Welche Arbeiten erledigt der Kondukteur vor der Zugabfahrt?

von Andreas Hobi am 18. November 2008 · 3 Kommentare

© Foto SBB

Wieder einmal eine Leserfrage; diesmal von Moritz.

Wie wärs mit einem Beitrag über die Zugabfahrt? Ich würde gerne wissen was der Kondukteur machen muss, wenn der Zug im Bahnhof anhält und wenn er wieder abfahren soll. Auf was schaut der Kondukteur und wie gibt er dem “Chauffeur” ein Zeichen zur weiterfahrt.

Wieso bin ich nicht früher schon darauf gekommen, dass dies die Bahnkunden interessieren könnte? :)

Ich versuche mal, es möglichst einfach zu formulieren:

Zuerst kommt immer die Bremsprobe. Damit wird kontrolliert, ob die Bremsen richtig funktionieren und die Luft durch den ganzen Zug kommt. (Die Bremsen funktionieren mit Druckluft.)

Falls der Zug am entsprechenden Tag noch nicht gefahren ist, im Bahnhof neu zusammengesetzt wurde oder die Fahrtrichtung wechselt, muss je nach Situation bei allen oder einigen Wagen noch die Zuguntersuchung durchgeführt werden:

  • Sind die Fahrzeuge richtig gekuppelt?
  • Funktioniert die automatische Türschliessung ordnungsgemäss?
  • Irgendwelche Defekte oder Beschädigungen innerhalb oder ausserhalb des Zuges?
  • Brennt das Schlusslicht?
  • etc.

Danach erhält der Lokführer von uns “die Belastung”. Auf diesem Formular sind viele Dinge ersichtlich; von wo nach wo der Zug fährt, mit oder ohne Zugpersonal, Gewicht, Bremsgewicht, Länge des Zuges, Anzahl der Wagen, etc.

Nach dieser “betrieblichen Bereitschaft” kommt noch die “kundendienstliche Bereitschaft”. Sobald die “Zustimmung zur Fahrt” vorliegt (sprich: Signal auf grün, vereinfacht gesagt), der Fahrgastwechsel sowie der Ein- und Auslad (Elvetino, Gepäck, Post) beendet ist, der Zugchef den Achtungspfiff gegeben hat und alle Zugbegleiter “die Bereitschaft gemeldet” haben (gelbe Folie hochstrecken), kann der Zug fahren.

Nun stellt der Zugchef am orangen “Abfertigungskasten” das Signal auf Fahrt und der Lokführer setzt den Zug in Bewegung, sobald alle Türen geschlossen sind.

So läuft die ganze Prozedur ab, vereinfacht gesagt. Einige Dinge, die für uns auch noch wichtig sind, habe ich weggelassen, um die Geschichte nicht noch komplizierter zu machen. Wer es noch detaillierter wissen möchte, kann auf der Website des Bundesamtes für Verkehr die “Schweizerischen Fahrdienstvorschriften FDV (R 300.1-.15)” als PDF herunterladen. Darin beschrieben sind auch viele andere interessante Dinge rund um die Vorschriften bei den Eisenbahnen. (Umfang: 640 Seiten)

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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{ 3 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }

Marcel November 18, 2008 um 23:31

Spannender Beitrag! Tipp zur Ablage: Dieser Beitrag sollte eigentlich in den Themenbereich “Kondukteur”

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Andreas Hobi November 19, 2008 um 12:02

@ Marcel:
Stimmt eigentlich… Wurde gleich geändert! :)

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Michael November 19, 2008 um 18:29

Jaja, die FDV…
Da darf ich mich die nächsten Monate noch genügend durchkämpfen :D
Stehen viele interessante Dinge darin, aber ist einfach enorm viel, besonders mit allen Ergänzungen etc.

Ist spannend den ganzen Ablauf der Zugsabfahrt auch mal von dieser Seite zu sehen :)

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