“Europameister ist die Schweiz zwar nicht geworden. Es fehlten das Talent, das Glück, oder beides.”, so beginnt die Dok “Die Euro 08 beim Volk”, welche das Schweizer Fernsehen heute Abend um 20:05 Uhr ausstrahlt (SF 1).

In der Dok werden acht Personen während der Euro08 begleitet:
- Silvia, die Spanierin
- Schorsch, der Deutsche
- Beni, die Stimme der Nation
- Baschi, noch eine Stimme der Nation
- Marieke, die Volunteer-Frau
- Debbie, die Online-Reporterin
- Christa, die Spieler-Mutter
- Loïc, die Nachwuchshoffnung
Ich habe mir die DVD der Dok zusenden lassen, in der Hoffnung, dass auch die SBB und jene Leute, welche für die Euro Extraschichten geleistet haben (Bähnler, Polizei, Sanität, etc.) porträtiert oder zumindest gezeigt werden.
Leider habe ich vergebens gehofft. Zwar kommt die SBB im Film vor, in jenen Sequenzen, in denen Fans zu den Stadien reisen oder während einem Interview, welches der Reporter mit Beni Thurnheer im Zug führte (und wo Thurnheer es als Luxus bezeichnet, von der SBB direkt ans Stadion gefahren zu werden). Ansonsten aber wird nicht speziell hervorgehoben, was hinter den Kulissen der SBB alles lief, um das Erlebnis Euro08 zu ermöglichen.

Trotzdem hat es sich für mich gelohnt, diese Dok anzuschauen und die Euro08 nochmals Revue passieren zu lassen. Interessant fand ich zum Beispiel die Szenen mit Debbie, der Online-Reporterin von 20min.ch, die ihre Berichte unter teilweise “nicht sehr komfortablen Umständen” und neben betrunkenen Fans machen durfte. Interessant auch zu sehen, wie sorgfältig sich SF-Moderator Beni auf die Spiele vorbereitet.
Leider hat man im Film oft das Gefühl, es sei ein Ferien-Film Familien-Film des Reporters Daniel Blickenstorfer, denn Loïc (“die Nachwuchshoffnung”) ist sein Sohn, Marieke (“die Volunteer-Frau”) eine seiner Bekannten. Auch andere Protagonisten dürften aus seinem Bekannten- und Verwandtenkreis stammen. Ausserdem lässt die Bildqualität in einigen Szenen sehr zu wünschen übrig.
Dann zieht sich noch die Story rund um die “kleinen Fussballer” durch den Film. Blickenstorfer zeigt zuerst, wie sein Sohn und der Freund seines Sohns in einem Fussballspiel Tore schiessen, die dem Team zum Sieg verhelfen, bevor er betont, dass dies ein Abschiedsspiel sei. Sein Sohn und dessen Freund würden aus dem U13-Team des FC Zürich ausscheiden, weil sie zu klein seien. (147 / 145 cm) Danach dürfen die beiden aufzählen, welche Fussballer trotz geringer Körpergrösse erfolgreich sind: “David Villa ist auch nicht der grösste, hat aber doch drei Tore geschossen.” Daraufhin folgt logischerweise der Einspieler mit David Villa, wie er das 2:0 für Spanien gegen Schweden schiesst. Der Autor spricht aus dem Off: “Es ist eines der schönsten Tore dieser EM überhaupt!” Man merkt, dass ihm das Schicksal seines Sohns nahe geht und er wird im Film nicht nur einmal auf die Leistungen der “kleinen” Spieler hinweisen.
Einige Zitate aus der Dok
- “Die Deutschen sind nicht eigens zur EM nach Zürich gereist. Sie waren schon da.”
- “Journalismus ist gerade während der Euro sowieso ein kindischer Kampf um absolut viertklassige Primeurs.” (Beni Thurnher)
- “Es ist hart im Moment zu wissen, dass das Turnier am Sonntag vorbei ist.” (Köbi Kuhn, zwei Wochen vor Ende der Euro08)
- “Alles was an Geld rein kommt (vom Verkauf der Bring-en-hei-Rechte nach Deutschland) spende ich dem Nachwuchs beim SFV (Schweizer Fussball-Verband). Die Deutschen finanzieren sozusagen den Schweizer Nachwuchs. Also, eine geilere Idee gibts doch nicht!” (Baschi)
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Finde ich schade, dass die tolle Leistung der SBB, der anderen öffentlichen Verkehrsbetrieben und ihre Mitarbeiter nicht so gelobt werden.
Es ist unglaublich, wie gut das Ganze geklappt hat. Ich hab die DOK leider noch nicht gesehen bzw kann es auch nicht (ev. später als Wiederholung oder Online), aber was ich vermisse ist, wie die Sicht der ausländischen Gäste war, welche vielleicht gar zum ersten Mal in der Schweiz gastierten. Wurden Klischee’s belegt oder widerlegt?
“Europameister ist die Schweiz zwar nicht geworden…” Doch sind wir, Europameister bzw. bei Distanz sogar Weltmeister im Bahnfahren – und das zum wiederholten Male.
@ Piero:
Diese Dinge hätten mich auch sehr interessiert! Leider ist der Film wirklich sehr egozentrisch und nicht für die (Zuschauer-)Massen gemacht.