
Das ist ja mal interessant: Am Sonntag fuhr ich mit einem Doppelstock-Zug von Chur nach Zürich. Als ich im unteren Stock die Billette kontrollierte, ertönte die Minibar-Durchsage. Doch gleich horchte ich auf, denn die Durchsage hatte geändert! Neu heisst es:
“Im Oberdeck dieses Wagens bedient Sie jetzt die Minibar.”
(Bis anhin: “Im Oberdeck dieses Wagens bedient Sie jetzt die Elvetino Railbar.”)
Auch die Minibar-Ansagen auf französisch und englisch wurden angepasst. Ich ging davon aus, dass diese Anpassung erfolgte, weil die Reisenden ungern lange Ansagen hören. Doch vielleicht habe ich mich getäuscht; denn gestern Abend fragte mich Fredy, einer meiner treusten Leser, nach meiner Telefonnummer; er habe etwas zu erzählen, das mich interessieren könnte.
Normalerweise gebe ich die Nummer nicht einfach so raus, doch da er zu einer meiner ersten Leser gehört und nach wie vor immer wieder eifrig kommentiert, und er meine Neugier natürlich geweckt hat, mailte ich sie ihm. Kurz darauf läutete das Telefon.
Fredy teilte mir mit, er vermute, dass die Marke “Elvetino” verschwinden könnte. Als er kürzlich im Zug sass und das “Wägeli” kam, prangte an der Stelle, an welcher bisher das Elvetino-Logo war, ein SBB-Logo. Der Elvetino-Steward habe ihm daraufhin erzählt, die Mitarbeiter seien informiert worden, dass Elvetino verschwinde und inskünftig “alles nur noch SBB” sei.
Nun, so richtig glauben konnte ich das anfangs nicht, denn weder in den Medien noch in den internen Kanälen und Informationsblättern las ich etwas davon.
Doch Fredy erzählte weiter, dass er sich kürzlich bei der Elvetino über etwas beschweren wollte und dann auf die SBB verwiesen wurde. Am Telefon wurde ihm vom Elvetino-Kundendienst gesagt, dass ab Fahrplanwechsel alle Kundenreaktionen direkt zur SBB und nicht mehr zu Elvetino gehen.
Das Wort “Elvetino” aus den Durchsagen gelöscht, die Logos von den Wägeli entfernt, Kundendienst bei Elvetino abgeschafft?
Also habe ich mich dann heute Mittag noch rasch bei SBB-Sprecher Roland Binz erkundigt und dabei stellte sich heraus, dass ich tatsächlich etwas übersehen habe. An der Pressekonferenz vom 21. November 2008 informierte die SBB über den Fahrplanwechsel und damit auch über das neue Konzept bei der Elvetino:
Anlässlich des letzen Fahrplanwechsels hat die SBB angekündigt, dass die Service Angebote pro Zugskategorie vereinheitlicht werden. Dies gilt im Besonderen für den InterCity-Züge.
Mit diesem Fahrplanwechsel werden nahezu alle Züge der InterCity-Kategorie ein einheitliches Service-Angebot anbieten. Im Vordergrund stehen dabei der integrale Einsatz von Speisewagen, Minibar und die Ruhe-und Businesszonen.
Diese Vereinheitlichung schafft für die Kundinnen und Kunden mehr Transparenz bezüglich der Serviceleistungen, die auf dem Zug angeboten werden.
Zudem werden das Aussendesign der Speisewagen und die Speisekarten dem SBB-Auftritt angeglichen.
Dass in Zukunft grundsätzlich alle Intercity mit einem Speisewagen verkehren, das war mir bekannt und auch von der PK so in Erinnerung. Irgendwie habe ich dabei einfach übersehen, dass die Elvetino-Logos ersetzt werden.
Roland Binz präzisiert dann im Mail an mich noch: “Die Firma elvetino als 100%-Tochter der SBB bleibt jedoch wie bisher bestehen.”
Die Firma Elvetino bleibt also weiterhin im Hintergrund aktiv, nur wird gegenüber den Fahrgästen nicht mehr so deutlich kommuniziert, dass die Verpflegung von Elvetino kommt. Aus der Sicht der Fahrgäste kommt in Zukunft alles aus einer Hand, aus der Hand der SBB: Vor, während und nach der Reise.

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Aus meiner Sicht geht die Entwicklung in die richtige Richtung:
- Was eine “Elvetino Railbar” sein könnte, hat sicher schon mancher Ausländer sich gefragt, genau so wie die “VBZ-Ticketeria”. Wieso können die Dinge nicht einfach so heissen, wie sie sind, sondern müssen dauern von irgendwelchen PR-Leuten belagert werden. Gerade bei Dienstleistungen rund ums Reisen habe ich schon oft erlebt, dass sie nicht benutzt werden, weil der Kunde das Angebot auf Grund von seltsamen Namen nicht erkennt.
- Einheitliches Angeobt im IC macht Sinn. Wer mal versucht herauszufinden, was in Spanien in einem bestimmten Zug geboten wird, der scheitert klaglos an den dort vorhandenen 12 Zugsgattungen (ohne die Nahverkehrszüge). Im Internet sind zwar die Dienstleistungen beschrieben, aber selbst kenne haben Probleme den Durchblick zu bewahren und die Unterschiede zu erkennen.
Sehe ich genau so. Es ist sicher von Vorteil, wenn das Elvetino-Logo unter anderem von der Aussenwand der Waggon-Restaurants verschwindet, denn vermutlich hat sich schon mancher Tourist gewundert, dass nun statt einem Zug der SBB hier ein Zug der Elvetino steht… :)
Ich hoffe einfach, dass das “eher mässige” Image der Elvetino nun nicht zu sehr auf die SBB abfärbt. Wäre irgendwie schade.
Irgendwie hatten wir dass doch schon mal! Früher war alles SBB, dann wurds doch an die ehem. Ostdeutsche Firma verscherbelt, die dann den Hain runter ging, und daraus wurde dann Elvetino und jetzt wieder SBB.. Haja, warum eigentlich nicht gleich einfach?
Hauptsache immer wieder mal etwas Neues. Vielleicht kommt nächstes Mal eine Chinesische Restaurantkette….
Gumbo: Aber dann esse ich sicher nie mehr einen Hot Dog im Bistrot :-)
Das mit der Verpflegung im Zug ist so eine Sache:
a) Die Restaurantwagen verbrauchen auch den Platz eines Wagens – in Zeiten der überlangen Züge nicht gerade gut.. aber:
b) isst man vielleicht auch mal gerne was, ohne sich irgendwelche belegte Brote im Bahnhof zu kaufen.
c) Wer zu den klassischen Letzte Sekunde auf den Zug rennern gehört, der kann sich ja bei den (meist) netten Railbar Mitarbeiter sein Sandwich kaufen – was wiederum ein Vorteil ist, würde..
d) die vollen Züge nicht deren Durchkommen behindern oder beinahe verhindern.
In diesem Sinne schlage ich die neuen SBB-Züge vor:
- mit Restaurant (ev. auch Fastfood)
- Coop, Migros, Denner, Aldi, Lidl Wagen
- Bank und Postwagen
- Kinowagen
- Fitnesswagen
- Spielwagen für die Kleinen
Anschliessend stampfen wir alle oben genannten, vergleichbare Gebäuden ein :D
@ Piero:
Deine Vorschläge sind toll; jetzt müsste man nur noch einen Schlafwagen anhängen und dann würden die Pendler den Zug nur noch für die Arbeit verlassen und ansonsten ihr restliches tägliches Leben im Zug verbringen. ;-))) Ein “Hauszug” sozusagen, mit allem was man zum Leben braucht. *g*
SSG Minibar, Passagio Railbar, Elvetino Railbar… und nun nur noch Railbar. Ein guter, eigentlich überfälliger Schritt. Hoffe, dass die Qualität dem Label “SBB” gerecht wird ;)
@Piero
Also als Schiff kannst du das schon haben:
http://www.residensea.com
Als Zug:
Coop Wagen hatten wir schon.
Mc Donald’s auch schon. Kino auch. Spielwagen auch. Schlafwagen – kein Problem.
Es fehlt also nur Bank- und Post, sowie Fitness.
btw: Ich bin wahrscheinlich einer der wenigen in dieser Runde, der schon längere Zeit in Bahnwagen gewohnt hat. Es geht tatsächlich, wenn auch mit etwas weniger Komfort als oben beschrieben.
Im Ernst: der Speisewagen braucht zwar schon Platz im Zug, ist aber auch ein entscheidender Marktvorteil im Zug. Besonders ausserhalb der Stosszeiten lässt sich während dem Reisen gut Essen.
@Andreas:
Beim Elevetino Logo wusste ich nie so genau, ob mir da ein Teller nachgeworfen wird, wenn ich da rein gehe. Viele Bahnbenutzer habe bis anhin schon nicht gemerkt, dass das Angebot *nicht* von der SBB ist. Bei vielen Leuten ist alles, was mit Bahn und Schienen zu tun hat und in der Schweiz ist einfach die SBB.
Joa, der Mc Donaldswagen vermisse ich irgendwie. Das war damals, als ich noch Jugendliche war. Der war immer in dem Zug, den ich brauchte :)
ach ja, einen Bluewinwagen gabs auch mal. Damals noch mit einem blauen Fenster als Symbol :) Und die BEKB hat tatsächlich auch einen Bankomatwagen (wobei leider nicht als Zugwagon)
@Peter
ja stimmt ja, diese Wagen gabs ja – aber Bankwagen sind für Schwarzfahrer ja nicht so gut, weil da könnte ja der Andreas die gleich zur Bank ziehen und die leere Geldbörse dort wieder – zum Strafe zahlen – auffüllen lassen.
@ Andreas
Paar Schlafwagen reichen ;) Dann wohnen wir alle in Zügen, hat die SBB jeden Tag 7.6 Mio Stammkunden.. oder sagen wir 5 Mio, der Rest wohnt in den Privatbahnen :)
Lustig wäre bei den IC2000 Dosto: oben essen – unten Küchen und Weinkeller :)
Liebe Autofahrer: fahrt Zug, da läuft was im Leben ;)
Viele Leute wissen aber auch gar nicht ob man da als 2. Klass-”Mensch” him darf. Bestes Beispiel: ICN.
Der Wagen ist von zwei 1. Klass Abteilen bmlagert.
Apropos Speisewagen: Aus meiner Sicht darf lediglich die RhB diese Bezeichnung noch führen (Stichwort Küche).
Als ich Anfang dieser Woche erstmals eine Minibar mit der SBB-Aufschrift sah, machte ich mir ebenfalls so meine Gedanken und teile die Bedenken mit den anderen Kommentatoren: Wollen sich die SBB wirklich mit dem ramponierten Image der elvetino „schmücken“? Ändert sich auch die Dienstleistung selbst zum Positiven oder wird einfach die Etikette gewechselt und die SBB-Herren im elvetino-Verwaltungsrat lassen das das elvetino-Management weiterhin „wursteln“ und unterstützen es sogar darin?
Auch die Dezember-Speisekarten im WR (ab heute im Umlauf) sind übrigens nun SBB-mässig gestaltet …
Und was es zur Bezeichnung Railbar bzw. Minibar noch zu sagen gibt: Railbar ist soviel ich weiss mit dem zwischenzeitlichen Angebotsausbau (Frischprodukte wie Salate, Birchermüesli, Fleischplättli usw.) im Zusammenhang mit der Lancierung des IC 2000 (Doppelstockzug) erstmals in Erscheinung getreten. Damals wurden Railbar- und Minibar-Dienste strickte getrennt. Ab dem kommenden Fahrplanwechsel sollen nun alle „Wägeli“ wieder als Minibar bezeichnet werden. Grund: die elvetino AG darf auf der Strecke Genève – Paris die 1. Klasse des TGV bedienen. Das lapidare Argument für die Änderung: die Franzosen könnten mit dem Begriff „Railbar“ nichts anfangen … na ja, ich habe diese Begründung aus elvetino-Kreisen ’mal so zur Kenntnis genommen …
Falls man die Schriftzüge auf den Speisewagen nun tatsächlich (schon wieder) wechselt, hoffe ich, dass man auch daran denkt, einen überfälligen Kleber zu entfernen: auf einzelnen Wagen klebt doch tatsächlich noch der „Stempel“, welcher an das 100-jährige Bestehen der Bahngastronomie in der Schweiz erinnert … und dies wurde im Jahre 2003 „gefeiert“!!… bin sehr gespannt, ob man auch im Jahr 2009 noch solches Wagenmaterial umherkurven sieht …
Zum elvetino-Kundendienst sag ich gerne «tschüss». Ich würd ihn nicht vermissen.
Schlage einen Autofahrerwagen à la Harry Hasler vor. Alle schauen vorwärts, vor jedem Sitz ist ein Steuerrad und drei Pedale montiert, damit den armen Umsteigern nicht langweilig wird. Ab Kopfhörer sollte man dann das Rohren von vier Auspüffen ablosen können.
immer die SBB macht alles irgendwie fast zum heulen..
Alles neu und das Angebot wurde ausgedünnt. Halbliter Wein gibt es nicht mehr. Die vielen feinen Kaffeesorten wurden ebenfalls eliminiert jedoch; gestern am 01.01.2009 Romanshorn – Bern war das Essen mit allem Drum und Dran vorzüglich. Kompliment.
Der Name elvetino wird umgeändert SBB Catering. d.h der Name elvetino sowie das Logo wird bald nirgends mehr vorhanden sein.