Ex-SBB-Chef Benedikt Weibel wird VR-Präsident eines österreichischen Bahn-Startups, welches mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Schweizer Stadler-Rail-Doppelstockzügen zwischen Wien und Salzburg verkehren wird und später auch nach München und Bratislava fährt. Schweizweit.net hat recherchiert und ist dabei auf Informationen gestossen, die sich in den Medien noch nicht finden lassen.

Er kann es nicht lassen. (Ist nicht böse gemeint.): Benedikt Weibel kehrt nach seinem Euro08-Abstecher zurück ins Eisenbahnbusiness.
Wie die Agenturen verlauten lassen, wird der frühere SBB-Chef nun Verwaltungsrats-Präsident (bzw. Aufsichtsrat-Präsident) der österreichischen Rail Union. Diese wird ab 2011 mit modernen Zügen im Stundentakt die Städte Wien und Salzburg befahren. Später sollen auch die Destinationen München und Bratislava hinzukommen.
Mich persönlich freut es sehr, Weibel zurück im Eisenbahngeschäft zu sehen. Nur bedauere ich, dass er im Nachbarland aktiv wird und nicht hier bei uns. Da ihn das Amt des Verwaltungsrats-Präsidenten vermutlich nicht zu 100 Prozent ausfüllen wird, will ich jedoch nicht ausschliessen, der er sich vielleicht auch irgendwann wieder in der Schweiz betätigt.
Weibel ist einer der angesehensten und erfolgreichsten Bahnmanager Europas, präsidierte die Union internationale des chemins de fer und war Mitglied des Verwaltungsrates der französischen Staatsbahn SNCF. Im April 2008 geriet er ausserdem als möglicherweise nächster ÖBB-Chef ins Gespräch.
Umso mehr darf sich die Rail Union nun freuen, einen solch erfolgreichen Manager als Verwaltungsrats-Präsidenten zu haben.
Wenig Informationen in den Medien
Abgesehen von den wenigen Infos, die ich oben aufgeführt habe, stand gestern und heute fast nichts in den Medien. Praktisch alle Medien haben die Agentur-Meldungen eins zu eins übernommen. Bisher war durch die Medien einzig bekannt, dass hinter der Rail Union die Herren Hans-Peter Haselsteiner (Strabag-Chef) und Stefan Wehinger stehen. Beide besitzen einen Anteil von je 50 Prozent am Unternehmen.
Mehr Informationen auf schweizweit.net
Anders schaut es hier auf schweizweit.net aus. Hier einige der Informationen, die ich bis zum jetzigen Zeitpunkt zusammentragen konnte:
Das Unternehmen wurde am 15. Oktober 2008 gegründet.
Die Züge werden nicht (wie man nach den Medienberichten vermuten könnte) unter dem Namen “Rail Union” fahren. Stattdessen wurde der Name “WESTbahn” gewählt. Die WESTbahn GmbH wird das erste operative Tochterunternehmen der sogenannten RAIL Holding AG sein.
Die Intercity-Züge, welche ab Dezember 2011 die Städte Wien und Salzburg verbinden, verkehren mit einer Maximalgeschwindigkeit von 200 km/h, sind 200 Meter lang, verfügen über rund 600 Sitzplätze und machen 5-8 Zwischenstopps.
Gemäss Aussagen der Verantwortlichen wird mit Europas modernsten Doppelstock-Triebzügen im Stundentakt gefahren. Und wenn ich mir das Design so anschaue, kommt mir gleich ein Schweizer Rollmaterial-Hersteller aus dem Thurgau in den Sinn… Man vergleiche das oben stehende Bild mit dem folgenden Stadler-Zug und achte dabei nicht nur auf den Zug, sondern auch auf den Hinter- und Vordergrund, den Feldweg vor dem Gleis und die Stromleitung… :-)
Die Züge bieten ausschliesslich Erstklass-Komfort, die Preise sollen sich jedoch an jenen der zweiten Klasse der ÖBB orientieren. Ich bin gespannt, ob das wirtschaftlich funktionieren wird und hoffe, dass sie sich damit die Latte nicht zu hoch gesetzt haben. :)
Trotz Zweitklass-Preisen wird pro Wagon ein Kundenbetreuer eingesetzt, der sich um Service und Sicherheit der Passagiere kümmert. Der Fahrkartenverkauf findet im Zug und online statt, nicht jedoch an den Bahnhöfen der ÖBB.
Bescheidene Kundenzufriedenheit
Bei einer Powerpoint-Präsentation der beiden Gründer am 16. Oktober bescheinigte die Rail Union der Konkurrentin ÖBB eine geringe Innovationskraft und bescheidene Kundenzufriedenheit. Deshalb sieht sie für sich durchaus Potential und ist sich sicher, dass mittel- bis langfristig Gewinn eingefahren wird.
Man merkt, dass die Rail Union (bzw. die WESTbahn) den österreichischen Eisenbahnverkehr aufmischen möchte und ist gespannt zu sehen, wie sich das Unternehmen im harten und schwierigen Bahngeschäft behaupten wird.



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Interessante Informationen! Ich finde dass die österreicher den Herrn Weibel besser brauchen können als wir Schweizer!
Interessant wird es vorallem dann, wenn die WESTbahn oder ein anderes Tochterunternehmen der Rail Union unter Benedikt Weibel als VR-Präsi in die Schweiz fährt und sich um CH-Strecken bewirbt… ;-)
Persönlich wäre es mir lieber gewesen, er wäre zur ÖBB gegangen; dort hätte er mehr bewegen können als in einem kleinen Startup das sich sehr hohe (zu hohe?) Ziele gesetzt hat.
hehe.. soll er mal machen :)
Interessant dass Weibel nun zu diesem Startup geht. Ich habe bei standard.at im Oktober gelesen dass diese Firma der ÖBB konkurrenz machen will. Natürlich nehmen sie sich die besten Strecken raus. Aber die ÖBB war eben blöd genug zu wenig Züge auf der Westbahn anzubieten. Ich bin schonmal gespannt wie das wird mit diesen Zügen. Die Stadlerdoppelstöcker müssen ja nun erstmal auch noch gebaut und getestet werden.
Dass das Stadler-Dostos werden stand glaub ich beim ORF online… Man darf gespannt sein, für welche VMax.
Naja, soweit ich informiert bin fallen 2010 ja in ziemlich ganz Europa (und ich glaube fast, in der Schweiz auch) einige bisherige Regelungen weg und der Markt öffnet sich. Nicht nur (wie bisher schon in Ansätzen) für den grenzüberschreitenden Güter-, sondern auch für den internationalen Personenverkehr.
So ist es dann nur noch eine Frage der Zeit, bis ähnliche Unternehmen auch in die Schweiz kommen. Vorallem, weil die Schweiz bekanntlich eine Bahnfahrernation ist.
Persönlich finde ich das gar nicht mal so übel, solange kein Lohndumping mit ausländischen Arbeitskräften betrieben oder gegen bestehende Regelungen verstossen wird… :)
@ Johannes Düring:
Nach meinen Informationen ist es Vmax 200.
Interessante News dazu mit diversen Links (u.a. zur RAIL Holding AG bzw. WESTbahn GmbH) finden sich auch auf “bahnonline”:
http://www.bahnonline.ch/wp/2052/neue-s-bahn-zuge-fur-zurich-von-stadler.htm#more-2052
Dass Stadler die Fahrzeuge(DoSto)liefern kann, ist meines wissens bereits jetzt schon so gut wie sicher, denn am 5. November 2008 besuchten hochrangige Vertreter von Stadler Rail die WESTbahn GmbH in Wien. Dabei wurden die abschliessenden Fragen der Fahrzeugbestellung erörtert.