Pöbeln, lügen, schwarz fahren

von Andreas Hobi am 17. Dezember 2008 · 3 Kommentare

Wie je länger je häufiger, nachdem Medien einen interessanten ÖV-Artikel geschrieben haben, erreichten mich auch dieses Mal wieder ein paar wenige Mails zum BaZ-Artikel “Passagiere pöbeln, lügen, fahren schwarz – nun greifen die SBB durch”.

Dabei steht im Artikel eigentlich gar nichts neues. Zwar tönt es so, als wolle die SBB die Störenfriede in den Zügen und Bahnhöfen künftig härter anpacken, doch in Tat und Wahrheit war dies schon bis anhin so. Schon immer sorgte die SBB dafür, dass aggressive Mitfahrer oder solche, die nicht zum Bezahlen des Fahrpreises bereit waren, zur Rechenschaft gezogen wurde.

Und schon immer stand die SBB hundertprozentig hinter ihren Mitarbeitern, wenn diese mit einem Fahrgast eine Auseinandersetzung hatten. Täte sie dies nicht, wäre der Unterbestand an Zugbegleitern noch grösser als er heute ist. (Betreffend Unterbestand: Gerade am letzten Sonntag wieder gesehen: Sämtliche Frühzüge ab Chur waren nur einmännig besetzt.)

Zurück zum Thema: Auch in der Vergangenheit wurde oft die Polizei gerufen, wenn es mit Fahrgästen Probleme gab. So gesehen stimmt die Aussage im Artikel (“Deshalb dürften Verspätungen aufgrund von Polizeieinsätzen künftig öfter vorkommen.”) nicht. Solche Verspätungen werden künftig genau so oft vorkommen, wie bis anhin schon. Die Probleme dürften höchstens dann zunehmen, wenn das Zugpersonal noch weiter reduziert wird.

Wer den Artikel lesen möchte, findet unten den Link. Ich empfehle, auch die Kommentare zu lesen, dort hat es einige interessante Wortmeldungen darunter. Die meisten begrüssen es, dass entsprechend durchgegriffen wird, wenn jemand kein Billett hat oder sich daneben benimmt. (Tipp: Kommentare von unten nach oben lesen, damit man dem Diskussions-Strang folgen kann.)

Link zum Artikel…

Hat dir dieser Artikel gefallen? Falls ja, gebe deine Stimme ab und klicke auf den +1-Button! Ausserdem kannst du einen Kommentar hinterlassen, um uns deine Meinung zu diesem Artikel mitzuteilen.

Das ist ein Artikel von

Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

Andreas hat bereits 1440 Artikel hier auf schweizweit.net geschrieben.

Alle Artikel von → | Twitter: @andreashobi | Facebook

Du möchtest auch gerne einen Artikel schreiben? Kein Problem! Melde dich hier...

{ 3 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }

Gumbo Dezember 18, 2008 um 13:10

Wenn die Bahnen genügend Personal hätten oder mehr Bahnpolizeipatrouillen gemacht würden – und -wenn die lokale Polizei auch gleich anrücken würde, wenn sie gerufen wird, dann wäre vieles einfacher. Die Sauordnung in vielen Zügen ist auch eine Folge des “Selbstbedienungs”-Wahns, der dem ÖV ja von der Politik her aufgewzungen wird.
Ich möchte jedenfalls nicht in der Haut der Nachtzugbegleiter an Wochenende stecken.
Ich fürchte, um besser durchzugreifen, fehlt es eh an Personal.

Antworten

Andreas Hobi Dezember 18, 2008 um 19:34

Ja, das Hauptproblem liegt meiner Meinung nach darin, dass es bei den Polizeikorps und bei den Zugbegleitern zu wenig Leute gibt. Solange es aber Menschen gibt, die in dieser Sache anderer Meinung sind, wird sich nichts ändern. :(

Antworten

Christoph Dezember 26, 2008 um 07:33

Naja es gibt leider auch Bahnen, insbesondere im Regionalverkehr welche nur Alibi-Übungen vollziehen. So zum Beispiel TRAVYS im Waadtland. Die hatten noch recht lange einen Zugbegleiter welcher in der Regel die Züge jeweils im unteren Streckenabschnitt Yverdon-Ste-Croix kontrollierte. Dieser blieb danach auch und musste dann Stichkontrollen machen (alleine natürlich). Inzwischen wurde er gegangen (nein er ist nicht selber gegangen) und es folgten ihm 2 weitere angestellte welche danach auch in den Stadtbussen in Yverdon kontrollierten. Das Problem dabei ist, dass auf den Zügen die Kontrollen alleine durchgeführt werden und sich die betroffenen (in der Regel Asylanten) jeweils erfolgreich dagegen wehren. Auch sonst kann man immer beim Lokführer (bzw. bald am Bordautomaten) oder beim Kontrolleur (wenn er anwesend ist) Fahrausweise ohne jeglichen Zuschlag erwerben (Der Artikel 16 welcher die Selbstkontrolle regelt wird in keinster Art und Weise umgesetzt). Das ist aber auch kein Wunder denn bis jetzt gab es an der Bahnlinie nur die alten blauen “Autelca”-Automaten (das was vor den BATS [die 1. Serie mit Touchscreen] bei den SBB eingesetzt wurde) hat welche, wegen dem Alter und den verschiedenen Aufbruch-Versuchen nur noch Münz akzeptieren. Es gibt aber bei der Bahn auch einen Lokführer und Werkstattangestellter welcher jeweils konsequent vor der Abfahrt an den Endbahnhöfen jeden Fahrausweis kontrolliert.

Antworten

Schreibe einen Kommentar

Previous post:

Next post: