und ist zudem noch ein paar Euro günstiger (Schalterkauf kostet hier extra). Schwierig zu bedienen sind die Automaten ebenfalls nicht. Sie sind aber einfach auch kein BATS… ;-)
Wichtig allgemein für das ganze Ticketwesen in Deutschland: Man muss als schweizer vom Denken, dass es Halbtax/Kind und Vollpreis gibt, veggkommen. Hier gibt es grundsätzlich nur den Vollpreis, auf welchem Ermässigungen gewährt werden.
ach, dann kommsch am morgen früh, ziesch deine nummer, dann gehsch schon mal irgendwo ins Kaffee, kommsch 4 Stunden später wieder, dann bist du sicher an der reihe! :)
@ Retro:
Dies ist eine interessante Überlegung. Ja, es wäre durchaus möglich, dass die Motivation sinkt, rasch(er) zu arbeiten, wenn es eine Sammelschlange gibt…
Spannend, dass du schreibst, dass es “bei den SBB gang und gäbe” sei.
Ich frage mich aber, wieso das die SBB im grossen Bahnhof Bern nicht zu Stande kriegen… Da wäre es schon lange nötig.
Habe den SBB das vor ca. 3 Jahren schon mal geschrieben und seitdem ist nur eine ausflüchtige Antwort gekommen ohne irgendwelche Konsequenzen. D.h. es ist alles noch beim alten.
Gruess Christoph
Interessant finde ich in dem Artikel wie du, Andreas, den Satz “komplizierte und schwer verständliche Tarifsystem der DB” hervorhebst, aber gleichzeitig das Tarifsystem unterstützt, indem die Pendler noch mehr bezahlen sollen. Das ist ja alles andere als eine Vereinfachung des Tarifsystems.
@ Luc:
Dies muss nicht gezwungenermassen mit einer “verkomplizierung” des Tarifsystems einhergehen. Ich denke, die SBB macht das schon ganz gut so. Auf der einen Seite die normalen Billettangebote, auf der anderen Angebote, welche nur zu bestimmten Zeiten gültig sind.
Bei der DB hingegen gibt es imho keine normalen Angebote mehr, sondern eine Zusammensetzung aus unzähligen Rabatten, Vergünstigungen, Sonderangeboten, Kartenermässigungen… Dann wird noch unterschieden, ob man mit einem ICE oder Regio fährt… So wird es bei der SBB hoffentlich nie herauskommen! ;-)