Schwarzfahren nach SBB-Bewerbungsgespräch

von Andreas Hobi am 31. Oktober 2008 · 6 Kommentare

ICN service

Vier Jahre bin ich nun schon bei den Zugbegleitern und trotzdem vergeht kaum eine Woche, in der ich nicht etwas erlebe oder eine Story höre, das ich nie für möglich gehalten hätte. (Einige Stories davon findet ihr hier.)

So auch gestern, als ich von Chur via Zürich nach St. Gallen fuhr. Zwar ist der entsprechende Fahrgast nicht bei mir in die Kontrolle geraten, sondern bei meinem Arbeitskollegen, trotzdem fand ich die Geschichte schier unglaublich. Hätte ich die Unterlagen nachher nicht selber noch gesehen, ich hätte es nicht für möglich gehalten.

Da war ein Herr, der sich bei der SBB um eine Stelle beworben hatte und am Dienstag (28. Oktober) zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wurde. Wie bei der SBB üblich, erhält man für das Vorstellungsgespräch eine Spezial-Tageskarte der SBB mit Aufdruck des Personaldienstes. Diese ist nicht vordatiert, so dass man sie vor Antritt der Fahrt wie eine Mehrfahrtenkarte entwerten muss.

Der Kandidat entwertete die Karte am 28.10., fuhr damit zum Bewerbungsgespräch und dachte sich am Tag darauf (sprich: vorgestern), er sei ein ganz Schlauer. Kurzerhand bearbeitete er die Karte so, dass er sie nochmals benutzen konnte. (Einen ähnlichen Fall hatten wir hier schon einmal.)

Dumm nur, dass die Mitarbeiter der Firma, bei welcher er sich beworben hat, nicht ganz so doof sind, wie er anscheinend dachte. Natürlich flog der Betrug auf, man sah der Karte an, dass an ihr manipuliert wurde und der Zugbegleiter nahm die Personalien auf.

Bei einem Missbrauch eines Fahrausweises müssen wir dann auch immer noch eine spezielle Meldung erstellen, und nun wird die Meldung mitsamt dem eingezogenen Spezial-Fahrausweis eingeschickt. Mein Kollege sagte er werde in der Meldung mit Sicherheit noch erwähnen, dass der Fahrgast übrigens einen Tag zuvor ein Vorstellungsgespräch bei unserer Arbeitgeberin hatte.

Ich will mal nicht ausschliessen, dass der gute Herr nebst der Rechnung demnächst ein dickes Couvert zugeschickt bekommt:

Absender: Die SBB
Inhalt: Seine Bewerbungsunterlagen

Persönlich finde ich die Sache ziemlich dreist! Schon ein starkes Stück. Man betrügt doch nicht seinen Arbeitgeber; erst recht nicht bereits vor Antritt der Stelle oder während dem Bewerbungsprozess. Keine Ahnung, was sich der Herr dabei gedacht hat. Klug war es auf alle Fälle nicht.

Vielleicht sollte er sich mal noch bei der UBS bewerben. Denn dort erhält man in der Regel einen Bonus in Millionenhöhe, nachdem man dem Unternehmen Schaden zugefügt hat. Marcel Ospel wird ihm bestimmt erklären, wie es geht.

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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{ 6 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }

Christian Hauser Oktober 31, 2008 um 17:03

Ich habe für jeden Anlass (Eignungstest, Schnuppertage, Vorstellungsgespräch) immer eine solche Karte bekommen.

Mir wäre es nie in den Sinn gekommen, diese noch einmal zu benutzen, zumal ich immer den Brief vorweisen musste. Nur einmal wurde ich kontrolliert. Die Zugbegleiterin der bls wusste zuerst nicht, warum das auch nötig sei, so dass ich ihr es zuerst erklären musste. Anschliessend wünschte sie mir viel Glück beim Test. =)

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Annabell November 18, 2010 um 13:49

Haben Sie den Test bestanden? Was wird da eigentlich alles so gefragt, hihi…

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Sandra-Lia Oktober 31, 2008 um 18:45

lol. was es nicht alles gibt. Die SBB sollte mal meinen Mann oder mich einladen, wir würden sicher nie betrügen :)

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Retro Oktober 31, 2008 um 22:13

Vielleicht war er sich ja nach dem Gespräch schon sicher, dass er die Stelle nicht bekommt (oder nicht will), und wollte “Verlustminimierung” betreiben? Nicht dass ich sein Verhalten gutheißen würde – aber ich habe selber schon Bewerbungsgespräche erlebt, bei denen das Unternehmen sich die Einladung hätte sparen können: 4 Vertreter der Firma für 1 Stunde verplant; Für den Kandidaten 1 ganzer Tag Urlaub vertan, nur um ihm im Gespräch mitzuteilen, dass man ihm das geforderte (und bereits im Bewerbungsschreiben genannte) Gehalt nicht im mindesten zahlen könne. Dass da bei dem einen oder anderen die Idee aufkommt, dem einladenden Unternehmen “eins auszuwischen”, erscheint doch emotional nachvollziehbar. Wie gesagt, gut heißen kann man sowas nicht.

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sascha November 1, 2008 um 10:08

JEEEE.
Das freut mich aber das sie den erwischt haben. Die Stelle ist also hoffentlich noch zu haben. Meine Chancen sind also schon etwas besser!!!

:-) :-)

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tom November 1, 2008 um 12:55

Wahahahaha, echt der Hammer! Manche Leute denken sich wohl, dreisitgkeit sei eine Tugend! Pfui & Bravo an die fleissigen Zugbegleiter!

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