Die Eisenbahn ist stark im Kommen

von Andreas Hobi am 20. Oktober 2008 · 2 Kommentare

Es gibt sie noch, die Leute, die gegen steigende Benzinpreise nichts einzuwenden haben. Meistens kommen diese Leute aus der Eisenbahnbranche, so wie zum Beispiel André Navarri, Chef des weltgrössten Bahntechnikkonzerns Bombardier.

In diesem Artikel gebe ich anfangs einen kurzen Überblick über das Unternehmen, komme dann auf André Navarri zurück und schreibe über ein Interview, welches er kürzlich der deutschen Presse gegeben hat.

Das Unternehmen Bombardier

Das kanadische Unternehmen wurde 1942 unter dem Namen “L’Auto-Neige Bombardier Limitée” gegründet, zählt zu den grössten Herstellern von Business-Jets, Regionalverkehrs-Flugzeugen und Schienenfahrzeugen. Auf der Lohnliste stehen rund 56’000 Mitarbeiter, verteilt auf 24 Länder.

Der Chef André Navarri

Geboren 1953 führte sein Weg über verschiedene Firmen (unter anderem Alstom, Alcatel, Valeo) zu Bombardier Transportation und zur Muttergesellschaft Bombardier Inc. Im Mai 2005 wurde er zum “Chairman of the Association of the European Railway Industries (UNIFE)” ernannt.

Das Interview

“Ja, die Entwicklung beim Öl ist gut für den Schienenverkehrssektor. Viele können es sich nicht mehr leisten, mit dem Auto zu fahren. Deshalb wachsen die Fahrgastzahlen im öffentlichen Nahverkehr vielerorts mit zweistelligen Raten.”, antwortet Navarri auf die Frage, ob er gegen steigende Benzinpreise nichts einzuwenden habe.

Nun, ich persönlich würde jetzt die steigenden Fahrgastzahlen nicht ausschliesslich auf die steigenden Spritpreise zurückführen. Aber mit Sicherheit tragen diese ihren Teil zum Erfolg der Eisenbahnen bei. Und ausserdem wurde mit dieser Antwort indirekt auch gleich eine andere (nicht gestellte) Frage beantwortet: Was ist günstiger, das Auto oder die Bahn?

Und nicht nur finanzielle Anreize, sondern auch das ökologische Gewissen führe viele Leute zur Bahn, sagt Navarri. 84 Prozent des vom Verkehr ausgestossenen Kohlendioxid komme vom Strassenverkehr, aber nur gerade ein Prozent von der Schiene. Auch wenn ich meine Hand für diese Zahlen nicht unbedingt ins Feuer legen würde: Der Schienenverkehr ist auf jeden Fall deutlich umweltschonender als der Individualverkehr auf dem Asphalt. Aber dieses Thema hatten wir im Artikel “Bahn als Ozonschleuder?” schon. :)

Navarri ist überzeugt davon, dass man noch mehr Leute auf die Schiene bringt, wenn man sich in den Bereichen Komfort, Klimatisierung, Platz und Passagierinformation Mühe gibt. Auf Hochgeschwindigkeitsstrecken sollen in erster Linie vorallem die Geschäftsreisenden angesprochen werden: “[Die nächste Generation von Hochgeschwindigkeitszügen] muss genauso komfortabel sein wie die Business-Class im Flugzeug. ”

Ein Hindernis für das weitere Wachstum des Schienenverkehrs sieht Navarri unter anderem bei der Personalsituation: “Ja, wir suchen Personal. Ich kann nicht sagen, wie viel es sein wird, aber es wird nicht einfach, genügend Ingenieure und Projektmanager zu finden. (…) Für uns wird qualifiziertes Personal der größte Engpassfaktor sein.” Dies gilt vermutlich nicht nur für Bombardier Transportation, sondern auch für die anderen Hersteller von Schienenfahrzeugen.

Wer gerade auf Jobsuche ist:

Das ganze Interview könnt ihr auf tagesspiegel.de lesen.

(via Zug & Eisenbahn Blog)


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{ 2 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }

Christian Hauser Oktober 20, 2008 um 18:45

Ich finde es gut, dass die Eisenbahn (noch) mehr Bedeutung bekommt… Im Moment ist es aber leider noch so, dass der Bahn-Boom für die SBB zum Teil zu stark ist (Überlastung der Züge…)

Aber im GROSSEN UND GANZEN finde ich es positiv!

Antworten

Sandra-Lia Oktober 20, 2008 um 22:11

ja, cool. Aber, eins stört mich an allen Großkonzerne. Alle weinen, es gäbe zu wenig ausgebildete, und niemand will ausbilden. (oder zu wenig!)

Aber sonst: Alles mit der Bahn :)

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